mini|300px|Plan des spätantiken Kastells mit späteren baulichen Änderungen. mini|Blick von Südwesten auf die Grabungsstelle. Rechts im Bild ist das Dach des Schutzbaus über dem Kastellbad zu sehen. mini|Lage von Kastell Dinogetia in der Kette der mösischen Donaukastelle. mini|Teilrekonstruierte Wehrmauer mit dem westlichen Eckturm aus dem späten 3. oder frühen 4. Jahrhundert mini|Die Wehrmauer mit Schlupfpforte aus dem ausgehenden 3. oder frühen 4. Jahrhundert mini|Blick in einem der Hufeisentürme der Anlage. mini|Die sogenannte Principia, die aus dem ausgehenden 3. oder frühen 4. Jahrhundert stammen soll, weist starke Parallelen zu den valentinianischen Burgi an der mittleren Donau auf.mini|Reste des Kastellbades. Im Vordergrund die heizbaren Räume. mini|Plan des Kastellbadesmini|Fundament des byzantinischen Kirchleins, das zu einem unbekannten Zeitpunkt nach der Neubesiedlung entstand. Hier wurde ein goldenes Reliquienkreuz gefunden.

Dinogetia ist ein ehemaliges spätrömisches Militärlager, das als Grenzbefestigung für die Bewachung eines Abschnitts des mösischen Limes am Unterlauf der Donau zuständig war. Der Ort wurde zudem als wichtige antike und mittelalterliche Zivilstadt bekannt.

Höchstwahrscheinlich bestand das Kastell bereits seit der mittleren Kaiserzeit. Die seit 1939 sichtbar gemachten Reste der unüberbauten Anlage befinden sich fünf Kilometer nordwestlich des rumänischen Dorfes Gărvan im Landkreis Tulcea in der Dobrudscha, rund zehn Kilometer südöstlich der Stadt Galatz. Die Festung gehörte nach der Reichsteilung 395 n. Chr. zum oströmischen Territorium und blieb bis zu den Awareneinfällen von 596/597 besetzt. Nach der byzantinischen Rückeroberung großer Teile von Mösien, Thrakien und Skythien im Frühmittelalter wurde die Anlage wiederbelebt und für rund 200 Jahre in einen Siedlungsort eingebunden.

Lage Dinogetia lag auf dem Gebiet der römischen Provinz Moesia inferior (Niedermösien), aus der in der Spätantike die Moesia secunda (Obermösien) hervorging, die der Diözese Thrakien angehörte. Nach der byzantinische Reichserneuerung ab 971 n. Chr. entstand auf dem Gebiet der ehemaligen Provinz das Thema Paristrion.

Die Anlage wurde auf einer leicht erhöhten, felsigen Landzunge innerhalb eines sich von Südwesten nach Südosten erstreckenden Donauknies errichtet. Der heute bis zu zehn Kilometer vom Südufer der Donau entfernt gelegene, in nordwestliche Richtung ausgebildete Felssporn bot einen vor Hochwasser gut geschützten Standort in dem bis in die Gegenwart sumpfig gebliebenen Umland. Vom Kastellplatz aus ist eine gute Fernsicht über das offene, hauptsächlich landwirtschaftlich genutzte Land möglich. Begrenzt wird diese nur im Westen und zwar durch den nördlichsten Ausläufer des Măcin-Gebirges, der sich als langgestreckte, fingerförmige Hügelkette in nordwestliche Richtung vom Hauptmassiv abspreizt. Nur wenige Kilometer nördlich der Fortifikation verlaufen sich die Spuren dieser Höhenstruktur aber wieder. Mit seinen zwölf Wehrtürmen und der Toranlage bildete das spätantike Dinogetia eine weithin sichtbare Landmarke.

Forschungsgeschichte Bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die damals sichtbaren Überreste des Kastellplatzes zeichnerisch dokumentiert. 1939 begann Gheorghe Ștefan (1899–1980) mit den Grabungen, konnte sie jedoch erst nach dem Zweiten Weltkrieg 1949 wiederaufnehmen. Ihm folgte später Ion Barnea, der seit dieser Zeit die Forschungen fortsetzte. Größere Untersuchungen fanden in den Jahren 1976 bis 1981 sowie 1983 statt. Auch heute noch ist Dinogetia ein Ausgrabungsgelände. Die sichtbaren Überreste der Festung wurden für Besucher nach den archäologischen Befundaufnahmen konserviert, restauriert und stellenweise teilrekonstruiert.

Baugeschichte Römische Kaiserzeit Zahlreiche Ziegelstempel, Keramikscherben und Münzen des 1. bis 3. Jahrhunderts legen einen kaiserzeitlichen Garnisonsstandort nahe, jedoch konnte dieser bis heute nicht nachgewiesen werden.

Die Existenz des Ortes im 2. Jahrhundert wird auch durch Mathematiker und Geographen Claudius Ptolemäus in dessen Universalschrift Geographike bestätigt.Ptolemäus 3, 8, 2; 10, 1 (polis). Dieses Kartenwerk blieb jedoch nur in einer mittelalterlichen Kopie erhalten, so dass letzte Unsicherheiten über deren Genauigkeit nicht geklärt werden können.

Spätrömische Zeit Möglicherweise wurde die rund 7800 Quadratmeter umfassende festungsähnliche Anlage mit ihren fast drei Meter dicken Mauern bereits im ausgehenden 3. Jahrhundert errichtet. Dies würde der diokletianische und maximianische Münzausweis nahelegen. Das Kastell wurde mit dem für diese Zeit üblichen unruhigen Grundriss geplant und übernimmt die Hauptausrichtung des Hügels, auf dem es liegt. Dieser Hügel ist nach Süd- und Nordwesten sowie nach Nordosten teils steil abfallend, während er in südöstlicher Richtung sanft absteigt. An dieser Hangseite befand sich auch die Prätorialfront, das heißt die Vorderfront des Lagers mit einer einspurig gestalteten Hauptzufahrt, die von zwei weit aus der Wehrmauer reichenden, hufeisenförmigen Tortürmen flankiert wurde. Ein dritter, fast quadratischer Turm war im Lagerinneren an die Wehrmauer über den Eingang gesetzt worden. In dieser Form konnte das Ensemble einen besonders trutzigen, eigenständigen Wehrbau bilden. Angreifer, die versuchten, das Tor aufzurammen, konnten beispielsweise auch in den beiden Flanken getroffen werden. Nachdem das Kastell während der Rückeroberung Mösiens im ausgehenden 10. Jahrhundert wieder von byzantinischen Truppen in Besitz genommen worden war, fand noch im gleichen oder anschließenden Jahrhundert eine bauliche Änderung am Haupttor statt. Diese betraf die beiden flankierenden hufeisenförmigen Seitentürme, die jetzt an ihrem äußersten Krümmungswinkel mit einer Mauer, in der sich mittig ein Durchgang befand, verbunden wurden. Der Torbau ähnelte nun einer kleinen Festung für sich. Angreifer, die nun den neuen äußeren Zuweg durchbrochen hatten, befanden sich anschließend im Inneren eines geschlossenen Gevierts. Dort konnten sie sich nicht entfalten, um das innere Tor zu nehmen, und waren leichter für die Verteidiger zu kontrollieren. Im Lagerinneren schlossen alle Türme der Anlage mit ihrer Rückseite nahtlos an der Wehrmauer ab. Bei einigen, wie den beiden Tortürmen, zeigte sich noch ein ebenerdiger Zugang. Auf den Türmen konnten Kriegsmaschinen aufgestellt werden. Die Archäologen fanden Depots, in denen die Geschosskugeln aufbewahrt wurden.Ulrich Wanke: Die Gotenkriege des Valens: Studien zu Topographie und Chronologie im unteren Donauraum von 366 bis 378 n. Chr. Verlag Peter Lang, 1990, ISBN 3-631-42396-9, S. 88. Gegenüber dem Haupttor, im Nordwesten, konnten die Forscher nur eine Schlupfpforte feststellen. Eine weitere Schlupfpforte bestand in der Westmauer. Diese wurde jedoch im 6. Jahrhundert zugesetzt.

Für die vergleichende archäologische Forschung sind die damals angelegten drei Ecktürme der Anlage von Bedeutung, da es zu ihrer besonderen, im Grundriss halbkreisförmigen Ausführung nur eine Parallele in Ungarn, am Kastell Dunabogdány, gibt.Endre Tóth: Die spätrömische Militärarchitektur in Transdanubien. In: Archaeologiai Értesitő 134, Budapest 2009. S. 48. Dort sind diese Türme erst nachträglich in die bestehende Garnison eingebaut worden, während in Dinogetia diese Turmausführung zum ursprünglichen Baukonzept gehörte. Ein Ursprung dieser Militärarchitektur in den Balkanprovinzen wird daher vermutet.Endre Tóth: Die spätrömische Militärarchitektur in Transdanubien. In Archaeologiai Értesitő 134, Budapest 2009. S. 43.

Die Bestimmung eines sehr einfachen, rechteckigen Gebäudes mit vier im Geviert zueinander liegenden Pfeilern im Inneren als Principia (Stabsgebäude), die später zum Horreum (Getreidespeicher) umgebaut worden sei, wurde in der Vergangenheit durch den Archäologen Sergey Torbatov (Sofia) bezweifelt. Er datierte den bisher in die Zeit vom Ende des 3./Anfang des 4. Jahrhunderts gelegten Bau an das Ende des 4. Jahrhunderts und gab zu bedenken, dass die Konstruktion eher an spätantike Burgi erinnern würde, wie sie unter Kaiser Valentinian I. (364–375) entlang der mittleren Donau errichtet worden sind.Sergey Torbatov: A Note on Dinogetia. In: Gerda von Bülow (Hrsg.): Der Limes an der unteren Donau von Diokletian bis Heraklios. Vorträge der Internationalen Konferenz, Svištov, Bulgarien (1.–5. September 1998). Nous, Sofia 1999, ISBN 954-90387-2-6. S. 272. Vergleiche auch: Burgus Leányfalu und Burgus Budakalász-Luppa csárda.

Kastellbad Südöstlich, etwas entfernt zum Haupttor der Garnison, entstand im ausgehenden 3. Jahrhundert oder etwas später am leicht abfallenden Hang ein Kastellbad, das in seinen Dimensionen eine maximale Fläche von 25 × 18,5 Metern bedeckte und noch bis zum Ende der frühbyzantinischen Zeit in Betrieb blieb. In ihren Ausmaßen reiht sich die Badeanlage von Dinogetia in das Schema typischer Militärthermen für eine teilberittene Kohorte (cohors equitata) ein, wie sie seit dem Ausbau der Grenzen im 2. Jahrhundert reichsweit bestanden. Die Kastellbäder wurden höchstwahrscheinlich auch von den örtlichen Bewohnern der Lagerdörfer (Vicus) mitverwendet. An der Therme von Dinogetia ist während des Baus auf tubulierte Tonziegel an den Wänden verzichtet worden. Als Ersatz befestigten die Arbeiter mittels Abstandhalter gewöhnliche Ziegel am Mauerwerk.Jan Kees Haalebos: Arae Flaviae IV. In: Bonner Jahrbücher 179, Köln 1991. S. 828. Damit blieb der in geheizten römischen Gebäuden übliche Effekt erhalten, die vom beheizten Boden kommende warme Luft in einem Hohlraum zwischen Wand und Verputz aufsteigen zu lassen, um mit dieser Restwärme auch den Wänden eine angenehme Temperatur zu geben.

Das Militärbad liegt hangaufwärts mit seiner Längsachse in südöstlich-nordwestlicher Richtung. Den größten rechteckigen Raum nahm das Frigidarium (Kaltbad) mit einer Innenfläche von rund 18,5 × 6 Metern ein. Reste des geziegelten Boden fanden sich noch im Nordwesten des Raumes sowie in einer kleinen halbrunden Apsis an der Nordostmauer, die ebenfalls Teil des Frigidariums war. Vor dieser rund 2,9 Meter breiten und rund 2,1 Meter tiefen Apsis führte ein Abwasserkanal das Brauchwasser in östliche Richtung aus der Therme und floss anschließend hangabwärts ab. Die Ausgräber sahen den großen Raum nicht nur als Kaltbad, sondern auch als Palaestra, eine Sportstätte für die körperliche Ertüchtigung. Wo und ob sich bei dieser Therme das ansonsten bei Limeskastellen übliche Apodyterium (Umkleideraum) befunden hat, ist nicht bekannt. Die wesentlich kleineren, baulich hintereinandergeschalteten Warmbäder konnten vom Frigidarium aus nur durch einen Zugang auf der gegenüberliegenden Seite der Kaltbad-Apsis betreten werden. Zunächst befand man sich in dem fast quadratischen Raum des rund 3,4 × 3,2 Metern großen Caldariums (Warmbad), das im Südwesten eine halbrunde, ebenfalls heizbare Apsis besaß, die in ihren Ausmaßen dem Gegenstück im Kaltbad entsprach. Außerhalb der Therme war nachträglich an diese Raumausbuchtung ein kleines, rund 1,8 × 1,6 Meter großes Praefurnium (Heizraum) angebaut worden. Vielleicht hat der ursprüngliche große Heizraum im Südosten nicht ausgereicht, um alle Räume gleichmäßig oder zeitnah zu erreichen. Vom Warmbad aus ging die Raumfolge in südöstliche Richtung weiter. Den nächsten Raum nahm das ebenfalls fast quadratische Tepidarium (Laubad) ein, gefolgt vom Sudatorium (Schwitzbad). Auch hier folgte der rund 3,2 × 3,3 Meter umfassende Hauptraum architektonisch den beiden anderen heizbaren Räumen. Wie im Caldarium befand sich südwestlich eine heizbare Apsis, zusätzlich schloss sich im Südosten ein weiterer kleiner rechteckiger, rund 2,6 × 2 Meter umfassender Annex an, der unmittelbar mit dem großen Praefurnium verbunden ist. Tiefgreifende bauliche Änderungen lassen sich in der langen Nutzungszeit offensichtlich nicht ausmachen.

Oströmische und frühbyzantinische Zeit