mini|12. Station des Kreuzwegs – Jesus stirbt am Kreuz. Kreuzwegstation Ala, Italien. mini|12. Station (Kreuzigungsgruppe) auf dem Kalvarienberg von Moresnet (Belgien) mini|Kreuzweg im Feierhof der Gedenkkirche Maria Regina Martyrum (Berlin) von Otto Herbert Hajek Als Kreuzweg (auch Weg des Kreuzes, ; auch Prozessionsweg) bezeichnet man einen der Via Dolorosa (‚schmerzensreiche Straße‘) in Jerusalem, dem Leidensweg Jesu Christi, nachgebildeten Stationsweg sowie eine Andachtsübung der Römisch-katholischen Kirche, bei der der Beter den einzelnen Stationen dieses Weges folgt und dabei den Leidensweg Jesu betend nachvollzieht.

Die Darstellung der einzelnen Kreuzwegstationen – zuweilen auch Fußfallstationen genannt, weil die Beter an jeder Station niederknien – erfolgt meist als Bilderzyklus, seltener als Skulpturengruppe oder im Großen als Kalvarienberg mit Bildstöcken oder Kapellen. Kreuzwege können als Freilandkreuzweg, meist an einem Hang, ausgebildet sein und entsprechen hinsichtlich Lage und Entfernung ihrer Stationen im Idealfall den Verhältnissen in Jerusalem.

Seit dem 18. Jahrhundert soll zudem in jeder römisch-katholischen Kirche ein Kreuzweg vorhanden sein.Congregatio indulgentiarum et sacrarum reliquiarum (Kongregation für Ablässe und die heiligen Reliquien), 3. April 1731; siehe: Rudolf Huber (Hrsg.): Kirchengeräte, Kreuze und Reliquiare der christlichen Kirchen (= Glossarium Artis. Band 2). K. G. Saur Verlag, 3. Auflage, München/London/New York/Paris 1991, ISBN 3-598-11079-0, S. 164.

Kreuzwegstationen mini|24. Kreuzwegstation in Maria Loreto bei Eger In Jerusalem gingen seit dem im Mittelalter die Pilger vor allem am Karfreitag dem Leidensweg Jesu Christi zum Berg Golgota nach. Dabei hielt man anfangs nur an zwei Stationen inne, der Verurteilung beim Haus des Pilatus und der Kreuzigung bei Golgota. Nach und nach entstanden weitere Stationen, an denen der biblischen und der durch die Tradition überlieferten Stationen Jesu auf diesem Weg gedacht wurde. Dabei stand nicht ein Nachvollzug des historischen Geschehens im Vordergrund, sondern die geistige Nachfolge Christi auf der Via Dolorosa.

Im 14. Jahrhundert fanden in Jerusalem unter der Führung der Franziskaner, die seit dem 13. Jahrhundert mit der Kustodie des Heiligen Landes betraut und als Seelsorger im Heiligen Land tätig waren, Prozessionen auf dem Leidensweg Christi für Pilger statt.Manfred Becker-Huberti: Feiern – Feste – Jahreszeiten. Lebendige Bräuche im ganzen Jahr. Herder, Freiburg-Basel-Wien 1998, ISBN 3-451-27702-6, S. 286. Die Franziskaner hatten für die Verbreitung des Kreuzwegs als Darstellung ebenso wie als Volksandacht die größte Bedeutung. Ihre Frömmigkeit ist besonders an die Leidensmeditation gebunden. Der Ordensgründer Franz von Assisi war geprägt von einer ausgeprägten Leben-Jesu-Frömmigkeit (Christoformitas, ‚Christusförmigkeit‘) mit den Elementen der imitatio (Nachahmung) und compassio (Mitleiden). Er erfuhr seine spirituelle Berufung vor dem Kreuz von San Damiano in Assisi, und sie führte zur Stigmatisation, die Franziskus erfuhr. Zunächst konnten Ablässe durch das Gebet am Kreuzweg nur von Franziskanern und Angehörigen ihrer Ordensfamilie erworben werden. Benedikt XIII. weitete dieses Privileg 1726 auf alle den Kreuzweg betenden Gläubigen aus.E. Kramer (1957), S. 89.

Die Verehrung des Leidensweges Jesu wurde durch die Pilger in ihre Heimatländer gebracht, und die Weiterentwicklung dort wirkte auf Gestaltung des Schmerzenswegs Jesu in Jerusalem zurück.Marco Talarico: Der Kreuzweg Jesu in historischer Authentizität und katholischer Frömmigkeit. LIT, Münster 2003, S. 62.

Am aufwändigsten gestaltet ist häufig die Darstellung der Kreuzigung Jesu als 7. bzw. 12. Station des Kreuzwegs – auch „Kreuzigungsgruppe“ oder „Golgatha-Gruppe“ genannt. Sie zeigt die drei Kreuze mit Jesus und den Schächern sowie Maria und Johannes sowie manchmal weiteren Personen unter dem Kreuz Jesu.

Vorläuferin des Kreuzwegs war in Mitteleuropa die Ölberggruppe, eine um 1500 verbreitete Darstellung der Todesangst Christi im Garten Getsemani.

Sieben Stationen mini|Station des Kreuzwegs an der Veitskirche (Berga-Wünschendorf) Unter dem Einfluss der Passionsmystik, der Verknüpfung der sieben Tagzeiten des Stundengebets der Kirche mit Stationen der Passion Jesu und den sieben römischen Stationskirchen wurde der Kreuzweg im deutschen Sprachraum ebenfalls in sieben Stationen unterteilt, die die sieben Fälle Jesu oder die sieben Gänge Jesu genannt wurden. Daraus entwickelten sich die Sieben Fußfälle. Die ältesten Kreuzwege in Deutschland finden sich in Lübeck (Lübecker Kreuzweg, vollendet 1493), in Görlitz (Kreuzweg zum heiligen Grab, eingeweiht 1504), sowie in Nürnberg (Nürnberger Kreuzweg zum Johannisfriedhof mit Stationen von Adam Kraft) und in der Kirche St. Marien zu Homberg (Efze) (Sieben-Stationen-Kreuzweg). Noch 1718 wurden auf dem Kalvarienberg in Bad Tölz sieben Wegkapellen für die Darstellung der Sieben Fälle Christi gestiftet. Seit dem 17./18. Jahrhundert überwiegt aber der Kreuzweg mit 14 Stationen. Eine Ausnahme bildet der Bamberger Kreuzweg von 1504, der neun Stationen umfasst.

Vierzehn Stationen Seit der Zeit um 1600 wurden Kreuzwege mit vierzehn bebilderten Stationen errichtet. Sie zeigten den Weg Jesu von der Verurteilung durch Pontius Pilatus bis zur Kreuzigung und Grablegung. Die 13. und 14. Station – Kreuzabnahme und Grablegung – wurden 1625 von dem spanischen Franziskaner Antonio Daza hinzugefügt.Rudolf Huber (Hrsg.): Kirchengeräte, Kreuze und Reliquiare der christlichen Kirchen. (= Glossarium Artis. Band 2). K. G. Saur Verlag, 3. Auflage, München-London-New York-Paris 1991, ISBN 3-598-11079-0, S. 165. Als 15. Station diente die jeweilige Kirche als Abbild der Grabeskirche von Jerusalem. Diese Form geht auf den Franziskaner Leonhard von Porto Maurizio zurück. Papst Clemens XII. erkannte im Jahr 1731 mit seinem Breve Unterweisungen über die Art, wie man den Kreuzweg abhalten soll diese Form des Kreuzwegs als kanonisch an und bedachte ihn mit Ablässen; die Franziskaner erhielten das Privileg, Kreuzwege zu errichten.franziskaner. Magazin für franziskanische Kultur und Lebensart. Frühling 2021, S. 13. An vielen Franziskanerklöstern entstanden nun Kreuzwege nach diesem Modell. In seinem letzten Lebensjahr baute Leonhard von Porto Maurizio mit päpstlicher Erlaubnis Kapellen mit den vierzehn Kreuzwegstationen in die Arena des Kolosseums ein, was die bis heute begangene Tradition des Kreuzwegs an diesem Ort begründete.

mini|hochkant|Erste Station – Jesus wird zum Tode verurteilt, typisches Beispiel eines Führich-Kreuzwegs in St. Georg in Bermatingen

Als Bestandteil der Ausstattung von Kirchenräumen entstand der vierzehnteilige Kreuzwegzyklus gegen Ende des 17. Jahrhunderts.Vgl. Sternberg 2003, S. 174f., 179-190. An den Wänden wurden vierzehn Stationen mit Holzkreuzen markiert, unter denen sich meist eine bildliche oder plastische Darstellung der jeweiligen Kreuzwegstation befand. Obwohl dieser Kreuzweg zunächst auf Kirchen des Franziskanerordens beschränkt war, blieb wegen der großen Beliebtheit dieser Andachtsform schließlich kaum mehr eine katholische Pfarrkirche ohne einen solchen Kreuzweg. Besonders im 19. Jahrhundert war der vierzehnteilige Kreuzwegzyklus innerhalb von Kirchenräumen sehr verbreitet. Joseph von Führich und seine Schüler schufen im Nazarener-Stil das Genre der Führich-Kreuzwege, die in vielen Kirchen Mitteleuropas und Nordamerikas präsent sind.Vgl. Bühren 2008, S. 67f.

Diese Tradition der Kreuzwege in Kirchenräumen setzte sich im 20. Jahrhundert fort, wobei außer unauffälligen Kreuzwegbildern auch bedeutende Kunstwerke entstanden.Vgl. Bühren 2008, S. 60, 67–69,132, 154, 168, 182f., 201, 286, 299, 318, 386f., 559, 604, 607, 612, 616, 618.

Gelegentlich werden in den Stationen auch andere Szenen als die traditionellen 14 (siehe unten) dargestellt, so beispielsweise Jesu Verhaftung, Verhöhnung, Auspeitschung oder die Krönung mit einer Dornenkrone, dafür dann, um es bei 14 Stationen zu belassen, nur ein Fall unter dem Kreuz.

Der Kreuzweg, der zur Wallfahrtskirche Maria Loreto in Böhmen nahe der Stadt Eger führt, umfasst siebenundzwanzig Kreuzwegstationen. mini|hochkant|Der Engel am leeren Grab nach der Auferstehung Jesu Christi als 15. Kreuzwegstation in Auer (Südtirol)

Fünfzehn Stationen In manchen Kirchen in Süddeutschland, besonders im Bistum Augsburg, erscheint als fünfzehnte Station die Kreuzauffindung durch Kaiserin Helena.Vgl. auch Anton Hungari (Hrsg.): Osterglöcklein. Erbauliche Unterhaltungen für den Osterfestkreis im katholischen Kirchenjahre. J. D. Sauerländer, Frankfurt am Main 1862, S. 330–369 (Jesus auf dem Kreuzwege); hier: S. 365–369 (XV. Station: Die heilige Helena mit dem heiligen Kreuze). Ein Beispiel dafür ist der Kreuzweg in Gosheim von 1734,kulturwanderungen.de: Der Gang auf den Kalvarienberg in Gosheim, (PDF 200KB), abgerufen am 8. August 2008. andere Beispiele dafür finden sich in Taiting und Dasing im Bistum Augsburg, in St. Nikolaus in Sirchenried sowie in der Klosterkirche von Kloster Roggenburg (1752–1758).

Mitunter findet sich auch eine Darstellung der Auferstehung Jesu Christi (das leere Grab oder der auferstandene Christus) als 15. Station.Passionszyklus des Wolfacher Malers Josef Moser (1783–1865). Museum Schloss Wolfach, Inventar-Nummer 1988/0010. Seit einiger Zeit gibt es nach dem Vorbild des Kreuzwegs auch die Via Lucis, die der Meditation österlicher Ereignisse dient.

In der Pfarrkirche Mater Dolorosa in Berlin zeigt die 15. Station des Kreuzwegs von Hans Wachter die Begegnung der beiden Emmausjünger mit Jesus.

Der 1993 wieder hergestellte 14-Stationen-Kreuzweg von 1858, der von Gilching (Obb.) zur Wallfahrtskirche St. Rasso in Grafrath (Obb.) führt, wurde erst nachträglich noch um eine 15. Station ergänzt mini|rechts|hochkant|15. Kreuzwegstation in Grafrath-Unteralting: „Jesus ist auferstanden. Alleluia“

Doloris mysteria Ab der Barockzeit entwickelten sich auch Kalvarienberge auf Basis der fünf Schmerzhaften Geheimnisse (doloris mysteria) des Rosenkranzes. Ein solcher aus dem späten 17. Jahrhundert findet sich etwa in Maria Plain bei Salzburg. Dort befindet sich auch ein Rosenkranzweg mit 15 Stationen von 1705.

Kreuzwegstationen Station Name Bibelstellen, in denen die Stationen erwähnt werden Weitere, in der Andacht verwendete Bibelstellen 1 Jesus wird zum Tode verurteilt : Pilatus sagte zu ihnen: Was soll ich dann mit Jesus tun, den man den Messias nennt? Da schrien sie alle: Ans Kreuz mit ihm! Er erwiderte: Was für ein Verbrechen hat er denn begangen? Da schrien sie noch lauter: Ans Kreuz mit ihm! [...] Darauf ließ er Barabbas frei und gab den Befehl, Jesus zu geißeln und zu kreuzigen.

Vgl. auch ; ; –. 2 Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern : Da nahmen die Soldaten des Statthalters Jesus, führten ihn in das Prätorium, das Amtsgebäude des Statthalters, und versammelten die ganze Kohorte um ihn. Sie zogen ihn aus und legten ihm einen purpurroten Mantel um. Dann flochten sie einen Kranz aus Dornen; den setzten sie ihm auf und gaben ihm einen Stock in die rechte Hand. Sie fielen vor ihm auf die Knie und verhöhnten ihn, indem sie riefen: Heil dir, König der Juden! Und sie spuckten ihn an, nahmen ihm den Stock wieder weg und schlugen ihm damit auf den Kopf. Nachdem sie so ihren Spott mit ihm getrieben hatten, nahmen sie ihm den Mantel ab und zogen ihm seine eigenen Kleider wieder an.

Vgl. auch , . 3 Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz Station wird in der Bibel nicht erwähnt. 4 Jesus begegnet seiner Mutter Station wird in der Bibel nicht erwähnt. 5 Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen : Auf dem Weg trafen sie einen Mann aus Zyrene namens Simon; ihn zwangen sie, Jesus das Kreuz zu tragen.