Rommerz ist ein Ortsteil der Gemeinde Neuhof im osthessischen Landkreis Fulda.
Geographie mini|330px|Panorama-Ansicht von Rommerz
Rommerz liegt im südlichen Landkreis Fulda im Kemmetetal; der gleichnamige Bach durchfließt die Ortschaft. Die Kreisstadt Fulda liegt etwa 20 km nordöstlich von Rommerz. Die Ortschaft grenzt an die östlichen Ausläufer des Vogelsbergs. Die vorderen Ausläufer der Rhön befinden sich etwa 10 km östlich von Rommerz. Nordöstlich des Ortes befindet sich die etwa 120 Meter hohe Abraumhalde des K+S-Kaliwerks Neuhof – Ellers, welche in der Umgangssprache auch „Kaliberg“ oder „Monte Kali“ genannt wird. Die Halde, die sich mittlerweile fast einen Kilometer in die Länge zieht, ist prägend für die Kulisse von Rommerz sowie der ganzen Umgebung. Rommerz grenzt im Norden an den Rommerzer Forst, ein großes zusammenhängendes Waldgebiet, und im Süden an die Gemeinde Flieden. Westlich von Rommerz liegt der Ortsteil Hauswurz.
Aktuelle und historische Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung: Bobelsmühle Engelsmühle Forsthaus Forsthaus Rommerz Gehöftgruppe Kreuzburg (Kreuzdorf) Mittelmühle Ochsenmühle Sägewerk Schlagmühle Vinzentinerinnen Kloster, Gemeinde Neuhof (Fulda)
Geschichte mini|Lage von Rommerz (Runters) auf einer Kartes des Hochstifts Fulda von 1574
Siedlungsanfänge und Ersterwähnung Über die Anfänge der Besiedelung in der Gemarkung Rommerz gibt es nur sehr wenige Zeugnisse. Der erste Siedler soll sich um 1000 in Rommerz niedergelassen haben. Er trug den Namen Hruotmunt (= ruhmvoller Schützer). Nach ihm wurden der Ursprungshof und das darum entstehende Dorf „Rumundes“ genannt. Mit diesem Namen erscheint Rommerz im Jahr 1165 zum ersten Mal urkundlich in einem Güterverzeichnis der fuldischen Propstei Michaelsberg. Im Jahr 1330 wurden unter dem Fuldaer Fürstabt Heinrich VI. von Hohenberg die fuldischen Güter und Leute aus dem Dorf „Rumundes“ zusammen mit weiteren umliegenden Ortschaften (Opperz, Schweben und der Siedlung Remerz) an die Familie Küchenmeister verpfändet, welche in mehreren Urkunden des Hochstifts Fulda auftaucht. Die in der Verpfändungsurkunde erwähnte Siedlung Remerz lag am Ufer der Kemmete, wohl etwa am Ende der heutigen Forststraße. Eine zweite, im Laufe der Geschichte untergegangene Siedlung, lag innerhalb der Gemarkung Rommerz: „Wanhütten“ im mittleren Kemmetetal. Sie erscheint urkundlich im Jahr 1353.
Das 20. Jahrhundert mini|hochkant|Der Kriegsgedenkstein von 1943 in der Nähe der Diebornweiher an der Fliedener Straße
In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg hielt nicht nur der wirtschaftliche, sondern auch der kulturelle Aufschwung in Rommerz Einzug. Mehrere Vereine wie Sportverein, Freiwillige Feuerwehr, Brieftaubenverein und Karnevalsverein wurden gegründet. Besondere infrastrukturelle Ereignisse waren die Verlegung der Wasserleitungen im Jahr 1911, der Anschluss der Gemeinde Rommerz an das Elektrizitätsnetz im Jahr 1921 sowie der Bau der Ortskanalisation ab dem Jahr 1928.
1936 mussten die in Rommerz ansässigen Schwestern des Vinzentinerordens ihr Schwesternhaus am „Fuchsberg“ verlassen, da hier ein Lager für den weiblichen Arbeitsdienst eingerichtet wurde. Am Ostersonntag 1945 wurde Rommerz von amerikanischen Truppen besetzt.
Nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges wurden in Rommerz dann Infrastrukturmaßnahmen verwirklicht. So wurden beispielsweise neue Straßen und somit neue Siedlungsbereiche angelegt. Die örtliche Schule erhielt 1950 einen Erweiterungsbau; im Jahr 1963 wurde ein Feuerwehrhaus errichtet. Für die Trinkwasserversorgung wurde 1964 ein neuer Tiefbrunnen gebohrt, 1966 wurde das Kemmetestadion mit Fußballplatz, einem Trainingsplatz und mehreren Leichtathletik Anlagen eingeweiht, 1969 kam ein neuer Hochbehälter hinzu. Auch mehrere Handwerksbetriebe nahmen in Rommerz ihre Produktion auf. Im Jahr 1972 konnte ein Bürgerhaus eingeweiht werden. In den 1970er Jahren wurden außerdem ein Sportlerheim beim Kemmetestadion sowie ein neues Kindergartengebäude gebaut, der alte Kindergarten am Fuchsberg 22 (heute Seminarhaus) wurde wegen Baufälligkeit von der Gemeinde verkauft. Anfang der 1980er Jahre erfolgte der Bau einer Turn- und Sporthalle.
Hessische Gebietsreform Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Rommerz kraft Landesgesetz mit Wirkung zum 1. August 1972 nach Neuhof eingemeindet. Für Rommerz wurde, wie für die übrigen Ortsteile von Neuhof, ein Ortsbezirk eingerichtet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Rommerz angehört(e):
vor 1803: Heiliges Römisches Reich, Hochstift Fulda, Amt/Oberamt Neuhof 1803–1806: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Nassau-Oranien-Fulda,Durch den Reichsdeputationshauptschluss. Fürstentum Fulda, Amt Neuhof 1806–1810: Kaiserreich Frankreich,Infolge der Napoleonischen Kriege. Fürstentum Fulda (Militärverwaltung) 1810–1813: Großherzogtum Frankfurt, Departement Fulda, Distrikt Neuhof ab 1816: Kurfürstentum Hessen,Infolge der Beschlüsse des Wiener Kongresses. Großherzogtum Fulda, Amt Neuhof ab 1821/22: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis FuldaVerordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August. (kurhess GS 1821) S. 75.Trennung zwischen Justiz (Justizamt Neuhof) und Verwaltung. ab 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Fulda ab 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis Fulda ab 1867: Königreich Preußen,Infolge des Deutschen Krieges. Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fulda ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fulda ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fulda ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Kurhessen, Landkreis Fulda ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Fulda ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Fulda ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Fulda ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Fulda, Gemeinde Neuhof
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Rommerz 1656 Einwohner. Darunter waren 21 (1,3 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 309 Einwohner unter 18 Jahren, 681 zwischen 18 und 49, 321 zwischen 50 und 64 und 342 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 723 Haushalten. Davon waren 210 Singlehaushalte, 216 Paare ohne Kinder und 213 Paare mit Kindern sowie 66 Alleinerziehende und 21 Wohngemeinschaften. In 171 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 480 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung Über die Bevölkerungszahl von Rommerz gibt erstmals eine Viehbedeliste aus dem Jahr 1510 Aufschluss. Darin werden insgesamt elf Viehhalter genannt. Hierbei handelt es sich jedoch nur um die Lehnsleute des Fürstabts, nicht jedoch um die der Propsteien und des Adels. In der Türkensteuerliste aus dem Jahr 1605 werden 44 Steuerzahler aufgezählt. 1656 waren es 27 Familien, also wohl rund 120 Einwohner. Im Salbuch von 1714 sind 33 Besitzer verzeichnet. 1743 werden 46 Häuser gemeldet. Eine konkrete Zahl über die Gesamteinwohnerzahl jedoch gibt es erstmals im Jahr 1773. Hier ist von 286 Einwohnern die Rede. Mehrere amtliche Dokumente aus der Zeit zwischen dem 18. und 20. Jahrhundert belegen, dass damals auch in Rommerz zum Teil größere Armut herrschte. Aus diesem Grund wanderten allein in den Jahren 1829 bis 1855 stolze 118 Einwohner in die USA aus. Besserung kam erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf. Von großer Bedeutung war hier insbesondere die Errichtung des Kaliwerks in Neuhof, mit welcher 1906 begonnen wurde. Hier fanden auch zahlreiche Rommerzer Dorfbewohner Arbeit. Mit den zunehmenden wirtschaftlichen Erfolgen des Kalibergbaus konnte auch Rommerz einen Anstieg an Zuwanderern verzeichnen. So zählte Rommerz im Jahr 1924 schon 857 Einwohner. Diese Zahl stieg besonders in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg stark an. Allein im Jahr 1946 kamen etwa 170 Heimatvertriebene, überwiegend aus Falkenau im Egerland, nach Rommerz. Im Jahr 1970 lebten 1523 Menschen in Rommerz, welche sich auf 296 Wohnhäuser aufteilten. Die Zahl stieg weiter, bis zum Jahr 1982 auf 1657 Einwohner. In den folgenden Jahren wurde die 1800-Einwohner-Marke knapp erreicht; zum Jahr 2013 ging sie allerdings wieder zurück auf 1638. Aufgrund der aktuellen Quote Geburten/Sterbefälle ist der Trend tendenziell steigend.
• 1812: 61 Feuerstellen, 525 Seelen
Historische Religionszugehörigkeit • 1885: 8 evangelische (=1,30 %), 607 katholische (= 98,70 %) Einwohner • 1961: 165 evangelische (= 10,01 %), 1201 katholische (= 89,09 %) Einwohner
Religion Religionszugehörigkeit Von den 1638 Einwohnern (Stand Juni 2013) gehören rund 1300 der katholischen Konfession an. Die örtliche katholische Kirchengemeinde sowie die Pfarrkirche sind auf den Namen Mariä Himmelfahrt benediziert. Sie gehört zum Bistum Fulda und ist dort im Dekanat Neuhof-Großenlüder in den Pastoralverbund Heilig Geist Kalbach-Neuhof eingegliedert. mini|Die Mariengrotte (Lourdesgrotte) Die Pfarrei wird seit 2005 infolge des Priestermangels auf der einen und des pastoralen Prozesses auf der anderen Seite vom Pfarrer der Kirchengemeinde St. Michael im Hauptort Neuhof seelsorgerisch mitbetreut und verwaltet. Seit August 2012 ist Pfarrer Dagobert Vonderau zuständiger Pfarradministrator. Unterstützt wird er in seiner Arbeit von einem Kaplan sowie von einer Gemeindereferentin.
Evangelische Kirchengemeinde Die evangelische Kirchengemeinde hat in Rommerz keine Kirche, die Gottesdienste wurden bis zum Jahre 1973 in der Rommerzer Schule gehalten. Seit 1973 hat Rommerz ein eigenes evangelisches Gemeindehaus in der Forststraße 1 im Kreuzdorf. Zum Gottesdienst fahren die Gläubigen nach Neuhof (Albert Schweitzer Straße 5) oder nach Flieden (Hinzergasse 8), dort gibt es jeweils ein evangelisches Gotteshaus.
Katholische Kirche Anfänge der Seelsorge Bis Mitte des 16. Jahrhunderts mussten sich die Einwohner von Rommerz sowie der umliegenden Dörfer und Siedlungen in die Pfarrei Flieden gehen, um Gottesdienste zu besuchen. Dort wurden auch die Kinder getauft und die Toten beerdigt. Erst mit der Gründung der Pfarrei Neuhof um das Jahr 1560, wurde Rommerz einer neuen Pfarrei zugeordnet. Ein Gotteshaus besaß Rommerz zur damaligen Zeit noch nicht.
In den Jahren 1735 bis 1737 wurde durch einen örtlichen Schreinergesellen eine erste kleine Fachwerkkapelle erbaut. Diese stand zentral in der Dorfmitte, auf der heutigen Kreuzung der Hauptstraßen nach Neuhof, Flieden und Hauswurz. Heute noch vorhandene Holzfiguren aus der damaligen Zeit deuten darauf hin, dass die Kapelle den Vierzehn Nothelfern geweiht war. Regelmäßiger Gottesdienst fand in Rommerz aber zunächst noch nicht statt. Dazu mussten die Dorfbewohner weiterhin nach Neuhof gehen. Später wurde die kleine Kapelle erweitert.
Ab dem Jahr 1759 waren mehrere Stationare – überwiegend gehörten sie dem Franziskanerorden an – jeweils auf begrenzte Zeit als Seelsorger in Rommerz tätig. Ab der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren die Pfarrer und Kapläne aus Neuhof für Gottesdienst und Seelsorge in Rommerz zuständig. Einen eigenen Pfarrer gab es bis zur Gründung der Pfarrei Rommerz Anfang des 20. Jahrhunderts noch nicht.
Die erste Kirche