mini|Deutsche Erstausgabe, Hermann Costenoble, Jena 1911 Sie (von englisch she) ist ein Roman des britischen Abenteuerschriftstellers Henry Rider Haggard. Das Buch wurde erstmals 1886 unter dem Titel She – A History of Adventure veröffentlicht und gehört mit über 83 Millionen Exemplaren in über 44 Sprachen zu den meistverkauften Büchern aller Zeiten. Das Buch wurde seit 1908 vielfach verfilmt, die wohl bekanntesten Leinwandversionen sind She – Herrscherin einer versunkenen Welt aus dem Jahr 1935 mit Helen Gahagan in der Titelrolle und Herrscherin der Wüste von 1965 mit Peter Cushing und Ursula Andress.
Inhalt Der Ich-Erzähler des Romans, Ludwig Horace Holly, ist Privatgelehrter in Cambridge. Um den letzten Willen seines einzigen Freundes Vincey zu erfüllen, nimmt er dessen minderjährigen Sohn Leo zu sich. Gleichzeitig erhält Holly die Weisung, einen bestimmten Koffer an Leos 25. Geburtstag zu öffnen und nach Afrika zu reisen, falls Leo das nach Öffnung des Koffers und Besichtigung des Inhaltes will. Holly stellt den Diener Job ein, der ihn bei Leos Erziehung unterstützen soll.
Als Holly, Leo und Job nun an dem dafür vorgesehenen Tag den Koffer öffnen, finden sie darin unter anderem eine Tonscherbe, auf der die Legende des ägyptischen Priesters Kallikrates, von dem die Familie Vincey abstammt, erzählt wird. Kallikrates floh im Jahr 339 v. Chr. mit der Prinzessin Amenartes, die ihn liebte, aus Ägypten. An der Küste Südostafrikas sank ihr Schiff unweit einer Flussmündung. Kallikrates und Amenartes wurden von Eingeborenen gerettet, die sie zu ihrer weißen Königin brachten. Die Königin verliebte sich in Kallikrates, der seinerseits jedoch Amenartes liebte. Die Königin erstach Kallikrates in einem Anfall von Eifersucht, als er sie abwies.
Seit nunmehr 25 Generationen versuchen die männlichen Nachfahren Kallikrates', sich an der Königin zu rächen. Um herauszufinden, wie viel Wahrheit die Legende enthält und nebenher auf Großwildjagd zu gehen, reisen Leo, Holly und Job nach Afrika.
Ihr Schiff strandet an der gleichen Stelle, an der auch Kallikrates' Schiff unterging. Leo, Holly, Job und der Steuermann Mahomad überleben den Schiffbruch. Mit dem Rettungsboot fahren sie auf dem Fluss landeinwärts. Als das Boot in einem Sumpf steckenbleibt, werden sie halbverhungert von Angehörigen des Volkes der AmahaggerEin fiktives Volk. Der Name ist eine Kombination aus dem Präfix ama für Volk (vgl. etwa Amazulu) und Haggards eigenem Namen. gerettet, einem Volk, das, wie Kallikrates schreibt, den Fremden Töpfe auf die Köpfe setzt.
Die Geretteten sollen gemäß Anweisung ihrer allessehenden Königin geschont werden, jedoch wird Mahomad in einem Gemetzel getötet, das entsteht, als die Amahagger ihm einen rotglühenden Topf auf den Kopf setzen wollen, um ihn anschließend zu verspeisen. Leo, Holly und Job werden wie befohlen vor die Königin gebracht, die in ihrem Palast im Krater und in den Wänden eines erloschenen Vulkans lebt.
Die Königin Ayesha (gesprochen Aisha) ist eine Frau von ungewöhnlicher Schönheit. Sie hüllt ihren Körper und ihr Gesicht in weite Gewänder und lebt hinter einem Vorhang verborgen, weil ihr Männer, die sie unverschleiert sehen, hoffnungslos verfallen. Als sich Ayesha und Leo zum ersten Mal begegnen, verlieben sie sich ineinander. Ayesha ist die Königin, die mehr als 2000 Jahre vorher Kallikrates erstach. Sie überlebte in unveränderter Schönheit, weil sie einst in Flammen verkörperter Lebenskraft badete. Sie hält Leo für den wiedergeborenen Kallikrates, weil er seinem Ahnherrn bis aufs Haar gleicht.
Ayesha und Leo wollen heiraten und nach England reisen. Vorher sollen auch Leo und Holly in der Flamme baden und dadurch ihr Leben verlängern. Die Flamme befindet sich in einer Höhle außerhalb des Palastes in der Dschungelstadt Kolr und ist nur nach Überquerung eines gefährlichen Abgrundes zu erreichen. Die Planke, die über die Schlucht führt, wird bei der Überquerung durch den ängstlichen Job in den Abgrund geworfen.
Vor Leo und Holly badet auch Ayesha in der Flamme. Sie will ihnen zeigen, dass das Bad für sie ungefährlich ist. Nach dem Bad altert sie jedoch in Minutenschnelle vor den Augen ihrer Begleiter um Hunderte von Jahren und stirbt. Job erleidet daraufhin einen Schock und stirbt ebenfalls. Holly und Leo kehren nach England zurück, ohne in der Flamme gebadet zu haben.
Fortsetzungen
Ayesha – Sie kehrt zurück Originaltitel: Ayesha: The Return of She (1905)
Die Fortsetzung weist viele bekannte Motive aus dem ersten Teil auf, so treffen Holly und Vincey wieder auf primitive Stämme, die in den Ruinen einer untergegangenen Kultur leben, welche auch diesmal Einflüsse Griechenlands und Ägyptens aufweisen. Auch hier spielt ein alter Mann eine vermittelnde Rolle und zwei Frauen konkurrieren um die Liebe von Leo Vincey.
Ein Jahr nach der Rückkehr aus Afrika sind Vincey und Holly immer noch von den Erinnerungen an Ayesha besessen und denken ständig daran, ob es eine Möglichkeit gibt, sie zurückzuerlangen. Schließlich hat Leo eine Vision, die ihn glauben lässt, dass eine Wiedergeburt von ihr in Tibet lebt.
Sechzehn Jahre suchen die beiden unter ständiger Lebensgefahr im Himalaya nach einer Spur von ihr. Schließlich finden sie ein Lama-Kloster, das auch in Leos Vision auftauchte. Von dort reisen sie weiter in das abgeschottete (fiktive) Land Kaloon, dessen Bewohner aufgrund einer vorübergehenden Eroberung durch Alexander den Großen Griechisch sprechen. Das Volk wird von einem Khan und einer Khania regiert, die einer alten ägyptischen Dynastie entstammen.
Angrenzend an Kaloon liegt ein Vulkan, der von Priestern eines Hes-Kultes und Feueranbetern bewohnt wird. Hes ist laut Holly ein anderer Name für Isis.
Während die Khania Atene Interesse an Leo Vincey findet und beschließt, ihren Mann Khan Rassen zu töten, erfährt Holly, dass die Hohepriesterin des Berges, Hesea, ihr Kommen vorausgesagt hat und die beiden zu treffen verlangt. In Holly kommt der Verdacht auf, Atene könne die Wiedergeburt von Amenartas und Hesea die von Ayesha sein. Atene verhindert zunächst, dass sie zum Berg weiterreisen, und hält sie für mehrere Monate in Kaloon fest. Sie können entkommen und zwanzig Jahre nach den Ereignissen in Kôr erfahren sie von Hesea die Wahrheit hinter ihren Erlebnissen.
Im alten Ägypten verliebte sich die Königin Amenartas (Atene in einer früheren Inkarnation) in den Isis-Priester Kallikrates (jetzt als Leo Vincey wiedergeboren), den sie der Göttin abspenstig machte. Die Priesterin Ayesha (die heutige Hesea) sollte Kallikrates und Amenartas im Auftrag der Göttin strafen, die sie dafür mit überirdischer Schönheit und langem Leben belohnte. Ihr zu Hilfe wurde der Diener Noot (heute inkarniert als Horace Holly) gestellt. Aber Ayesha verliebte sich selbst in Kallikrates. Isis strafte sie deshalb mit dem Tod ihres Geliebten und verurteilte sie zu einem langen Leben voller Kummer und Reue.
Nachdem Hesea sich offenbart hat, entschleiert sie sich vor den beiden Männern und Atene. Sie ist schrecklich entstellt, eine mumifizierte Version der schnell gealterten Ayesha am Ende von Teil eins. Dennoch entscheidet sich Leo gegen das Werben von Atene für sie. Durch seine Treue erlangt sie ihre Schönheit zurück und verlobt sich mit ihm. Allerdings will sie ihn nicht heiraten, bevor er in die Flammen des Lebens in Kôr getreten ist, ein Unterfangen, das umzusetzen voraussichtlich noch zwei Jahre dauern würde.
Auch gesteht sie Leo, dass sie sich von ihren Göttern abgewandt hat und einen Pakt mit dem bösen Gott Set geschlossen hat. Zunehmend wird ihr Größenwahn deutlich, sie strebt ausgehend von einer geplanten Machtübernahme in China die Weltherrschaft an und die Etablierung einer Einheitsreligion mit ihr als Göttin.
Zunächst kommt es zum Krieg gegen Kaloon, das mithilfe magischer Kräfte verheerend geschlagen wird. Atene gehört zu den zahlreichen Todesopfern. Leo, der mehr und mehr an Ayesha zweifelt, weist die Vergöttlichung zurück und will sie nur als Frau. Er verlangt, die Heirat umgehend zu vollziehen, ohne in die Flamme zu steigen.
Nach ihrem ersten Kuss wird Leo dermaßen überwältigt, dass er auf der Stelle stirbt, Ayesha erfährt dagegen eine umfassende Läuterung, sie ist von ihrem Größenwahn befreit und erlangt ihre Menschlichkeit zurück.
Um mit ihrem Geliebten im Jenseits vereint zu sein, stirbt auch sie. Am Ende gibt sie Holly ein Artefakt, mithilfe dessen er im Augenblick seines Todes sie rufen kann, um im Jenseits zu ihnen zu stoßen. Als dieser nach der Rückkehr nach England schließlich stirbt, erscheint der Geist Ayeshas, um ihn abzuholen.
Das Buch wurde frei interpretiert 1968 durch Cliff Owen für die Hammer Studios unter dem Titel The Vengeance of She (deutscher Titel: Jung, blond und tödlich) verfilmt.
Sie und Allan Originaltitel: She and Allan (1921)
Allan Quatermain will wissen, ob er Mameena, eine Frau, die er verloren hat, im Jenseits wieder treffen wird. Dazu befragt er den afrikanischen Zauberer Zikali. Der verweist ihn an eine weiße Hexe (Ayesha), die wie er Mitglied einer Medizinmann- oder Propheten-Gilde sei und die er in Begleitung des Häuptlings Umslopogaas und des Dieners Hans, einem dem Alkohol zugeneigten Khoikhoi, aufsuchen soll.
Unterwegs treffen sie den ehemaligen Händler Captain Robertson, der sich mit seiner Tochter Inez in der Wildnis niedergelassen hat, um ungestört seiner Trunksucht und seiner Vorliebe für Eingeborenenfrauen nachgehen zu können. Seine Farm wurde von den Amahaggern überfallen, die sein Personal getötet und gefressen sowie Inez entführt haben, um sie zu ihrer Göttin zu machen. Dabei handelt es sich um Abtrünnige, die von Ayesha abgefallen sind.
Billali rettet sich schließlich und bringt sie nach Kôr zu Sie-die-befiehlt, wie sie hier noch genannt wird. Sie erzählt Allan von ihrer Jugend im Jemen. Als Prinzessin nahm man es ihr übel, dass sie sich nicht für Männer interessierte, was zu Unruhe führte, da so viele Männer sie begehrten. Also zog sie durch die Welt, um die Völker und Religionen zu studieren.
In Zypern verärgerte sie die Göttin Aphrodite, die sie daraufhin verfluchte, auf ewig Kallikrates lieben zu müssen. Nachdem sie dem Kult der Isis beigetreten war, fiel sie auch bei dieser in Ungnade, da sie sich mit der konkurrierenden griechischen Göttin eingelassen hatte (Aphrodite steht hier für das Fleisch, Isis für den Geist). Isis verfluchte sie, ihren Kallikrates töten zu müssen und dann die Quelle des Lebens zu entdecken, damit sie ihm nicht in den Tod folgen kann, sondern lange auf ihn warten muss.
Nun steht ein Konflikt in Kôr an. Die Amahagger verehren den Sonnengott Rezu, die Ayesha treuen Eingeborenen die Mondgöttin Lulala. Rezus Anhänger sehen sie als Eindringling, da ihre Kultur sehr alt ist, so alt, dass sie schon das alte Ägypten besiedelt haben. Der König der Amahagger heißt ebenfalls Rezu, gilt als Personifikation des Gottes und will sie schlagen, indem er ebenfalls eine weiße Herrscherin einsetzt. Dabei handelt es sich um Inez. Neben den beiden Göttern gibt es noch einen dritten: die Wahrheit.
Nachdem Quatermain Ayesha durch seinen Unglauben verärgert hat, beschließt sie, ihn nicht wie ursprünglich geplant in die Flamme des Lebens zu führen. Dennoch soll er ihr im Kampf helfen, da sie nicht direkt den von Rezu geschützten König angreifen kann, denn der war ebenfalls in der Flamme des Lebens. In der Schlacht werden sowohl Captain Robertson als auch Rezu getötet. Daraufhin führt Ayesha Quatermain über die Schwelle des Todes. In einer umfangreichen Vision sieht er die Seelen zahlreicher Verstorbener, aber niemand nimmt ihn wahr. Nur Mameena erkennt ihn, da sie „voller Sünde und deshalb nicht völlig vergeistigt“ sei.