mini|Peter Oehme während seiner Jahre im Institut für Wirkstoffforschung|verweis=https://leibnizsozietaet.de/bericht-zum-medizinischen-abend-der-leibniz-sozietaet-am-29-oktober-in-schloss-biesdorf/#more-22752 Peter Oehme (* 5. Juni 1937 in Leipzig) ist ein deutscher Arzt und Pharmakologe. Von 1976 bis 1991 war er Direktor des von ihm gegründeten Instituts für Wirkstofforschung der Akademie der Wissenschaften der DDR in Berlin. Schwerpunkt seiner Arbeiten war das Neuropeptid Substanz P und seine Bedeutung für Adaptationsprozesse und das Stressgeschehen.

Kindheit und Jugend mini|links|Peter Oehme wurde in die 49. Volksschule in Leipzig-Schleußig, Rödelstraße 6 eingeschult; heute: Schule am Auwald (gegründet 1908, hier Sanierungsbeginn 2018) mini|Ehemalige Neue Oberschule in Berlin-Pankow, an der Peter Oehme 1955 Abiturient war; jetzt anderweitig genutzt (2004)

Peter Oehme wurde als einziges Kind des Mechanikermeisters Albert Oehme (1907–1992) und seiner Ehefrau Ruth Oehme, geb. Lemser (1910–1995) in Leipzig geboren. Dort wurde er 1943 in die 49. Volksschule eingeschult, die heutige „Schule am Auwald“ in Leipzig-Schleußig.Dirk Hanschke: „Uns’re Schule hat zwei Spitzen ...“ Geschichte(n) einer Schleußiger Schule. Satz und Layout: N. Rüffer, Druck: Messedruck Leipzig GmbH 2008.Mathias Orbeck: Magnet für viele Schleußiger. Bildungsstätte feiert 100. Geburtstag und bekommt heute den Namen "Schule am Auwald". In: Leipziger Volkszeitung. 16. April 2008. Nach den schweren Bombardierungen von Ende 1943 und Anfang 1944 erfolgte eine Evakuierung in das Dorf Börln westlich der Elbestadt Torgau, danach besuchte er die Neue Nikolaischule in Leipzig-Stötteritz.

1950 zog die Familie nach Berlin, wo Peter Oehme die Friedrich-List-Oberschule (jetzt Teil des Max-Delbrück-Gymnasiums) in Berlin-Pankow besuchte. Nach der 10. Klasse wechselte er in die Neue Oberschule, gleichfalls in Berlin-Pankow, dort legte er 1955 das Abitur ab. Diese Schule wird inzwischen anderweitig genutzt. Sein damaliger Klassenlehrer Siegfried Radlach, der Chemie und Biologie unterrichtete, beeinflusste wesentlich seine spätere Berufswahl. Mit Radlach, der 1956 nach West-Berlin übersiedelte und später im Kuratorium Unteilbares Deutschland engagiert war, bestanden nach der deutschen Wiedervereinigung wieder nähere Kontakte.P. Oehme: Fünf Jahrzehnte Forschung und Lehre in der Pharmakologie. Erlebtes und Gelebtes in der Wissenschaft. trafo Verlag Dr. Wolfgang Weist, Berlin 2006, ISBN 3-89626-582-2, S. 17–19.

Nach dem Abitur begann Peter Oehme 1955 ein Studium der Humanmedizin an der Humboldt-Universität zu Berlin (HUB). 1960 legte er das medizinische Staatsexamen an der Berliner Charité ab, 1962 erfolgte hier seine Promotion zum Doktor der Medizin (Dr. med.).

An der Charité mini|Pharmakologisches Institut der Humboldt-Universität, zur Zeit von Peter Oehme in der damaligen Clara-Zetkin-Straße, heute DorotheenstraßeP. Oehme: Fünf Jahrzehnte Forschung und Lehre in der Pharmakologie. trafo Verlag Dr. Wolfgang Weist, Berlin 2006, S. 27. 1961 begann Peter Oehme zuerst als Pflichtassistent und dann als Assistent im Institut für Pharmakologie und Toxikologie der HUB.W. Scheler, P. Oehme: Zwischen Arznei und Gesellschaft. Zum Leben und Wirken des Friedrich Jung. (= Abhandlungen der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin. Band 8). trafo Verlag, Berlin, 2002.P. Oehme, W. Scheler: Friedrich Karl Jung – wissenschaftliche Biographie. In: A. Philippu (Hrsg.): Geschichte und Wirken der pharmakologischen, klinisch-pharmakologischen und toxikologischen Institute im deutschsprachigen Raum. Band V: Autobiographien II und ausgewählte Biographien. Berenkamp Verlag, 2017, S. 261–264.P. Oehme: Das Wirken von Friedrich Jung in der Berliner Pharmakologie. In: J. Gross, G. Jacobasch, P. Oehme (Hrsg.): Sitzungsberichte der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin. Band 123/124, trafo Verlag, Berlin 2015, S. 29–44.

Direktor des Institutes war der Pharmakologe Friedrich Jung. In Personalunion leitete er das Pharmakologische Institut der Akademie der Wissenschaften in Berlin-Buch.P. Oehme, S. Oßwald: Einweihung der Jung-Büste im Wissenschaftsmuseum auf dem Campus Berlin-Buch. In: Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin, 2019. In beiden Instituten war die international am Beginn stehende Peptidforschung ein Schwerpunkt. Die Peptidforschung wurde für Peter Oehme in den Folgejahren sein wissenschaftliches Arbeitsfeld. Er baute die neuropharmakologischen Untersuchungen an Hydrazinosäuren und Hydrazinopeptiden aus. Diese wurden auch die Grundlage seiner 1967 erfolgten Habilitation an der Berliner Charité.

In der Lehre war Peter Oehme ebenfalls aktiv, 1963 übernahm er gemeinsam mit Else Ackermann die Vorlesung „Arzneiverordnungslehre“. Im Jahre 1966 erhielt er den Lehrauftrag für die Vorlesung „Klinische Pharmakologie“. Zu diesem Zeitpunkt existierte an der Charité weder ein solches Fachgebiet noch eine solche Vorlesung.F. Jung, P. Oehme, H. Rein: Arzneimittel und Gesellschaft. In: Abhandlungen der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Jg. 1971, Akademie-Verlag, Berlin 1971. 1968 wurde er zum nebenamtlichen Dozenten an der HUB ernannt. Aus dieser Zeit resultieren auch eine Reihe von Veröffentlichungen zu klinisch-pharmakologischen Themen.G. Brüschke, P. Oehme, F. H. Schulz: Über einige Probleme der Therapie im Greisenalter. In: Z. Alternsforschung. 22, 1969, S. 1–10.K. Janowski, P. Oehme, E. Göres: Neue Gesichtspunkte in der Plazebotherapie (Teil 3). In: medicamentum. 30, 1989, S. 2–4.P. Oehme, H. Richter: Gefährdung durch rezeptfreie Schlafmittel? In: Deutsches Gesundheitswesen. 22, 1967, S. 359–362.

1963 kam Peter Oehme in Kontakt mit dem populärwissenschaftlichen Schriftsteller Bernt Karger-Decker. Mit ihm gemeinsam wurden zwei Bücher verfasst: Gifte, Hexensalben, LiebestränkeB. Karger-Decker, P. Oehme (wiss. Mitarbeit): Gifte, Hexensalben, Liebestränke. Koehler und Amelang Verlag, Leipzig 1966. und Der Griff nach dem Gehirn.B. Karger-Decker, P. Oehme (wiss. Beratung und Mitarbeit): Der Griff nach dem Gehirn. Koehler und Amelang Verlag, Leipzig 1972. Diese Bücher erschienen 1966 bzw. 1972 im Koehler und Amelang Verlag in Leipzig.

Zusätzlich übernahm Peter Oehme ab 1966 Aufgaben am Pharmakologischen Institut in Berlin-Buch. Dort übertrug ihm Friedrich Jung 1966 die Leitung der Arbeitsgruppe „Spezielle Pharmakologie“. 1968 wurde er als Stellvertretender Direktor des Akademieinstitutes berufen. Damit begann eine Verlagerung seines Arbeitsortes von der Charité auf den Medizincampus nach Berlin-Buch.P. Oehme: Fünf Jahrzehnte Pharmakologie in bewegten Zeiten. In: Athineos Philippu (Hrsg.): Geschichte und Wirken der pharmakologischen, klinisch-pharmakologischen und toxikologischen Institute im deutschsprachigen Raum. Band IV: Autobiographien. Berenkamp Verlag, 2014, S. 521–531.

Auf dem Akademiecampus in Berlin-Buch Unmittelbar nach Beginn dieser Tätigkeit 1968 erklärte Oehme dem Bucher Direktorium seine Bereitschaft, eine Arbeitsgruppe aus jüngeren engagierten Bucher Wissenschaftlern zu bilden, die ein Konzept für das künftige Profil der Bucher Institute erarbeiten sollte. Das von der Gruppe erstellte „Hullerbusch-Konzept“ floss dann in die beginnende Akademiereform mit ein. Während der Akademiereform übernahm Peter Oehme von 1969 bis 1972 zeitweilig Leitungsaufgaben bei der Bildung des Forschungszentrums für Molekularbiologie und Medizin (FZMM). 1969 wurde Oehme Mitglied der SED, er hatte keine Parteifunktionen.P. Oehme: Fünf Jahrzehnte Forschung und Lehre in der Pharmakologie. Erlebtes und Gelebtes in der Wissenschaft. trafo Verlag Dr. Wolfgang Weist, Reihe Autobiografien, Band 25, Berlin 2006, ISBN 3-89626-582-2, S. 47–54.

Eine herbe Enttäuschung gab es für Oehme durch eine Maßnahme der damaligen Akademieleitung. Im Juli 1971 wurde vom Akademiepräsidenten Hermann Klare eine Arbeitsgruppe eingesetzt, um die Leitungstätigkeit des in Bildung befindlichen Forschungszentrums für Molekularbiologie und Medizin (FZMM) zu untersuchen. Das betraf auch seine, neben der wissenschaftlichen Arbeit, ausgeübten Aufgaben in der Leitung des FZMM. Die Arbeitsgruppe gelangte zu der grundsätzlichen Feststellung, dass die Verantwortung für eine Forschungsgruppe und gleichzeitig Leitungsverantwortung nicht vereinbar seien. Hieraus folgte dann seine Entscheidung für die Wissenschaft, Oehme bat also um Abberufung von seiner Leitungsfunktion und führte seine Forschungsgruppe weiter. Diesem Credo blieb er treu und lehnte später angebotene höhere Leitungsfunktionen in der Akademie und im Ministerium für Gesundheitswesen stets ab.

Die Probleme in Berlin-Buch, insbesondere die kritische Raumsituation, führten zu Überlegungen für einen Ortswechsel. Hierfür ergab sich ein Lösungsansatz im ca. 30 km entfernten Berlin-Friedrichsfelde, einem Teil des Stadtbezirks Berlin-Lichtenberg. Dort existierte das in „Abwicklung“ befindliche Akademieinstitut für vergleichende Pathologie. Die Belegungsdichte in den Laborräumen war gering und bot gute Möglichkeiten für eine weitere Nutzung. Nach einer Beratung von Peter Oehme mit den Mitarbeitern des pharmakologischen Institutes entschied sich der größte Teil dafür, nach Friedrichsfelde umzuziehen. Im Juni 1971 erfolgte der „Auszug“ der Bucher Pharmakologen und Peptidchemiker.

Am Institut für Wirkstoffforschung (IWF) mini|Hauptlaborgebäude des von Peter Oehme gegründeten IWF in Berlin-FriedrichsfeldeP. Oehme: Fünf Jahrzehnte Forschung und Lehre in der Pharmakologie. trafo Verlag Dr. Wolfgang Weist, Berlin 2006, S. 66. mini|Peter Oehme (li) zusammen mit dem Entdecker von Substanz P, Nobelpreisträger Ulf von Euler, auf dem Nobel-Symposium zu Substanz P in Stockholm (1976) mini|Peter Oehme überreicht auf dem III. Berliner Wirkstoffsymposium des IWF zum Thema „Peptide und Adaption“ die „Karl-Lohmann-Gedenkmedaille“ an Detlev Ganten (Heidelberg) und Oleg Gomazkov (Moskau)

Auf dem Friedrichsfelder Akademiegelände wurden seit 1971 neue und moderne Arbeitsrichtungen aufgebaut.P. Oehme, E. Göres, W. Rosenthal, D. Ganten: Pharmakologische Institutionen Berlin-Buch und Berlin-Friedrichsfelde. In: A. Philippu (Hrsg.): Geschichte und Wirken der pharmakologischen, klinisch-pharmakologischen und toxikologischen Institute im deutschsprachigen Raum. Band I, Berenkamp Verlag, 2004, S. 698–711. Hierzu gehörte die Theoretische Molekularpharmakologie (Rainer Franke) und eine moderne Zellzüchtung und Zellpharmakologie (Klaus-Dieter Jentzsch). Die Peptidsynthese wurde zu einer Wirkstoffsynthese mit zusätzlichen biopharmazeutischen und organisch-synthetischen Arbeiten erweitert (Hartmut Niedrich, Burkhard Mehlis, Michael Bienert). Auch das pharmakologische Arbeitsprofil wurde um neue Gebiete aus der ZNS-, Herz-Kreislauf- und Regulations-Pharmakologie (Elfriede Scheer, Hans Löwe, Jutta Bergmann, Peter Oehme) angereichert. Später erfolgte der Aufbau einer Immunpharmakologie (Heinrich Repke).

Damit war die Grundlage für ein interdisziplinär angelegtes Institut für Wirkstoffforschung (IWF) der Akademie der Wissenschaften der DDR (AdW) gelegt. Die offizielle Gründung des IWF erfolgte Anfang 1976. Peter Oehme wurde als Gründungsdirektor berufen und leitete zusätzlich eine Forschungsabteilung.

Später wurde eine Abteilung Entwicklung/Technikum (Klaus-Dieter Kaufmann) gebildet und in Zusammenarbeit mit dem in der Nähe liegenden Wilhelm-Griesinger-Krankenhaus eine kleine klinisch-pharmakologische Gruppe (Hellmut Landmann, Klaus Janowski) aufgebaut.