Die Berg-Kuhschelle (Pulsatilla montana), auch Berg-Küchenschelle oder Berg-Anemone genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Kuhschellen (Pulsatilla) innerhalb der Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae).

Beschreibung mini|links|Illustration aus Choix de plantes de l'Europe centrale et particulièrement de la Suisse et de la Savoie, Tafel 3 mini|Habitus mit Fruchtständen im Habitat mini|Blüten im Habitat bei Zeneggen in Wallis

Vegetative Merkmale Die Berg-Kuhschelle ist eine mehrjährige, krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 10 bis 20 Zentimetern erreicht. Die oberirdischen Pflanzenteile sind behaart. Der Stängel ist aufrecht.

Die Grundblätter erscheinen erst während der Blütezeit und sterben im Herbst ab. Sie sind langgestielt, gefiedert und besitzen fiederteilige Abschnitte sowie schmale, zugespitzte, behaarte Zipfel; diese sind schmaler als bei Hallers Küchenschelle (Pulsatilla halleri). Die Blätter haben keinen seidigen Glanz.

Generative Merkmale Die Blütezeit reicht von April bis Mai. Die Hochblatthülle weist verwachsene, tief zerschlitzte, linealische Zipfel auf und ist stark behaart.

Die zwittrigen Blüten sind endständig und nickend. Die meist sechs Blütenhüllblätter sind schwarz- bis dunkelblauviolett gefärbt, 20 bis 30 Millimeter lang und außen zottig behaart.

Die Früchtchen sind rau behaart. Die Griffel sind bis zu 30 Millimeter lang und abstehend behaart.

Die Chromosomenzahl beträgt beispielsweise 2n = 16.

Vorkommen Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich über die Alpen (Südwestalpen, Wallis, Vintschgau und Südalpen), die Karpaten und den Balkan. Es gibt ursprüngliche Vorkommen in Frankreich, Schweiz, Italien, Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Serbien, Nordmazedonien, Griechenland, Bulgarien, Rumänien, Moldau, Ukraine und Armenien. Pulsatilla montana kommt vom Tal bis in Höhenlagen von 2000 Metern auf kalkhaltigen Böden in sehr trockenen Lagen vor.

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 1+ (trocken), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 3+ (unter-montan und ober-kollin), Nährstoffzahl N = 2 (nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 5 (kontinental).

Systematik Die Erstbeschreibung erfolgte 1826 unter dem Namen (Basionym) Anemone montana durch David Heinrich Hoppe in Jacob Sturm: Deutschlands Flora in Abbildungen nach der Natur mit Beschreibungen ... Abtheilung 1, 12, Heft 46, Tafel 4. Die Neukombination zu Pulsatilla montana wurde 1832 durch Ludwig Reichenbach in Flora Germanica Excursoria Seite 733 veröffentlicht.

Von Pulsatilla montana gibt es etwa sechs Unterarten: Pulsatilla montana subsp. balkana (Syn.: Pulsatilla balkana , Pulsatilla montana subsp. australis ): Sie kommt in Bulgarien, Rumänien und Serbien vor. Pulsatilla montana subsp. bulgarica : Sie kommt in Bulgarien und Serbien vor. Pulsatilla montana subsp. jankae (Syn.: Pulsatilla dacica , Pulsatilla montana subsp. dacica ): Sie kommt in Kroatien, Serbien, Rumänien, Moldau und Ukraine vor. Das Epitheton ehrt den österreichisch-ungarischen Botaniker Viktor Janka von Bulcs (1837–1890), der diese Sippe entdeckt hat. Pulsatilla montana subsp. montana: Sie kommt in Frankreich, in der Schweiz, in Italien und Kroatien vor. Pulsatilla montana subsp. olympica : Dieser Endemit kommt in Griechenland nur am Olymp vor. Sie ist vielleicht ein Synonym von Pulsatilla halleri subsp. rhodopaea . Pulsatilla montana subsp. slaviankae (Syn.: Pulsatilla slaviankae , Pulsatilla velezensis subsp. slaviankae ): Sie kommt in Griechenland, Bulgarien, Nordmazedonien und in Armenien vor.

In der Schweiz kommt die Hybride Bozen-Anemone Pulsatilla ×bolzanensis vor. Sie ist wohl entstanden als Pulsatilla montana x Pulsatilla vernalis und kommt lokal im Wallis vor. Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 16.

Literatur Gunter Steinbach (Hrsg.): Alpenblumen (Steinbachs Naturführer). Mosaik Verlag GmbH, München 1996, ISBN 3-576-10558-1. Jaakko Jalas, Juha Suominen (Hrsg.): Atlas Florae Europaeae. Distribution of Vascular Plants in Europe., Band 8, Nymphaeaceae to Ranunculaceae., Helsinki 1989, ISBN 951-9108-07-6, S. 92–94. Jörg Rummelspacher: Beitrag zur Kenntnis der Pulsatilla montana (Hoppe) Reichenbach. In: Feddes Repertorium, Band 71, 1965, Seite 1–49.

Einzelnachweise E. von Raab-Straube, R. Hand, E. Hörandl, E. Nardi (2014+): Ranunculaceae.: Datenblatt Pulsatilla montana In: Euro+Med Plantbase – the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Jaakko Jalas, Juha Suominen (Hrsg.): Atlas Florae Europaeae. Distribution of Vascular Plants in Europe. Band 8, Nymphaeaceae to Ranunculaceae., Helsinki 1989, ISBN 951-9108-07-6, S. 92–94.

Weblinks

Thomas Meyer: Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben). Ranunculaceae / Pulsatilla montana Steckbrief mit Fotos bei Botanik im Bild / Flora von Österreich, Liechtenstein und Südtirol, zuletzt bearbeitet 10. März 2017. Datenblatt mit Foto und Verbreitung in Frankreich bei Tela Botanica.

Kategorie:Kuhschellen Kategorie:Alpenflora