Die Zeche Pluto war ein Steinkohlebergwerk in Herne im Stadtteil Wanne-Eickel. Das Bergwerk war zunächst unter dem Namen Zeche St. Nicolaus geführt worden und wurde später umbenannt in Zeche Pluto. Der Name des Bergwerks ist angelehnt an den griechischen Gott Pluto, den Gott der Unterwelt. Die Zeche Pluto gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Rheinisch-Westfälischen Kohlen-Syndikats. Außerdem gehörte die Bergbau-Aktien-Gesellschaft Pluto zu den Gründungsmitgliedern des Vereins für die bergbaulichen Interessen. Das Bergwerk gehörte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu den bedeutendsten Zechen des Regierungsbezirks Arnsberg.

Geschichte

Die Anfänge Im Jahr 1850 wurden in der zum Amt Herne gehörigen Gemeinde Bickern die ersten Probebohrungen durchgeführt. Im Jahr 1854 wurde die Mutung für die Grubenfelder St. Remigius, St. Michael und St. Nikolaus eingelegt. Der Feldbesitz lag zunächst bei dem Schwelmer Freiherr Levin von Elverfeldt und beim Opherdicker Kammerherr von Lilien. Im Jahr 1855 wurde die Mutung für die Felder St. Margaretha, St. Rupertus und Glückliches Ende eingelegt und im Mai wurde das Feld St. Nicolaus, St. Michael und St. Remigius verliehen und im weiteren Jahresverlauf noch das Feld St. Margaretha und St. Rupertus. Zu Anfang war der Name St. Nikolaus für die Zeche gebräuchlich. Das Bergwerkseigentum wurde an den Bergassessor Heinrich Thies verkauft. Er warb 1856 durch Anzeigen in Zeitungen und Handschreiben an bekannte Investoren zur Gründung einer Aktiengesellschaft. Zur Sicherheit der Geldgeber ließ Thies ein geologisches Gutachten von dem Berggeschworenen Karl Barth anfertigen. Das positive Gutachten und die Nähe zur 1845 eröffneten Stammstrecke der Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft veranlassten die Investoren, 1600 Aktien zu je 500 Taler zu zeichnen. Am 10. Juli 1856 konstituierte sich die Aktiengesellschaft und damit die Zeche Pluto auf einer Gründungsversammlung in Essen. Unter anderem beteiligte sich der Essener Jurist und Reichstagsabgeordnete Friedrich Hammacher an der Gesellschaft. Daraufhin wurde ein 1,6 Meter tiefer Erkundungsschacht abgeteuft. 1857 begannen die Teufarbeiten für den ersten Schacht im Feld St. Nicolaus. Der Schacht befand sich in der Nähe der Köln-Mindener Eisenbahnlinie. Schacht 1 wurde nach Johann Heinrich Wilhelm Thies mit dem Namen Schacht Thies bezeichnet. Zu diesem Zeitpunkt wurde der Name Pluto für das Bergwerk verwendet, das zu dieser Zeit zum Bergrevier Bochum gehörte.

Im Jahr 1858 wurde bei einer Teufe von 149 Metern das Karbon erreicht. Im selben Jahr wurde ein Feldertausch durchgeführt. Das Feld Alma wurde abgegeben und dafür ein Teilstück des Feldes Namur übernommen. Dieses Feld wurde mit dem Feld St. Remigius konsolidiert. Das Bergwerk wurde umbenannt in Zeche Pluto. Die Berechtsame umfasste sieben Geviertfelder mit einer Gesamtfläche von 1,56 Millionen Quadratlachtern. Der Schacht 1 hatte mittlerweile eine Teufe von 96 Lachtern erreicht. Aufgrund der Wasserzuflüsse war man gezwungen, im oberen Bereich eine wasserdichte Schachtmauerung zu erstellen. Der Fuß der Mauer wurde bei einer Teufe von 80,5 Lachtern erstellt. Um die Wässer abpumpen zu können, wurde eine Wasserhaltungsmaschine mit einer Leistung von 310 PS installiert. Bei einer Teufe von 192 Metern (−140 m NN) wurde die 1. Sohle angesetzt. Diese Sohle diente zunächst als Wettersohle. Die Teufarbeiten an dem Schacht wurden weiter fortgesetzt und bei einer Teufe von 244 Metern (−192 m NN) wurde im Jahr 1860 die 2. Sohle angesetzt. Auf der ersten Bausohle (2. Sohle) wurden Querschläge in südlicher und in nördlicher Richtung aufgefahren. und erfolgt zunächst die Förderung für den Eigenbedarf. Im Jahr 1861 wurde die Grube mit einem Gleis an die Strecke der Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft angebunden. Mit den Querschlägen auf der 2. Sohle wurden 1861 acht Flöze angefahren. Die Flöze hatten ein südliches Einfallen von 44 Gon und eine Mächtigkeit zwischen 30 und 156 Zoll. Auf 1. Sohle wurden im selben Jahr mit dem nördlichen Wetterquerschlag weitere acht Flöze aufgeschlossen. Im Jahr 1862 konsolidierten die sieben Geviertfelder zu Pluto, die Berechtsame umfasste eine Fläche von 6,8 km,2 hinzu kam noch eine Erzberechtsame. Über dem Schacht wurde ein Malakow-Turm errichtet, in dem eine Fördermaschine mit 120 PS ihren Dienst tat.

Die ersten Betriebsjahre Ab dem Jahr 1862 wurde die regelmäßige Förderung aufgenommen. Von den bereits aufgeschlossenen Flözen wurden im südlichen Bereich die Flöze Nr. 4 und Nr. 5 und im nördlichen Feldesteil das Flöz Nr. 3 in Verhieb genommen. Die Aus- und Vorrichtungsarbeiten wurden auf der 2. Sohle weiter fortgeführt. Der Querschlag nach Süden wurde um 43¼ Lachter weiter aufgefahren. Der nördliche Wetterquerschlag auf der 1. Sohle wurde um 93¾ Lachter weiter aufgefahren. Mit diesem Querschlag wurde eine Wechselstörung, in der die Flöze 2 und 3 doppelt lagen, durchörtert. Im Jahr darauf wurde über Tage ein Wetterofen erbaut. Außerdem wurden in der Folgezeit weitere Tagesanlagen, wie eine Waschkaue für 800 Bergleute, ein Fördermaschinenraum, das Magazin, eine Schreinerei, eine Schmiede, Büroräume, eine Sieberei und ein Kesselhaus mit vier Dampfkesseln, erbaut. Der Schornstein des Kesselhauses wurde mit dem Wetterofen verbunden. Außerdem wurde eine kleine Kokerei mit vier Schaumburger Öfen in Betrieb genommen. Unter Tage wurden mit dem südlichen Querschlag der 2. Sohle vier unbauwürdige Flöze überfahren. Im Jahr darauf wurde die Kokerei erweitert. Im Jahr 1865 erreichte der nördliche Querschlag auf der 2. Sohle eine Auffahrungslänge von 187 Lachtern. Im Sandstein wurden mehrere Klüfte angefahren, die stark Salzsole führten. Über Tage wurde gegen Ende des Jahres eine neue Zwillingsfördermaschine in Betrieb genommen, die eine Leistung von 150 PS hatte.

Im Jahr 1867 wurden die Teufarbeiten an Schacht 1 wieder aufgenommen und der Schacht wurde tiefer geteuft. In der Streckenförderung wurden ab diesem Jahr Grubenpferde eingesetzt. Über Tage wurde eine maschinelle Kohlenseparationsanlage gebaut. Im Jahr 1869 wurde im Schacht bei einer Teufe von 323 Metern (−271 m NN) die 3. Sohle angesetzt. Die Vorrichtungsarbeiten konnten in diesem Jahr nur stark eingeschränkt durchgeführt werden. Gründe hierfür waren zum einen der starke Gebirgsdruck und zum anderen zahlreiche Lagerungsstörungen. Am 30. April desselben Jahres kam es auf dem Bergwerk zu einer Schlagwetterexplosion, bei diesem Grubenunglück wurden drei Bergleute getötet. Im selben Jahr wurden über Tage die Koksöfen durch 26 neue Koksöfen vom Typ Coppee ersetzt. Um die Bewetterung der Grubenbaue zu verbessern, wurde im Jahr 1870 ein Grubenlüfter in Betrieb genommen. Außerdem wurde eine neue Kohlenwäsche in Betrieb genommen. Das Bergwerk gehörte zu diesem Zeitpunkt mittlerweile zum Bergrevier Recklinghausen. Zur Verbesserung der Bewetterung wurde im Jahr 1873 mit den Teufarbeiten für einen weiteren Schacht begonnen. Der Schacht 2 erhielt den Namen Schacht Wilhelm. Der Name Wilhelm wurde zu Ehren der königlich/kaiserlichen Regenten gewählt. Der Schacht wurde im Nordfeld 1,3 Kilometer von Schacht Thies angesetzt. Im Jahr darauf erreichte der Schacht Wilhelm bei einer Teufe von 180 Metern das Karbon. Noch im selben Jahr wurden bei einer Teufe von 203 Metern (−155 m NN) die 1. Sohle und bei einer Teufe von 230 Metern (−182 m NN) die 2. Sohle angesetzt. Der Schacht 2 erhielt ebenfalls einen Anschluss an den Bahnhof Wanne.

Der weitere Ausbau

mini|Das vom Verfall bedrohte Denkmal für 23 der Schlagwetteropfer … mini|… und die Namenstafel mini|hochkant|Denkmal auf dem Friedhof an der Herzogstraße

Im Jahr 1875 wurde ein weiterer Wetterschacht abgeteuft, der später als Schacht 6 bezeichnet wurde. Der Schacht wurde 350 Meter südlich von Schacht 1 angesetzt und erreichte bei einer Teufe von 142 Metern das Karbon. Im Oktober 1875 wurde im Schacht 2 mit der Förderung begonnen. und der Abbau von Kohleneisenstein wurde eingestellt. Im Jahr 1876 wurde der Wetterschacht 6 mit der 1. Sohle durchschlägig und bei einer Teufe von 162 Metern (−110 m NN) wurde eine Wettersohle angesetzt. Zur Abführung der Wetter diente ein Wetterofen. Im Jahr 1877 wurde zwischen den Schächten Thies und Wilhelm ein Durchschlag aufgefahren. Am 17. September 1876 kam es zu einer erneuten Schlagwetterexplosion, hierbei verloren drei Bergleute ihr Leben. In den folgenden Jahren wurde der Betriebsteil Wilhelm weiter ausgebaut. Im Jahr 1878 wurden die Teufarbeiten an Schacht 2 wieder aufgenommen und die 3. Sohle angesetzt. Im Jahr 1880 wurde auch Schacht 1 tiefer geteuft und bei einer Teufe von 404 Metern (−352 m NN) 4. Sohle angesetzt. Die Teufarbeiten an Schacht 1 wurde 1882 weitergeführt. Am 10. Mai desselben Jahres ereignete sich erneut eine Schlagwetterexplosion, der 67 Bergleute zum Opfer fielen. Der Schacht 6 wurde 1882 bis zur 2. Sohle tiefer geteuft. An dem Schacht 1 wurden 1883 die ersten Otto Hoffmann-Koksöfen des Ruhrreviers in Betrieb genommen, bei denen auch Teer gewonnen wurde. Im Jahr 1885 wurden die Teufarbeiten an Schacht 2 wieder aufgenommen und es wurde die 4. Sohle angesetzt. Außerdem wurden die Teufarbeiten an Schacht 1 weitergeführt und im Jahr 1887 wurde bei einer Teufe von 503 Metern (−451 m NN) die 5. Sohle angesetzt. Auf der 4. Sohle wurde ein Durchschlag zwischen den Schächten 1 und 2 erstellt. Im Jahr 1888 wurden der Schacht 6 bis zur 3. Sohle tiefer geteuft. Im selben Jahr kam es an Schacht Thies zu einem Defekt an der Wasserhaltung, so dass die 5. Sohle monatelang unter Wasser stand.