Die Südtiroloffensive (auch Maioffensive, Frühjahrsoffensive oder Schlacht von Asiago) war eine Angriffsoperation der österreichisch-ungarischen Armee im Ersten Weltkrieg an der Front gegen Italien. Die Offensive mit der Hauptstoßrichtung über die Sieben Gemeinden begann am 15. Mai 1916. Zweck war der Versuch, in Richtung Padua – Venedig vorzustoßen, die italienischen Kräfte östlich des Piave einzukesseln und so die schwer bedrängte Isonzofront zu neutralisieren oder zumindest zu entlasten. Letzteres gelang, wenn auch nur vorübergehend.

Vorgeschichte

Ausgangslage Noch vor dem sich abzeichnenden Kriegseintritt Italiens am 23. Mai 1915 sah sich das österreichisch-ungarische Armeeoberkommando aus Mangel an Abwehrkräften gezwungen, die Frontlinie nicht an der Reichsgrenze stehen zu lassen, sondern sie auf eine verkürzte Linie zurückzunehmen. Östlich von Rovereto wurde das ganze Pasubio-Massiv mitsamt der beiden das Massiv im Norden und Süden eingrenzenden Täler Terragnolo und Vallarsa aufgegeben. Damit gingen die beiden Passübergänge nach Venetien, Pian delle Fugazze im Vallarsa und Borcola im Terragnolotal, ebenso verloren, wie das nicht vollendete Festungswerk Valmorbia im Vallarsa und der auf der anderen Talseite gelegene flankierende Stützpunkt Matassone. Südlich von Rovereto wurde der zwischen Vallarsa und Etschtal gelegene Zugnarücken geräumt und die neue Hauptwiderstandslinie, die als Tiroler Verteidigungslinie bezeichnet wurde, am Stadtrand von Rovereto zwischen Doss Zuech im Südosten und Monte Ghello im Nordosten eingerichtet. Von hier aus verlief sie dann über den Nordrand des Terragonaltals, Monte Finocchio, Werk Serrada und weiter entlang der Befestigungslinie bis zum Posten Vezzena, von dort in das Valsugana bei Novaledo absteigend.Viktor Schemfil: Die Pasubio-Kämpfe, S. 10.

Am 24. Mai begannen erste massive italienische Angriffe mit Artillerie, später auch mit Infanterie gegen den Festungsriegel auf der Hochfläche von Folgaria/Lavarone. Insbesondere im Abschnitt Lavarone mit den drei Festungswerken Lusern, Verle und Vezzena wurden mehrere intensive Durchbruchsversuche unternommen, die von den hier eingesetzten k. u. k. Truppen des zweiten Aufgebots (Landsturm, Standschützen, Marschbataillone) nur unter größten Schwierigkeiten abgewiesen werden konnten.

Anstatt diesen Frontabschnitt zu verstärken und die Italiener unter sehr hohen Verlusten weiter dagegen anrennen zu lassen, glaubte man, diese Gefahr durch einen Gegenangriff bannen zu müssen. Gestärkt durch die Siege in Russisch-Polen, gegen Serbien und die Abwehrerfolge am Isonzo sah die österreichisch-ungarische Militärführung den Zeitpunkt für einen entscheidenden Schlag gegen Italien als gegeben an.Österreich-Ungarns letzter Krieg. Band IV, S. 198. Ein Erfolg dieser Operation hätte Italien, das zu diesem Zeitpunkt nicht mit alliierter Hilfe in nennenswertem Umfang rechnen konnte und das allein nicht in der Lage gewesen wäre, diese Verluste auszugleichen, neutralisiert und es wären österreichische Truppen für den Kampf an der Westfront freigesetzt worden – wie es das strategische Konzept der Verbündeten ursprünglich auch vorgesehen hatte. Ein solches Vorgehen gegen Italien konnte jedoch nur mit deutscher Unterstützung gelingen, weswegen der österreichisch-ungarische Generalstabschef Franz Conrad von Hötzendorf im Winter 1915 seine Pläne der deutschen Obersten Heeresleitung vortrug und um Unterstützung nachsuchte. Der deutsche Generalstabschef Erich von Falkenhayn sah sich dazu jedoch nicht in der Lage, da er bereits mitten in den Vorbereitungen für den Angriff auf Verdun begriffen war und meinte, keine Truppen freistellen zu können. Die Animositäten zwischen den beiden Generalstabschefs führten zu offenen Verstimmungen und bei Conrad von Hötzendorf zu der Ansicht, dass man es dann eben allein durchziehen müsse (was auf der Ebene der Brigade- und Divisionskommandanten bereits verschiedentlich auf Ablehnung stieß, da man hier die Situation realistischer einschätzte). Einzig der Abzug einiger kampfstarker österreichisch-ungarischer Verbände aus der gemeinsamen Ost- und Südwestfront und deren Ersatz durch Truppen der zweiten Kategorie bzw. durch bulgarische Einheiten konnte beim deutschen Oberkommando erreicht werden. Man hoffte allerdings auf der höchsten Kommandoebene, Italien alleine schlagen zu können.

Österreichische Planungen mini|hochkant|Kommandant der 11. Armee – Generaloberst Dankl (hier noch als Feldmarschalleutnant) Mitte Februar 1916 begannen die ersten Planungen und Vorbereitungen. Am Sitz des Armeeoberkommandos (AOK) in Teschen wurde ein Austauschplan für die Herauslösung der Kampftruppen aus dem Osten erarbeitet und umgesetzt. Betroffen hiervon waren die Heeresgruppen der Ostfront, außerdem die 5. Armee (am Isonzo) und die in Kärnten stehende 10. Armee. Die Leitung der Gesamtoperation oblag dem Kommando der Südwestfront in Marburg unter Generaloberst Erzherzog Eugen. Zur Führung des Hauptstoßes wurde eine 11. Armee unter dem Kommando des Landesverteidigungskommandanten von Tirol, Generaloberst Dankl neu errichtet. Die aus dem Angriffsbereich ausgegliederten Bereiche vom Ortler bis zum Gardasee, des Fassa- und Pustertals sowie der Dolomitenfront verblieben unter Befehl des Landesverteidigungskommandos, dessen Führung der ehemalige Kommandant des aufgelösten XIV. Korps, General der Infanterie Roth übernahm.

Als Reserve wurde die von Balkan heranzuführende 3. Armee (Generaloberst Kövess) bestimmt, die gegebenenfalls in den Angriffskeil nachstoßen und diesen erweitern sollte. Die erste Angriffswelle bestand aus folgenden Verbänden: III. Korps (Kommandant General der Infanterie Krautwald von Annau) mit der 22. Landwehr-Infanterietruppendivisionab 1917: Landesschützendivision und der 6. und 28. Infanterie-Truppendivision InfRgt Nr. 96 – InfRgt Nr. 87 – InfRgt Nr. 47 – LdwInfRgt Nr. 37 – Feldjäger Baon Nr. 7 – Feldjäger Baon Nr. 22 – Feldjäger Baon Nr. 24 – Feldjäger Baon Nr. 11 – k.k. LandesschtzRgt Nr. I – k.k. LandesschtzRgt Nr. II – k.k. LandesschtzRgt Nr. III – Bosnisch-Hercegowinisches InfRgt Nr. 2 (insgesamt 39 Infanterie-Bataillone)

VIII. Korps (Kommandant FeldmarschalleutnantSchreibweise der k.u.k. Militäradministratur bis 1918, jedoch seit der Rechtschreibreform von 1996 als Feldmarschallleutnant bezeichnet von Scheuchenstuel) mit der 57. und 59. Infanterie-Truppendivision InfRgt Nr. 92 – InfRgt Nr. 93 – InfRgt Nr. 90 – InfRgt Nr. 52 – InfRgt Nr. 48 – Bosnisch-Hercegowinisches InfRgt Nr. 1 – Bosnisch-Hercegowinisches InfRgt Nr. 3 (insgesamt 20 Infanterie-Bataillone)

XX. Korps (Kommandant Feldmarschalleutnant Erzherzog-Thronfolger Karl) mit der 3. und 8. Infanterietruppendivision Kaiserjäger Rgt Nr. 1 – Kaiserjäger Rgt Nr. 2 – Kaiserjäger Rgt Nr. 3 – Kaiserjäger Rgt Nr. 4 – InfRgt Nr. 21 – InfRgt Nr. 7 – InfRgt Nr. 14 – InfRgt Nr. 50 – InfRgt Nr. 59 (insgesamt 32 Infanterie-Bataillone)

XVII. Korps (Kommandant General der Infanterie Křitek) mit der 18. und 48. Infanterie-Truppendivision sowie der 181. Infanterie-Brigade (zusammen 26 Infanteriebataillone) (Das XVII. Korps gehörte ursprünglich nicht zum 1. Treffen, sondern zur 3. Armee und somit zu den nachstoßenden Verbänden. Die 3. Armee griff erst am 20. Mai in die Kämpfe ein.) Allerdings wurde die 18. ITD (Infanterieregiment Nr. 73 und Landwehr-Infanterieregiment Nr. 3) bereits vorab im Valsugana eingesetzt und die 48. ITD in die Angriffsoperationen auf dem rechten Flügel eingebunden.) mini|hochkant|Kommandant der 3. Armee Generaloberst Hermann Kövess von Kövesshaza (hier noch als General der Infanterie) Aufgeboten wurden insgesamt (mit dem zweiten Treffen) 14 Infanterie-Truppendivisionen und 64 Artillerie-Batterien zum Teil schwersten Kalibers. (Durch das ständige Verschieben von einzelnen Einheiten wurde diese Schlachtordnung binnen kürzester Zeit aufgeweicht und entsprach bereits nach einigen Tagen nicht mehr der ursprünglichen Aufstellung.)

Die Operation erfolgte mit großer Präzision und unter (wie man meinte) größtmöglicher Geheimhaltung. Es gelang allerdings, die Details des beabsichtigten Angriffs bis zuletzt vor den feindlichen Nachrichtendiensten geheim zu halten, indem man auch in der eigenen Truppe bis zu den einzelnen Führungsstäben zunächst nichts verlauten ließ, da die Unterwanderung der militärischen Dienststellen mit Spionen der Gegenseite als sicher anzunehmen war. Das Kommando der Südwestfront wurde zu allergrößtem Stillschweigen verpflichtet, die Truppenverschiebungen mit einer neuen Offensive gegen Russland erklärt. Erst Ende März erfuhren die Armeekommandanten von den Absichten des Generalstabes, wobei das Kriegsministerium bezeichnenderweise als letztes unterrichtet wurde. Die schwere und schwerste Artillerie wurde unter dem Deckmantel der Neuarmierung der Festung Trient in die Einsatzbereiche transportiert und die Umsiedlung des Kommandostabes von Marburg nach Bozen als Verlegung nach Laibach getarnt.

Österreichischer Aufmarsch Die Einfahrt der Transportzüge mit Truppen und Versorgungsgütern in das Etschtal auf den ohnehin überlasteten Bahnstrecken geschah aus Tarnungsgründen auf abenteuerlichen Umwegen. Die Züge aus Russisch-Polen, Galizien, Südserbien und Montenegro fuhren bis Triest, dann den Isonzo hinauf, durch Krain, die Steiermark, Kärnten, um dann von Spittal an der Drau gegen Franzensfeste zu laufen. Andere Züge wurden durch die Slowakei, und Oberösterreich, über Schwarzach-St. Veit, Wörgl und Innsbruck über den Brennerpass geleitet. In Franzensfeste transportierte die Südbahn die von der Ostfront und der Südwestfront anrollenden Züge weiter nach Bozen und die weiter südlich gelegenen Entladebahnhöfe von Matarello, Calliano und Rovereto im Etschtal, sowie nach Pergine, Caldonazzo und Levico im Suganertal (Val Sugana). Hier musste die Truppe wegen der Enge des Geländes bis kurz vor dem Angriffstermin zunächst auf die höher liegenden Täler verteilt werden.E. Wißhaupt: Die Tiroler Kaiserjäger im Weltkrieg 1914–1918. Band II, S. 152 ff.

Der Marsch in die Bereitstellungsräume erfolgte vom Etschtal aus für Truppen und Train über das Werk Serrada, über Folgaria und Vattaro auf die Hochfläche von Lavarone, während für die Verbände aus dem Val Sugana lediglich die Straße zum Monte Rover und ein Steig durch das Valle Pisciavacca zur Verfügung standen. Das alles wurde in der Hoffnung durchgeführt, die Aufmerksamkeit des Gegners nicht zu wecken. Inwieweit das gelungen ist, muss dahingestellt bleiben; insbesondere mehrere österreichische Überläufer (General Capello erwähnt in seinem 1927 erschienenen Erinnerungen Noti di Guerra mindestens vier, darunter einen Bauwerkmeister, der sich als Ingenieur ausgegeben habe) brachten diesbezügliche Informationen auf die gegnerische Seite. Nach dort auftauchenden Gerüchten setzten sich groteskerweise sofort eine nicht näher zu bestimmende Anzahl von italienischen Soldaten zu den Österreichern ab. Es handelte sich hierbei um Angehörige des 63., 64., 79. und 80. Infanterie-Regiments sowie der Alpini-Bataillone Val Leogra und Vicenza des 6. Alpini-Regiments.

Italienische Verteidigungsvorbereitungen mini|Zerstörtes Forte Monte Verena

Nachdem das Comando Supremo die Gesamtlage mit der Bedrohung im Rücken seiner Isonzo-Streitkräfte erkannt hatte, wurde bereits am 28. Januar 1916 eine Studie für den Fall einer österreichisch-ungarischen Großoffensive im Frühjahr aus dem Norden heraus erstellt.Österreich-Ungarns letzter Krieg Band IV S. 198. Die beiden Führer der italienischen Armeen an der Südtiroler Front begannen daraufhin unverzüglich mehrmals bei Generalstabschef Cadorna in Udine Verstärkungen anzufordern. Dieser lehnte jedoch jegliche Art von Truppenverschiebungen ab, da er die Maßnahmen des k. u. k. Armeeoberkommandos lediglich als Täuschungsmanöver ansah. Nichtsdestoweniger ordnete er den weiteren Ausbau der Verteidigungslinien an und erteilte die Erlaubnis, die Front zu begradigen. Stark exponierte Stellungen wurden aufgegeben und zurückgenommen.