Der Tadel (auch Rüge oder Schelte) bezeichnet eine meist verbale missbilligende Beurteilung, die oftmals mit dem Ziel einer Mäßigung oder Verhaltenskorrektur verbunden wird und gelegentlich als Strafe fungiert.

Etymologie mini|Momos tadelt die Götter, 1561, Maarten van Heemskerck, Gemäldegalerie Berlin mini|Tadel in einer Hausinschrift

Das Wort Tadel tritt seit dem 13. Jahrhundert im Mittelhochdeutsch aus dem Mittelniederdeutschen stammend auf. Bereits im Althochdeutschen stand zadal oder zadel für Mangel oder Fehler. Die heute übliche Bedeutung eines Vorwurfs entwickelte sich im 17. Jahrhundert unter dem Einfluss des Verbs tadeln. Die alte Bedeutung ist erhalten in der Redewendung Ohne Furcht und Tadel. Pierer’s Universal-Lexikon bezeichnete Tadel als:

Pädagogik In einigen der pädagogischen Fachliteratur zugerechneten Werken aus den 1960er Jahren wird der Tadel am Anfang der Strafenskala gesehen.Wolfgang Scheibe: Die Strafe als Problem der Erziehung. Eine historische und systematische pädagogische Untersuchung. Weinheim / Berlin 1967, S. 199. Diese Einstufung ist freilich umstritten. Dass mit dem Tadel auch ernst zu nehmende Traumatisierungen der Kinder und Jugendlichen verbunden sein können, ist nicht nur eine Erkenntnis der neueren Psychologie. Schon die Pädagogen im Vorfelde der europäischen Aufklärung mahnten einen sensiblen Umgang der Erzieher mit ihren Zöglingen an. John Locke legte in Bezug auf den Tadel eine kontrollierte Mäßigung nahe.John Locke: Einige Gedanken über die Erziehung. Paderborn 1967, S. 51. Fénelon äußerte sich im selben Sinne und stellte Betrachtungen über den rechten Augenblick an, in dem ein Tadel erfolgen sollte. „Warte, wenn es sein muss, selbst tagelang den günstigsten Augenblick ab, um deinen Verweis anzubringen.“François Fénelon: Über die Erziehung der Mädchen. Paderborn 1956, S. 27. Einig waren sich auch die deutschen Pädagogen der Aufklärung über die zweifelhaften Wirkungen maßlosen Tadelns.Friedrich Koch: Das Wilde Kind. Die Geschichte einer gescheiterten Dressur. Hamburg 1997, S. 63 ff. ISBN 978-3-434-50410-8, S. 63 ff.

Tadel in der Schule In der Schule ist der Tadel eine starke Form der Ermahnung und Maßregelung. Der Tadel kann auch in schriftlicher Form erfolgen. Bei wiederholtem Tadel tritt in vielen Fällen eine Klassenkonferenz zusammen. Hier wird über das Fehlverhalten des Schülers diskutiert und es werden weitere erzieherische Maßnahmen festgelegt. Der Begriff „Tadel“ ist dabei offiziell meist nicht mehr gebräuchlich, man spricht inzwischen von einer „Schriftlichen Missbilligung“ (Verweis).

So heißt es im Schulgesetz Schleswig-Holsteins zu den Maßnahmen bei Erziehungskonflikten:

Das Schulgesetz des Landes Berlin kennt den „mündlichen Tadel“ als Erziehungsmaßnahme bei Erziehungskonflikten und Unterrichtsstörungen. Je nach Schwere des Verstoßes kann der Tadel auch aus einem Eintrag ins Klassenbuch und einem Brief an die Erziehungsberechtigten bestehen. In der Vergangenheit konnte der Tadel als Bemerkung auf dem Zeugnis erscheinen, wenn die jeweilige Zeugniskonferenz dies für geboten hielt und der Tadel den bestehenden Normen entsprach. Die aktuellen Ausführungsvorschriften über Zeugnisse des Landes Berlin erwähnen jedoch den Vermerk von Erziehungsmaßnahmen, zu denen der mündliche Tadel zählt, nicht. In der Regel können auf Zeugnissen nur Ordnungsmaßnahmen nach Beschluss durch die Klassenkonferenz vermerkt werden, wobei Abgangs- und Abschlusszeugnisse ausgenommen sind.

Psychologie In Meyers kleinem Lexikon Psychologie wird vermerkt, dass getadeltes Verhalten sogar vermehrt auftreten könne – eine Erkenntnis, die auf dem Hintergrund der Lernpsychologie entstanden ist. Tadel könnte nämlich die vom Schüler/Kind erwünschte Form der Zuwendung sein, wenn es ihm z. B. an Zuwendung mangeln sollte. Tadeln sollte also nicht zufällig, willkürlich oder planlos, sondern bestenfalls im Zusammenhang mit einem Verstärkungsplan erfolgen, der die Gesamtpersönlichkeit des Kindes berücksichtigt. Tadel allein ist nicht geeignet, irgendein Erziehungsproblem zu lösen. Peter Köck und Hanns OttIn: Wörterbuch für Erziehung und Unterricht. 1997; S. 453. halten den inflationären Gebrauch des Tadels für wirkungslos, und: „Tadel erweist sich dann als völlig sinnlos […], wenn er auf Merkmale oder Verhaltensweisen zielt, die zu ändern der Getadelte nicht fähig ist.“

Literatur Im vierten Band von Wanders Deutsches Sprichwörter-LexikonWanders Deutsches Sprichwörter-Lexikon. S. 987–988. sind 23 Sprichwörter mit Bezug zum Thema Tadel verzeichnet.

Siehe auch Abmahnung Ermahnung Lob Strafe Verstärkung (Psychologie)

Weblinks

Literatur zu „Tadel“. In: FIS-Bildung Literaturdatenbank.

Einzelnachweise

Kategorie:Handlung und Verhalten Kategorie:Ehrenstrafe