mini|hochkant|Jerzy Kropiwnicki (2016) Jerzy Janusz Kropiwnicki (* 5. Juli 1945 in Częstochowa) ist ein polnischer Politiker (ZChN, AWS, PiS) und Ökonom. Er gehörte von 1991 bis 1993 und von 1997 bis 2001 dem Sejm in dessen I. und III. Wahlperiode an. Er war 1991/92 polnischer Arbeits- und Sozialminister, 1992/93 Minister für das Zentrale Planungsbüro und von 1997 bis 2000 Minister ohne Geschäftsbereich. Von 2002 bis 2010 war er Stadtpräsident von Łódź und leitete dessen wirtschaftlichen Wiederaufstieg ein. Er ist seit 2010 in verschiedenen Funktionen bei der Narodowy Bank Polski tätig.

Leben und Beruf 1968 schloss Jerzy Kropiwnicki sein Studium des Außenhandels an der Szkoła Główna Handlowa ab. Während seines Studiums war er Mitglied der Związek Młodzieży Socjalistycznej und der Związek Młodzieży Polskiej. Nach seinem Studium wurde er Mitarbeiter an der Universität Łódź, wo er 1973 mit der Arbeit „Teoria automatycznych stabilizatorów koniunktury“ promoviert wurde. 1968 trat er in die Związek Nauczycielstwa Polskiego ein und blieb bis 1980 Mitglied. Ab 1985 war er in der Arbeiterseelsorge in Łódź tätig. 1986 übernahm er die Leitung des Zentrums für Sozial- und Berufsforschung in Łódź. Später war er Professor an der Bałtycka Wyższa Szkoła Humanistyczna in Koszalin und der Wyższa Szkoła Ekonomiczno-Humanistyczna in Skierniewice.Biogram auf nauka-polska.pl, abgerufen am 30. Oktober 2024.

Er ist beruflich seit langem mit seinem universitären Kollegen Marek Belka verbunden, der auch aus Łódź stammt, aber dem gegensätzlichen politischen Lager angehört.

Kropiwnicki ist seit 1968 verheiratet und hat einen Sohn.

Politik 1980 trat Kropiwnicki in die Solidarność ein und war für die Region Łódź tätig. Er war Mitorganisator des „Łódźer Hungermarsches“ am 30. Juli 1981 und nahm an der ersten Nationalen Delegiertenkonferenz in Danzig teil. Am 13. Dezember 1981 organisierte er einen Protest gegen die polnischen Regierung. Am selben Tag verhängte General Wojciech Jaruzelski das Kriegsrecht in Polen und Jerzy Kropiwnicki wurde verhaftet und vom Woiwodschaftsgericht Łódź zu vier Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. In der Berufungsinstanz wurde die Strafe auf sechs Jahre erhöht. Im Juli 1984 kam er im Rahmen einer Amnestie frei. 1987 war er Mitbegründer einer Arbeitsgruppe innerhalb der Solidarność, die in Opposition zu Lech Wałęsa stand und die Einberufung des Nationalkomitees der Gewerkschaft in der Zusammensetzung von 1981 forderte. Er war 1989 ein Gegner der Gespräche am Runden Tisch.

Dritte Republik Er wurde 1990 Mitglied der neu gegründeten Zjednoczenie Chrześcijańsko-Narodowe (ZChN). Dort war er von 1991 bis 1993 und 2000 bis 2002 Vizepräsident des Vorstandes und ab 1997 Vorsitzender des Regionalvorstandes der Region Łódź. Von 2002 bis 2006 war er Parteipräsident. Kropiwnicki wurde bei der ersten vollständig freien Wahl 1991 für die ZChN auf der Liste des Wahlbündnisses Wyborcza Akcja Katolicka in den Sejm gewählt.Ergebnis in Monitor Polski 1991, Nr. 41, S. 435. Anschließend war er vom 23. Dezember 1991 bis zum 5. Juni 1992 Minister für Arbeit und Sozialpolitik. Bei der folgenden Wahl 1993 beteiligte sich die ZChN am Wahlbündnis Katolicki Komitet Wyborczy „Ojczyzna”, das mit 6,4 % der Stimmen an der neu eingeführten 8-%-Hürde für Wahlbündnisse scheiterte.Ergebnis in Monitor Polski 1993, Nr. 50, S. 610. Nachdem Kropiwnicki 1993 sein Mandat verloren hatte, konnte er bei der Parlamentswahl 1997 für das Wahlbündnis Akcja Wyborcza Solidarność (AWS), an dem sich die ZChN nunmehr beteiligt hatte, erneut einen Sitz im Sejm erringen.Ergebnis in Monitor Polski 1997, Nr. 64, S. 1311. Hier war er zwischen dem 16. Juni 2000 und dem 19. Oktober 2001 Minister für Regionalentwicklung und Bau. Bei der Parlamentswahl 2001 scheiterte er mit der AWS ebenfalls an der für Wahlbündnisse geltenden 8-%-Hürde und schied erneut aus dem Sejm aus.Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 30. Oktober 2024.

Stadtpräsident 2002 wurde Kropiwnicki Vorsitzender der Zjednoczenie Chrześcijańsko-Narodowe (bis 2006) sowie Präsident der Stadt Łódź. Dabei setzte er sich bei den Selbstverwaltungswahlen als Kandidat des lokalen Wahlbündnisses Łódzkie Porozumienie Obywatelskie in der Stichwahl gegen Amtsinhaber Krzysztof Jagiełło (SLD) durch.Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 17. Juni 2025. Bei den Kommunalwahlen 2006 trat Kropiwnicki als Kandidat seiner ZChN und der Prawo i Sprawiedliwość (PiS) erneut erfolgreich für das Amt des Stadtpräsidenten von Łódź an.Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 17. Juni 2025. Aus diesem Amt wurde er durch ein Referendum am 17. Januar 2010 vorzeitig abberufen. Bei einer Beteiligung von 22,2 Prozent stimmten fast 95 Prozent der Abstimmenden für seine Abberufung. Gazeta Wyborcza Kropiwnicki odwołany., 18. Januar 2010 Kropiwnicki wurden seine häufigen Dienstreisen und eine zu starke Beschäftigung mit Landespolitik vorgeworfen. Moniert wurden auch sein häufiges Fehlen bei städtischen Ereignissen und schlechte Straßen. Laut Medien habe er zudem die Imagepflege vernachlässigt. Der Ökonom sanierte ab 2002 zunächst die Finanzen der Stadt und betrieb während seiner insgesamt achtjährigen Amtszeit die nachhaltige Ansiedlung ausländischer Großunternehmen wie Dell, Foxconn, Gillette, Whirlpool, BSH und Infosys sowie weiterer Firmen im Bereich Business Process Outsourcing. Im Städtebau gelang die Revitalisierung historischer Fabrikgebäude als Einkaufs-, Messe- und Medienzentren, beispielsweise Manufaktura.

Späteres Wirken 2011 wurde sein langjähriges Anliegen, den Dreikönigstag zum gesetzlichen Feiertag zu erklären, vom Sejm beschlossen.

2015 kandidierte er für die PiS, der er inzwischen beigetreten war, erfolglos für den Senat der Republik Polen.Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 30. Oktober 2024.

Im Jahr 2016 wurde er für eine sechsjährige Amtszeit als Mitglied des Rats für Geldpolitik (Rada Polityki Pieniężnej) bei der Narodowy Bank Polski bestellt.8. posiedzenie Senatu vom 13. Januar 2016 auf (polnisch) Wie bereits ab 2010 ist er seit 2022 ein Berater des Zentralbankchefs, nun Adam Glapiński.

Er tritt auch als Publizist und Blogger in Erscheinung.

Auszeichnungen 1990 Ritterkreuz des Ordens Polonia Restituta (durch die Exilregierung) in Dziennik Ustaw 1990, Nr. 4, S. 60. 2006 Kommandeurskreuz mit Stern des Ordens Polonia Restituta (durch den Präsidenten)Verleihnachricht in Monitor Polski 2006, Nr. 807, S. 2632. 2006 Kavalierskreuz des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem 2012 Kommandeurskreuz des Gregoriusordens auf ekai.pl., abgerufen am 30. Oktober 2024. 2017 Kreuz der Freiheit und SolidaritätVerleihnachricht in Monitor Polski 2017, S. 469. 2025 Orden des Weißen AdlersVerleihnachricht in Monitor Polski 2025, S. 574. 2026 Kustos des Nationalen Gedenkens„Anna Datkowska i Jerzy Kropiwnicki wśród laureatów nagrody Kustosz Pamięci Narodowej IPN“ auf dzieje.pl, abgerufen am 18. Juni 2026.

Weblinks

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Einzelnachweise

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