Vrchotovy Janovice (deutsch Markt Janowitz) ist ein Městys in Tschechien. Er liegt 15 Kilometer südwestlich von Benešov und gehört zum Okres Benešov.

Geographie mini|hochkant|Pfarrkirche St. Martin Vrchotovy Janovice befindet sich im Norden der Středočeská pahorkatina am Janovický potok, der nördlich den Teich Zrcadlo speist. Östlich erhebt sich der Větrák (506 m), im Westen die Pomněnina (522 m) und im Süden die Ohraženka (577 m). Südlich des Ortes verläuft die Bahnstrecke Olbramovice–Sedlčany.

Nachbarorte sind Braštiny und Braštice im Norden, Strýčkov und Slavkov im Nordosten, Podolí und Křešice im Osten, Radotín im Südosten, Babice, Čihavka und Velká Lhota im Süden, Voračice und Minartice im Westen sowie Sledovice und Mrvice im Nordwesten.

Geschichte Die erste urkundliche Erwähnung von Janovice erfolgte 1224 im Zusammenhang mit einem Jan von Janovice. Er entstammte einem Geschlecht, das im 13. Jahrhundert hohe Hofämter innehatte. Konrad von Janovice, dem der Ort ab 1243 gehörte, war Burgvogt auf Zvíkov. Er gilt als der Stammvater der Janovický von Janovice. Um 1350 entstand eine Wasserfeste. Im 14. Jahrhundert erfolgte eine Erbteilung zwischen den Söhnen Herbart und Pešek. Janovice erhielt der Mělníker Kanoniker Herbart von Janovice. Sein Bruder Pešek übernahm die Herrschaft nach 1387.

Am Ende der Hussitenkriege erwarb Bohuněk Vrchota von Vrchotice 1433 die Herrschaft Janovice. Die Vrchota, deren Namen der Ort heute trägt, besaßen Janovice bis 1528. 1510 verlieh Jan Vrchota Janovice das Recht zur peinlichen Gerichtsbarkeit. Der Rabenstein stand oberhalb des Kamenný rybník auf dem Šibeničný vrch (Galgenberg; 419 m) bei Strýčkov. Nachfolgende Besitzer waren Wilhelm Osečanský von Osečany und Předbor von Radešín. Jan der Ältere von Říčany erwarb das Dorf um 1540. 1602 kaufte Jan Prostiborský von Vrtba auf Červený Hrádek Janovice. Nach der Teilung der Herrschaft im Jahre 1609 gehörte Janovice Sezima von Vrtba, der später noch Votice, Beztahov, Voračice, Kosova Hora, Neznašov, Křimice und Vojkov hinzu erwarb. Ihm folgte sein Sohn Ferdinand Franz Leopold von Vrtba. Unter Franz Ernst dem Jüngeren von Vrtba wurde die Feste zu einem Barockschloss umgestaltet. Mit ihm starb 1807 das Geschlecht im Mannesstamme aus.

Janovice fiel an Franz Joseph von Wratislaw von Mitrowitz. Das Geschlecht hielt die Herrschaft bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts. Nach der Aufhebung der Patrimonialherrschaften bildete Janovice ab 1848 eine Gemeinde im Bezirk Seltschan. Nachfolgender Besitzer war die Familie Wedenmaier, diese musste 1879 das Schloss wegen Überschuldung an Karl Nádherný von Borutin verkaufen. Seit 1892 ist zur Unterscheidung von gleichnamigen Orten die Bezeichnung Vrchotovy Janovice gebräuchlich. Während des Zweiten Weltkrieges wurde Vrchotovy Janovice in den Truppenübungsplatz Böhmen der Waffen-SS einbezogen. Die Einwohner wurden in der fünften und letzten Räumungsphase, die am 1. April 1944 endete, zwangsweise ausgesiedelt. Das Schloss diente als militärisches Hauptquartier und als Kaserne. Im Ort bestanden drei verschiedene Haftstätten: ein Straf- und „Erziehungslager“ für Personen, die vor der Zwangsarbeit in Deutschland geflohen waren, ein Lager für Menschen teilweise jüdischer Abstammung und Männer, die sich nicht von ihren jüdischen Ehefrauen scheiden ließen, sowie ein Außenlager für politische Gefangene des KZ Flossenbürg.

Das Außenlager bestand vom 24. Juli 1944 bis Ende März 1945 und war mit etwa 200 Männern belegt. Fast die Hälfte waren Russen, jeweils mehr als 40 Franzosen und Polen. Sie mussten unter anderem ein Gebäude für die Sturmgeschützschule der SS errichten, in einem Steinbruch arbeiten, Eisenbahnwagen entladen, ein zweites Gleis am Bahnhof Čichovka anlegen und Straßen ausbessern. Nach einer Typhusepidemie wurden die Gefangenen auf ein Gehöft bei Křepenice verlegt. Ende April 1945 wurden die verbliebenen Gefangenen über Prag in einen Transport in Richtung Budweis eingereiht; die Überlebenden wurden am 8. Mai bei Kaplice von tschechischen Partisanen befreit. Seit 1982 erinnert am Nový rybník ein Denkmal an das Lager.

Im Mai 1945 wurde der Ort wieder besiedelt und kam nach dem Krieg zum Okres Votice. Gräfin Sidonie Nádherná von Borutín, die bereits 1942 von den Nationalsozialisten enteignet worden war, wurde nach der Machtübernahme der Kommunisten 1948 erneut enteignet und emigrierte ein Jahr später nach England. 1999 wurden ihre sterblichen Überreste nach Vrchotovy Janovice überführt.

Die Gemeinde gehört seit 1961 zum Okres Benešov. Im Jahre 1982 erfolgte die Weihe eines Gedenksteines für das KZ Janowitz. 1987 begannen Reparaturarbeiten am verfallenen Schloss. Seit 2007 besitzt Vrchotovy Janovice den Status eines Městys.

Ortsgliederung Die Gemeinde Vrchotovy Janovice besteht aus den Ortsteilen Braštice (Braschtitz), Hůrka (Hurka), Libohošť (Libohauscht), Manělovice (Manielowitz), Mrvice (Merwitz), Rudoltice (Rudoltitz), Šebáňovice (Schebaniowitz), Sedlečko (Sedletschko), Velká Lhota (Groß Lhota) und Vrchotovy Janovice (Markt Janowitz).

Sehenswürdigkeiten Schloss Vrchotovy Janovice Kirche St. Martin

Söhne und Töchter der Gemeinde Sidonie Nádherná von Borutín (1885–1950), Kunstmäzenin

Einzelnachweise

Weblinks

Kategorie:Ersterwähnung 1224 Kategorie:Außenlager des KZ Flossenbürg