Die Geschichte der United States Army umfasst die Entwicklung der US-amerikanischen Landstreitkräfte, United States Army, vom Unabhängigkeitskrieg in den 1770er Jahren bis zur Gegenwart. Sie reicht bis in das Jahr 1774 zurück und gründet auf britischen Militärtraditionen. Die US Army war militärische Hauptstütze der territorialen Erschließung und Vereinigung der Vereinigten Staaten und entwickelte sich im 20. Jahrhundert zu einer der führenden Bodenstreitkräfte der Welt.

Vorgeschichte bis zum Ende des 18. Jahrhunderts mini|Chromolithographie zu den Indianerkriegen von 1899.

Die militärische Neuzeit auf nordamerikanischen Territorium begann mit der Ankunft der ersten Siedler im Jahre 1620. Gemäß ihrer Herkunft orientierten sich die Bewaffneten unter den Siedlern an britischen Militärtraditionen, mussten jedoch an neue Bedingungen anpassen. Dazu gehörte, dass die Ostküste im Unterschied zu Europa dünn besiedelt und dicht bewaldet war. Im Falle der Auseinandersetzung machten sich die Indianer den dichten Wald für Hinterhalte zunutze, anstatt dass sie, den Erwartungen der Siedler gemäß, sich in offene Feldschlachten begaben. Ebenso war ihre Kriegsführung nicht organisiert, bis auf kleine Zusammenschlüsse unter einem spontan auserwählten Anführer kamen weder Hierarchien noch strategische Gesamtkonzepte zustande. Die Indianerstämme lernten jedoch schnell den Wert der Musketen zu schätzen, die sie mit den Siedlern gegen dort begehrte Felle eintauschten.

Vor dem Hintergrund dieser wiederkehrenden Auseinandersetzung mit den Indianern passten sich die weißen Siedler an die Taktiken ihrer Gegner an und gingen ebenfalls dazu über, Hinterhalte zu legen. Zudem profitierten sie von der Unkenntnis der Indianer über Wachtposten und Nachtwachen. Später gingen die Siedler dazu über, sich kollektiv zu verteidigen, indem sie entlang der durch die Besiedlung konsolidierten Grenzen Forts errichteten. Das Milizsystem, das sich im britischen Mutterland nach der gewaltsamen inneren Konsolidierung durch Oliver Cromwell und die Zuwendung zur europäischen Prestigepolitik als zunehmend untauglich erwies, erfuhr in Nordamerika eine Renaissance, weil es in Zusammenhang zu einer lockeren Organisation, den neuen Taktiken und seinem Ursprung im britischen Ritterwesen individuellen Einsatz und individuelle Verantwortung betonte.

Auf diese Zeit geht auch das Wort Ranger zurück, denn zur Zeit der Indianerkriege (ab ca. 1622) gab es Berufssoldaten, die die Truppenbewegungen der Indianer von Beobachtungsposten und Forts aus beobachten sollten (von engl. to range, zu dt. hier etwa: „sich erstrecken“, aber auch „vermessen“, „erkunden“).„In the fledgling years of Colonial America, the colonist found themselves in a strange new land that to them seemed vast, overwhelming, uncharted and unknown. These early Americans chose the bravest of their numbers to “Range” out into the new frontier and explore, map and report what they found. These were the first Rangers.“, nach Auch die Funktion der heutigen US Army Rangers erklärt sich durch dieses Wort, denn in offensiven Einsätzen sollten die Rangers als schnelle Aufklärer dienen und Scharmützel anzetteln, ähnlich wie die heutige Truppe vor allem schnell sein und als Vorhut dienen soll. 1747 gründete die Britische Krone die erste stehende Einheit auf amerikanischem Boden, die His Majesty’s first Independent Company of American Rangers bestand ausschließlich aus Männern aus den Kolonien. Aus ihren Einsätzen lernte diese Einheit schnell von den Franzosen und von den Taktiken der Indianer, wie z. B. den Hinterhalt oder der Kampf im Wald, denn diese waren zuvor nicht gebräuchlich. Sie kämpften in ihrer Heimat auch im Krieg gegen die Franzosen.

Aufstellung mini|George Washington und Lafayette im Forge-Tal. Kopie eines Gemäldes von John Ward Dunsmore aus dem Jahre 1907. Am 14. Juni 1775, nach Ausbruch des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges, hob der Kontinentalkongress zehn Kompanien für Operationen zu Lande aus.„The June 14 date is when Congress adopted ‚the American continental army‘ after reaching a consensus position in The Committee of the Whole. This procedure and the desire for secrecy account for the sparseness of the official journal entries for the day.“ In: history.army.mil, zit. nach: Robert Wright: The Continental Army, Center of Military History, Washington, D.C. 1983, Seite 23f. Zugriff am 6. April 2008. Er ernannte am Tag darauf George Washington zum Oberbefehlshaber der Kontinentalarmee„The Congress then proceeded to the choice of a general, //by ballot,// when George Washington, Esq. was unanimously elected.“ Journals of Congress. Center for Military History. Zugriff am 6. April 2008, zitiert nach: Ford, Worthington Chauncey (Hrsg.): Journals of the Continental Congress 1774–1789. Band II (10. Mai – 20. September 1775). United States Government Printing Office, Washington D.C 1905. Seite 91. die für die bisher unorganisierten Milizen und Freiwilligen eine Kommandostruktur bieten sollte. Sie war zu diesem Zweck in sechs regionale Departements eingeteilt. Der Kontinentalarmee stand ein erfahrenes, gut organisiertes und ausgerüstetes Kontingent der britischen Krone mit Unterstützung hessischer Söldner gegenüber. Den amerikanischen Kräften gelang es, solange einen vernichtenden Schlag der königlichen Truppen zu vermeiden, bis nach und nach die diplomatisch gewonnene Unterstützung griff. Der preußische General von Steuben verbesserte Organisation und Ausbildung der Kolonistentruppen, während der Franzose Beaumarchais die Bewaffnung entscheidend verbesserte. Derart verstärkt, begegneten die Amerikaner den Briten zunehmend in offener Feldschlacht. Deren Position verschlechterte sich durch Versorgungsschwierigkeiten und die Zerstreuung der Truppen in der Region zunehmend, sodass sie den Krieg verloren. Das erste Regiment des stehenden Heeres entstand am 17. Juni 1784. Bis 1781 wurde die Army von einem Gremium (Board of War and Ordinance) geleitet, bevor sich die Gründung eines Ministeriums, das zunächst US Army War Department hieß, als vorteilhafter erwies. Bis zur endgültigen Abwehr der Briten starben 4.000 Heeresmitglieder. Thomas Jefferson gründete 1802 die bekannte, in West Point, New York, gelegene United States Military Academy. Sie war in den USA die erste ihrer Art und wurde auf einem der strategisch wichtigsten Vorposten des Krieges errichtet. Die US Military Academy brachte viele militärische und politische Führungspersönlichkeiten in jeder historischen Epoche des Landes hervor, unter anderem Ulysses Simpson Grant und Dwight Eisenhower.

Ausführung der amerikanischen Indianerpolitik Anfang 1790 wurde General Arthur St. Clair mit der Gebietsgewinnung im Gebiet der heutigen US-Bundesstaaten Indiana und Ohio und damit mit der systematischen Vertreibung der dortigen Indianer beauftragt. Dies dauerte insgesamt fünf Jahre, da St. Clair zusätzlich Befestigungen und eine bleibende militärische Infrastruktur aufbaute. Insgesamt vertrieb die Army noch bis 1891 Indianer aus ihren Siedlungsgebieten. Im Gegensatz dazu leitet die US Army ihre Tradition z. T. auch von den Indianern ab, wie z. B. die Benennung ihrer Hubschrauber.

19. Jahrhundert Britisch-Amerikanischer Krieg von 1812

Im Nachgang des Unabhängigkeitskrieges nutzte die britische Krone ihre Seemacht dazu, der jungen nordamerikanischen Nation ihre Verwundbarkeit zur See zu demonstrieren. Trotz der im Jahr 1802 von US-Präsident James Monroe verkündeten Monroe-Doktrin, die getrennte Interessensphären Europas von denen der Neuen Welt und gegenseitige Nichteinmischung proklamierte, rekrutierte die Royal Navy weiterhin amerikanische Seeleute, griff auf amerikanische Schiffe über und behinderte den Überseehandel der USA. Diese Ereignisse nahm der damalige Präsident James Madison am 18. Juni 1812 zum Anlass, Großbritannien den Krieg zu erklären, mit dem Ziel, den Osten Kanadas zu erobern. Ebenso wie die Marine war auch das Heer dem britischen Gegenüber unterlegen, spekulierte jedoch auf den Überraschungseffekt, die Ortskenntnis und den stärkeren politischen Willen.

Die meisten Kämpfe zwischen den beiden Nationen fanden an der Grenze zwischen den USA und dem heutigen Kanada und in der Gegend der Chesapeake Bay statt. Es gelang den zunächst desorganisierten und schlecht ausgerüsteten Amerikanern jedoch nicht, einen entscheidenden Sieg über die Briten zu erringen, obwohl das Heer sich im Laufe des Krieges professionalisierte. Zum ersten Mal spielten Artillerieeinheiten der Army eine gewichtige Rolle in den Schlachten. Das Ziel, Nordamerika endgültig von den mittlerweile verhassten Briten zu befreien, wurde nicht erreicht, die geplante britische Eroberung von Baltimore und New Orleans (letztere mit Hilfe der Franzosen) hingegen abgewendet. Ein weitaus massiverer Einsatz der Briten in Nordamerika war allerdings zu befürchten, sodass der Frieden von Gent geschlossen wurde. Es hatten fast 290.000 Mann im Krieg gegen die Briten gedient, 2.000 Army-Soldaten starben. Mexikanisch-Amerikanischer Krieg

mini|Belagerung von Veracruz im März 1847. Lithographie nach einem Gemälde von Carl Nebel Bis zu den 1840ern war die Army eine kleine, aber schlagkräftige Bodenstreitkraft geworden. In dieser Zeit machten die Vereinigten Staaten Gebietsansprüche gegenüber Mexiko geltend, nachdem sie Texas 1845 in die Union aufgenommen hatten, welches sich 1836 für unabhängig erklärt hatte. In der militärischen Auseinandersetzung mit dem südlichen Nachbarn, die von 1846 bis 1848 andauerte, eroberte die Army nicht nur die restlichen Gebiete von Texas, sondern auch die Region des heutigen US-Bundesstaates New Mexico. Es war der erste Einsatz des Heeres, der überwiegend auf fremdem Territorium stattfand. Die Entfernung vom bisherigen Staatsgebiet stellte während der Kämpfe eine gewaltige logistische Herausforderung für die noch junge Streitmacht dar und machte nach der Kapitulation der Mexikaner die erste jemals von den USA eingesetzte Militärverwaltung erforderlich. Im direkten Vergleich waren die Mexikaner zwar zahlenmäßig überlegen, demgegenüber verfügte die Army jedoch über eine effiziente Artillerie und überlegene Taktiken. Die territoriale Bedrängung der Navajo ging mit dem laufenden Krieg Hand in Hand, hielt jedoch bis 1853 an. Von 79.000 gedienten Heeressoldaten starben 1.700 im Kampf und 11.601 an anderen Ursachen.

Amerikanischer Bürgerkrieg

Die im Jahre 1861 angegangene Sezession der Konföderierten Staaten zerriss das Heer ebenso wie das übrige Militär und die Gesellschaft der Vereinigten Staaten im Allgemeinen. Viele bekannte und erfahrene Offiziere des Heeres wie Lee und Grant, die teilweise Jahrzehnte in Kameradschaft gedient hatten, traten gegeneinander an. mini|links|Befehlshaber der Army of the Potomac v. li. n. re., soweit identifiziert: Burnside, Hancock, Couch, Ferro, Patrick, Wilcox, Cochrane, Buford. Für den Bürgerkrieg mussten beide Seiten, aufgrund der unzureichenden Größe der Teile des gespaltenen Nationalheeres, ihre Armeen von Grund auf neu aufbauen. Vor dem Hintergrund, dass der Sezessionskrieg der erste militärische Konflikt im jungen Industriezeitalter darstellte, veränderte sich die Kriegsführung auf beiden Seiten stark. Während technische Verbesserungen an den Vorderladern und den Artilleriekanonen den Anwendern Vorteile hinsichtlich der Zuverlässigkeit und der Trefferquote mit sich brachten, stellten sie für bestimmte Waffengattungen wie die Infanterie und die Kavallerie eine besondere Bedrohung dar, die ihren entsprechenden Blutzoll forderten. Die Schlacht von Shiloh forderte daher mehr Menschenleben als der gesamte Unabhängigkeitskrieg. Darüber hinaus vertraute die United States Army ebenso wie ihr Gegenstück zum ersten Mal auf die massive Verlegung von Truppen per Eisenbahn. Die Wehrpflicht unterstützte beide Seiten in ihrem Aufbau von Massenheeren.