Petuschki (, wissenschaftliche Transliteration Petuški) ist eine Stadt in der Oblast Wladimir (Russland) mit Einwohnern (Stand ).
Geografie Die Stadt liegt 120 km entfernt von der russischen Hauptstadt Moskau sowie etwa 70 km westlich der Oblasthauptstadt Wladimir links der Kljasma, eines linken Nebenflusses der in die Wolga mündenden Oka.
Petuschki ist Verwaltungszentrum des gleichnamigen Rajons.
Geschichte Nahe dem seit 1678 bekannten Dorf Petuschki (in Folge Staryje Petuschki, Alt-Petuschki) wurde 1861 eine gleichnamige Bahnstation an der Strecke Moskau–Nischni Nowgorod errichtet, um welche eine Stationssiedlung entstand. Der Name stellt die russische Pluralform für Hähnchen dar (siehe Stadtwappen). Der genaue Grund für den Namen ist unbekannt; vermutlich ist er vom relativ verbreiteten Familiennamen Petuschkow abgeleitet.
1926 wurde der Stationssiedlung der Status einer Siedlung städtischen Typs als Nowyje Petuschki (Neu-Petuschki) verliehen. 1929 wurde der Ort Verwaltungszentrum eines Rajons.
Am 11. November 1965 wurden Siedlung und altes Dorf zusammengeschlossen und das Stadtrecht verliehen.
Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1905 1.226 1939 5.936 1959 11.475 1970 12.862 1979 17.602 1989 20.144 2002 16.482 2010 15.148 Anmerkung: ab 1939 Volkszählungsdaten
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|links|Schuchow-Wasserturm am Bahnhof Petuschki In Petuschki steht die 1910 geweihte Mariä-Himmelfahrts-Kirche (/Swjato-Uspenskaja zerkow) im „pseudorussischen“ Stil. Der Wasserturm des Bahnhofs stellt eine der acht in Russland erhaltenen Hyperboloid-Konstruktionen Wladimir Schuchows dar.
Die Stadt besitzt ein Heimatmuseum (Krajewedtscheski musei) sowie seit 1997 ein Hahnenmuseum (Musei Petucha), welches hauptsächlich der Darstellung von Hähnen in Malerei und Volkskunst gewidmet ist.
In der Nähe von Petuschki liegen die ehemaligen Landsitze der Adelsfamilie Woronzow-Daschkow aus dem 18. Jahrhundert sowie der Gutsbesitzerin Karpowa aus dem 19. Jahrhundert.
Besondere Bekanntheit erlangte Petuschki durch Wenedikt Jerofejews 1970 im Samisdat erschienenes Kultwerk Die Reise nach Petuschki (Moskau–Petuschki), welches vordergründig die Fahrt eines Säufers mit einer Elektritschka von Moskau nach Petuschki erzählt und dabei die sowjetische Realität mit sarkastischem Humor in düsteren Tönen darstellt, wobei Petuschki auch als Sinnbild eines verlorenen „Provinznestes“ oder aber Zufluchtsort vor der lebendigen Hauptstadt Moskau verstanden werden kann.
Wirtschaft und Infrastruktur mini|Bahnhof Petuschki In Petuschki gibt es eine elektrotechnische (Steuer- und Messtechnik) und eine Textilfabrik sowie Betriebe der holzverarbeitenden und Lebensmittelindustrie (Schokoladenfabrik der Firma Stollwerck Rus sowie eine Ferrero-Fabrik) und der Baumaterialienwirtschaft.
Die Stadt liegt an der 1862 durchgehend eröffneten Eisenbahnstrecke Moskau–Nischni Nowgorod (Streckenkilometer 126), auf der heute ein Großteil der Züge der Transsibirischen Eisenbahn auf ihrem westlichen Abschnitt ab Moskau verkehrt. Petuschki ist Endstation für die meisten Vorortzüge von Moskau in Richtung Wladimir und (neben Orechowo-Sujewo) Haltestelle der Schnellzüge Moskau–Wladimir.
Durch Petuschki führt auch die Fernstraße M7 Moskau–Nischni Nowgorod–Kasan–Perm/Ufa (Teil der Europastraße 22).
Einzelnachweise
Weblinks
Webseite der Rajon- und Stadtverwaltung (russisch) Petuschki auf mojgorod.ru (russisch)
Kategorie:Ort in der Oblast Wladimir Kategorie:Stadtrechtsverleihung 1965