Die progressive Retinaatrophie (PRA) ist ein langsam fortschreitendes Absterben der Netzhaut von Hunden und – weniger häufig – Katzen.Cynthia M. Kahn u. a.: Inherited Retinopathies. In: The Merck Veterinary Manual. 9. Auflage. 2005. Sie ist eine erbliche, letztlich zur Erblindung beider Augen führende Erkrankung. Die degenerativen Prozesse beginnen im Bereich der Photorezeptoren und dehnen sich im Verlauf der Erkrankung auf die gesamte Netzhaut aus. Trotz des ähnlichen klinischen Erscheinungsbildes kann der Symptomatik eine Vielzahl verschiedener Ursachen zugrunde liegen.

Die progressive Retinaatrophie entspricht der Retinopathia pigmentosa des Menschen.

Verbreitung Die Erkrankung betrifft verschiedenste Hunderassen und deren Mischlinge. Sie wurde nachgewiesen bei Chihuahua, Zwerg- und Kleinpudel, Amerikanischem Cocker, Englischem Cocker, Portugiesischem Wasserhund, Labrador Retriever, Samojede, English Setter, Rauhaar- und Langhaardackel, Tibet-Terrier, Tibet Spaniel, Akita Inu, Siberian Husky, Afghane, Australian Cattle Dog, Malinois, Bernhardiner, Border Collie, Cavalier King Charles Spaniel, Chesapeake Bay Retriever, Collie, English Springer Spaniel, Entlebucher Sennenhund, Golden Retriever, Irish Setter, Irish Terrier, Malteser, Mastiff, Nova Scotia Duck Tolling Retriever, Riesenschnauzer, Rottweiler, Saluki, SloughiG. Dekomien, M. Runte u. a.: Generalized progressive retinal atrophy of Sloughi dogs is due to an 8-bp insertion in exon 21 of the PDE6B gene. In: Cytogenetic and Genome Research. 90, 2000, S. 261–267, doi:10.1159/000056785., Pyrenäenberghund, Bologneser, Neufundländer, PON, Saarlooswolfhund, Scottish Terrier, Schapendoes, Do Khyi,Gabriele Dekomien, Joerg T Epplen: Analysis of PDE6D and PDE6G genes for generalised progressive retinal atrophy (gPRA) mutations in dogs. In: Genetics Selection Evolution. 35, 2003, S. 445, doi:10.1051/gse:2003033. Sheltie, Yorkshire Terrierhttp://www.laboklin.de/index.php?link=labogen/pages/html/de/erbkrankheiten/hund/hund_progressive_retinaatrophie-prcdpra.html, Zwergspitz sowie Kreuzungen zwischen Spaniels und Pudeln.B. Nell, I. Walde: Augen. In: E. G. Grünbaum, E. Schimke: Klinik der Hundekrankheiten. Enke, Stuttgart 2007, ISBN 3-8304-1021-2, S. 329.

Bei Katzen sind die Rassen Somali und Abessinier betroffen.

Ursache Die Ursache liegt in den meisten Fällen in einem autosomal-rezessiv vererbten Gendefekt. Bei Mastiffs ist eine dominant vererbte Form beschrieben. Huskys und Samojeden bilden eine ans X-Chromosom gebundene Variante aus.S. M. Petersen-Jones: Progressive Retinal Atrophy: An Overview. In: Proceedings of the 28th World Congress of the World Small Animal Veterinary Association. 2003.

Behandlung Bis heute gibt es keinerlei Medikamente oder operative Maßnahmen, um die PRA zu heilen. Hunde, die an der PRA erkranken, erblinden fast immer. Bei der X-Chromosom-basierten Form der PRA konnte eine Gentherapie den zunehmenden Verlust an Photorezeptoren stoppenW. A. Beltran, A. V. Cideciyan, S. Iwabe, M. Swider, M. S. Kosyk, K. McDaid, I. Martynyuk, G. S. Ying, J. Shaffer, W. T. Deng, S. L. Boye, A. S. Lewin, W. W. Hauswirth, S. G. Jacobson, G. D. Aguirre: Successful arrest of photoreceptor and vision loss expands the therapeutic window of retinal gene therapy to later stages of disease. In: Proceedings of the National Academy of Sciences. Band 112, Nummer 43, Oktober 2015, S. E5844–E5853, , PMID 26460017, ., diese Behandlung ist aber noch im experimentellen Stadium.

Genetischer Nachweis Für eine Reihe von Hunderassen ist ein Gentest zum Nachweis der PRA verfügbar. Dazu gehören Irish Setter, Welsh Corgi, Sloughi, Bullterrier, Mastiff und Bullmastiff.A. Kehl, P. Kühnlein, I. Langbein-Detsch, E. Müller: Gentests in der Veterinärmedizin: Was ist heute möglich? In: veterinär spiegel. 2007; 17(1), S. 28–30. (; PDF; 852 kB) doi:10.1055/s-0029-1233557

Einzelnachweise

Weblinks TiHo Hannover - Forschungsprojekte Hund: PRA

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