Steinhagen ist eine Gemeinde in Nordrhein-Westfalen, Deutschland und gehört zum Kreis Gütersloh. Am zählte die Gemeinde Einwohner.

Geographie Geografische Lage Steinhagen liegt in der Emssandebene am Südhang des Teutoburger Waldes, der das Gemeindegebiet von Nordwesten nach Südosten durchzieht. Dieser Höhenzug begrenzt gleichzeitig das östliche Münsterland und die Westfälische Bucht und ist an dieser Stelle Teil der Weser-Ems-Wasserscheide. Höchste Erhebung ist der Bußberg mit 306 Metern. Der Kottenteich liegt mit 70 Metern am tiefsten. Durch die Gemeinde verläuft der 52. Breitengrad, der am Steinhagener Gymnasium gekennzeichnet ist. Die Entfernung nach Bielefeld beträgt 10 km und nach Gütersloh 15 km.

Geologie mini|Geothermische Karte von Steinhagen Der nördliche Teil des Gemeindegebietes befindet sich im Höhenzug Teutoburger Wald, wobei die Gemeindegrenze zu weiten Teilen auf dem Kammrücken verläuft. Nach Süden hin läuft das Gemeindegebiet in die Emssandebene aus.

Steinhagen wird zum Nordostrand des Münsterländer Beckens gerechnet, das in etwa die Gestalt einer Schüssel hat. Hier sind die Gesteine des oberflächennahen Untergrunds steil aufgerichtet. Sie bestehen aus Tonmergel-, Kalkmergel-, Kalk- und Mergelsteinen, aber auch aus Sandsteinen und Sandmergeln des Erdmittelalters (Unter- und Oberkreide). Diese Gesteine liegen über einem Sockel aus gefalteten Gesteinen des Erdaltertums (Devon, Karbon). Im Übergangsbereich zum Münsterland werden die Kreideschichten zunehmend von einer geringmächtigen, meist sandigen Lockergesteinsschicht aus dem Eiszeitalter (Quartär) überdeckt, die aus Flusssedimenten der Ems und aus eiszeitlichen Ablagerungen wie Grundmoräne oder Schmelzwassersanden besteht.

Im Gemeindegebiet sind die nassen und die trockenen Böden unregelmäßig verteilt. In den Niederungen und Tälern steht das Grundwasser bis dicht an die Bodenoberfläche. Dort dominieren Grundwasserböden (Gleye), die mit einem Schleier aus Flugsand (Quartär) überzogen sind. Dieser neigt zur Heidebodenbildung (Podsolierung), so dass großflächig Podsol-Gleye vorliegen. Mit zunehmender Flugsanddecke nimmt der Grundwassereinfluss ab. Auf den Flugsanden haben sich Heideböden (Podsole) gebildet, örtlich mit Ortstein im Unterboden (z. B. bei Brockhagen). Bei Steinhagen sind sandig-lehmige Böden aus Geschiebelehm vorherrschend. Über den undurchlässigen Schichten des Geschiebelehms staut sich das Sickerwasser zeitweise bis in den Oberboden. Diese staunassen Böden (Pseudogleye) zeigen im Profil ein graurotbraunes Fleckungsbild. Am Südwesthang des Teutoburger Waldes sind aus den Schmelzwassersanden Podsole entstanden. Als Ergebnis des jahrhundertelangen Landbaus bestehen diese Böden zum Teil tiefreichend aus Humus, vereinzelt mit Plaggenauftrag (Plaggenesch). Am Oberhang des Teutoburger Waldes, z. B. auf dem Jakobsberg, sind Kalksteine der Kreide zu flachgründigen, toniglehmigen Böden (Rendzinen) verwittert.

Steinhagen eignet sich mittelmäßig bis gut, im südwestlichen Bereich zum Teil sehr gut, zur Nutzung von geothermischen Wärmequellen mittels Erdwärmesonde und Wärmegewinnung durch Wärmepumpenheizungen (vgl. dazu die nebenstehende Karte). (PDF; 369 kB).

Ausdehnung und Nutzung des Gemeindegebiets mini|250px|Flächennutzung in Steinhagen Die als große Landgemeinde klassifizierte Gemeinde umfasst eine Fläche von 56,19 km², davon 6,93 km² im Ortsteil Amhausen, 25,85 km² im Ortsteil Brockhagen und 23,39 km² im Ortsteil Steinhagen. Der überwiegende Teil besteht aus landwirtschaftlich genutzter Fläche und Waldfläche, zusammen etwa 79 %, gefolgt von bebauter Fläche und Verkehrsfläche, zusammen etwa 19 %. Die größte Ausdehnung in Nordsüdrichtung ist rund 8,3 km, in Ostwestrichtung etwa 11,5 km. Flächenach Nutzungsart Landwirt-schaftsfläche Wald-fläche Gebäude-, Frei-und Betriebsfläche Verkehrs-fläche Wasser-fläche Sport- undGrünfläche sonstigeNutzung Fläche in km² 34,14 10,44 7,42 3,01 0,33 0,59 0,25 Anteil an Gesamtfläche 60,76 % 18,58 % 13,21 % 5,36 % 0,58 % 1,05 % 0,44 %

Nachbargemeinden Halle Werther BI-Dornberg Harsewinkel Datei:Windrose klein.svg BI-Quelle Gütersloh BI-Ummeln

Steinhagen grenzt im Osten an die kreisfreie Stadt Bielefeld (im Einzelnen im Nordosten an den Stadtteil Dornberg, im Osten an den Stadtteil Quelle und im Südosten an den Stadtteil Ummeln) sowie im Süden an Gütersloh. Im Westen schließen sich Harsewinkel, im Nordwesten Halle und im Norden Werther an, die jeweils zum Kreis Gütersloh gehören.

Gemeindegliederung Steinhagen gliedert sich in drei Ortsteile: Neben der Kerngemeinde Steinhagen besteht der Ort aus Amshausen und Brockhagen. Letzteres ist dörflich-ländlich geprägt. Einen Überblick über die Bevölkerungszahlen der Ortsteile gibt folgende Tabelle:

Ortsteil Einwohner (nur Hauptwohnsitze)Stand: 1. Januar 2022 Gliederung von Steinhagen 250px|zentriert Amshausen 3.141 Brockhagen 3.139 Steinhagen 14.130 Gesamt 20.410

Klima 250px|mini|Niederschlagsdiagramm Steinhagen-Brockhagen Steinhagen gehört der gemäßigten Klimazone Mitteleuropas an. Es liegt im Bereich des subatlantischen Seeklimas. Die Winter sind unter atlantischem Einfluss meist mild und die Sommer mäßig warm. Zum Klima in der Region Ostwestfalen-Lippe, zu der Steinhagen gehört, siehe auch den Artikel Klima in Ostwestfalen-Lippe.

Durch die Lage im subatlantischen Seeklima herrscht ganzjährig ein humides Klima mit relativ gleich verteilten Niederschlägen vor. Insgesamt fallen an der Messstation Brockhagen im langjährigen Mittel 775 mm Niederschlag je Jahr. Somit fällt mehr Niederschlag, als im deutschen Mittel (700 mm), allerdings deutlich weniger Niederschlag als von der Messstation aus in nordöstlicher Richtung des Gemeindegebietes. Dort fallen durch die Regenfängerwirkung des Teutoburger Walds aufgrund von Steigungsregen bis zu 1200 mm Niederschlag je Jahr.

Geschichte Konrad III. bestätigte im Jahr 1147 dem Stift Herford Besitzrechte an mehreren Hagen (also Höfen oder Hofstellen), darunter den Hofstellen oder Ortsbezeichnungen „Schabbehardt“ (als Scapaharda) und „Burde“ (Bedeutung Börde, zu altsächsisch *būrida) im Siedlungsgebiet des heutigen Steinhagen. Es wird vermutet, dass diese Höfe die Keimzellen des heutigen Ortes sind. Urkundlich belegt ist, dass ein Hagen in Burde mit zwölf Höfen dem Stift Herford im Jahr 1300 zu Zinsleistungen verpflichtet war. In späteren Urkunden wird „Burde“ auch „Nienhagen“ genannt.

In unmittelbarer Nachbarschaft dieses Hagen wurde durch den Grafen von Ravensberg (Hermann oder Ludwig) vermutlich Mitte des 11. Jahrhunderts eine Siedlung gegründet, die aus elf freien Höfen bestand und „Steinhagen“ genannt wurde. In einer Paderborner Urkunde vom 2. August 1258 wird die Siedlung erstmals als „Steinhagen“ bezeichnet. Beide Siedlungskerne wurden im Zuge einer kirchlichen Gebietsreform im Jahr 1334 vereint. Nach und nach wurden die Bezeichnungen „Burde“ und „Nienhagen“ zugunsten von „Steinhagen“ nicht mehr verwendet. In der Grafschaft Ravensberg gehörte das Kirchdorf Steinhagen zur Vogtei Brackwede im Amt Sparrenberg.

Im Mittelalter nahm die Leinenproduktion einen gewaltigen Aufschwung. Die Ursprünge des Leinengewerbes lagen in der ländlichen Hausspinnerei und Hausweberei. Beides wurde im Winter betrieben und diente anfangs der Deckung des Eigenbedarfs. Bald schon jedoch entdeckten die Grundherren die neue Einnahmequelle. Vom 12. Jahrhundert an wurden in den Heberegistern der Abtei Herford grundherrliche Abgaben an Flachsbündeln und Leinentüchern erwähnt. Die Anfänge des Leinengewerbes in Steinhagen sind unklar. Vermutlich baute man dort jedoch schon im 13. Jahrhundert Flachs und Hanf an. In den Herforder Heberegistern wird von einer Bokemühle bei Borde berichtet. Sie soll an einem heute nicht mehr erkennbaren Arm des Landbaches in der Nähe des Hofes Rueshop gelegen haben.

In den folgenden Jahrhunderten galt das bäuerliche Textilgewerbe vor allem bei Heuerlingen und Köttern als Nebenerwerb, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Die Verarbeitung war vom 14. bis zum 18. Jahrhundert deshalb mehr auf dem Lande als in den Städten zu finden.

Auch Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst (1640–1688) und Graf von Ravensberg, sah das Leinengewerbe als einen der wichtigsten wirtschaftlichen Faktoren der Grafschaft Ravensberg an. Am 20. April 1688 erließ er ein Edikt über den Handel in der Grafschaft, nach denen schmales Leinen aus den Kirchspielen Steinhagen und Brockhagen frei vom Vorkaufsrecht der Herforder und Bielefelder Kaufleute sein sollten. Er nannte das Ravensberger Land auch „mein liebes Spinn- und Leinenländchen“.

Neben dem Flachs galten Hanfanbau und Hanfverarbeitung seit dem Hochmittelalter als wesentlicher Produktionszweig. Vor allem in feuchten Niederungs- und Bruchgebieten wurde er auf Steinhagener und Brockhagener Gebiet und im südlichen Ravensberger Land angebaut. Produkte aus Hanf wurden auch nach England, Niederlande und Nordamerika exportiert. Die Faser wurde zur Herstellung von Seilen und groben Stoffen wie Schiffssegeln u. a. verwendet. Auch die groben Hemden der Sklaven in Übersee waren oft aus diesem Gewebe. Seit der Zeit des Großen Kurfürsten wurden Anbau und Fertigung von Hanf- und Leinenerzeugnissen staatlich reglementiert, wie auch das gesamte Wirtschaftsleben in der Grafschaft Ravensberg, zu der Steinhagen gehörte. Durch Leggeordnungen (1669/1672) wurde die Leinenproduktion vereinheitlicht und überprüft. Kurfürstliche Beamte kontrollierten Qualität und Maße; und legten Strafen und Gebühren fest. Steinhagen und Brockhagen wurden in der Gebührenordnung genannt. Wichtigstes Dokument ist das "Commercien-Edict" von 1688. Hier ist eine Sonderregelung für Steinhagen und Brockhagen verzeichnet.

Die Nachfolger des Kurfürsten haben auch als Preußenkönige das Leinengewerbe in immer größerem Maße gefördert. Steuerermäßigungen, die Erlangung der Personenfreiheit und Befreiung vom Wehrdienst veranlassten immer Menschen, Flachs anzubauen und zu verarbeiten. Um 1720 gab es in der Grafschaft Ravensberg kaum einen Bauern, der nicht Flachs anbaute.

Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts brachen über das bäuerliche Leinengewerbe schwere Zeiten herein. Die Auswirkungen der Französischen Revolution, die napoleonischen Kriege, dazu die von Napoleon verhängte Kontinentalsperre führten zu Absatzrückgang und zur Verelendung großer Teile der Landbevölkerung. Während der Zeit des Königreichs Westphalen gehörte Steinhagen im Distrikt Bielefeld von 1807 bis 1810 zum Kanton Brackwede und von 1811 bis 1813 zum Kanton Brockhagen. Steinhagen wurde 1813 wieder preußisch und kam 1816 zum neuen Kreis Halle. Im Kreis Halle gehörte die Gemeinde zum Amt Halle.

Ab 1936 befand sich in Steinhagen zwei Außenstellen des Strafgefangenenlager Oberems. Die erste Außenstelle mit der Bezeichnung "Steinhagen" wurde ab 1936 bezogen. Eine weitere folgte ab 1944 mit der Bezeichnung "Amshausen" bei der Firma Schlichte. Beide bestanden bis zur Auflösung des Lagers 1945.

In dem durch die anschließende Industrielle Revolution eingeleiteten Industriezeitalter wurden die an den heimischen Boden gebundenen bäuerlichen Lebensformen brüchig. Die Umgestaltung der Wirtschaft begann in Europa u. a. mit der Verwendung von Maschinen zur Textilherstellung. Besonders die Konkurrenz aus dem Ausland mit Erzeugnissen von höherer Qualität und niedrigeren Preisen verstärkte die Situation und setzte die heimischen Löhne unter massivem Druck. Nirgendwo dürfte die Not so bitter und aussichtslos gewesen sein wie unter den Heimwebern im südwestfälisch-ravensberger Raum und in Schlesien.Gertrud Angermann: Land-Stadt-Beziehungen. Bielefeld und sein Umland 1760–1860. Coppenrath, Münster 1982, ISBN 3-88547-175-2, S. 162–182. Große Teile der verelendeten Landbevölkerung wanderten aus oder in die großen, aufblühenden und wachsenden Industriestädte ab, weil die in Heimarbeit betriebene Handweberei wirtschaftlich unrentabel geworden war.