Machair bezeichnet einen recht seltenen, jedoch sehr fruchtbaren, kalkhaltigen, küstennahen, seminaturellen Bodenmischtyp, der in Küstenebenen des nordwestlichen Schottlands und Irlands zu finden ist. Schottland allein beherbergt etwa zwei Drittel dieses Habitats innerhalb der EU und weltweit.

Etymologie mini|Machair in Berneray (Äußere Hebriden)

Machair leitet sich ab vom Schottisch-Gälischen mach „Ebene“ und am machaire mit der Bedeutung „Fruchtbare Ebene, offene, flache Landschaft, Feld, weite Bucht“. Dies ist verwandt mit dem Mittelirischen machaire mit praktisch identischer Bedeutung, jedoch mit der Ausweitung auf „Schlachtfeld, Schlacht“. Dahinter verbirgt sich die protokeltische Wurzel *makaryos. In Manx bezeichnet magher gewöhnlich ein Feld. Im Englischen wird manchmal auch der Begriff machar verwendet.

Eine weitere Möglichkeit liegt in der Zusammenziehung der beiden gälischen Wurzeln magh „Ebene“ und tir „Land“.

Machair wird jetzt in der wissenschaftlichen Literatur für einen speziellen Landschaftstypus verwendet – unter Hervorhebung der einzigartigen Dünengraslandschaften Westschottlands und Nordwestirlands.

Das Wort Machair findet sich in zahlreichen Ortsbezeichnungen in Irland, in Schottland und auf der Isle of Man, um damit tiefliegende, fruchtbare Ländereien oder Felder zu bezeichnen – selbst in Gegenden ohne Dünen. In Schottland verwenden einige Gälisch-Sprecher das Wort Machair generell für das gesamte Dünensystem inklusive des Dünenrückens. Andere beschränken den Terminus auf das extensive, flachliegende Grasland im Hinterland der Dünenrücken. In Irland fand Machair bisher nur in Ortsbezeichnungen Verwendung und selbst die Existenz als ökologisches Habitat wurde erst im Jahr 2013 anerkannt.

Geschichtliches Der Terminus Machair ist unter Naturkundlern seit 1926 in Gebrauch, er wurde aber erst seit den 1940ern von Wissenschaftlern verwendet.

Definition mini|Gewöhnlicher Hornklee (Lotus corniculatus)

Im Jahr 1976 war von William Ritchie ein Versuch unternommen worden, den Begriff Machair streng zu definieren. Jedoch entgehen nach wie vor mehrere Landschaftstypen einer derartigen Einteilung. Diese Schwierigkeit wurde offenkundig, als das Habitat im Jahr 1992 im Zusatz I der Habitatdirektive der EU – Richtlinie 92/43/EWG (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie) – aufgelistet wurde. Dies führte sodann zu einer Unterscheidung zwischen Machair-Grasland und Machair-System.

William Ritchies Kategorien lauten wie folgt: An der Basis befindet sich eine verblasene Sandlage mit einem signifikanten Anteil an Muschelmaterial darauf kalkreiche Böden mit einem pH-Wert größer 7,0 eine ebene oder leicht einfallende Oberfläche, die ein reifes geomorphologisches Entwicklungsstadium erreicht hat eine für sandige Grasländer typische Vegetation mit überwiegend langen Dünengräsern, wobei andere Arten zurückgedrängt wurden Zu den Kernpflanzentaxa des Machairs gehören Gewöhnlicher Rot-Schwingel (Festuca rubra), Gewöhnlicher Hornklee (Lotus corniculatus), Weißklee (Trifolium repens), Gemeine Schafgarbe (Achillea millefolium), Echtes Labkraut (Galium verum), Spitzwegerich (Plantago lanceolata), Gemeiner Augentrost (Euphrasia officinalis), Gänseblümchen (Bellis perennis) und Rhytidiadelphus squarrosus innerhalb der rezenten geschichtlichen Entwicklung sollten biotische Einflüsse wie starke Beweidung, sporadische Kultivierung, Niedertreten und manchmal auch künstliche Drainagen deutlich spürbar sein eine ozeanische Lage in einer feuchten, kühlen Klimaregion Machair-Ebenen unterliegen Überflutung oder zeigen zumindest im Winter marschige Bedingungen (späterer Zusatz von 1979).

Der Nachteil dieser Definition ist, dass sie nicht immer (zumindest in Teilen Schottlands) Machair-Systeme von Nicht-Machair-Systemen eindeutig abtrennen lässt. Die Schwierigkeiten liegen im komplexen Wechselspiel zwischen geomorphologischen und biotischen, vorwiegend botanischen Faktoren begründet.

Vegetationstypen mini|Echtes Labkraut in Blüte

Im Jahr 2000 wurden vom Scottish Natural Heritage eine National Vegetation Classification („nationale Vegetationsklassifikation“, abgekürzt NVC) erstellt: Vegetationstypus fixierte Dünen – mit Festuca rubra (Gewöhnlicher Rot-Schwingel) und Galium verum (Echtes Labkraut) – SD8a Vegetationstypus Tortula ruralis ssp. ruraliformis (Mauer-Drehzahnmoos) – SD8c Vegetationstypus fixiertes Dünengrasland Festuca rubra–Galium verum, enthält als Untergemeinschaft Ranunculus acris–Bellis perennis (Scharfer Hahnenfuß–Gänseblümchen) – SD8d Vegetationstypus Grasland Festuca rubra–Galium verum mit der Untergemeinschaft Prunella vulgaris (Kleine Braunelle) – SD8e Vegetationstypus Centaurea nigra – Daucus carota (Schwarze Flockenblume–Möhre) – SD8x Schwemmgrasland – MG11 Vegetationstypus Dünensenke Potentilla anserina – Carex nigra (Gänsefingerkraut–Braun-Segge) mit der Untergemeinschaft Agrostis stolonifera (Weißes Straußgras) – SD17.

Diese Klassifikation anhand von Vegetetationstypen im Verbund mit den Ritchie-Definitionen ermöglicht jetzt ein Erkennen von Machair-Systemen und sodann auch des Machair-Graslands. Es ist daher unbedingt wichtig, dass sowohl geomorphologische als auch botanische Faktoren vollauf und nebeneinander verwendet werden.

Vorkommen Global betrachtet ist das Landschaftssystem Machair sehr selten, weltweit kommen nur zwischen 250 und 300 Quadratkilometer vor. Davon finden sich alleine in Schottland 175 Quadratkilometer, der Rest verteilt sich auf Irland. Mittlerweile werden Machair-ähnliche Environments auch aus Neuseeland berichtet.

Die fruchtbaren, grasbewachsenen Machair-Ebenen umsäumen die Nordwestküsten Irlands und Schottlands. Die besten Beispiele sind in South Uist, in Harris und in Lewis anzutreffen. Ein großer Teil des schottischen Machairs befindet sich auf den Äußeren Hebriden und war dort als Acker- oder Weideland über Jahrtausende eine wesentliche Grundlage für die Ernährung der Bevölkerung.

Thomas Dargie unterteilte im Jahr 2000 die Machair-Vorkommen in ein Kerngebiet (Core machair) und in ein Außengebiet (Outer machair). Das Kerngebiet umfasst hierbei die Äußeren Hebriden und Tiree. Das Außengebiet erstreckt sich auf den Ostrand der Äußeren Hebriden, die westlichen Inneren Hebriden, Orkney (Sanday), Sutherland (Nordküste Schottlands), Coll sowie kleine Anteile von Mull of Kintyre und Galloway.

Sehr schöne Beispiele für Machair finden sich auf Berneray und Pabbay (beide Harris), Loch Bee und Loch Hallan (beide South Uist), Vallay (North Uist) und Oronsay (Südteil). Weniger eindeutig sind Fraserburgh Bay und Sinclairs Bay (Caithness).

Das flächenmäßig größte Vorkommen mit 26,3 Quadratkilometer befindet sich auf South Uist gefolgt vom Vorkommen auf West Tiree mit 23,4 Quadratkilometer. Weitere substantielle Vorkommen betreffen die Ostküste mit 13,0 Quadratkilometer, Dunnet Bay mit 11,3 Quadratkilometer, Tràigh Mhor mit 6,3 Quadratkilometer, West Berneray mit 5,5 Quadratkilometer, Kyle of Durness mit 5,3 Quadratkilometer, Inverallochy mit 5,0 Quadratkilometer, Paible und Sollas mit 4,6 Quadratkilometer, Baleshare und Robach mit 4,3 Quadratkilometer, Machrihanish mit 3,9 Quadratkilometer, Balranald mit 3,7 Quadratkilometer, Benbecula (Flugplatz) mit 3,5 Quadratkilometer, Nord Barra mit 3,2 Quadratkilometer, Borve, Sinclairs Bay und West Barra mit 2,9 Quadratkilometer, Fuday mit 2,7 Quadratkilometer, Fraserburgh Bay mit 2,5 Quadratkilometer, Ardnave und Vallay mit 2,3 Quadratkilometer.

Beschreibung Wesentliche Komponenten des Bodens sind ein hoher Anteil an mineralreichen Muschelsedimenten sowie ein Anteil organischen Substrats, häufig Torf. Die basische Wirkung des Muschelsands und die saure Wirkung des Torfs neutralisieren sich, wirksam bleibt das recht fruchtbare Nährstoffgemenge. Dies führt zu einer besonders üppigen und artenreichen Vegetation, die ihrerseits wieder Grundlage für ein breites Spektrum an Tierarten ist, vor allem Insekten und Vögel.

Machair unterscheidet sich von den Links an der Ostküste Schottlands durch eine niedrigere Mineralisierung, die Links sind insbesondere sehr reich an Kieselsäure. Die Machair-Ebenen sind stark kalkhaltig – mit Konzentrationen von Kalziumkarbonat zwischen 20 und 80 % im Strandbereich. Diese Werte nehmen jedoch in Richtung Hinterland ab. Der pH-Wert des Machairs ist meist größer als 7, in anderen Worten alkalisch.

In ihrem Inneren sind Machairs oft nass und marschig und weisen gelegentliche Lochs auf.

Einfluss des Klimas Machair-Systeme entlang der West- und Nordküste Schottlands gelten klimatisch als hyperozeanisch. Jedoch werden Dünensysteme entlang der Ostküste (vom Loch Fleet südwärts) als euozeanisch eingestuft. Nahezu alle Dünensysteme in Schottland unterliegen einer mittleren Windgeschwindigkeit, die über dem Limit von Trockensand (4,4 Meter pro Sekunde oder 15,84 Stundenkilometer) liegt. Geschütztere Lagen finden sich nur im Moray Firth, in kleinen Teilabschnitten im Solway Firth und in den Western Mainlands.

Entstehung Die moderne Entstehungstheorie des Machairs wurde erstmals im Jahr 1830 von William MacGillivray aufgestellt. Er hatte herausgefunden, dass Muschelreste durch die Wellenbewegung gen Land transportiert werden, wo sie noch weiter zerkleinert werden. Die zerkleinerten Bruchstücke werden sodann vom Wind strandaufwärts geblasen, bilden kleinere Anhäufungen, die ihrerseits weiter landeinwärts verweht werden.

Geomorphologische Entwicklung Ein reifes Machair-System besteht geomorphologisch aus einer Bucht, auf die eine recht schmale, teils ortsfeste Dünenzone (engl. foredune) folgt. Hinter dem Dünenkordon erstreckt sich ein flaches Deflationsfeld mit einer Mixtur aus Trocken- und Feuchtwiesen. Die vorgeschalteten Dünen können auch Depressionen aufweisen, wenn Sand durch den Einfluss des Grundwasserspiegels entfernt wird. Hinter der Deflationszone bildet sich oft eine etwas höher liegende Sandrippe, die von trockenem Grasland bedeckt wird. Dies fällt langsam ab und leitet ganz allmählich zu einem Nassgebiet über – mit einem kalkhaltigen Sumpf (engl. machair fen), teils mit Reet bestanden, der seinerseits sodann zum offenen Wasser eines Sees (engl. machair loch) übergehen kann.

Das einfachste geomorphologische Profil läuft ausgehend vom Strand → Düne → flaches Grasland → hin zum Hügelbereich, dem hill machair. Oder es folgt wie bereits angesprochen auf das flache Grasland eine marschige Zone mit dem machair loch und dahinter dann das torfhaltige, leicht ansteigende blackland. Bei Meeresinkursionen versauern Marschen und Seen – die Marschen werden zu Salzmarschen und die Seen brackig oder füllen sich gar mit Gezeitensanden.

Die Vegetation beweglicher Machair-Dünen (mit SD5 Leymus arenarius – Strandroggen – und SD6 Ammophila arenaria – Gewöhnlicher Strandhafer) unterscheidet sich nur wenig von anderen Dünen in Schottland. Sehr große Unterschiede zeigen jedoch die landwärtigen Dünnenabschnitte und natürlich auch die Stellen, an denen sekundäre Sandanwehungen über die Machair-Ebenen hinweggingen (ein Beispiel hierfür sind die Monach Islands). In letzterem Fall zeigen nur provisorisch verankerte Dünen die Übergangstendenz zur Pflanzengesellschaft Ammophila arenaria–Festuca rubra mit SD7x Galium verum als Untergemeinschaft.