Die Rewe Group (Eigenschreibweise: REWE GROUP) mit Sitz in Köln ist ein international tätiges Handels- und Touristikunternehmen mit genossenschaftlichen Strukturen.Eduard Mändle, Markus Mändle: REWE Group. In: Gabler Wirtschaftslexikon, abgerufen am 22. Februar 2023. Rewe ist ein Akronym aus Revisionsverband der Westkauf-Genossenschaften. Die Rewe-Zentralfinanz eG bildet die Holding; die operativen Geschäfte werden über die Tochtergesellschaft Rewe-Zentral-GmbH gesteuert; das internationale Geschäft ist unter dem Dach von Rewe International gebündelt. Die Gruppe hat ihre Geschäfte in sechs Geschäftsfeldern organisiert. Zu den Vertriebsmarken gehören beispielsweise Billa, Bipa, ADEG, Penny, Rewe, Toom, DERTOUR und ITS Reisen sowie Lekkerland.
Geschichte 1927–1945 1927 nahm der Revisionsverband der Westkauf-Genossenschaften (kurz Rewe) in Köln die Arbeit auf. Sein Zweck war die Förderung des Geschäfts selbstständiger Kaufleute durch den gemeinschaftlichen Einkauf von Waren zu wettbewerbsfähigen Konditionen. Der Gründung vorausgegangen war 1926 der Zusammenschluss von 17 Einkaufsgemeinschaften der Kölner Region, sie hatten eine zentrale Einkaufsstelle errichtet.M. L. Cohen, updated by David Petechuk: REWE-Zentral AG In: International Directory of Company Histories, Vol. 269. St. James Press, Farmington Hills, Michigan, 2024, S. 375–378. Zu den am häufigsten gehandelten Produkten der ersten Jahre zählten Haselnüsse, getrocknete Aprikosen und Rosinen. Um sich zusätzliche Vorteile im Wettbewerb zu sichern, begannen Einkaufsgenossenschaften in den 1930er Jahren, Einfluss auf die angeschlossenen Händler hinsichtlich der Ladenausstattung und Werbung zu nehmen. Vor diesem Hintergrund führte man im Jahr 1932 einen einheitlichen Schriftzug ein.
1935 schlossen sich mehrere Einkaufsgenossenschaften aus Mitteldeutschland Rewe an. Um weiteres Wachstum zu ermöglichen, wurden Bezirkszentralen gebildet, die bis heute das Rückgrat von Rewe bilden. In den 1930er Jahren wuchs Rewe immer stärker außerhalb des angestammten rheinisch-westfälischen Wirtschaftsraums; 1940 erreichte die Zahl der Genossenschaften (106) und ihrer Mitglieder (rund 8000) einen vorläufigen Höchststand. Der Zweite Weltkrieg bedeutete eine Zäsur für die Handelsgruppe, da wichtige Waren nur noch schwer zu beschaffen waren und viele Kaufleute zum Kriegsdienst an die Front mussten. Um die Probleme im angestammten Geschäft zu kompensieren, verlagerte Rewe seine Aktivitäten auf die Produktion. Im weiteren Verlauf wurden wichtige Teile der Verwaltung durch Bombenangriffe zerstört, sodass Rewe zum Kriegsende nahezu handlungsunfähig war.
1946–1972 mini|Geschäftsanteil über 500 DM an der Rewe Lebensmittel-Großhandel eGmbH vom 20. Juli 1956 Nach Kriegsende nahm Rewe im August 1945 den Geschäftsbetrieb wieder auf. Nachdem zu Kriegszeiten die Zentrale aufgrund der damals näher rückenden Front nach Fredeburg und Bödefeld verlegt worden war, kehrte Rewe nun zum Neubeginn nach Köln zurück. Durch die Aufteilung Deutschlands in Besatzungszonen war die Arbeit zunächst stark eingeschränkt, erst allmählich entstanden Zweigstellen in Westdeutschland und West-Berlin. Nicht alle Anbieter von Markenwaren konnten den Bedarf an Grundnahrungsmitteln decken, Probleme gab es unter anderem bei der Beschaffung von Zucker. Dies war einer der Gründe für die Einführung der ersten Handelsmarken im Jahr 1949. Unter der Marke Rewe Dreistern wurden Mehl, Rieselsalz und Tafelöl, unter Rewe Kronjuwel Margarine angeboten. 1947 entstand zudem mit der Rewe-Zentralimport eine Importtochter. Später folgten Großhandel und Export. Ergänzend richtete die Genossenschaft einen Kreditbereich für Mitglieder ein. Im Zuge des Wiederaufbaus stellte sich Rewe dezentraler auf. 1960 verzeichnete Rewe erstmals wieder über 100 Mitgliedsunternehmen.
Diverse Übernahmen von Supermärkten und Ketten in den 1960er und 1970er Jahren führten zu einer großen Vielfalt von Marken und Formaten. Vor dem Hintergrund der Konsolidierung des Lebensmittelhandels in Deutschland gab es 1971 Gespräche zwischen Rewe und Edeka über eine Fusion. Beide hätten gemeinsam rund ein Viertel des Marktes abgedeckt. Das Vorhaben wurde letztendlich jedoch nicht realisiert, unter anderem aufgrund kartellrechtlicher Bedenken. Nachdem die bisher weitgehend selbstständigen Regionalgenossenschaften bereits 1968 alle wichtigen Managementfunktionen an die Rewe-Zentrale abgetreten hatten, führte man 1972 das bis heute verwendete Partnerschaftsmodell ein. Die in eine Aktiengesellschaft umgewandelte Zentrale, deren Aktionäre die Großhandlungen sind, übernahm beispielsweise die Verkaufsförderung und andere zentrale Dienstleistungen. Sie erhielt so erheblich mehr Bedeutung. Der genossenschaftliche Prüfungsverband wurde auf die Finanzierung der Gruppe beschränkt.
1973–1996 mini|Obst- und Gemüseabteilung in einem Rewe Supermarkt (1978) Als entscheidend für die weitere Entwicklung erwies sich die Beteiligung an der Leibbrand-Gruppe. 1974 sicherte sich Rewe 50 Prozent und später 100 Prozent der Anteile des Unternehmens, zu dem unter anderem die Marken Penny oder Toom Baumarkt gehörten. In der Öffentlichkeit wurde die Unternehmensgruppe als Rewe-Leibbrand-Gruppe bezeichnet. Zwei Jahre danach überschritt der Umsatz von Rewe erstmals die Marke von zehn Milliarden Mark. Mit Berufung von Hans Reischl in den Zentralvorstand begann 1977 der Aufstieg des Managers, der Rewe in den nächsten Jahren entscheidend prägen sollte. 1979 erstritt Rewe vor dem Europäischen Gerichtshof ein wegweisendes Urteil für den freien Warenverkehr im EWR. Im Mittelpunkt der Entscheidung stand ein Likör, den Rewe trotz seines nach deutschen Gesetzen zu niedrigen Alkoholgehalts aus Frankreich importieren wollte (siehe: Cassis-de-Dijon-Entscheidung). 1982 wurde die Handelsmarke ja! eingeführt, um dem Konkurrenten Aldi eine Billigmarke entgegenzusetzen. 1983 schloss sich Kaiser + Kellermann der Handelsgruppe an, später beteiligte sich Rewe mit 75 Prozent am Unternehmen. Auch Stüssgen wurde von Rewe in den 1980er Jahren übernommen, das erfolgte in zwei Schritten (1984 und 1989). Der Erwerb von 50 Prozent der Atlas-Reisebüros bedeutete den Einstieg in die Touristik-Branche. Zu einem weiteren Engagement in diesem Segment kam es 1995 mit der Übernahme von ITS Reisen. Im Jahr 2003 wurde die Bon appétit Group (siehe Usego) übernommen. Nach der Deutschen Wiedervereinigung expandierte Rewe in die neuen Bundesländer. Erste Supermärkte entstanden beispielsweise in Weimar und Berlin. 1990 erwarb Rewe außerdem 400 co op-Filialen in Südbayern und Baden-Württemberg.Rewe kauft co op-Filialen. Betroffen sind die Läden in Süddeutschland. In: Nürnberger Nachrichten, 31. Juli 1990. Nachdem man mit dem Aufbau von Supermärkten unter der Marke Penny in England, Italien, Spanien und Frankreich experimentiert hatte, übernahm Rewe im Jahr 1996 den österreichischen Konzern um Billa und Merkur. Die Handelsgruppe stellte sich mit diesen Schritten international auf und sicherte sich dauerhaft eine Präsenz in Ost- und Südeuropa.
1997–2006
Mit Veröffentlichung der Rewe-Website unter der Domain rewe.de im Jahr 1997 dehnte das Unternehmen seine Präsenz auf das Internet aus.
1997 übernahm Rewe 52 Standorte der insolventen Baumarkt- und Gartencenter-Kette Götzen. Ende 1998 folgte die Übernahme der Baumarktkette Stinnes mit 138 Märkten und 1,8 Milliarden DM Umsatz von der Veba-Tochter Stinnes AG. Beide wurden in toom Baumarkt integriert, womit Rewe zum drittgrößten Baumarktfilialisten in Deutschland aufstieg.
1999 gab die Deutsche Bahn bekannt, dass Rewe den Zuschlag für die Übernahme der Tochtergesellschaft Deutsches Reisebüro mit Wirkung zum 1. Januar 2000 erhalten habe. Das Unternehmen erzielte einen Umsatz von über fünf Milliarden Mark und hatte rund 4300 Mitarbeiter. Rewe avancierte zu einem führenden Anbieter der Touristik-Branche. Das Deutsche Reisebüro bildete den Grundstein für die zweite Säule der Unternehmensgruppe neben dem angestammten Lebensmittelhandel. Durch das anhaltende organische Wachstum sowie weitere Übernahmen und Kooperationen erreichte der Umsatz in den 2000er Jahren Rekordwerte. Um die Verbundenheit zum Hauptsitz zu unterstreichen, wurde Rewe 2003 Partner und 2007 schließlich Sponsor des 1. FC Köln.Köln verlängert mit Rewe. In: Westdeutsche Zeitung, S. 11.
Kurz nach Amtsantritt von Alain Caparros als Vorstandsvorsitzender der Rewe Group gab das Unternehmen 2006 seine angestammten Vertriebsmarken auf. Auf einen Schlag bekamen rund 2800 der über 3000 Supermärkte ein neues Logo. Von der Umbenennung der HL-, Deutscher-Supermarkt-, Minimal-, Otto-Mess-, Kontra-, Petz- und Stüssgen-Märkte in Rewe versprach man sich steigende Marktanteile. Die Zentrale der Handelsgruppe trat fortan unter dem Namen Rewe Group auf. Durch die Eröffnung neuer Märkte und die Übernahme von 300 Plus-Standorten baute Rewe seine Präsenz im deutschen Markt abermals aus.
2007–2019 Rewe experimentierte national und international immer wieder mit neuen Konzepten für den Lebensmittelhandel. Ein Beispiel dafür sind die Temma-Supermärkte, eine moderne Interpretation der Tante-Emma-Läden. 2011 startete „Rewe to go“ als Konkurrenz zu Fast-Food-Ketten; Schwerpunkt des Sortiments sind verzehrfertige Produkte wie Salate, Backwaren, Getränke und Kaffee. Nachdem sich die Reisesparte des Konzerns national und international erfolgreich etabliert hatte, wurde 2013 die DERTOUR Group als Dachgesellschaft für diesen Bereich ins Leben gerufen. Damit ersetzte die Marke DERTOUR den zuvor weniger bekannten Namen Rewe Touristik. Im Touristik-Bereich erfolgte 2015 die Übernahme des Schweizer Anbieters Kuoni.Kuoni verkauft Reisegeschäft. Rewe übernimmt Veranstalter. In: Basler Zeitung, 23. Juni 2015, S. 1.
2013 gab die Rewe Group das Ziel aus, die spezifischen Treibhausgasemissionen bis 2022 im Vergleich zum Referenzjahr 2006 um die Hälfte zu senken. Im selben Jahr beteiligte man sich an Forschungsprojekten zur Verhinderung der massenhaften Tötung männlicher Eintagsküken. Außerdem gründete die Rewe Group mit Rewe Digital eine Tochtergesellschaft für alle strategischen Online-Aktivitäten. Unter anderem sicherte man sich eine Beteiligung an commercetools, ferner eine an Zooroyal, einem Multichannel-Händler, der Nahrung und Zubehör für verschiedene Haustiere, Kleintiere, Aquarien- und Terrarientiere sowie Vögel vertreibt.Kim Eberhardt: Mit Premiumprodukten auf Erfolgskurs. In: Lebensmittel Zeitung direkt, 2. Mai 2022.
Im Jahr 2014 entstand die Rewe digital GmbH für das E-Commerce-Geschäft der Rewe Group.
2017 kündigte die Rewe Group an, zusätzliche Milliarden in die Digitalisierung ihrer Geschäfte zu investieren. 2020 hat Rewe Digital ein Start-up ausgegründet, die OC Fulfillment GmbH, welche die Plattform fulfillmenttools vermarkten soll.
Ende Mai 2019 kündigte Rewe Group zur Stärkung des Geschäfts mit Convenience Food die Übernahme von Lekkerland an. Seit Oktober 2019 gehört die Lekkerland AG & Co. KG zu 100 % der Rewe Group.
Seit 2020 Die COVID-19-Pandemie führte auch in der Rewe Group zu erheblichen Herausforderungen. Der Lebensmittelhandel der Gruppe zählte zu den Gewinnern.Georg Winters: Supermärkte sind die großen Gewinner. In: Rheinische Post, 28. Juni 2021, S. 7.Stefan Schulte: Rewe-Märkte mit Rekordumsatz im Corona-Jahr. In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 20. April 2021, S. 8. Auch das Baumarkt-Geschäft erlebte einen Schub.Rewe erzielt im Corona-Jahr 2020 Umsatzrekord. In: Handelsblatt, 19. April 2021. Der Zusammenbruch des Reisemarktes traf dagegen die Touristik-Säule der Gruppe. Nach der Pandemie erholten sich die Buchungszahlen in der DERTOUR Group jedoch deutlich. Die Insolvenz des Wettbewerbers FTI trug einen Teil dazu bei.Kilian Genius: Dertour: Buchungseingänge auf Rekordniveau. In: Nordkurier, 13. Dezember 2024.