mini|hochkant=1.3|St-Hilaire de Semur-en-Brionnais, Chorhaupt von Osten Die ehemalige Kollegiatstiftskirche St-Hilaire liegt inmitten der französischen Gemeinde Semur-en-Brionnais, etwa sechs Kilometer östlich der Loire im Département Saône-et-Loire in der Region Bourgogne (Burgund). Sie gehört zu den bedeutendsten romanischen Sakralbauten des Départements. Hohe kunsthistorische Qualität präsentieren die Skulpturen des Tympanons des Hauptportals in der Fassade, die mit denen von Charlieu und anderen der Region verglichen werden.

St-Hilaire ist eine dreischiffige Basilika, mit einem vierjochigen Langhaus in dem typischen dreigeschossigen Cluny-Aufriss, danach folgen ein kaum ausladendes Querhaus und ein dreischiffiges Chorjoch mit drei Apsiden.

Auf dem gleichen Bergrücken wie die Kirche ragt in unmittelbarer Nachbarschaft die Ruine eines Donjons aus den Mauern der ehemaligen Burg auf. In ihr wurde St-Hugo (* 13. Mai 1024 in Semur-en-Brionnais, Burgund; † 28. April 1109), Abt und Bauherr von Cluny III und Erbauer der Basilika von Paray-le-Monial geboren, der auch die Errichtung der Kirche in Semur veranlasste.

Geschichte Die Kirche ist dem heiligen Hilarius von Poitiers (frz. St-Hilaire) gewidmet (* um 315 in Poitiers; † 367), der sich 345 mit Frau und Tochter taufen ließ und 350 zum ersten Bischof von Pictavius (Poitiers) gewählt wurde. Im Jahr 356 wurde er auf der Synode von Baeterrae (Béziers) von den mehrheitlich arianisch gesinnten Bischöfen nach Phrygien verbannt. Während des Exils verfasste Hilarius zwei lateinische Abhandlungen über die Trinität (De Synodis und De Trinitate), die ihm 1851 posthum den Titel eines Kirchenlehrers (Doctor ecclesiae) einbrachten. Nach einigen Jahren konnte Hilarius aber in die Heimat zurückkehren, wo er als Held des nizänischen Glaubens empfangen wurde. Er leitete ein Konzil in Paris im Jahr 361. Hilarius spielte eine wesentliche Rolle in der Vermittlung von östlicher Theologie in die lateinische Welt, und auch umgekehrt.

mini|Burgruine Das Felsplateau, auf dem Ort und Kirche liegen, war spätestens seit dem 9. Jahrhundert mauerbewehrt und soll bereits im 10. Jahrhundert von einem Donjon überragt gewesen sein. Der heute stehende Wohnturm ist aber ein Bauwerk des 13. Jahrhunderts, mit einer sog. Chemise, einer turmbewehrten Schildmauer, die die am meisten gefährdete Stelle des Turms schützte.

mini|hochkant|Cluny III, Rekonstruktion von Viollet-le-Duc Die Kirche St-Hilaire ist eine der zahlreichen Nachfolgerinnen der Kirche Cluny III, deren Erbauung während der Amtszeit von Abt Hugo von Cluny begonnen worden ist. Ihm war es nicht nur daran gelegen, in Cluny selbst, sondern auch im Ort seiner Herkunft ein angemessenes Kirchenbauwerk errichtet zu haben. Für das kleine Priorat von Semur sollte allerdings keine Monumentalkirche entstehen, man beschränkte sich stattdessen auf die besondere Qualität der architektonischen Ausführung, die das Bauwerk in einen gewissen baukünstlerischen Rang erheben sollte.

mini|hochkant|Hugo von Cluny, Mathilde von Tuszien und Heinrich IV. Miniatur aus der Handschrift Vita Mathildis (um 1115) Gestiftet wurde das Kloster zu Beginn des 12. Jahrhunderts durch Baron Geoffroi V., Landvogt im Brionnais und Nachkomme von Geoffroi IV., dem Onkel von Abt Hugo von Cluny.

So entstand am Geburtsort Hugos der Neubau, der vermutlich eine ältere Kirche oder Burgkapelle ersetzte. Der Bau der Kirche zog sich vom ersten Viertel bis zum Ende des 12. Jahrhunderts in zwei Bauphasen (ältere Ostanlage, jüngeres Schiff) hin.

Man erkennt sowohl Übereinstimmungen wie auch Abweichungen von Cluny III. Der deutlichste Unterschied besteht in der Form des Chorabschlusses. Da Semur vom Pilgerbetrieb unberührt geblieben war, konnte man auf einen Chorumgang mit Radialkapellen verzichten. So hielt man sich an das ältere Muster von Cluny II und errichtete mit einem Chorabschluss aus drei Apsiden die schlichteste Form eines Staffelchors. Der prachtvolle Vierungsturm erhielt seine Gestalt erst im 13. Jahrhundert.

mini|Cluny, Rekonstruktion vom Ende des 19. Jahrhunderts Die zahlreichen Übereinstimmungen von Motiven, die es in Cluny gegeben hat, müssen um ein wichtiges Detail ergänzt werden: Auf der Innenseite der Fassadenwand findet sich etwa in halber Wandhöhe eine kleine auskragende Empore in Form eines auf den Kopf gestellten halben Kegels. Eine solche soll es nach alten Berichten auch in Cluny III gegeben haben. Es wird vermutet, dass sie eine liturgische Funktion hatte. Hier versammelte sich während des Chorgebetes eine kleine Gruppe von Mönchen, die echoartig auf den Gesang der Confratres im Chor der Kirche antworteten, eine frühe Form der Mehrstimmigkeit, die erst in der Gotik in der Kirchenmusik gebräuchlich wurde.

Der Grundherr von Semur, Jean de Châteauvilain, und der Bischof von Autun stifteten 1274 ein Kollegiat für 13 Kanoniker unter dem Patronat des heiligen Hilarius.

Im Hundertjährigen Krieg (1339–1453) erlitten die Gebäude, wie so viele Kirchen in Burgund, Beschädigungen durch marodierende englische Truppen.

Rund 200 Jahre später, 1567, führten die Hugenottenkriege zu weiteren Zerstörungen.

Im 19. Jahrhundert folgten Reparaturen und Restaurierungen, bei denen auch die ursprünglich angespitzten Tonnen des Mittelschiffs durch altertümliche Rundtonnen ersetzt wurden. Warum diese Erneuerung erforderlich wurde, geht aus den Quellen nicht hervor.

Die Anbauten der Sakristei und einer Kapelle an die südliche Chorkapelle und den südlichen Querhausgiebel entstammen ebenso der Neuzeit.

Bauwerk

Abmessungen

zirka, aus Zeichnung entnommen und hochgerechnet, ohne Wandvorlagen

Gesamtlänge (außen): 31,80 m Langhausbreite (außen): 13,80 m Langhauslänge (außen): 16,50 m Langhausbreite (innen): 12,10 m Langhauslänge (innen): 17,50 m Mittelschiffbreite (innen): 4,70 m Seitenschiffbreite (innen): 3,00 m Querhausvorsprung: 0,40 m Querhauslänge (innen): 13,00 m Querhausbreite (innen): 4,40 m Mittelschiffhöhe im Scheitel (innen): 12,30–13,30 m Kuppelhöhe: 13,60 m Chorjochhöhe im Scheitel: 8,70 m

Äußere Erscheinung Das Kirchengebäude wurde überwiegend aus mittelformatigen glatten Werksteinquadern aus hell beigefarbenem bis fast weißem Kalkstein in regelmäßigem Schichtenmauerwerk mit teils verschiedenen Schichthöhen gemauert. Lediglich für die zu Beginn der Bauarbeiten entstandenen Chorapsiden hat man kleinere Formate in teils auch unregelmäßigem Verband vermauert. An unterschiedlichen Partien zeigen die Steinoberflächen Verwitterungserscheinungen in mehr oder weniger dunklen Grautönen.

Langhaus und Fassade mini|Langhaus von Süden mini|hochkant|Lang- und Querhaus von Nordwesten Die vertikale Teilung der Längswände des Langhauses entspricht der inneren Querteilung in vier Joche. Ebenso zeigt die Staffelung der Langhausdächer die innere Längsteilung in drei Schiffe. Mit ihrer Obergadendurchfensterung präsentiert sich die Kirche als echte Basilika. Das hoch über die Seitenschiffdächer aufragende Mittelschiff wird von einem Satteldach mit etwa dreißig Grad Neigung überdeckt, das mit roten Hohlziegeln im römischen Format eingedeckt ist, die auch Mönch-Nonnenziegel genannt werden. Die Seitenschiffe werden von Pultdächern in flacherer Neigung und mit derselben Eindeckung überdeckt. Die Traufen auf den Längsseiten bestehen aus kräftigen Gesimsplatten mit abgeschrägten mehrfach profilierten Sichtkanten, die auf zum Teil stark verwitterten Kragsteinen aufliegen: Sie sind meist schlicht skulptiert und nach innen ausgerundet. Einige weisen einfache Ornamente auf. Die unteren Reihen der Ziegeleindeckung liegen auf den Gesimsplatten auf und kragen leicht aus und das Regenwasser kann dort frei abtropfen.

Im Grundriss rechteckige Strebepfeiler der Seitenschiffe und des Mittelschiffs reichen mit ihren steil abgeschrägten Oberseiten bis etwa einen Meter unter die Traufen. In Höhe der Übergänge der Abschrägungen werden sie dreiseitig von schmalen Kragprofilen markiert. Ein solches Kragprofil gibt es etwa einen Meter über dem anschließenden Gelände beziehungsweise kurz über den Pultdachfirsten. Bei den Pfeilern im Erdgeschoss vergrößert sich ihr Querschnitt unter dem Kragprofil in zwei Stufen.

Im Erdgeschoss sind mittig in der oberen Hälfte der Wandabschnitte schlanke rundbogige Fenster ausgespart, die seitlich und oben von breiten rechtwinkligen Wandrückversätzen umgeben sind. In diese sind beidseitig Säulchen mit pflanzlich skulptierten Kapitellen und profilierten Basen eingestellt, auf denen unter den wandbündigen halbrunden Keilsteinbögen Archivoltenbögen aus Rundstabprofilen und breiten Kehlen stehen. Die Bogenansätze werden von doppelt profilierten Kämpfern markiert, deren Profile ein kurzes Stück über die Wandflächen reichen. Die Fenster in Joch drei der Südseite und Joch vier der Nordseite sind deutlich kleiner aber genauso gestaltet. Weil in diesen Jochen die Seitenportale eingelassen sind, sind diese Fenster ein Stück aufwärts verschoben. Die Öffnungen der Obergadenfenster sind etwa gleich groß wie die im Erdgeschoss. Ihre Wandrückversätze sind aber deutlich breiter, was die Fenster größer erscheinen lässt. Auf etwa den gleichen Säulchen stehen dreifach gestufte Archivoltenbögen, aus einem dickeren und zwei schlankeren Rundprofilen. Die Kämpferprofile werden bis gegen die Strebepfeiler geführt.

mini|Traufgesims Langhaus mini|hochkant|Nordportal Das Nordportal im vierten Joch weist keinen figürlichen Skulpturenschmuck auf. In einem breiten Wandrückversatz sind beidseitig schlanke Säulen eingestellt, die mit pflanzlich skulptierten Kapitellen und profilierten Basen ausgerüstet sind. Auf ihnen stehen Archivoltenbögen aus einem spiralförmig gedrehten Rundstab und mehreren, unterschiedlich breiten Halbrundprofilen und Kehlen und ein wandbündiger Keilsteinbogen. Die Bogenansätze werden von Kämpfern markiert, deren Sichtprofil mit einem Blattfries geschmückt ist. Das Kämpferprofil wird über die seitlichen Pilaster und als Trennung zwischen Architrav und Tympanon weitergeführt. Der Architrav ist so hoch wie die Kapitelle und schließt die Türöffnung oberseitig ab. Seine Oberfläche ist feingliedrig mit geometrischen und pflanzlichen Flachreliefs dekoriert. Fünf Blütenrosetten werden von Kreisringen umschlossen. Die seitlichen Türlaibungen sind oben mit auskragenden Konsolen ausgestattet. Das Bogenfeld ist mit einem Flachrelief in Form eines Dreipasses dekoriert. Ein kurzes Stück neben den Kanten der Wandrückversätze ragen im Grundriss rechteckige Pilaster auf, die von Kapitellen und Kämpfern in gleicher Höhe wie die benachbarten bekrönt sind. Die Oberfläche des rechten Pilasters ist ähnlich der des Architravs dekoriert. Der linke Pilaster ist mit zwei parallel verlaufenden Eierstabprofilen geschmückt. Auf den Pilastern stehen zwei untereinander abgestufte Archivoltenbögen, mit geometrisch dekorierten Oberflächen, der innere mit einem Fries aus Kreisringen, der äußere mit einem vierstufigen Rollenfries, die jeweils innenseitig von mehrfachen feinen Rundstäben begleitet werden. mini|hochkant|Fassade von Südwesten Das Südportal im dritten Joch ist wesentlich schlichter gestaltet als das Nordportal. Das könnte damit zusammenhängen, dass sich auf der Südseite einmal die Konventsgebäude des Stifts befunden haben, hingegen sich das Nordportal zum öffentlichen Raum weist. In einem breiten Rückversatz stehen Säulen, wie beim Nordportal mit dreifach gestuften Archivoltenbögen aus unterschiedlich dicken Rundprofilen. Der mittlere ist in feine Rillen aufgelöst, der äußere zeigt einen ornamental strukturierten Fries. Die Kämpferprofile sind mit ähnlichen Friesen bestückt. Der rechte reicht bis unter den äußeren Archivoltenbogen, der linke wird bis gegen den Strebepfeiler geführt. Im Tympanon ist das Flachrelief eines Krückenkreuzes zu sehen, die Flächen des Architravs und des Bogenfeldes sind mit schlichten Oberflächenversätzen strukturiert.