Landser war eine deutsche Rechtsrock-Band aus Berlin und bis zu ihrer Auflösung im Jahr 2003 die bundesweit erfolgreichste sowie bekannteste Musikgruppe aus dem neonazistischen Milieu.Az. (2) 3 StE 2/02 – 5 (1) (2/02) – Urteil in der Strafsache gegen [die Bandmitglieder] wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung u. a. Kammergericht, 22. Dezember 2003
Die Liedtexte richteten sich unter anderem gegen Minderheiten in Deutschland und auch gegen zentrale Prinzipien des Rechtes der Bundesrepublik Deutschland. In den Liedern dieser ultranationalistischen sowie rassistischen Musikgruppe wird explizit zum Mord von politischen Gegnern („Schlagt sie tot!“) und ethnischen Minderheiten („Kanacke verrecke!“) aufgerufen. Aufgrund der Gefahr strafrechtlicher Verfolgung entschloss sich die Band frühzeitig aus der Illegalität heraus zu agieren. Die Band vermied außerdem aus diesem Grund öffentliche Auftritte und trat deshalb nur in kleinen Klubs auf. Die Tonträger wurden im Ausland produziert, wo es keine Strafvorschriften wie in der Bundesrepublik gab, und dann nach Deutschland geschmuggelt. Es bestanden Kontakte zum verbotenen rassistischen Musiknetzwerk Blood and HonourWolf Schmidt: Ruheraum für Rechtsextreme. In: taz.de, 5. September 2012, abgerufen am 2. März 2013. und Kadern der gewaltbereiten Neonaziszene.Christopher Egenberger: Landser. In: Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.): Dossier Rechtsextremismus. 10. März 2009. Abgerufen am 19. Februar 2024.
Ermittlungen führten im Jahr 2001 schließlich zur Festnahme der Bandmitglieder. Diese wurden 2003 vom Berliner Kammergericht als erste Musikgruppe wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung zu Freiheitsstrafen verurteilt. Zudem wurde der Verfall der Einnahmen angeordnet.
Im Jahre 2004 gründete Sänger Michael Regener mit Teilen der Gruppe Spreegeschwader den Landser-Nachfolger Die Lunikoff Verschwörung. In der Gruppe wurden einige ehemalige Landser-Lieder in leicht umgedichteter Form übernommen.
Geschichte Vorgeschichte (1982–1991) Im Jahr 1982 gründeten mehrere der zukünftigen Bandmitglieder, darunter der spätere Sänger und Texter Michael Regener, in Ost-Berlin (damals DDR) eine neonazistische Gruppierung namens Vandalen. Sie bezeichnete sich selbst als ariogermanische Kampfgemeinschaft und fühlte sich der nordischen Mythologie verbunden. Die Anzahl der Mitglieder schwankte und betrug zeitweise bis zu 15 Personen. Die Vandalen übernahmen bestimmte Merkmale der Rocker-Szene. So pflegten sie etwa ein entsprechendes äußeres Erscheinungsbild, und Mitgliedsanwärter (sogenannte Prospects) mussten zunächst eine einjährige Probezeit bestehen. Die Gruppierung besuchte gemeinsam Demonstrationen und Konzerte, weiterhin unterhielt sie Kontakte zu Gleichgesinnten wie etwa der NPD und dem Blood-and-Honour-Netzwerk.
Gründungsphase der Band (1991–1992) Die anfangs noch namenlose Band wurde laut Sören B., einem Gründungsmitglied und späteren Zeugen im Gerichtsverfahren, 1991 in Berlin gegründet. Sie war zunächst unpolitisch und stand nicht im Zusammenhang mit den Vandalen. Die Band spielte Punk- und Oi!-Musik sowie Coverversionen, dabei wurde sowohl Deutsch als auch Englisch gesungen. Der Proberaum wurde von einem Sozialarbeiter zur Verfügung gestellt und befand sich im Judith-Auer-Club in Berlin-Lichtenberg. Nach anfänglichen Schwierigkeiten und einer häufig wechselnden Besetzung etablierte sich 1992 eine feste Formation, die sich regelmäßig zum Üben einfand. Die Texte veränderten sich und enthielten mehr und mehr nationalistische Inhalte. Zu diesem Zeitpunkt bestand die Band aus Sören B. (Gesang), Andreas L. (Bassgitarre) und Horst S. (Schlagzeug). Im Club, in dem die Bandmitglieder probten, verkehrten auch Sympathisanten und Angehörige der rechtsextremen Szene, unter anderem war er Treffpunkt der Vandalen. Eines ihrer Mitglieder, der unter dem Spitznamen Lunikoff bekannte Regener, wurde auf die Band aufmerksam und trat ihr als Gitarrist bei. Er betätigte sich auch als Texter. Ab diesem Zeitpunkt waren die Liedtexte eindeutig nationalistisch geprägt. Auch wurde fortan, bis auf einige Ausnahmen, nur noch auf Deutsch gesungen. Besucher des Clubs, die den Probeaufnahmen beiwohnten, fertigten auf mitgebrachten Kassettenrecordern Mitschnitte an, die in Berlin und seiner Umgebung verbreitet wurden und der Band einen gewissen Bekanntheitsgrad in der rechtsextremen Szene verschafften.
Umbenennung in Landser, erster öffentlicher Auftritt Die Band nannte sich zunächst Endlösung (vgl. Endlösung der Judenfrage), änderte ihren Namen jedoch ein halbes Jahr später in Landser, in Anlehnung an eine Publikation über Soldaten im Zweiten Weltkrieg. Im September 1992 gab die Band, anlässlich der Geburtstagsfeier einer späteren Zeugin, ihr erstes und einziges öffentliches Konzert. Für dieses Konzert wurde innerhalb der Szene mit einigem Aufwand geworben, so wurden etwa Rundschreiben verschickt und T-Shirts mit dem Namen der Band angefertigt und verteilt. Das Konzert fand im Jugendclub Konradsberg in Hennigsdorf statt. Laut Zeugenaussagen fanden sich etwa 100 Besucher ein. Von dem Auftritt wurde ohne Zustimmung der Band eine Videoaufnahme angefertigt, worüber sich der damalige Schlagzeuger Horst S. verärgert zeigte. Die auf dem Konzert gespielten Lieder entsprachen überwiegend der später erschienenen Demo-Kassette Das Reich kommt wieder. In einem Artikel der szenenahen Zeitschrift Angriff Nr. 1 wurde hinterher über den Auftritt berichtet. Laut diesem Artikel wurde das Konzert von etwa 150 Zuschauern besucht, der Auftritt sei große Klasse und besser als alles bisher Gehörte gewesen.
Kurze Zeit später, laut Urteilsschrift im Herbst oder Winter 1992, wirkte die Band in einem Fernsehbeitrag des Westdeutschen Rundfunks mit. Der Bericht trug den Namen Prügeltunnel und war Teil der dreiteiligen WDR-Jugenddokumentation Angst–Macht–Gewalt. Die Bandmitglieder traten darin vermummt vor die Kamera und spielten mehrere Lieder, danach wurde ein Interview mit Regener eingespielt, der unter seinem Pseudonym Lunikoff auftrat. In diesem Interview kritisierte Regener unter anderem die Politik der Entnazifizierung. Den „alliierten jüdischen Umerziehern“ sei es über die Medien gelungen, das deutsche Volk in einen Versündigungswahn zu treiben. Regener brachte seine Abneigung gegenüber Juden und Ausländern zum Ausdruck, befürwortete die Einführung von Arbeitslagern für Kommunisten und die Wiedereinführung der Todesstrafe. Deutsche Politiker beschuldigte er, am Tod des deutschen Volkes zu arbeiten.
Demokassette Das Reich kommt wieder (1992) Nachdem die Band durch das Konzert und die davon verteilten Mitschnitte erste Erfolge verzeichnen konnte, entschloss sie sich Ende 1992, einen ersten offiziellen Tonträger aufzunehmen. Regener fungierte dabei erstmals als Sänger, da der bisherige Sänger Sören B., der kurz zuvor wegen einer Straftat verhaftet worden war, nicht mehr zu den Proben erschien und daher aus der Band ausschied. Die Lieder wurden in einem Lokal in Berlin-Weißensee mit einfacher Studiotechnik auf Kassette aufgenommen. Die Kassette trug den Titel Das Reich kommt wieder und beinhaltete 18 Lieder. Offiziell galt sie lediglich als Demoaufnahme.Im Beiheft des später erschienenen Albums Deutsche Wut – Rock gegen Oben wird die Aufnahme als Demo-Kassette bezeichnet. Später erschien in geringer Auflage auch eine CD-Version unter dem veränderten Titel Berlin bleibt deutsch, beim Überspielen führte allerdings ein technischer Fehler dazu, dass die Lieder teilweise zu langsam und in der Tonhöhe verzerrt wiedergegeben wurden. Laut einigen Quellen handelt es sich bei der CD-Version um eine offizielle bzw. von der Band autorisierte Publikation, andere Quellen bezeichnen sie hingegen als Bootleg.Indizierungen und Strafverfolgung stoppten den Rechtsrockboom nicht. Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung, abgerufen am 19. Februar 2024.Jana Funke: Popularmusik als Ausdrucksmittel rechter Ideologie. Eine Bestandsaufnahme rechtsextremer Musik in Deutschland. GRIN Verlag, München 2008, ISBN 978-3-638-95241-5, S. 136 (Examensarbeit, 2004; books.google.de). Die Tonträger wurden damals noch mit unprofessionellen Mitteln vervielfältigt und anfangs nur im Freundeskreis der Band verteilt. Die Musikkassette wurde im November 1993 indiziert, die CD-Ausgabe im März 1997. 1993 wurde der Proberaum der Band von Berliner Antifaschisten niedergebrannt.Stefan Aust, Dirk Laabs: Heimatschutz. Der Staat und die Mordserie des NSU. Pantheon Verlag, München 2014, S. 69.
Republik der Strolche (1995) Der bisherige Bassist Andreas L. schied aus der Band aus, woraufhin ein Ersatz gesucht wurde. Die Wahl fiel auf ein Mitglied der Vandalen, den später mitangeklagten André M. Dieser konnte jedoch zunächst kein Instrument spielen und eignete sich die nötigen Fertigkeiten mittels einer geliehenen Bassgitarre und der Unterstützung der Bandmitglieder an. Da er keine Noten lesen konnte, notierte sich M. die Griffe mithilfe von Zahlencodes, die er auf Zetteln niederschrieb. Mit der Zeit verbesserten sich seine Fähigkeiten, so begleitete er die Band anfangs nur auf einer Saite der Bassgitarre, später auf zwei, ab dem Jahre 2000 dann auf allen vier Saiten. Mit Regener verband ihn eine langjährige Freundschaft. Er fuhr ihn zu den wöchentlichen Proben und holte dessen Post ab, die sich Regener an seine Mutter schicken ließ, um keinen Verdacht zu erregen.
Nach Ansicht des Gerichts änderte sich in dieser Zeit die Zielsetzung der Band. War es vorher nur die Produktion von Musik für die rechtsextreme Szene, so wollte sie unter dem Einfluss Regeners, der mittlerweile Kopf und alleiniger Texter von Landser war, mit den Liedtexten nun auch gezielt bisher unpolitische Menschen, vor allem Jugendliche, für rechtsextremes Gedankengut begeistern. Horst S., der Schlagzeuger der Band, versuchte hingegen, auf die Texte mäßigend Einfluss zu nehmen, da er glaubte, einige der strafrechtlich relevanten Inhalte nicht verantworten zu können. Da das Vorhaben der Band in Hinblick auf die strafrechtliche Brisanz der Texte gefährlich war, entschloss sie sich, nicht mehr öffentlich aufzutreten und die Probeorte häufig zu wechseln. Um keinen Verdacht zufällig mithörender Personen zu erregen, wurden die Texte bei den Proben teilweise nicht mehr auf Deutsch, sondern auf einer Art Behelfsenglisch gesungen. Diese Vorgehensweise wurde auch bei den Probeaufnahmen zu den folgenden Studioalben beibehalten. Trotz dieser Maßnahmen tauchten die Bandmitglieder selbst nicht in den Untergrund ab, sondern führten ihr bürgerliches Leben fort.
Das erste Studioalbum der Band, Republik der Strolche, wurde Ende 1995 aufgenommen. Horst S. gewann dafür einen befreundeten Musikproduzenten, der über gute Beziehungen zum Netzwerk Blood and Honour verfügte. Aufnahme, Produktion und Verbreitung erfolgten deutlich professioneller als noch bei der Demoaufnahme Das Reich kommt wieder. Wegen der strafrechtlichen Brisanz der Texte fand sich jedoch kein deutsches Tonstudio, um die Inhalte einzuspielen. Die Lieder wurden daher im schwedischen Helsingborg aufgenommen, wo derartige Texte legal waren und ein Mitglied des Blood-and-Honour-Netzwerkes ein Tonstudio zur Verfügung stellte. Die Band übernahm diese Vorgehensweise auch bei ihren späteren Alben. Die Pressung der CDs übernahmen Verantwortliche des Tonstudios. Die CDs gelangten dann per Versand oder über Kuriere nach Deutschland. Cover und Beiheft der CD wurden hingegen in Deutschland hergestellt. Die Band übermittelte Jens O., einem späteren Zeugen, handschriftliche Vorgaben zur Gestaltung, die dieser technisch umsetzte und über einen Mittelsmann in der Nähe von Hildesheim drucken ließ.