Löbnitz ist eine Gemeinde im Landkreis Nordsachsen im Norden von Sachsen an der Grenze zu Sachsen-Anhalt.

Geographie Lage mini|links|Seelhausener See mini|links|Alte Mulde in Roitzschjora Löbnitz liegt an der Mulde zwischen der Leipziger Tieflandsbucht und der Dübener Heide. Nachbarorte von Löbnitz sind Delitzsch (14 km), Pouch (5 km), Bitterfeld (15 km), Bad Düben (9 km) und Badrina (8 km).

Gemeindegliederung Löbnitz besteht aus den Ortsteilen Löbnitz, Roitzschjora, Sausedlitz und Reibitz.

Geschichte

Löbnitz wurde 981 erstmals als oppidum Liubanici neben weiteren Burgwarden an der Mulde urkundlich erwähnt. Ursprünglich war es ein Lehen des Grafen Arsico, das damals von König Otto III. dem Bistum Meißen geschenkt wurde. Mindestens seit 1387 war die Familie von Schönfeldt Besitzer des Ortes.

Löbnitz wird noch 1605 in einem Steuerschockanschlag als Städtlein bezeichnet, verlor jedoch spätestens im Dreißigjährigen Krieg die Stadtrechte. Mit den zwei geteilten Rittergütern, Schloss- und Hofteil, gehörte Löbnitz bis 1815 zum kursächsischen Amt Delitzsch.Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 56 f. Durch die Beschlüsse des Wiener Kongresses kam der Ort zu Preußen und wurde 1816 dem Kreis Delitzsch im Regierungsbezirk Merseburg der Provinz Sachsen zugeteilt, zu dem er bis 1952 gehörte. Die Kommune war bis zum Zusammenschluss 1836 in einen Schlossteil und einen Hofteil geteilt.Landesarchiv Sachsen-Anhalt, D 9, D XVIb g Nr. 15

Im Zuge der Kreisreform in der DDR 1952 wurde Löbnitz dem verkleinerten Kreis Delitzsch im Bezirk Leipzig zugeteilt, welcher 1994 im Landkreis Delitzsch aufging.Wellaune im Historischen Ortsverzeichnis Sachsen Seit 2008 gehört Löbnitz zum Landkreis Nordsachsen.

Eingemeindungen

1973: Roitzschjora 1993: Reibitz 1994: Sausedlitz

Bevölkerung Jahr Einwohner 2002 2.315 2005 2.246 2010 2.157 2015 2.065 2020 2.088 Jahr Einwohner 2021 2.100 2022 2.117 2023 2.099 2024 2.041 2025 2.047

Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres (Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Politik

Gemeinderat Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 war die letzte Wahl der Gemeindevertretung von Löbnitz. Eine Übersicht über diese und vergangene Wahlen gibt die Tabelle:

+letzte GemeinderatswahlenPartei/Liste2024Ergebnisse der Gemeinderatswahl 20242019Ergebnisse der Gemeinderatswahl 20192014Ergebnisse der Gemeinderatswahl 2014%Sitze%Sitze%Sitze CDU52,3 957,9 1054,1 9 SPD26,6 434,5 537,4 6 Wählervereinigung Löbnitz (WVL)17,5 2–– Die Linke3,7 17,6 18,4 1Gesamt100161001610016Wahlbeteiligung (in %)72,769,660,2

Bürgermeister 1994–2008: Gerda Prautzsch (CDU) 2008–2019: Axel Wohlschläger (CDU) (2019 verstorben) seit 2019: Detlef Hoffmann (CDU)

Hoffmann wurde in der Bürgermeisterwahl am 1. Dezember 2019 mit 99,3 % der gültigen Stimmen für eine Amtszeit von sieben Jahren gewählt. +letzte BürgermeisterwahlenWahlBürgermeisterVorschlagWahlergebnis (in %)2026Wahl am 1. November (Stichwahl am 22. November)2019Detlef HoffmannCDU99,32015Axel Wohlschläger98,1200856,12001Gerda Prautzsch72,8199461,5 mini|Evangelische Kirche und Pfarrhaus in Löbnitz mini|Werbeliner Bockwindmühle in Reibitz

Sehenswürdigkeiten und Kultur

Sehenswürdigkeiten Evangelische Pfarrkirche Löbnitz, Saalkirche mit frühbarocker Ausstattung, die als dreischiffige romanische Pfeilerbasilika im 13. Jahrhundert errichtet und in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts zur Saalkirche umgebaut wurde. Katholische Christkönigskirche Löbnitz von Johannes Reuter, 1955/56 erbaut weitere Kirchen befinden sich in Reibitz und Sausedlitz Bockwindmühlen in Löbnitz und Reibitz, letztere Mühle wurde aus dem devastierten Werbelin umgesetzt Brunnen aus dem Jahr 2001 in Löbnitz Herrenhaus in Löbnitz, heute Pflegeheim Campingplatz in Roitzschjora an einem alten Muldearm Seelhausener See Goitzsche Muldetal, naturnahe Auenlandschaft mit geschützter Tierwelt, längs des Muldedamms verläuft der Mulderadweg

Im Südwesten der Gemeinde wurde bis 1991 im Tagebau Goitzsche/Baufeld Rösa Braunkohle gefördert. Das inzwischen geflutete Tagebaurestloch wurde rekultiviert und zu einer Erholungslandschaft umgestaltet. So befindet sich jetzt im Südwesten der Gemeinde der 6,22 Quadratkilometer große Seelhausener See. Die begonnene künstliche Flutung des Tagebaurestloches Rösa mit Wasser der Mulde, im Juli 2000, wurde durch die Jahrhundertflut im August 2002 durch einen Deichbruch an der Mulde und dem Lober-Leine-Kanal zwischen Pouch und Löbnitz beschleunigt.

Goitzsche und Seelhausener See werden von einem asphaltierten Fahrrad- und Skaterweg umgeben (Gesamtlänge etwa 25 km). Löbnitz ist an das Fernreitwegnetz angeschlossen.

Veranstaltungen Osterfeuer: Zu Ostern wird jährlich auf dem Sportplatz ein Osterfeuer errichtet. Maibaumsetzen: Jährlich am 30. April findet auf dem Dorfplatz das Maibaumsetzen statt. Mühlentag: Jährlich am Pfingstmontag – Mühle Döbler Reit- und Springturnier / Parkfest: Im Reitstadion Löbnitz findet alljährlich im Juni das internationale Löbnitzer Reit- und Springturnier statt. Zugleich wird im Park das Parkfest veranstaltet. Adventsmarkt: Um die Weihnachtszeit findet jährlich der Löbnitzer Adventsmarkt auf dem Dorfplatz statt.

With Full Force: Auf dem Flugplatz Roitzschjora wurde in den Jahren 1999 bis 2016 am ersten Juli-Wochenende das With-Full-Force-Festival ausgerichtet. 2012 gab es während des Festivals wegen eines Blitzeinschlags 69 Verletzte. Im Jahr 2017 wurde das Festival nach Ferropolis bei Gräfenhainichen verlegt, da die Durchführung des Festivals auf dem Flugplatz Roitzschjora und die damit einhergehenden, steigenden Sicherheitsanforderungen der örtlichen Ordnungsbehörden durch den Veranstalter nicht mehr gewährleistet werden konnten. In: metal-hammer.de, 11. November 2016. Abgerufen am 25. Juni 2017. mini|Zeltbühne des Musikfestivals With Full Force

Verkehr

Die Staatsstraße S 12 von Bad Düben zur Landesgrenze bei Pouch führt durch Löbnitz. Südlich der Gemeinde verläuft die B 183a.

Im Ortsteil Roitzschjora befindet sich ein als Verkehrslandeplatz ausgewiesener Flugplatz.

1896 trat in Löbnitz eine Interessengemeinschaft zum Bau einer Bahnstrecke von Eilenburg nach Bad Düben zusammen, mit der die Gemeinde einen Anschluss an das Eisenbahnnetz erhalten sollte. Mit dem Bau wurde jedoch nie begonnen.

Bis 1964 existierte eine Fährverbindung über die Mulde nach Rösa.

Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Gemeinde

Ave von Schönfeldt (um 1500–1541), ehemalige Nonne Siegfried von Schönfeldt (1486–1569), Rittergutsbesitzer Johann Erich von Schönfeldt (1659–1724), Rittergutsbesitzer Heinrich Rudolph von Schönfeldt (1695–1751), Rittergutsbesitzer Johann Hilmar Adolph von Schönfeld (1743–1820), Rittergutsbesitzer Friedrich Lebrecht Koch (1761–1837), evangelischer Pfarrer Franz Julius Bernhard (1810–1873), evangelischer Pfarrer Otto Richter (1867–1941), Bildhauer Anita Hentschel (1942–2019), Leichtathletin (Diskuswerferin) Thomas Böttcher (* 1965), Moderator und Schauspieler

Persönlichkeiten mit Bezug zu Löbnitz Albrecht II. von Mutzschen († 1266), Bischof von Meißen, in Löbnitz gestorben Martin Luther (1483–1546), Reformator Hans von Schönfeld (1544–1599), Rittergutsbesitzer in Löbnitz Johann Christoph von Schönfeldt (1701–1762), Rittergutsbesitzer in Löbnitz Adolph von Schönfeldt (1809–1886), Rittergutsbesitzer in Löbnitz Wolfgang Müller (1931–2021), Dressurreiter und Reitlehrer, lebte in Löbnitz

Literatur Harald Otto: Luther...Gellert...Wagner...Löbnitzer Reden, 3. Auflage, Verlag epubli, Berlin 2018, ISBN 978-3-7450-9910-2

Weblinks

Einzelnachweise

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