mini|150px|Wappen der Stadt Freistadt
Die Geschichte der Stadt Freistadt beginnt mit der Gründung der Stadt im frühen 13. Jahrhundert. Die oberösterreichische Kleinstadt im unteren Mühlviertel hatte ihre Blütezeit zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert. Freistadt war eine wichtige Handelsstadt zwischen dem Donauraum und Böhmen. In dieser Zeit führte der einzig erlaubte Weg von Linz nach Budweis durch die Stadt (Straßenzwang). Der Dreißigjährige Krieg und die Gegenreformation samt deren Folgen veränderten die Bedeutung der ehemaligen Grenzstadt, die nach und nach sämtliche Privilegien aus der Gründungszeit verlor. Im Zuge des aufgeklärten Absolutismus in Österreich wurde Freistadt Ende des 18. Jahrhunderts kurzzeitig zur Kreisstadt des Mühlviertels. Seit dem Jahr 1850 ist die Stadt Sitz der Bezirkshauptmannschaft des gleichnamigen Bezirks und entwickelte sich zur Schulstadt. Ein Aufschwung ist seit dem Ende des 19. Jahrhunderts in Freistadt wieder sichtbar, unter anderem durch den Auf- und Ausbau der Infrastruktur. In den beiden Weltkriegen fanden keine Kampfhandlungen im Raum Freistadt statt. Heute ist Freistadt das wirtschaftliche, schulische und kulturelle Zentrum des Bezirks.
Erste Besiedlung und Stadtgründung mini|Grundriss der heutigen Altstadt
Bis ins hohe Mittelalter erstreckte sich im Raum Freistadt (so wie im gesamten Mühlviertel) ein weitläufiges Waldgebiet, der Nordwald. Nördlich vom heutigen Freistadt befindet sich der Kerschbaumer Sattel, mit einer Höhe von der günstigste Übergang vom Donautal nach Südböhmen und zugleich eine europäische Wasserscheide (Nordsee–Schwarzes Meer). Über diesen Sattel führte seit vielen Jahrhunderten ein Handelsweg (Goldener Steig) in Form eines Saumpfades von Enns entlang dem Aisttal (Feldaistsenke) über den Raum Freistadt (Freistädter Becken) nach Norden (Budweis). Frühbronzezeitliche Funde im Raum Freistadt wie der Fund eines Randleistenbeiles in der Nähe des Pregartenteichs zeugen von diesem Verkehrsweg.Josef Kneidinger: Urgeschichtliche Funde aus dem Mühlviertel. Dissertation, Wien 1939, Nr. 23.
Vor der Stadtgründung führte der Handelsweg an einer Burg (heutiger Salzhof) und an einem Straßendorf vorbei, das, wie das übrige Untere Mühlviertel, von Slawen bewohnt war. Die Siedlung hieß vermutlich Zaglau (slawisch: Zahlow), war jedoch noch nicht Freistadt. Der slawische Name der Siedlung lebt bis heute im tschechischen Namen für Freistadt – Cáhlov – weiter. Wie sehr Freistadt an diesen Handelsweg ausgerichtet wurde, zeigt, dass der heutige Straßenverlauf Johanneskirche–Zemannstraße-Linzertor–Eisengasse–Salzgasse weitgehend dem Handelsweg entsprechen dürfte.
Auf einem Platz in der Nähe der Burg, der an seiner Süd- und Ostseite durch einen steilen Felsabfall geschützt ist, wurde Freistadt gegründet.
Über den genauen Zeitpunkt der Entstehung der Stadt gibt es nur Theorien, da Urkunden entweder verloren gegangen sind oder zu wenig aussagen. Es wird angenommen, dass Freistadt um 1225 vom Babenberger Leopold VI. dem Glorreichen (Herzog von Österreich) planmäßig angelegt wurde, indem er die bestehende Siedlung erweiterte. Städte im Mittelalter verwendeten die Wappen der Gründer als Stadtwappen. Die ältere Theorie, von den Historikern mittlerweile als falsch abgelehnt, besagt, dass die Herren von Perg und Machland Freistadt um das Jahr 1140 gründeten.Zur Frühgeschichte der Stadt Freistadt (PDF; 4,6 MB) In: Beiträge zur Frühgeschichte der Stadt Freistadt. S. 32.
Beweise für die planmäßige Anlage der Stadt sind: die für das 13. Jahrhundert verhältnismäßig breiten Straßen, der große, rechteckige Marktplatz (= Hauptplatz), der Grundriss der Stadt mit rechteckigem Straßennetz, die Kirche an der höchsten Erhebung im Schnittpunkt der wichtigsten Straßen (heute: Pfarrgasse und Böhmergasse).
Die junge Stadt wurde anfangs mit zahlreichen Privilegien ausgestattet, um ihre Existenz zu sichern. Die erstmalige urkundliche Erwähnung war 1241, und 1277 wurde vom deutschen König Rudolf von Habsburg das Niederlags- und Stapelrecht bestätigt. Das Niederlagsrecht galt für alle Waren im Handel mit Böhmen (damals eine Besonderheit), auf Grund der Stadtgründung von Budweis (1265). In den damaligen Urkunden hieß die Stadt Frienstat oder Vreinstat. Bis 1482 (Stadterhebung Steyregg) war Freistadt die einzige Stadt im gesamten heutigen Mühlviertel. Nach 1491 (Stadterhebung Grein) folgten erst im 19. Jahrhundert weitere Stadterhebungen in diesem Teil Oberösterreichs.
Als erste Bewohner wurden besitzlose, freie Leute angesiedelt, von denen jeder einen Teil des Stadtgrundes für den Hausbau und einen Teil des umliegenden Landes (Burgfried) zur Bewirtschaftung als freies Burgrecht erhielt.
Aufstieg und Blütezeit als Grenzstadt ab 1277 mini|Siegel der Stadt um 1437 mini|Freistadt um 1550
Wirtschaftliche Entwicklung Die verliehenen Privilegien machten Freistadt rasch zu einer reichen und blühenden Stadt. Durch das Niederlags- und Stapelrecht mussten alle Waren nach Böhmen drei Tage lang zu einem festgesetzten Preis den Freistädter Kaufleuten angeboten werden. Zusätzlich zum Stapelrecht galt der Straßenzwang: Die Kaufleute durften nur gewisse Straßen benützen. Eine dieser Straßen führte durch Freistadt und war somit Lebensgrundlage und Quelle des Reichtums.
Diese Rechte wurden wie ein Schatz gehütet und so nahmen die Freistädter mitunter kämpferische Auseinandersetzungen mit den Nachbarorten in Kauf, insbesondere mit Leonfelden oder Pregarten. Die teils langfristigen Streitigkeiten (über 100 Jahre) entschied der Landesfürst als letzte Instanz immer zugunsten von Freistadt. Die häufigsten, damaligen Streitpunkte waren: Missachtung des Straßenzwangs, Berechnung einer zu hohen Maut, eigenständige Handelsbeziehungen und Erzeugung und Vertrieb von Waren, wodurch die Verdienste der Stadt sanken.
1363 verlieh Herzog Rudolf IV. der Stifter das Meilenrecht, mit dem innerhalb einer so genannten Bannmeile (= 7,586 Kilometer Grünbach bei Freistadt, Stand 28. Juli 2008.) nur die Bürger der Stadt Handel und Gewerbe betreiben dürfen.
Mit diesen Privilegien ausgestattet, wurde Freistadt zu einem wirtschaftlichen Zentrum im Mühlviertel. Um 1460 existierte eine Münzprägestätte in Freistadt, die von Herzog Albrecht VI. eingerichtet worden war, jedoch auf dessen Anweisung nur minderwertige Prägungen (Schinderlinge) herstellte.Geschichte Oberösterreichs. S. 140. Die Haupthandelswaren in Richtung Norden waren Eisen und Eisenwaren aus dem Raum Steyr, sowie Salz aus dem Ausseerland und dem habsburgischen Salzkammergut. In Freistadt befanden sich damals vier eisenbearbeitende Werke zwischen dem Graben und dem Thurytal, so dass die Stadt selbst Eisenwaren erzeugte. Die heutigen Straßennamen der Freistädter Altstadt, wie Salzgasse und Eisengasse, zeugen von der Zeit als Handelsstadt. Die Freistädter verstanden es, das Monopol im Salzhandel über den Goldenen Steig nach Böhmen an sich zu reißen und booteten die aufstrebende Stadt Linz aus. Dies führte in den Jahren 1380 und 1450 zu einem heftigen Streit der beiden Städte. Die alte Burg wurde zum Salzlager und in Salzhof umbenannt. Seit Kaiser Maximilian I. ging der lukrative Salzhandel zusehends in ein Monopol der Fürsten und letztendlich des Staates über. Zwar wurde 1563 in Linz und Freistadt ein Salzkammeramt geschaffen, jedoch verlor Freistadt dieses Monopol einige Jahrzehnte später an die Landesfürsten (1628).
Eine weitere wichtige Handelsware war das Bier. Jeder Bürger in Freistadt, der ein Haus innerhalb der Stadtmauer besaß, hatte das Recht, Bier zu brauen. Die Menge wurde auf Grund des Schätzwertes des Hauses festgelegt. Der Magistrat regelte und überwachte dies nach der Brauordnung. Das Bierbrauen und der Verkauf waren eine der bedeutendsten Einnahmequellen der Stadt. Bier wurde als Ehrengeschenk an die Landesregierung und an die Hofkammer in Wien geschickt. 1525 gab es insgesamt zwölf Brauhäuser in der Stadt, die bis 1637 auf fünf und später auf zwei Brauhäuser zurückgingen.
Auch Zwirn aus Freistadt selbst, Leinwand aus Wels und venetianische Waren (Glas, Seide und Tuche) aus Venedig sowie Fische aus Böhmen gehörten zu den wichtigeren Handelswaren. Der Höhepunkt des Wirtschaftslebens war ab 1465 der große Jahrmarkt, der Paulimarkt, der im Jänner/Februar 14 Tage lang dauerte. Damals hatte der Markt eine Bedeutung wie eine internationale Messe. Um 1490 erreichte der Freistädter Handel seine größte Ausdehnung.
Ausdruck des zunehmenden Handels war die Gründung einer eigenen Poststation (Postamt) im Jahr 1626 in der heutigen Böhmergasse 9 (früher: Stadt 100).Alfred Hoffmann (Hrsg.): Österreichisches Städtebuch Band 1: Die Städte Oberösterreichs. Wien 1968, S. 143. Um 1891 übersiedelte das Amt von der Böhmergasse in die Waaggasse 14 (im ehemaligen Kasernengebäude), seit den 1990er Jahren befindet sich das Postamt außerhalb der Stadtmauern, zwischen dem Marianum und dem Brauhaus.
Stadtmauern mini|Ehemaliger Wassergraben
Freistadt wurde wahrscheinlich als Bollwerk gegen die Bischöfe von Passau angelegt. Die Stadt hatte sowohl eine wirtschaftliche als auch eine militärische und strategische Funktion.
Mit der Gründung begann die Sicherung der Stadt. Das Felsplateau bietet nach Süden und Osten einen natürlichen Schutz, deshalb wurden wahrscheinlich nur die leicht zugänglichen West- und Nordseiten mit einem Erdwall geschützt. Bereits im 13. Jahrhundert wurde Freistadt durch Steinbauten gesichert, um Handelswaren und Reichtum zu schützen.
Zwischen 1363 und 1396 wurde diese erste Stadtmauer wesentlich verstärkt. Es folgte die Errichtung der äußeren Stadtgrabenmauer (Mantelmauer) und der Bau des heute noch vorhandenen Stadtgrabens. Weiterhin wurde mit der äußeren und der inneren Stadtmauer sowie dem Zwinger die Stadtbefestigung zur Abwendung von Gefahren ausgebaut. Die innere Stadtmauer war zusätzlich mit einem Wehrgang in fünf bis sieben Meter Höhe ausgestattet, der teilweise heute noch zu erkennen ist. Die Stadtmauer war mit Schießscharten und Pechnasen ausgestattet, die man ebenfalls noch gut wahrnehmen kann. Ab 1363 ließ Herzog Rudolf IV., der Stifter, in der Nordostecke außerhalb der Stadtmauer ein neues Schloss errichten, das zusätzlichen Schutz vor Angriffen bot.
Der wichtigste Teil der Verteidigungsanlagen von Freistadt waren die Stadttürme. Die ältesten sind das Linzertor im Süden und das Böhmertor im Norden. Diese waren damals die einzigen Möglichkeiten, mit Pferdefuhrwerken über Zugbrücken in die Stadt zu gelangen. Um 1390 entstanden der Weyermühlturm und der Petringerturm (auch Turm im Winkel). In dieser Zeit wurde auch der Bergfried des Schlosses errichtet. Die Freistädter Bürger konnten sich so nach Fertigstellung aller Verteidigungsanlagen sicher fühlen. Als 1420/30 die Hussiten nach Freistadt kamen, konnten sie der Stadt nichts anhaben. Stattdessen brannten sie die Vororte nieder und zogen weiter. Nach den Hussiteneinfällen wurden noch einige bauliche Mängel behoben. Die endgültige Fertigstellung der Befestigungsanlagen erfolgte im Jahr 1444 mit der Errichtung des Scheiblingturms in der Nordwestecke der Stadt und des Dechanthofturms im Südosten. 1522 wurde das damalige Rathaus (heute: Bezirksgericht) mit einem Turm versehen, der nur der Machtdemonstration diente. Zwischen dem Rathaus und dem Weyermühlturm gibt es noch einen dritten Zugang zur Stadt, das so genannte Posttürl in der Nähe des Weyermühlturms. Dieses Tor diente eher dem Personenverkehr und war für Wagen nicht passierbar. Freistadt besaß zu jener Zeit neun Wehrtürme, von denen noch sieben erhalten sind.
Selbstverwaltung Der wirtschaftliche Aufstieg Freistadts schlug sich in der politischen Selbstverwaltung nieder. Ab 1286 gab es einen Stadtrichter, 1354 wurde der Rat und die Geschlossenheit der Bürger erwähnt, ein Stadtschreiber ist 1371 nachweisbar und 1388 gab es mit Jakob Megerlein den ersten Bürgermeister der Stadt (Siehe auch: Liste der Bürgermeister von Freistadt).