mini|hochkant|Moderner Patronenfüller

Ein Füllfederhalter, kurz auch Füllhalter, Füllfeder oder Füller genannt, ist ein Schreibgerät in Stiftform, das mittels einer Metallfeder Tinte auf Papier überträgt. Die Tinte fließt dabei über einen Tintenleiter durch Kapillarwirkung von einem Speicher (z. B. Tintenpatrone, Konverter oder im Kolbenfüller der Tank) an die Spitze der Metallfeder und wird dort vom Papier aufgesaugt. Füllfederhalter finden heutzutage vor allem in der Schulausbildung Verwendung.

Geschichte hochkant|mini|Nachfüllbehälter Eisengallustinte ½ Liter, 1950er Jahre

Im Jahre 1636 konstruierte Daniel Schwenter aus Altdorf bei Nürnberg eine Feder mit drei ineinandergeschobenen Gänsekielen,Der Spiegel 3/1993 vom 18. Januar 1993, Sinnreiche Spender, S. 182. die auch heute noch in der Kalligraphie verwendet werden. Zwei holländische Reisende hatten 1656 in Paris die erste Füllfeder gesehen.Patrick Robertson, Was war wann das erste Mal? 1977, S. 114 In dem „Journal d’un voyage à Paris en 1657–1658“ wird von Autor Armand Prosper Faugère ein derartiges Gerät beschrieben.Kalligraphie-Online-Shop. Die älteste historische Aufzeichnung über einen Federhalter datiert damit aus dem Jahre 1657. Um 1786 baute der Leipziger Mechanikus Scheller eine „Reiseschreibfeder mit beständig Dinten“. Der früheste erhaltene Füllfederhalter stammt aus dem 18. Jahrhundert. Bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts gab es nur langsame Fortschritte in der Entwicklung, danach beschleunigte sie sich, und die Anzahl der produzierten Füllfederhalter stieg. Maßgeblich für den Erfolg waren drei entscheidende Erfindungen: die der Goldfeder mit Iridiumspitze, des Hartgummis und die der gleichmäßig fließenden Tinte.

Goldfedern mit Iridiumspitze stellte John Isaac Hawkins seit dem Jahr 1834 her. Das recht neu entdeckte Iridium fand zum ersten Mal eine praktische Anwendung. Wegen seiner großen Härte ist es ideal als Spitze für Füllfederhalter geeignet.L. B. Hunt: A History of Iridium. In: Platinum Metals Review. 31, 1, 1987, S. 32–41, , abgerufen am 30. August 2025.

mini|Füllfederhalter aus Zelluloid in Lapislazuli-Blau mit Hebelmechanik.(Mabie Todd & Co. New York, 1927) mini|Füllfederhalter aus schwarzem Zelluloid mit Dreh­mechanik.(Mabie Todd & Co. LTD., etwa 1940)

Die ersten Federhalter, die mit diesen Schlüsseltechnologien ausgestattet waren, entstanden in den 1850er Jahren. Bereits 1849 patentierte der schottische Ingenieur Robert William Thomson seinen fountain pen,Encyclopædia Britannica: Robert William Thomson. den er auf der ersten Weltausstellung 1851 in London ausstellte.Grace’s Guide: Robert William Thomson.

In Deutschland begannen die Fabrikanten Friedrich Soennecken 1871 und Koch/Weber 1872 mit der Produktion von Federhaltern; Soennecken und KaWeCo wurden in den Anfangsjahren die Hauptproduzenten in Deutschland. Die Erfindung der Gleichzugfeder zum Schreiben der Rundschrift durch Soennecken war eine weitere Innovation, die das moderne Schreiben mit Federn möglich machte.

Mit der Patentanmeldung am 12. Februar 1884 von Lewis Edson Watermans Tintenleiter begann dann die Ära des Füllfederhalters. Im ersten Geschäftsjahr produzierte die Waterman Company 200 Füllfederhalter an einem Küchentisch im Hinterzimmer eines Zigarettengeschäftes in New York.General-Anzeiger vom 13. Dezember 1998, Wissenschaft - Vom Kleckser zum Brillantenträger. Die ersten amerikanischen Produzenten in dieser Pionierzeit waren die Firmen Waterman in New York City, Wirt in Bloomsburg (Pennsylvania) sowie Parker in Janesville (Wisconsin) und Sheaffer in Fort Madison, Iowa.

Der Mitbegründer der Hennefer Maschinenfabrick Reuther & Reisert (Chronos-Werk), der Ingenieur Eduard Reisert, meldete 1899 einen Füllfederhalter mit Tintenbehälter und Schlauch international zum Patent an. Dieser erste Hebelfüller war eine Weiterentwicklung des 1884 von Waterman patentierten Füllfederhalters. Die Innovation bestand im Einbau eines Schlauches sowie eines Druckhebels, der Tintenfluss nur beim Schreiben sicherstellte und so Klecksen verhinderte. Für die Produktion gründete er 1901 in Hennef an der Sieg die Klio Werk GmbH Spezialfabrik für Füllfederhalter und Büromöbel. In den Folgejahren wurde dieser Hebelfüller als Patent Füllfeder Klio in Anzeigen und Katalogen massiv vermarktet.

mini|Ein Kolbenfüller,siehe auch Kolben (Technik), also so wie dieser auch bei Kolbenspritzen in Verwendung ist auch Aufziehfüller genannt mini|hochkant|Füllfederhalter „Pelikan 100“, hergestellt von 1929 bis 1944 Montblanc wurde 1906/1908 gegründet. Die Firma Pelikan erwarb 1925 ein Patent des ungarischen Ingenieurs Theodor Kovács zu einem Kolbenfüller, entwickelte dies zur Marktreife und brachte 1929 den Pelikan 100 auf den Markt..

In den folgenden Jahrzehnten gab es viele technologische Innovationen bei der Herstellung der Schreibgeräte. Zelluloid ersetzte stufenweise das vulkanisierte Hartgummi, was die Produktion einer viel breiteren Palette von Farben und Designs ermöglichte. Gleichzeitig experimentierten die Hersteller mit neuen Füllsystemen. Die Zwischenkriegszeit brachte die Einführung einiger bemerkenswerter Modelle – wie des Parker Duofold und Vacumatic, der Reihe Sheaffer’s Lifetime Balance, der Toledo-Füllhalter und ab 1929 des Pelikan 100. 1949 kam ein neues Kolbenfüllsystem auf den Markt, das Soennecken sich bereits 1939 hatte patentieren lassen. Zu dieser Zeit erlebte in den USA die Waterman Company ihren wirtschaftlichen Niedergang und wurde an den Konkurrenten Parker verkauft.

Während der 1940er und 1950er Jahre behaupteten die Füllfederhalter ihre beherrschende Stellung unter den Schreibgeräten, denn frühe Kugelschreiber waren teuer, neigten zum Auslaufen und hatten einen nur unregelmäßigen Tintenfluss, während die Füllfederhalter weiterhin von der Kombination aus Massenproduktion und Kunstfertigkeit profitierten. Diese Periode brachte die Produkteinführung von erfinderischen Modellen – wie des Parker 51, des Sheaffer Snorkel und des Eversharp Skyline –, während die Esterbrook J Serie mit den Hebelfüllermodellen mit auswechselbaren Stahlspitzen billige und zuverlässige Massenprodukte anbot.

Ab den 1960er Jahren verdrängte dann der Kugelschreiber durch Verbesserungen in der Herstellung allmählich den Füllfederhalter im Alltag. Obwohl Patronenfüllfederhalter in Deutschland und Frankreich noch immer – insbesondere in der Schule – in Gebrauch sind, vermarkten manche Hersteller ihre Füllfederhalter heute eher als Sammelobjekt und Statussymbol und nicht (nur) als Schreibgerät für den alltäglichen Gebrauch. Hierzu gehören insbesondere die Marken Montblanc, Montegrappa, Faber-Castell mit der Linie Graf von Faber-Castell sowie Pelikan mit den Serien Majesty, Souverän, Toledo, Limited bzw. Special Edition.

Aufbau Schaft und Kappe Schaft und Kappe bilden den äußeren Körper des Füllfederhalter. Aus gestalterischen Gründen sind sie häufig aus demselben Material gefertigt, aber auch Kombinationen sind möglich – der Pelikano besitzt einen Schaft aus Kunststoff und eine Kappe aus Metall.

Der Schaft (auch „Korpus“) nimmt den Tintenvorrat und das Tintenleitsystem auf, er hält die Schreibfeder. Die meisten Schäfte haben einen kreisförmigen Querschnitt. Am vorderen Teil, mit dem der Füller beim Schreiben gehalten wird, ist der Schaft meist besonders gestaltet, sei es durch Griffmulden oder andere Mittel.

Wenn der Füllfederhalter nicht in Gebrauch ist, wird die Schreibfeder durch die Kappe gegen Beschädigen und Austrocknen geschützt. Umgekehrt verhindert die Kappe die Verschmutzung der Auflage oder gar der Kleidung mit austretender Tinte. Die meisten Kappen haben einen Clip, der zur Befestigung dient sowie das Abrollen auf der Unterlage verhindert. Kappen werden entweder mit Schraubverschluss oder durch Druck aufgesteckt.

Tintenvorrat Bis in die 1970er-Jahre existierten die bereits erwähnten zwei Technologien zur Befüllung: Der Tintensack (üblicherweise aus Naturkautschuk) und der Tintenzylinder mit Kolben.

Üblicherweise wurde der Kolben über eine Gewindestange mit einem Drehknopf am hinteren Ende betätigt, unten rechts (grüner Füller mit schwarzem Ende) gut zu erkennen. Bei einzelnen Modellen (z. B. von Pelikan) wurde ein Teil des Zylinders in durchsichtigem Acryl ausgeführt, wodurch der Füllstand von außen sichtbar war.

Bei Geräten mit Tintensack dominierte insbesondere in den USA der – rechts oben an dem blauen Füller sichtbare – Hebelaufzug. Dieser ist zwar einfacher zu bedienen; bei versehentlicher Betätigung wird aber der gesamte Tintenvorrat entleert. Dies ist beim Kolbenaufzug weniger wahrscheinlich, dafür erzeugt die Drehbewegung beim Auffüllen gezwungenermaßen ein „Wackeln“ und somit oft auch Klecksen.

Ab 1960 wurden beide Konstruktionen durch das Aufkommen von Einweg-Tintenpatronen aus Kunststoff weitgehend verdrängt: Diese werden erst beim Einsetzen durch das Tintenrohr aufgestochen; ein Verkleckern von Tinte ist bei sachgemäßer Anwendung praktisch ausgeschlossen.

Tintenleitsystem Das Tintenleitsystem verbindet den Tintenvorrat (ob nun in Tank oder Patrone) mit der Spitze der Schreibfeder und sorgt dabei für gleichmäßigen Tintenfluss ohne Klecksen. Das Tintenleitsystem besteht aus Tintenleiter, Kollektor und Raum für Druckausgleich. Die Tinte fließt aus der Patrone (oder dem Tank) durch den Tintenleiter über den Kollektor zur Federspitze. Der Kollektor besteht aus feinen Lamellen und reguliert die Tintenmenge abhängig vom Druck auf die Federspitze. Während des Schreibens wird die aus dem Tintenvorrat ausgeflossene Tinte durch Luft ersetzt. Andernfalls entstünde ein Unterdruck, der den Tintenfluss stoppen würde.

Schreibfeder Die Schreibfeder ist das wesentliche Unterscheidungsmerkmal zwischen Füllfederhaltern und Tuschefüllern.

Die Feder eines Füllfederhalters wird normalerweise aus rostfreiem Stahl oder aus legiertem Gold hergestellt. Moderne Federn werden mit einer harten, haltbaren Spitze versehen, gewöhnlich eine platinhaltige Legierung aus der Nickelgruppe oder Iridium. Das Material der Spitze wird volkstümlich häufig einfach als „Iridium“ bezeichnet, obwohl nicht alle Hersteller dieses spezielle Metall noch in ihren Legierungen für die Federspitzen verwenden. Auch Stahlfedern haben gewöhnlich Spitzen aus einem härteren Metall, da reine Stahlspitzen sich auf dem Papier relativ schnell abnutzen. In letzter Zeit werden auch vermehrt Federn aus Titan gefertigt.

Die Feder ist normalerweise von der Mitte zur Spitze mit einem dünnen Schnitt versehen, durch den die Tinte durch den Kapillareffekt von dem Vorratsbehälter zur Federspitze fließt. Bei den üblichen Federn von Füllfederhaltern verengt sich die Spitze zu einem Punkt, wodurch die Tinte in einer dünnen, gleichmäßigen Linie zu Papier gebracht wird. Breite Kalligraphiefedern haben teilweise mehrere solche Einschnitte zur Spitze, um den Tintenfluss zu erhöhen und so auch die breiten Linien gleichmäßig mit Tinte zu füllen. Spitz zulaufende Federn mit zwei Einschnitten werden im Allgemeinen als Notenfedern bezeichnet, da durch die doppelte Einkerbung ein großer Strichstärkenkontrast erreicht werden kann, der für das Schreiben von Musiknoten notwendig ist.

Obwohl die üblichen Federn eine punktförmige Spitze besitzen, die in verschiedenen Größen erhältlich sind (häufig: F = fein, M = mittel, B = breit, seltener: EF = extra fein, BB = doppelbreit), sind auch Federn mit anderen Spitzenformen erhältlich. Beispiele sind links bzw. rechts abgeschrägte Federn (Oblique, Reverse Oblique), breite Federn, die einen Band- bzw. Wechselzug ergeben (Stub), sowie elastische, schmale Federn, meist ohne gehärtete Spitze (Italic).