miniatur|Gemeindegebiet mit Ortsteilen von Linsengericht Linsengericht ist eine hessische Gemeinde im Main-Kinzig-Kreis zwischen Schöllkrippen und Gelnhausen.
Geografie Geografische Lage Die Gemeinde liegt am nördlichen Rand des Spessarts, von Gelnhausen getrennt durch das Kinzigtal. Im Westen liegt einer der Zeugenberge des Spessarts, der Rauenberg, 280 m über NHN. Der topographisch höchste Punkt des Gemeindegebiets befindet sich mit am Gipfel des Franzosenkopfes.
Nachbargemeinden Linsengericht grenzt im Norden an die Stadt Gelnhausen, im Osten an die Gemeinde Biebergemünd, im Süden an die Gemeinden Geiselbach und Westerngrund im Landkreis Aschaffenburg (Bayern) und im Westen an die Gemeinden Freigericht und Hasselroth.
Gemeindegliederung Linsengericht besteht aus den fünf Ortsteilen Altenhaßlau, Eidengesäß, Geislitz (mit Hof Eich und Eichermühle), Großenhausen (mit Waldrode) und Lützelhausen. Die Gemeindeverwaltung befindet sich im Ortsteil Altenhaßlau.
Geschichte und Herkunft des Ortsnamens miniatur|Altes Fachwerkhaus in Altenhaßlau
Die Gemeinde Linsengericht wurde am 1. September 1970 im Zuge der Gebietsreform in Hessen durch den freiwilligen Zusammenschluss der vier bis dahin selbständigen Gemeinden Altenhaßlau, Eidengesäß, Geislitz und Großenhausen gegründet. Am 31. Dezember 1971 schloss sich auch Lützelhausen der neuen Gemeinde an.
Als möglicher Name der Großgemeinde war zunächst auch Birkenhain im Gespräch. Die hessischen Landesbehörden befanden, dass der Name Linsengericht historisch treffender sei. Der Name der Gemeinde bezieht sich hierbei nicht auf eine zubereitete Speise mit Linsen, sondern auf den Standort eines Gerichtes.
Die genannten fünf Gemeinden des Gerichtes Altenhaßlau sind durch ihre Lage und Geschichte eng miteinander verbunden. Das Gericht, das auch unter dem Namen Linsengericht bekannt ist, wird erstmals in einer Urkunde vom 20. September 1240 erwähnt. Für die Entstehung des Namens sind verschiedene Erklärungen bekannt: So könnte der Name eine Abänderung von „Lindengericht“ (Gerichtsort unter einer Linde) darstellen. In Bezug auf dieses sogenannte „freie Gericht“ gibt es auch eine andere Auslegung: Es wird berichtet, dass bei der Rechtsprechung dieses freien Gerichtes um keiner Linse Wert vom Recht abgewichen wurde. Nach einer anderen Deutung soll der Name dadurch entstanden sein, dass in früheren Zeiten in den Gemarkungen der Gerichtsgemeinde sehr viel Linsen angebaut wurden. Heute noch vorhandene Flurbezeichnungen (Linsenacker, Linsenrain, Linsengraben) deuten auf die Richtigkeit dieser Vermutung hin.
Ursprünglich war das Gericht „Hasela“ freies Reichsgut und unterstand nur dem Kaiser. Im 13. Jahrhundert gehörte das Gebiet zum Herrschaftsbereich des Hochstifts Würzburg. Vom damaligen Bischof erhielten die Ritter von Trimberg das Gericht zu Lehen. So gingen allmählich die Rechte und Freiheiten der Gerichtsbewohner, abgesehen vom Gerichtswald, an die Herren von Trimberg, dann an die von Eppstein und von Hanau verloren. Die niedere Gerichtsbarkeit übte der frei gewählte Zehntgraf auf der Gerichtsstätte in Altenhaßlau aus.
Großes Elend brachte der Dreißigjährige Krieg für die Dörfer des Gerichtes Altenhaßlau. Nach einem Verzeichnis des Jahres 1632, also vor den schlimmsten Kriegsjahren, standen in Eidengesäß 43, in Geislitz mit Hof Eich und Eichermühle 32, in Altenhaßlau 30, in Großenhausen 22 und in Lützelhausen 14 Häuser. Die Einwohnerschaft wird mit insgesamt 141 Ehepaaren angegeben. Die größten Verluste mussten die Dörfer in den Jahren 1634/35 hinnehmen, so dass nach Kriegsende im Jahre 1648 nur noch 14 Familien hier wohnten.
Die Gemarkung der einzelnen Dörfer hat sich im Laufe der Jahrhunderte allmählich aus dem alten Gerichtsbezirk „Zent Hasela“ herausgeschält. Anfangs waren die Dorfmarken durch Hegzäune von Feld, Flur, Wiesen, Weide und Wald abgegrenzt. Der Bereich außerhalb der Dorfmarken war Allmende, wie es bis heute beim Gerichtswald der Fall ist. Der Umfang des Kirchspiels Altenhaßlau stimmt noch jetzt mit dem des alten Gerichtsbezirks und der Märkergenossenschaft „Haselau“ überein.
Am 14. Oktober 2024 wurden in Altenhaßlau Stolpersteine zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus verlegt.
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Linsengericht 9396 Einwohner. Nach dem Lebensalter waren 1655 Einwohner unter 18 Jahren, 2867 zwischen 18 und 49, 2162 zwischen 50 und 64 und 1884 Einwohner waren älter. Unter den Einwohnern waren 201 (2,0 %) Ausländer, von denen 201 aus dem EU-Ausland, 188 aus anderen europäischen Ländern und 75 aus anderen Staaten kamen. Bis zum Jahr 2020 erhöhte sich die Ausländerquote auf 8,6 %. Die Einwohner lebten in 4212 Haushalten. Davon waren 1209 Singlehaushalte, 1225 Paare ohne Kinder und 1367 Paare mit Kindern, sowie 363 Alleinerziehende und 48 Wohngemeinschaften. In 825 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 2889 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung
Die bisher höchste Einwohnerzahl wurde im Jahr 2009 mit 9945 Einwohnern erreicht.
Historische Religionszugehörigkeit • 1987: 5530 evangelische (= 66,7 %), 1978 katholische (= 23,8 %), 789 sonstige (= 9,5 %) Einwohner • 2011: 4788 evangelische (= 48,5 %), 2055 katholische (= 20,8 %), 3018 sonstige (= 30,6 %) Einwohner
Politik Gemeindevertretung Für die Gemeindevertretung der Gemeinde Linsengericht erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 15. März 2026 in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:
Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001 30,7 817,3520,6617,8519,9520,06 30,4 839,71144,51242,31234,0931,510 19,6 522,0627,2726,9735,41034,210 13,2 48,32–––––––– 3,41–––––––––– 2,61––––0,300,30–– ––12,737,7212,636,925,92 WIESO WIESO! -Liste Zukunft-––––––––3,518,43 Gesamt 100,0 27 100,0 27 100,0 27 100,0 27 100,0 27 100,0 31 Wahlbeteiligung in % 65,6 55,8 57,0 51,2 19,1 54,6 mini|Rathaus
Bürgermeister Nach der hessischen Kommunalverfassung wird der Bürgermeister für eine sechsjährige Amtszeit gewählt, seit dem Jahr 1993 in einer Direktwahl, und ist Vorsitzender des Gemeindevorstands, dem in der Gemeinde Linsengericht neben dem Bürgermeister ehrenamtlich ein Erster Beigeordneter und vier weitere Beigeordnete angehören.Gremien: Gemeindevorstand Bürgermeister ist seit dem 1. Juli 2026 Markus Betz (CDU). Er wurde als Nachfolger von Albert Ungermann (SPD), der nach vier Amtszeiten nicht wieder kandidiert hatte, am 29. März 2026 in einer Stichwahl bei 54,1 Prozent Wahlbeteiligung mit 54,7 Prozent der Stimmen gewählt.hessenschau: Bürgermeister-Stichwahl am 29. März 2026 in Linsengericht
Amtszeiten der Bürgermeister - Votemanager: Wahltermine Gemeinde Linsengericht, seit 2001 2026–2032 Markus Betz (CDU) - 2002–2026 Albert Ungermann (SPD)Osthessen News, 3. März 2002: Bürgermeister-Stichwahl mit Ungermann und Breitenbach: „Die vorzeitige Wahl war nötig, weil der 63jährige Bürgermeister Theo Ratzka aus Ärger über politische Querelen mit den Gemeindegremien nicht mehr kandidierte und seine Amtszeit zum 30. Juni 2002 ausläuft.“ 1987–2002 Theodor Ratzka (BGL) 1970–1987 Hubert Breidenbach
Ortsbeiräte Für alle Ortsteile besteht je ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach Maßgabe der §§ 81 und 82 HGO und des Kommunalwahlgesetzes in der jeweils gültigen Fassung. Die Ortsbezirke sind durch die Gebiete der ehemaligen Gemeinden abgegrenzt. Jeder Ortsbeirat bestehen aus acht Mitgliedern. Deren Wahl erfolgt im Rahmen der Kommunalwahlen. Der Ortsbeirat wählt eines seiner Mitglieder zum Ortsvorsteher bzw. zur Ortsvorsteherin. Zur Zusammensetzung siehe die jeweiligen Ortsteile. Mit der Kommunalwahl 2026 wurden erstmals keine Ortsbeiräte gewählt.
Wappen und Flagge mini|100px Wappen
Flagge
Die Flagge der Gemeinde wurde am 27. August 1976 durch das Hessische Innenministerium genehmigt und wird wie folgt beschrieben:
„Zwischen schmalen gelben Seitenstreifen eine breite rote Mittelbahn, im oberen Drittel belegt mit dem Gemeindewappen.“
Partnergemeinden Altenhaßlau: Saint-Étienne-du-Bois (Ain), Frankreich (seit 1965) Lützelhausen: Geboltskirchen, Österreich (seit 1986) Alsónána (Unternanau), Ungarn (seit 2001)Partnergemeinden der Gemeinde Linsengericht, abgerufen am 25. August 2021.
Öffentliche Einrichtungen Kindertagesstätten Kindergarten Altenhaßlau – Hasselbachzwerge ist eine integrative Kindertagesstätte. Die Kita bietet, in vier Gruppen, Platz für bis zu 75 Kinder, die von 12 pädagogischen Fachkräften betreut werden. Kindertagesstätte Lummerland, in Eidengesäß, Kita Die Wirbelwinde in Großenhausen, Kita Die Brunnenkinder, in Geislitz, Montessori Kinderhaus, hat Platz für bis zu 20 KindernMontessori Kinderhaus, aufgerufen am 16. Dezember 2021, in Altenhaßlau
Schulen Hasela-Grundschule, früher Grund- und Hauptschule Altenhaßlau, Martinsschule, eine Förderschule für den Schwerpunkt geistiger Entwicklung, seit 1980Martinsschule Linsengericht, aufgerufen am 10. Dezember 2021 in Altenhaßlau, Brentano-Schule hat die Abteilungen: Förderschule mit Schwerpunkt Lernen, Förderschule mit Schwerpunkt Sprachheil-Förderung, sowie das Beratungs- und Förderzentrum, in Altenhaßlau, Montessori-SchuleMontessori-Schule mit Kindergarten, aufgerufen am 10. Dezember 2021, in Altenhaßlau, Geisbergschule eine reine Grundschule, in Eidengesäß
Weiterführende Schulen in der Region sind: Kopernikusschule im Freigericht, eine Kooperative Gesamtschule, Käthe-Kollwitz-Schule Langenselbold, eine Integrierte Gesamtschule, Alteburg-Schule in Kassel, eine Haupt- und Realschule, Grimmelshausen-Gymnasium Gelnhausen, ein Gymnasium mit Mittagsbetreuung.
Freiwillige Feuerwehr Linsengericht Hatten früher alle 5 Ortsteile eine eigene Feuerwehr mit einem sogen. Gerätehaus, verfügt - durch den Zusammenschluss der Wehren von Großen- und Lützelhausen zum 01.01.2026 zur Feuerwehr Süd-West - die Gemeinde Linsengericht nun über 4 Feuerwehrstützpunkte, mit eigenen Einsatzschwerpunkten, bzw. Aufträgen.
Weiteres Behindertenwerk Main-Kinzig – Barbarossa-Werkstatt, Einrichtung zur Behindertenförderung, seit 1973. Haus der Vereine, früher Alte Schule, in Altenhaßlau
Verkehr Bahnanschluss besteht über den Bahnhof Gelnhausen, der unmittelbar nördlich von Altenhaßlau liegt. Linsengericht liegt an der Abfahrt Gelnhausen-West der A66 Frankfurt–Fulda. Die Grenze zwischen Gelnhausen und Linsengericht wird dort über eine längere Strecke durch den Schandelbach gebildet.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Museen und Archive Heimatmuseum Das Heimatmuseum wurde am 16. April 1994 in der Zehntscheune eröffnet.Heimatmuseum Zehntscheune aufgerufen am 7. Dezember 2021 Historisches Archiv Das im März 1996 eröffnete Gemeinde- und Vereinsarchiv wird vom Geschichtsverein ehrenamtlich verwaltet. Das Archiv enthält Gemeindeakten, die bis zum Jahre 1735 zurück reichen.Archiv aufgerufen am 7. Dezember 2021 Radio-Museum Das Radio-Museum Linsengericht wurde am 6. Dezember 1998 vom Verein „Die Ohrwürmer“ gegründet.Radio-Museum landbote.info
Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Gemeinde Karl Glöckner (auch „Opa Glöckner“ genannt) (* 28. Dezember 1845 in Eidengesäß - † +3. Oktober 1953) war in seinen letzten Lebensjahren der älteste Bewohner Deutschlands. Nach ihm ist die Karl-Glöckner-Straße in Eidengesäß benannt, in der er ab seinem zweiten Lebensjahr wohnte. In der Zehntscheune von Linsengericht hängt ein Porträt von ihm, das 1952, in seinem 107. Lebensjahr, ein Jahr vor seinem Tode, von Wilhelm Eidam gemalt wurde„Ein Ehrenplatz für „Opa Glöckner“-Ein restauriertes Gemälde vom einst ältesten Einwohner Deutschlands, Karl Glöckner, hängt in der Zehntscheune in Altenhaßlau“, Gelnhäuser Neue Zeitung, 4. Dezember 2021.