Der Flugplatz Jever (früher Fliegerhorst Jever, ) ist ein inzwischen entwidmeter deutscher Fliegerhorst der Luftwaffe auf dem Gebiet der Städte Schortens und Jever. beim Geodatenportal des Landesamtes für Geoinformation und Landentwicklung Niedersachsen Standortbezeichnung ist Schortens. Der Flugbetrieb wurde Ende September 2013 eingestellt.Letzter Flug nach 77 Jahren – In Upjever gingen gestern die Lichter aus. In: Wilhelmshavener Zeitung, S. 13 Derzeit ist der Flugplatz Standort des Objektschutzregimentes der Luftwaffe „Friesland“, das dort insbesondere die Verteidigung eines Fliegerhorstes üben kann. Am 3. Dezember 2025 wurde öffentlich bekannt gegeben, dass der Fliegerhorst einer Rewidmung unterzogen werden soll, um der aktuellen sicherheitspolitischen Weltlage gerecht zu werden.

Geschichte Fliegerhorst der Wehrmacht 1935 begann der Bau des Flugplatzes und am 1. Mai 1936 wurde die Anlage an die Luftwaffe übergeben. Der Platz wurde vor und im Zweiten Weltkrieg von verschiedenen Verbänden der Luftwaffe genutzt. Von Dezember 1939 bis Juli 1940 führte der Jagdfliegerführer 1 die unterstellten Jagdfliegerführer Deutsche Bucht, Jagdfliegerführer Holland-Ruhrgebiet und Jagdfliegerführer Berlin von hier aus. Die folgende Tabelle zeigt die vollständige Auflistung aller fliegenden aktiven Einheiten (ohne Schul- und Ergänzungsverbände) der Luftwaffe der Wehrmacht, die hier zwischen 1937 und 1945 stationiert waren.Henry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935–45 Germany (1937 Borders), S. 309–311, abgerufen am 29. August 2014

Von Bis Einheit AusrüstungAugust 1934Juni 1936Luftdienst-Schleppstaffel Nordsee Oktober 1936Oktober 1938I./JG 136 (I. Gruppe des Jagdgeschwaders 136) Arado Ar 64, Arado Ar 65, Heinkel He 51November 1938April 1939I./St.G 162 (I. Gruppe des Sturzkampfgeschwaders 162) Junkers Ju 87BSeptember 1939September 19391./KG 25 (1. Staffel des Kampfgeschwaders 25) Junkers Ju 88ASeptember 1939September 1939I./KG 30 (I. Gruppe des Kampfgeschwaders 30) Junkers Ju 88ASeptember 1939September 193910. (Nacht)/ZG 26 (10. (Nachtjagd-)Staffel des Zerstörergeschwaders 26) Arado Ar 68F, Messerschmitt Bf 109DSeptember 1939November 1939II. (Jagd)/Trägergruppe 186 Messerschmitt Bf 109EOktober 1939November 1939III./LG 1 (III. Gruppe des Lehrgeschwaders 1) Heinkel He 111HNovember 1939Mai 1943Stab/JG 1 Messerschmitt Bf 109E, Focke-Wulf Fw 190ADezember 1939Februar 194011. (Nacht)/LG 2 (11. (Nachtjagd-)Staffel des Lehrgeschwaders 2) Arado Ar 68E, Messerschmitt Bf 109DDezember 1939Februar 194010. (Nacht)/JG 26 Arado Ar 68E, Messerschmitt Bf 109DDezember 1939März 1940II./JG 77 Messerschmitt Bf 109EDezember 1939April 1940I./ZG 76 Messerschmitt Bf 110Februar 1940April 194012. (Nacht)/JG 2 Arado Ar 68F, Messerschmitt Bf 109DMai 1940Mai 194011. (Nacht)/JG 2 Arado Ar 68F, Messerschmitt Bf 109DJuni 1940Juni 1940I./JG 51 Messerschmitt Bf 109EAugust 1940August 1940II./JG 52 Messerschmitt Bf 109ESeptember 1940September 1940II./JG 51 Messerschmitt Bf 109ESeptember 1940Mai 1941II./ZG 76 Messerschmitt Bf 110November 1940Januar 19413./JG 54 Messerschmitt Bf 109EJuni 1941Juni 19416./JG 53 Messerschmitt Bf 109FSeptember 1941März 1943I./JG 1 Messerschmitt Bf 109EDezember 1941Februar 1942Einsatzstaffel/JFS 1 19421943Sonderkommando Mausi Junkers Ju 52/3m, Dornier Do 23, Blohm & Voss BV 138April 1943Oktober 1943Stab, II./JG 11 Messerschmitt Bf 109G-1Oktober 1943Oktober 1943Jagdstaffel Helgoland Messerschmitt Bf 109TJanuar 1944Juni 1944I./KG 54 Junkers Ju 88A-4August 1944?Seenotgruppe 80, Seenotstaffel 80 Dornier Do 18, Dornier Do 24, Messerschmitt Me 410Oktober 1944März 19455./KG 53 Heinkel He 111H-20Dezember 1944März 1945IV./NJG 3 Junkers Ju 88G-1, Junkers Ju 88G-6

Vom Kalten Krieg bis zur Gegenwart

Da es im Krieg hier kaum Zerstörungen gegeben hatte, wurden sämtliche Anlagen direkt nach Kriegsende von den Alliierten übernommen. Nach der Besetzung durch die Alliierten 1945 wurde der Flugplatz von ihnen als Advanced Landing Ground B-117 bezeichnet.The Air Force Engineer. Army Air Forces Engineer Command, MTO (Prov). Multiple editions. 1943–1945 (Pamphlet from USAFHRA) (englisch) Vorübergehend wurde der Flugplatz noch durch die Second Tactical Air Force der britischen Royal Air Force genutzt. Anfang September 1945 lag hier unter anderem die mit Auster Mk. IV/V ausgerüstete No. 664 Squadron, bevor ehemalige Zwangsarbeiter und später Einheiten der dänischen Streitkräfte dort untergebracht wurden.

Im Frühjahr 1951 folgte die Übernahme durch die Royal Air Force und in diesem Zusammenhang die Errichtung einer befestigten Landebahn. Der Flugbetrieb auf der nunmehrigen Royal Air Force Station Jever, kurz RAF Jever, wurde 1952 wieder durch die Second Tactical Air Force aufgenommen. Hier lag beispielsweise die No. 112 Squadron, das ab April 1956 der erste Hawker Hunter Verband der RAF in Deutschland war, zuerst ausgestattet mit der Variante F4. Im folgenden Frühjahr bestand das Geschwader aus vier fliegenden Staffeln, 1957 wurden jedoch zwei bereits wieder aufgelöst. Die beiden verbliebenen Staffeln wurden 1959 und Ende 1960 außer Dienst gestellt. Einer der hier stationierten Hunter-Piloten war der spätere (insbesondere Harrier-) Testpilot John Farley (Artikel nur auf Englisch).

Im Jahr 1961 wurde RAF Jever an die deutsche Luftwaffe übergeben, die ab 1964 Flugbetrieb durchführte. mini|Ein zweisitziger F-104F Starfighter vor dem Tor zum Fliegerhorst, 2009 mini|Eingang zu einem Gebäude der Luftwaffenwerft 62, 1986

Der jetzt wieder als Fliegerhorst Jever bezeichnete Flugplatz in Upjever war ab 1961 Interimsstandort von Teilen des Flugabwehrraketenbataillons 26, bevor dieses 1973 nach Hohenkirchen verlegte. Ab 1964 begann in Jever der Flugbetrieb der Waffenschule der Luftwaffe 10 für die Ausbildung der Piloten auf Lockheed F-104G Starfighter.

Von Herbst 1979 bis Ende 1988 war der Fliegerhorst Jever die Heimat des Tactical Leadership Programme der NATO, die dort mehrmals im Jahre fliegerische Lehrgänge zur Ausbildung von Führungspersonal für große multinationale Missionen durchführte.

Im Zuge der Einführung des Panavia Tornado wurde die Waffenschule aufgelöst und das Jagdbombergeschwader 38 „Friesland“ aufgestellt, das von Mitte 1983 bis Ende August 2005 Besatzungen auf dem Tornado schulte.

Zudem befand sich auf dem Fliegerhorst ab 28. Februar 1967 die 1. Staffel des Luftwaffen-Versorgungsregiments 7, die für die Wartung des Starfighters zuständig war. Ab 1. April 1970 hieß die Einheit Feldwerft F-104 und später Feldwerft F-4F für die neu stationierten McDonnell F-4F Phantom. Ab Januar 1982 folgte die Umbenennung in Luftwaffenwerft 62 und am 1. Juli 2002 in Luftwaffeninstandhaltungsgruppe 21.

Im letzten Jahrzehnt des Kalten Kriegs wäre Jever im Ernstfall zusätzlich eine Forward Operating Location (FOL) von A-10-Erdkampfflugzeugen der United States Air Force des auf der englischen Doppelbasis RAF Bentwaters/RAF Woodbridge beheimateten 81st Tactical Fighter Wings (81st TFW) gewesen. Bis Ende 1988 wären es A-10 der 509th Tactical Fighter Squadron (509th TFS) aus Woodbridge und ab Anfang 1989 der 511th TFS des 10th TFW aus RAF Alconbury gewesen.

Vom 1. September 1987 bis zum 31. August 1989 wurden insgesamt 24.184 Starts und Landungen durchgeführt.

Am 26. September 2013 wurde der Flugbetrieb nach 77 Jahren mit dem letzten Start einer Douglas A-4 Skyhawk beendet. Die Entwidmung als Flugplatz erfolgte Ende September 2013 und ist Teil der Bundeswehrreform. Ende 2014 wurde die Flugplatzwerft geschlossen. Bis dahin wurden von der ehemaligen Luftwaffen-Instandhaltungsgruppe 21 noch die letzten Phantoms abgewrackt.

Die ehemalige Unteroffizier-Lehr- und Sicherungsstaffel (ULS) des Fliegerhorstes ging 1997 im Objektschutzbataillon auf und avancierte ab dem 30. Juni 2006 zum Objektschutzregiment der Luftwaffe „Friesland“. Durch eine Konzentration entsprechender Einheiten soll es zu einer Kopfstärke von über 2000 Soldaten anwachsen und so die zukünftige primäre Nutzung des Flugplatzes darstellen. Dessen Einrichtungen sollen dabei als Übungsobjekte dienen.Letzter Flugtag auf dem Fliegerhorst UpjeverGAF Regiment ever more important for the Bundeswehr Reorientation Start for increase of station strength to 2050 service personnel Neben ihm sollte zunächst der Führungsunterstützungsbereich der Luftwaffe mit den IT-Sektoren 1 und 2 in Schortens stationiert werden. Dies wurde jedoch später revidiert., abgerufen am 24. September 2026. Wie bei allen größeren Standorten gibt es dann noch das Sanitätsversorgungszentrum Schortens.

Im Mai 2016 wurde der am 22. Dezember 1976 festgesetzte Lärmschutzbereich um den militärischen Flugplatz aufgehoben.Niedersächsische Verordnung zur Aufhebung des Lärmschutzbereichs für den militärischen Flugplatz Jever vom 13. Mai 2016, in: Niedersächsisches Gesetz- und Verordnungsblatt Nr. 5/2016 vom 20. Mai 2016, S. 81,

Von Bis EinheitHenry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935-45 Germany (1937 Borders), S. 309–311, abgerufen am 29. August 2014 Frühjahr 1951 1952Royal Air Force 1952 1961 RAF Germany mit No. 20 Squadron RAF (20 Sq), 112 Sq, 4 Sq, 93 Sq, 98 Sq, 118 Sq und 2 Sq 1961 Übergabe an die Deutsche Luftwaffe 1961 1973 Flugabwehrraketenbataillon 26, 1964–1983 Waffenschule der Luftwaffe 10 1983 2005 Jagdbombergeschwader 38 „Friesland“ 26. September 2013 Ende des Flugbetriebs 2015 … Objektschutzregiment der Luftwaffe „Friesland“, Sanitätsversorgungszentrum

Lage Etwa drei Viertel des inmitten des Upjeverschen Forstes gelegenen Militärflugplatzes Jever gehört zum Stadtteil Upjever der Stadt Schortens. Das westliche Viertel des Flugplatzes liegt auf dem Gebiet des Stadtteils Cleverns der Stadt Jever. Schortens beherbergt auch die etwa zwei Kilometer westlich von ihrem Ortskern befindliche Hauptzufahrt an der Upjeverschen Straße. Längs dieser und der dazu parallelen Straße Am alten Fliegerhorst unterlag die 1936 für die Angestellten des Fliegerhorstes angelegte Wohnsiedlung mit Schule nach dem Zweiten Weltkrieg weiterhin militärischer Verwaltung. Erst mit dem Abzug dort wohnender britischer Streitkräfte wurde sie an die Kommunalverwaltung übergeben. Das Ensemble unterliegt heute dem Denkmalschutz.

Zwischenfälle Am 26. November 1937 kollidierten zwei auf dem Fliegerhorst Jever stationierte Heinkel He 51 über der Stadt Jever. Beide Flugzeuge stürzten in ein Wohnviertel. Wie durch ein Wunder waren keine zivilen Opfer zu beklagen. Ein Pilot konnte sich mit dem Fallschirm retten, der andere starb.

Von 1952 bis zur Einstellung des Flugbetriebs im September 2013 kam es am Flugplatz Jever und in seiner näheren Umgebung zu 34 Totalschäden von Flugzeugen. Dabei kamen 11 Menschen ums Leben.Liste von Unfällen am Flugplatz Jever, Aviation Safety Network WikiBase (englisch), abgerufen am 23. Januar 2025.

Seit 1964 führte die Waffenschule der Luftwaffe 10 auf dem Fliegerhorst Jever Teile der lehrgangsgebundenen fliegerischen Ausbildung auf dem Starfighter durch. Dazu war die Schule sowohl mit Exemplaren des einsitzigen Einsatzmusters F-104G als auch mit der doppelsitzigen Trainerversion ausgestattet. Zunächst war dies die Version F-104F und später die TF-104G. Neben der Ausbildung wurden die Doppelsitzer auch für Überprüfungs- und Übungsflüge als auch für Mitflüge von dazu berechtigtem Personal eingesetzt. Daher war der Pilot im vorderen Cockpit nicht in jedem Fall ein „Schüler“.

Am Flugplatz Jever bzw. in dessen Umgebung ereigneten sich unter anderem folgende Unfälle: