mini|Neuer Steinbruch Eppertshausen „Aje-See“ oder „die Aje“ genannt
Eppertshausen ist eine Gemeinde im südhessischen Landkreis Darmstadt-Dieburg.
Geographie Geographische Lage Eppertshausen liegt 15 km nordöstlich von Darmstadt in der Untermainebene, nördlich des Odenwalds. Höchste Erhebungen sind die Messeler Höhe und der Dolmesberg im Forst Eichen mit 195 m und . Der niedrigste Punkt der Gemeinde liegt auf und heißt Auf dem obersten Hoch.Wanderkarte Darmstadt – Messeler Hügelland, 1:20000, Hrsg.: Hess. Landesvermessungsamt, 2002
Gewässer Im Süden der Gemeinde verläuft die Gersprenz, die teilweise auch die Grenze zu Münster (Hessen) bildet, im Norden fließt der Oberlauf der Lache. Im Forst Eichen befinden sich zwei Seen, der Alte Steinbruch und der Neue Steinbruch, auch Aje-See genannt. Der Oberwald weist drei stehende Gewässer auf, den Beckmann-Teich, die Alte Tongrube und das Naturschutzgebiet Rallenteich. Gegenüber dem Alten Steinbruch an der Messler Chaussee befindet sich die Quelle Sellborn, eine weitere Quelle, der Eisenborn liegt an der Thomashüttenschneise.
Geologie Der Forst Eichen (im Volksmund: „die Aje“), in der westlichen Gemarkung gelegen, ist geprägt durch Mischwald und ehemalige Steinbrüche. Einige große Wiesen befinden sich im Wald: die Höllwiese, die Langwiese und die Schmillenbruchwiese.
Der Oberwald, ebenfalls in der westlichen Gemarkung gelegen, weist hohe Tonvorkommen auf, die bis ins 20. Jahrhundert abgebaut wurden. Die verbliebenen Gruben wurden danach als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Ebenfalls im Oberwald befinden sich einige Weiden für Rinder, zum Beispiel die Hellwies.
Der Abteiwald, in der östlichen Gemarkung gelegen, besteht aus Mischwald. Der Boden ist hier überwiegend sandig, so wie die Böden des angrenzenden Rodgaus. Ebenfalls in der östlichen Gemarkung befindet sich die Brüchelswiese (hinter dem Sportzentrum), die aufgrund der oftmals nassen Böden vorzugsweise als Weideplatz genutzt wird.
Die südliche Gemarkung ist geprägt durch Felder und Weiden und weist humusreichere Böden auf. Der Anbau von Getreide, Mais und Raps ist verbreitet. Außerdem gibt es mehrere Weideplätze für Rinder und Schafe.
Nachbargemeinden Eppertshausen grenzt im Norden an die Städte Rödermark und Rodgau (beide Landkreis Offenbach), im Osten an die Stadt Babenhausen, im Süden an die Gemeinde Münster (Hessen) sowie im Westen an die Gemeinde Messel.
Gemeindegliederung Die Gemeinde Eppertshausen hat keine politische Untergliederung und besteht nur aus der einzigen Gemarkung (Gmk.-Nr. 61071) und der Ortschaft Eppertshausen. Das Wohngebiet „Im Failisch“, das Industriegebiet Ost und einige Häuser im Oberwald befinden sich außerhalb der geschlossenen Ortslage.
Geschichte Mittelalter und Frühe Neuzeit Die älteste erhaltene schriftliche Erwähnung von Eppertshausen stammt von 836. Es gehörte damals zur Benediktinerabtei Seligenstadt. In erhaltenen historischen Dokumenten der folgenden Jahrhunderte ist der Ort unter folgenden Ortsnamen belegt (in Klammern das Jahr der Erwähnung): Ecgiharteshuson (10. Jahrhundert); Ebrehtehusen (1292); Epphyrshusin (1348); Epprechteshusen (1355); Epprechshusen (1385); Epperßhusen (2. Hälfte 14. Jahrhundert); Ippershusen (1438); Opperßhusen (1440); Eppershusen (1453); Eppertshußen (1486); und Epperßhausen (1527).
Die zeitliche Einordnung der abgegangenen Turmburg ist aufgrund fehlender Urkunden und geringer archäologischer Reste zwischen Frühmittelalter und Stauferzeit anzunehmen.
1383 fiel der Zehnt von den Rödern zu Eppertshausen an das Schloss Babenhausen, also wohl an die Herren von Hanau. In dieser Zeit gehörte das Dorf zur Mark Babenhausen. 1438 verpfändete Heinrich von Groschlag Eppertshausen an die Grafen Johann IV. und Philipp von Katzenelnbogen. 1546 war der Ort wieder im Besitz der Herren von Groschlag von Dieburg. Als Grundbesitzer im Ort werden erwähnt: 1348 Heinrich von Wasen und 1453 die Niederlassung des Deutschen Ordens in Sachsenhausen.
Neuzeit 1799 starb mit Friedrich Carl Willibald von Groschlag zu Dieburg das letzte männliche Mitglied seiner Familie. Eppertshausen erbte seine Tochter Anna Maria, verheiratete Gräfin von Lerchenfeld-Köfering (1775–1854). Mit der Rheinbundakte von 1806 fiel die staatliche Hoheit über Eppertshausen dem Fürstentum Isenburg zu. Hier lief das winzige Territorium auch unter der Bezeichnung „Grafschaft Lerchenfeld“. Auf dem Wiener Kongress 1815 verlor das Fürstentum Isenburg dann selbst seine Souveränität und wurde zugunsten Österreichs mediatisiert.Art. 52 Haupturkunde des Wiener Kongresses. In: Klüber, Johann Ludwig. Schluß-Acte des Wiener Congresses, vom 9. Juni 1815, und BundesActe oder Grundvertrag des teutschen Bundes, vom 8. Juni 1815: Acte final du Congrès de Vienne, du 8 juin 1815; avec les pièces qui y sont annexées. 2. Aufl., durchaus berichtigt u. m. vielen neuen Anmerkungen vermehrt – Erlangen : Palm u. Enke, 1818. – Seite 67. (Digitale Ansicht: Bayerische Staatsbibliothek, München) Österreich gab dann das Gebiet weiter: Mit Preußen und dem Großherzogtum Hessen vereinbarte es am 30. Juni 1816 in einem Staatsvertrag, dass das bisherige Fürstentum Isenburg weitgehend dem Großherzogtum Hessen zufiel.Art. 7 Nr. 1 des Staatsvertrages – Arthur Benno Schmidt: Die geschichtlichen Grundlagen des bürgerlichen Rechts im Großherzogtum Hessen. Curt von Münchow, Giessen 1893, S. 42, Anm. 135, Zif. 5 (S. 43). Das Großherzogtum gliederte Eppertshausen seiner Provinz Starkenburg ein. Bei diesen Transaktionen blieben die angestammten Herrschaftsrechte der Gräfin Lerchenfeld gewahrt. Diese Rechte überstanden auch noch die Verwaltungsreform des Großherzogtums von 1821.
Erst 1825 einigten sich Staat und Gräfin Lerchenfeld darauf, dass sie ihre Rechte dem Staat abtrat. Dieser ordnete Eppertshausen hinsichtlich der Verwaltung dem Landratsbezirk Langen, hinsichtlich der erstinstanzlichen Rechtsprechung dem Landgericht Langen zu.Die Abtretung der Gräflich Lerchenfeldischen Gerichtsbarkeit zu Eppertshausen an den Staat betreffend vom 25. Juli 1825. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt Nr. 33, vom 26. August 1825, S. 353. (Digitale Ansicht: Bayerische Staatsbibliothek, München) 1879 wurde für die erstinstanzliche Rechtsprechung dann das Amtsgericht Langen (Hessen) zuständig.Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. Nr. 15 vom 30. Mai 1879, S. 197f.
Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Eppertshausen:
Im Zuge der Gebietsreform in Hessen in den 1970er Jahren wurde Eppertshausen als eine von wenigen Gemeinden nicht verändert und konnte seine Eigenständigkeit bewahren.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Eppertshausen angehört(e):
vor 1799: Heiliges Römisches Reich, Kurmainz, Herrschaft der Groschlag zu Dieburg ab 1799: Heiliges Römisches Reich, Kurmainz, Grafschaft von Lerchenfeld ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Isenburg-BirsteinDurch den Reichsdeputationshauptschluss. ab 1806: Fürstentum Isenburg,Infolge der Rheinbundakte. Grafschaft von Lerchenfeld ab 1813: Generalgouvernement Frankfurt, Grafschaft von Lerchenfeld ab 1815: Kaisertum Österreich,Infolge der Beschlüsse des Wiener Kongresses. Amt Wenings ab 1816: Großherzogtum Hessen (Souveränitätslande),Durch Staatsvertrag mit Österreich und dem Königreich Preußen sowie Einigung zwischen Großherzogtum Hessen und Kurhessen. Provinz Oberhessen, Grafschaft von Lerchenfeld (zur Standesherrschaft Isenburg gehörig) ab 1820: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Patrimonialgericht (Grafen von Lerchenfeld bis 1825) ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landratsbezirk Langen1825: Trennung zwischen Justiz (Landgericht Offenbach) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Offenbach ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Dieburg ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1918: Deutsches Reich,Infolge des Ersten Weltkriegs entsteht die Weimarer Republik. Volksstaat Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis DieburgIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Starkenburg aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Dieburg ab 1946: Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Dieburg ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Dieburg ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt-Dieburg
Geschichte der Tonverarbeitung Die Tonverarbeitung geht bis in das 17. Jahrhundert zurück. Der Ton wurde zumeist in der Gegend um die heutige Thomashütte, einem Ausflugslokal, gegraben. Die Abgabe erfolgte durch die Bürgermeisterei mit einem Tonabgabeschein für ein- und zweispännige Fuhren oder waggonweise (10 Tonnen) gegen Entgelt. Eine Grubenpacht wurde ebenfalls erhoben. In einem heutigen Naturschutzgebiet zeugen Wassertümpel von eingestürzten Tonlöchern und Gruben des damaligen Abbaus. Die Arbeit der Häfner (heute Töpfer) mit dem Ton vom Stechen, Transportieren, Trocknen, Formen, Verzieren und Brennen bis hin zum Verkauf war sehr mühsam. Endprodukte waren vielseitige Formen von Töpfen, Schüsseln, Kannen, Krügen, Teller und Tassen. Dazu kamen Ofenkacheln, Relieftafeln, Wandteller, Vasen, Dachreiter, feuerfest dekoriert mit Marmorierungen und in Zierkeramik.
Der Verkauf der Waren als Irdenes Geschirr erfolgte nicht nur auf der „Frankfurter Dippemess“ in Frankfurt am Main, sondern auch in der weiteren Umgebung bis in den Spessart, Vogelsberg und rheinabwärts, umgeladen auf Schiffe ab Hanau oder Offenbach am Main bis nach Holland sowie rheinaufwärts bis an den Bodensee. Den Transport ab Eppertshausen besorgten Pferdefuhrwerke, in denen die Tonwaren verpackt in Stroh befördert wurden.
In Eppertshausen übten zwischen 1820 und 1830 dreizehn Häfner das Handwerk aus. 1850 gab es auch drei Ziegeleien, die ebenfalls den Ton verarbeiteten. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts arbeiteten im Dorf 34 Töpfer. Die Tongruben wurden mit einer Feldbahn erschlossen. 1900 waren es 14 Werkstätten mit Meistern und Gesellen. 1925 sank die Zahl der Töpfer auf sechs. Die industrielle Massenanfertigung von Keramik bedeutete das Ende vieler kleiner Werkstätten.Reinhold Karl Lahrem: Quo vadis Lerman. 2003 Heute gibt es nur noch die Töpferei Müller, die die Tradition fortsetzt.
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Eppertshausen 5960 Einwohner. Darunter waren 573 (9,6 %) Ausländer, von denen 158 aus dem EU-Ausland, 222 aus anderen europäischen Ländern und 196 aus anderen Staaten kamen. (Bis zum Jahr 2020 erhöhte sich die Ausländerquote auf 15,2 %.) Nach dem Lebensalter waren 1056 Einwohner unter 18 Jahren, 2514 zwischen 18 und 49, 1245 zwischen 50 und 64 und 1143 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 2511 Haushalten. Davon waren 654 Singlehaushalte, 723 Paare ohne Kinder und 849 Paare mit Kindern, sowie 219 Alleinerziehende und 63 Wohngemeinschaften. In 477 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 1689 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung • 1829: 891 Einwohner, 103 Häuser • 1867: 1030 Einwohner, 138 Häuser
Religionszugehörigkeit