Die Römische Kamille (Chamaemelum nobile) ist eine Pflanzenart der Korbblütler (Asteraceae). Sie wird ähnlich wie die Echte Kamille als Heilpflanze verwendet.

Merkmale

miniatur|links|Blütenköpfchen miniatur|Römische Kamille mini|Römische Kamille (Chamaemelum nobile) Die Römische Kamille ist eine ausdauernde, krautige Pflanze, die intensiv aromatisch riecht. Sie erreicht Wuchshöhen von 15 bis 30 cm, ist zerstreut behaart und hat verzweigte Blütensprosse und kurze sterile Sprosse.

Die Blätter sind sitzend, haben einen länglichen Umriss und sind zwei- bis dreifach fiederschnittig. Die einzelnen Abschnitte sind linealisch und spitz.

Die Blütenköpfchen stehen einzeln endständig und sind lang gestielt. Ihr Durchmesser beträgt 18 bis 25 mm. Die Hülle der Körbchen ist 4 bis 6 mm lang und halbkugelig. Die Hüllblätter stehen in wenigen Reihen, sind länglich bis verkehrt-eiförmig, angedrückt behaart, grün, breit und mit einem durchscheinenden Hautrand. Der Boden der Köpfchen ist kegelförmig und markig. Die Spreublätter sind spatelförmig, stumpf und haben einen grünen Mittelstreifen und einen durchsichtigen Rand.

Die Zungenblüten sind weiblich, rund 10 mm lang und weiß. Recht häufig fehlen sie auch. Die Röhrenblüten haben eine gelbe Krone, die am Grund rundum eine schiefe Aussackung besitzt. Die Blütezeit ist Juli bis Oktober.

Die Früchte sind rund 1 bis 1,3 mm lang, haben einen rundlichen Querschnitt und sind glatt und bräunlich.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 18.

Inhaltsstoffe Die Römische Kamille enthält vor allem Sesquiterpenlactone, hauptsächlich Nobilin. Daneben Flavonoide, (−)-Pinen, Limonen und Bisabolol.Werner Aberer: Kontaktallergie und Arzneipflanzen. JDDG, Band 6, 2008, S. 15–24. [DOI: 10.1111/j.1610-0387.2007.06425.x (online)]

Verbreitung Die Art kommt in Westeuropa vor, nördlich bis Nordirland. Ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet umfasst die Azoren, Marokko, Algerien, Portugal, Spanien, Frankreich, Großbritannien, Irland und die Kanalinseln. In Madeira ist die Art ein Neophyt; sie kommt aber in einigen weiteren Ländern Europas als unbeständig eingeschleppt vor. In Mitteleuropa kommt sie nur unbeständig verwildert vor.

Taxonomie Die Römische Kamille wurde 1753 von Carl von Linné in Species Plantarum Band 2 Seite 894 als Anthemis nobilis erstbeschrieben. Das Epitheton "nobilis" in der Bwedeutung von "edel, vornehm" hatte Linné von Caspar Bauhins Pinax (1623) übernommen. Die Art wurde 1785 von Carlo Allioni in Flora Pedemontana Band 1 Seite 185 als Chamaemelum nobile in die Gattung Chamaemelum gestellt. Synonyme für Chamaemelum nobile sind: Anthemis nobilis , Ormenis nobilis und Chamomilla nobilis

Trivialnamen Für die Römische Kamille sind oder waren, neben einfach Kamille (oder mittelhochdeutsch camille bzw. -lateinisch camomillaVgl. etwa Gundolf Keil Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 361 (Camille).) zum Teil nur regional, auch die Bezeichnungen die alleredelst Chamill, Gartenkamille (Schweiz), Härmelchen (Meißen), Kuhmelle (Franken), Romer, Romey und Tramilbenblume gebräuchlich.Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, Seite 31, online.

Nutzung

Medizin

miniatur|Römische Kamille in Form der Blütendroge (Chamomillae romanae flos) Die Römische Kamille wird in Westeuropa, besonders in Frankreich, Belgien und Großbritannien, wie die Echte Kamille verwendet. Verwendet werden die Blütenköpfchen, die als Droge (Chamomillae romanae flos) einen Mindestgehalt an ätherischen Ölen aufweisen müssen. Anwendungsgebiete sind – wiederum vor allem in Westeuropa – Menstruationsbeschwerden und als Karminativum bei Verdauungsproblemen. Weiters bei Nervosität, Hysterie und allgemeiner Schwäche. Äußerliche Anwendungen (Aufgüsse) erfolgen zur Wundspülung, bei Entzündungen etwa im Mundbereich.Thomas Schöpke: Römische Kamille, in Arzneipflanzenlexikon, abgerufen am 17. November 2011.

Mit warmen Aufgüssen kann blondes Haar aufgehellt werden.Avril Rodway: Kräuter und Gewürze. Die nützlichsten Pflanzen der Natur - Kultur und Verwendung. Tessloff Verlag, Hamburg 1980, ISBN 3-7886-9910-8

Gartenbau mini|Der gefüllt blühende Kultivar der römischen Kamille. (Chamaemelum nobile „Pleno“) Es sind zwei Kulturformen der Römischen Kamille bekannt: die nicht blühende Englische Rasenkamille (Chamaemelum nobile „Treneague“). die Römische Rasenkamille (Chamaemelum nobile v. ligulosa, Chamaemelum nobile „Pleno“, Chamaemelum nobile „Flore Pleno“) mit weißen Blüten.

Beide sind gut geeignet, um einen Duftrasen anzulegen. Anstelle von Rasen werden flache, duftende Kräuter wie die Rasenkamillen gepflanzt. Diese breiten sich von selbst aus und bilden dichte Polster.

Beide Sorten sind steril. Stattdessen breiten sie sich über Bodentriebe aus, die schnell Wurzeln bilden.Mein Schöner Garten

Literatur Siegmund Seybold (Hrsg.): Schmeil-Fitschen interaktiv (CD-Rom), Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2001/2002, ISBN 3-494-01327-6

Einzelnachweise

Werner Greuter (2006+): Compositae (pro parte majore). – In: W. Greuter & E. von Raab-Straube (Hrsg.): Compositae. Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Datenblatt Chamaemelum nobile In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Gerald Parolly: Asteraceae. In: Schmeil-Fitschen: Die Flora Deutschlands und angrenzender Länder. 98. Auflage. Verlag Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2024. ISBN 978-3-494-01943-7. S. 783.

Weblinks

Thomas Meyer: Spornkamille Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben)

Romische Kamille Romische Kamille Romische Kamille