Astro City, ursprünglich eigentlich Kurt Busiek’s Astro City, ist eine preisgekrönte US-amerikanische Comicserie mit Superhelden-Thematik, die seit August 1995 zunächst bei Image Comics, später dann bei Wildstorm Productions, einem ursprünglich zu Image gehörenden und zum Jahreswechsel 1998/1999 von DC Comics aufgekauften Studio, erschien. Nach Einstellung des Wildstorm-Imprints durch DC erscheint die Serie seit 2013 unter dem Vertigo-Imprint.

Die Serie erscheint nicht regelmäßig, in der Vergangenheit kam es häufiger zu längeren Veröffentlichungspausen, auch innerhalb eines mehrteiligen Handlungsstrangs. Die Serie folgt keiner durchgängigen Nummerierung, sondern besteht aus mehreren aufeinander folgenden Mini-, Maxi- und fortlaufenden Serien sowie einzelnen Sonderausgaben. Das Kreativteam ist jedoch seit Anfang der Serie dasselbe geblieben. Autor und Erfinder der Serie ist Kurt Busiek, der auch die Rechte an der Serie hält. Die Coverabbildungen stammen von Alex Ross, während Brent Anderson (bis 2000 gemeinsam mit Tuscher Will Blyberg) für die Zeichnungen der Heftinhalte zuständig ist. Die Designs der einzelnen Figuren werden von Ross und Anderson unter Mitwirkung von Busiek gemeinsam entwickelt.

In Deutschland wurde die Serie von 1999 bis 2001 von Speed Comics, einem Imprint des Thomas-Tilsner-Verlags, veröffentlicht; seit 2007 liegen die Rechte für die deutsche Fassung beim Panini Verlag, allerdings ruht die Veröffentlichung aufgrund schlechter Verkaufszahlen auch hier wieder.

Entstehung Geistiger Vorläufer von Astro City ist die vierteilige Miniserie Marvels aus dem Jahr 1994, geschrieben von Kurt Busiek und gezeichnet bzw. gemalt von Alex Ross. Marvels erzählt aus der Sicht eines gewöhnlichen Menschen zahlreiche bekannte Ereignisse aus dem „Golden Age“ und „Silver Age“ der Marvel Comics nach. Astro City folgt demselben Prinzip, ersetzt allerdings die bekannten Marvel-Charaktere wie Spider-Man, die Fantastischen Vier oder die X-Men durch eigenständige Figuren und ändert die Perspektive mit jeder neuen Geschichte. Der Sechzehnteiler Astro City: The Dark Age basiert sogar direkt auf einer nie verwirklichten Fortsetzung von MarvelsMatt Brady: „Exploring Astro City’s Dark Age with Kurt Busiek“, Newsarama.com, am 21. Juni 2005. Gespiegelt bei Forumopolis.org, Zugriff am 25. September 2011. und war somit die erste Geschichte, die Busiek für die Serie erdacht hatte. Da Busiek jedoch seinerzeit zu dem Schluss kam, dass der Aufbau der Handlung eine gewisse emotionale Bindung der Leser an die Superhelden-Geschichten, die den Hintergrund bilden, erfordert, und dies mit gänzlich unbekannten Helden nicht so gut funktionieren würde wie mit den bekannten Marvel-Charakteren und Schlüsselereignissen der Verlagsgeschichte, stellte er The Dark Age zunächst hintan und konzentrierte sich die nächsten zehn Jahre über erst einmal darauf, dem Leser einige der Schlüsselfiguren der Saga vertraut zu machen.Ed Brubaker: „Introduction“, Vorwort zu Astro City: The Dark Age 2: Brothers in Arms (Sammelband), DC Comics, 2011, ISBN 978-1-4012-2844-6.

Busiek begreift Astro City laut eigener Aussage als „Herausforderung“, Geschichten aus einer ungewöhnlichen Perspektive zu erzählen, die in anderen Serien in der Form schwer bis überhaupt nicht funktionieren würden.Ray Mescallado: , The Comics Journal #216, Oktober 1999.

Der offizielle Titel der Serie wurde auf Anraten von Wildstorm-Gründer Jim Lee zu Kurt Busiek’s Astro City erweitert, um Busieks seit Marvels bekannten Namen als Aushängeschild für die Serie zu nutzen, jedoch fiel der Zusatz mit Beginn der Miniserie Astro City: Local Heroes im Jahr 2003 wieder weg. Busieks hält die Rechte an der Serie und er beabsichtigt bislang nicht, diese anderen Autoren zu überlassen.Eric Teall:

Inhalt Erzählstil Astro City wird in Form von abgeschlossenen Geschichten erzählt, bei denen es sich sowohl um Einzelgeschichten als auch um Mehrteiler handeln kann. Einen übergeordneten Handlungsrahmen gibt es nicht. Die Hauptfigur ändert sich dabei mit jeder neuen Geschichte, wobei die Geschichten jedoch alle in einem zusammenhängenden Universum spielen. So kann es durchaus vorkommen, dass die Hauptfigur einer Geschichte in einer anderen Geschichte als Nebenfigur in Erscheinung tritt oder dieselben Nebenfiguren in verschiedenen Geschichten auftreten. Auch wird gelegentlich in einer Geschichte Bezug auf die Ereignisse einer anderen Geschichte genommen. Der Sechzehnteiler „The Dark Age“, der in den 70er Jahren spielt, ist die bislang ambitionierteste Geschichte der Serie und greift zahlreiche Andeutungen aus früheren Geschichten zu vergangenen Ereignissen auf, die hier nun in einen Gesamtkontext gestellt werden.

Die Hauptfiguren der einzelnen Geschichten sind wahlweise Superhelden, Superschurken, Normalbürger oder „gewöhnliche“ Kriminelle ohne Superkräfte. Selbst eine zum Leben erwachte Zeichentrickfigur stand schon einmal im Mittelpunkt einer Geschichte. In jedem Fall werden die Hauptfiguren dabei in Auseinandersetzungen zwischen Superhelden und Superschurken verwickelt, gelegentlich gibt es zudem auch Invasionen durch Außerirdische oder ähnliche Bedrohungsszenarien.

Schwerpunkt jeder Geschichte ist die Charakterisierung der jeweiligen Hauptfigur bzw. Hauptfiguren sowie der Reifungsprozess, den diese durch die Ereignisse der Geschichte durchlaufen. Die Kämpfe zwischen den Superhelden und ihren Gegnern spielen dabei eine untergeordnete Rolle und stellen häufig nur den Hintergrund für die eigentliche Geschichte darBill Baker: , Comic Book Resources, 16. Mai 2000. Zugriff am 6. April 2008.. Der Comic- und Drehbuchautor James Robinson hält die Ähnlichkeit der Superhelden aus Astro City mit den bekannten Superhelden großer Verlage wie Marvel oder DC gar für eine Grundvoraussetzung, damit dies überhaupt möglich ist: Indem der Leser die entsprechenden Heldentypen und die für sie „typischen“ Kämpfe und Abenteuer bereits zur Genüge kennt, kann er sich für die Geschichten aus Astro City entsprechende Hintergründe in seiner eigenen Phantasie ausmalen, so dass eine ausführliche Erläuterung nicht mehr erforderlich ist und die jeweilige Geschichte sich auf ihren eigentlichen Schwerpunkt konzentrieren kann.James Robinson: „Eine Stadtrundfahrt mit James Robinson“, Vorwort zu Astro City: Local Heroes (Sammelband), Panini Comics 2008. In einigen Fällen wird eine Geschichte sogar fast ausschließlich in Form von Rückblenden erzählt, wobei die Gegenwartshandlung ohne jegliche Actionszenen auskommt.

Der Comic- und Drehbuchautor Marc Guggenheim stellt fest, dass andere Serien aus einer Konfrontation zwischen interdimensionalen Zivilisationen eine zwölfteile Maxiserie inklusive verlagsweitem Crossover machen würden (wie etwa Crisis on Infinite Earths von DC Comics) – Astro City würde der eigentlichen Krise „vielleicht“ ein einziges Panel widmen und stattdessen das Augenmerk auf einen viertklassigen Schurken legen, der das entstandene Chaos zur persönlichen Bereicherung nutzen will, oder auf eine Heldin, die nach Beendigung der Krise versucht, sich mit ihrem entfremdeten ehemaligen Juniorpartner auszusöhnen.Marc Guggenheim: „Introduction“, Vorwort zu Astro City: The Dark Age 1: Brothers and Other Strangers (Sammelband), WildStorm Productions, 2008, ISBN 978-1-4012-2077-8. Bereits zu Beginn der Serie erklärte Busiek selbst seine Philosophie hinter der Serie: „Sollte ich jemals eine Astro-City-Geschichte schreiben, die davon handelt, wer den Kampf gewinnt, dann werfe ich sie weg und schreibe eine neue!“Thomas Digel, „Kurt Busiek’s Astro City“, Splash! 7/99, Ideenschmiede Paul & Paul, 1999. Busiek lehnt allerdings die von professionellen Kritikern häufig verwendete Bezeichnung der Serie als „realistisch“ ab: Obwohl fantastische Elemente wie Trolle, Zeitreisende, futuristische Technologie und Außerirdische in der Welt von Astro City seit Jahrzehnten zum Alltag gehören, habe dies die menschliche Gesellschaft nicht nennenswert verändert, da Busiek an der Erforschung einer solchen hypothetischen Welt nicht interessiert ist.Kurt Busiek: „Introduction“, Vorwort zu Astro City: Life in the Big City (Sammelband), WildStorm Productions, 199z. ISBN 1-887279-48-2.

Die Atmosphäre der Serie orientiert sich sehr stark am Stil der Geschichten des „Silver Age“ der amerikanischen Superheldencomics, während der Zynismus und die damit einhergehenden Antihelden der 80er und 90er Jahre weitgehend außen vor bleibenIan Brill: „Wondercon ’08: Astro City Spotlight Panel“, Newsarama.com, am 23. Februar 2008. , Zugriff am 25. September 2011.. So kommt eine dauerhaft negative Stimmung eher selten auf. Unterstrichen wird dies durch den realistischen Zeichenstil Brent Andersons, der einen deutlichen Kontrast zu den sehr stark effektorientierten Zeichnungen amerikanischer Mainstream-Superheldencomics seit den 90er Jahren darstellt.

Der Schriftsteller Harlan Ellison hebt auch die Hintergründe als besonderes Merkmal der Serie hervor: Brent Anderson verwendet Vorlagenbilder (etwa aus New York City), um Straßenzüge in Astro City insbesondere in früheren Jahrzehnten darzustellen. Das Ergebnis, so Ellison, sei, dass die fiktive Stadt Astro City weitaus realer erscheine als das ebenso fiktive Metropolis Supermans, Batmans Gotham City oder auch das New York City aus den Spider-Man-Comics. Ellison vergleicht das Gespür für Details, das in Astro City zum Tragen kommt, mit dem Gemälde Die Rosen von Heliogabalus des Malers Sir Lawrence Alma-Tadema.Harlan Ellison: „Introduction“, Vorwort zu Astro City: Family Album (Sammelband), WildStorm Productions, 1998, ISBN 1-56389-552-8.

Thema der Serie Astro City spielt größtenteils innerhalb sowie in der näheren Umgebung der fiktiven US-amerikanischen Großstadt Astro City, die der Serie ihren Namen gibt. In der Stadt leben zahlreiche kostümierte Superhelden und Superschurken, aber auch normale Menschen wie Polizisten, Feuerwehrleute, Ärzte, Reporter und Politiker sowie „gewöhnliche“ Kriminelle, die alle auf die eine oder andere Weise mit den Superhelden und ihren Gegnern interagieren und durch diese beeinflusst werden.

Die Serie spielt in einem eigenständigen Universum, Gastauftritte und Crossover mit den Helden anderer Serien gab es bislang keine. Ein Großteil der Superhelden und -schurken basiert dabei mehr oder weniger stark auf bekannten Figuren aus anderen Serien, beispielsweise Superman, Batman oder Spider-Man. Die Ähnlichkeiten sind dabei beabsichtigt, allerdings handelt es sich dabei nicht um bloße Kopien, vielmehr bedient sich Busiek dabei jeweils eines allgemeinen Archetypen, um seine ganz eigene Vorstellung desselben umzusetzen und Geschichten mit den Figuren zu erzählen, die mit den „Originalen“ nicht oder nur schwer möglich wären.Alex Ness: Auch wurde abgesehen von den oberflächlichen Ähnlichkeiten sehr viel an den Figuren, ihrem Aussehen, ihren Kostümen, ihren Lebensläufen usw. geändert, so dass Busiek diese als vollkommen eigenständige Figuren ansieht.

Die ganze Serie soll dabei eine Hommage an die Geschichten des sogenannten „Silver Age“ der amerikanischen Superheldencomics darstellen. So trug der Wildstorm-Imprint, bei dem Astro City zwischenzeitlich erschien, auch den Namen Homage Comics. Die Namen einiger Figuren stellen Anspielungen auf einer Metaebene dar, so ist der Superheld Silver Agent selbst nach dem „Silver Age“ benannt, und auch der Zeitraum seiner Karriere als Superheld entspricht dieser Zeitperiode. Ferner sind viele Orte in Astro City nach bekannten Comicautoren und -Zeichnern benannt, etwa der Berg „Mount Kirby“ (nach Jack Kirby), der Stadtteil „Bakerville“ (nach dem Zeichner Matt Baker), das „Binderbeck Plaza“ (nach Otto Binder und C. C. Beck) oder die Gefängnisinsel „Biro Island“ (nach dem Zeichner Charles Biro).