mini|Die Local Government Areas im Gebiet von Lagos
Lagos ist mit rund 14,6 Millionen Einwohnern die Primatstadt Nigerias. Sie hat etwa viermal so viele Einwohner wie die nigerianische Hauptstadt Abuja und ist die zweitgrößte Stadt Afrikas, nach KinshasaDie Metropolregion Kairo ist mit über 21 Millionen Einwohnern (2021) zwar die größte in Afrika. Innerhalb des administrativen Stadtgebiets von Kairo leben aber nur etwas über 10 Millionen Einwohner (2021), daher liegt die Stadt hinter Kinshasa und Lagos auf dem dritten Rang der größten Städte in Afrika, siehe auch Liste der größten Städte Afrikas. und noch vor Kairo. Die Metropolregion zählt zu den bevölkerungsreichsten weltweit. In der gesamten Metropolregion Lagos wohnen nach verschiedenen Angaben Stand 2021 zwischen 21 und 24 Millionen Menschen. Lagos ist etwa so groß wie das Bundesland Berlin, hat jedoch etwa sechsmal so viele Einwohner. Die Lagunenstadt ist zudem die größte Stadt der Welt, in der Englisch die Amtssprache ist.
Mit einem internationalen Flughafen, drei Häfen (Apapa, Tin Can Island und der Tiefseehafen Lekki), vier Autobahnen und einer Standardschienenverbindung ins Hinterland ist die Stadt verkehrsmäßig gut angebunden und wickelt 88 % des nigerianischen Exports ab. Die neue S-Bahn von Lagos gehört zu den modernsten Schienendienstleistern in Afrika.
Lagos ist vor allem als führendes Finanzzentrum West- und Zentralafrikas bekannt, in dem Finanzinstitute wie die Access Bank, die First Bank of Nigeria oder die Zenith Bank ihren Hauptsitz haben. Hier befindet sich auch die nigerianische Börse. Zu den weiteren großen Arbeitgebern zählen zwei Brauereien, drei große Werften sowie die Hauptsitze und Wartungshangars mehrerer afrikanischer Fluggesellschaften wie Dana Air, Air Peace oder Arik. In Lagos sind zudem zahlreiche Pharmaunternehmen ansässig; die Stadt ist auch ein Zentrum für Messen: Art X Lagos ist die größte Kunstmesse Westafrikas, während die Lagos Fashion Week die größte Modemesse Afrikas ist. In der Stadt sind mehr als 20 Rechenzentren in Betrieb, und es gibt Niederlassungen von Microsoft, Equinix und Google. Fünf von sieben afrikanischen Hightech-Start-ups mit einem Wert von über 1 Milliarde US-Dollar („Einhörner“) haben ihren Sitz in Lagos. Der Arbeitgeber mit den meisten Mitarbeitern ist die Dangote-Raffinerie, die nach ihrer Erweiterung die größte Ölraffinerie der Welt sein wird.
In Lagos befinden sich vier öffentliche Universitäten (LASU, UNILAG, LASUSTECH und LASUED) sowie sechs private Hochschulen und wissenschaftliche Einrichtungen wie das Institut für Ozeanographie (NIOMR), das Institut für medizinische Forschung (NIMR) und das Institut für industrielle Technologie. Lagos ist zudem ein kulturelles Zentrum. Das National Arts Theatre in Surulere, die Nationalgalerie für moderne Kunst (im selben Gebäude), das Centre for Black and African Arts in der Broad Street, das Nationalmuseum und das John Randle Centre for Yoruba Culture in Onikan sowie privat geführte Galerien wie die Nike Art Gallery präsentieren die Kultur Nigerias. Das Konservatorium MUSON Centre, zahlreiche lokale Orchester und Chöre (wie der Lagos City Chorale oder der Chor der Cathedral Church of Christ) sowie Schriftsteller wie Sefi Atta, Oyinkan Braithwaite und Ayòbámi Adébáyò und Künstler wie Dotun Popoola, Peju Alatise, Dennis Osadebe, Idowu Sonaya und Collins Abinoro Akporode repräsentieren die kreative Szene von Lagos. Darüber hinaus ist Lagos das Zentrum der nigerianischen Medien und des nigerianischen Kinos, „Nollywood“. Die Lagunenstadt ist zudem ein Hotspot für westafrikanische Musik („Afrobeats“); in ihren Aufnahmestudios haben nigerianische Stars wie Wizkid, Tems, Davido und Asake ihre Karrieren begonnen. Internationale Stars wie Paul McCartney, James Brown, Ed Sheeran und Beyoncé haben hier Alben aufgenommen.
Die Online-Plattform „Time Out“ setzte 2025 Lagos auf Platz 41 der „besten Städte der Welt“ bzw. auf Platz drei in Afrika, hinter Kapstadt und Marrakesch. Brand Finance, ein Markenbewertungsdienstleister, platzierte 2023 Lagos auf Platz 5 der begehrtesten Städte in Afrika, hinter Kapstadt und Johannesburg, Kairo und Casablanca, jedoch vor Nairobi.
Geografie Lage Die Stadt liegt an der Küste des Golfs von Guinea durchschnittlich fünf Meter über – aber auch teilweise unter – dem Meeresspiegel und erstreckt sich über das Festland und eine Reihe von Inseln. Nach heftigen Regenfällen kommt es in Lagos regelmäßig zu Überflutungen.
In der Lagune von Lagos mit ihren Sümpfen und Mangroven wird eine umfangreiche Aquakultur betrieben. Sie ist von tropischem Regenwald und Kokospalmen umgeben.
Der Hafen von Lagos und sein Zugang zum Golf von Guinea, der Commodore Channel, wird immer wieder ausgebaggert und durch Molen vor Versandung geschützt.
Die Metropolregion Lagos hat eine Fläche von 14.144 km2 und erstreckt sich über den Bundesstaat Lagos und große Teile des Bundesstaats Ogun. Nach ihrer Ausdehnung ist die Metropolregion etwa so groß wie das deutsche Land Schleswig-Holstein. Die Insel Lagos (der älteste Stadtteil) ist knapp so groß wie die Hallig Hooge und wird, so wie diese, mehrfach im Jahr überflutet.
Stadtgliederung und Bevölkerungszahl In administrativer Hinsicht gibt es nicht die Stadt Lagos, sondern 16 eigenständige Stadtverwaltungen im Agglomerationsgebiet Lagos, die sogenannten Local Government Areas. Die Angaben beziehen sich auf die Volkszählung vom 21. März 2006. (englisch).
Local Govern-ment Area Fläche(km²) Einwohnerzahl(2006) Einwohnerje km² Agege 11,20 459.939 41.066 Ajeromi-Ifelodun 12,33 684.105 55.483 Alimosho 185,20 1.277.714 6.899 Amuwo Odofin 134,58 318.166 2.364 Apapa 26,66 217.362 8.153 Eti-Osa 192,35 287.785 1.496 Ifako-Ijaye 26,61 427.878 16.080 Ikeja 46,16 313.196 6.785 Kosofe 81,41 665.393 8.173 Lagos Island 8,66 209.437 24.184 Lagos Mainland 19,47 317.720 16.318 Mushin 17,48 633.009 36.213 Ojo 158,16 598.071 3.781 Oshodi-Isolo 44,76 621.509 13.885 Shomolu 11,55 402.673 34.863 Surulere 23,00 503.975 21.912 Gesamt 999,58 7.937.932 7.941
Aktuell (2022) muss man die Einwohnerzahl eher bei 15,36 Millionen ansetzen, bei einer Zuwachsrate von ca. 3,5 % im Jahr. Auf Deutschland übertragen, entspricht die Fläche von Lagos (999 km2) etwa der des dichtest bevölkerten deutschen Bundeslandes Berlin (892 km2) – wobei Lagos aber mehr als viermal soviel Einwohner zählt.
Einwohnerentwicklung mini|Lagos Island (2026), Blick von Victoria Island, links im Hintergrund der Hafen Apapa mini|Lagos Island, Blick von Eko Atlantic (2026) Lagos durchläuft seit 1900 durch Zuwanderung und hohe Geburtenrate ein dynamisches Wachstum. Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen, jeweils bezogen auf das städtische Gebiet (urban area).
Jahr Einwohner 1901 37.000 1911 73.766 1921 99.690 1931 126.108 1936 137.400 1938 158.500 1945 174.200 1950 272.000 1952 267.400 Jahr Einwohner 1959 350.000 1963 665.200 1969 841.700 1971 1.200.000 1982 1.404.000 1987 3.800.000 1991 5.195.247 2006 7.937.932 2013 14.500.000
Eine Prognose aus dem Jahre 2014 rechnet damit, dass die Bevölkerung von Groß-Lagos bis zum Jahre 2050 auf 32,6 Millionen Einwohner anwachsen wird. Für das Jahr 2100 wird mit 88,3 Millionen Einwohnern gerechnet, womit Lagos zur weltweit größten Stadt werden würde.
Klima Lagos befindet sich in der tropischen Klimazone, mit feuchtheißem Klima und einer ergiebigen Regenzeit. Die jährliche Niederschlagsmenge liegt bei reichlich 1600 mm im Mittel und die Luftfeuchtigkeit liegt ganzjährig hoch zwischen 70 % in der Trockenzeit (November bis März) und bis zu 85 % in der Regenzeit (April bis Oktober). Der meiste Niederschlag fällt im Juni mit über 300 mm, der geringste im Januar mit gut 20 mm im Mittel.
Die mittlere Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 26,8 °C. Nachts kühlt es meist nur wenig ab. Die durchschnittliche Höchsttemperatur liegt das ganze Jahr über zwischen 28 und 33 °C, die Tiefsttemperatur zwischen 21 und 24 °C im Mittel.
Geschichte Im Jahr 1473 nahm der portugiesische Entdecker Rui de Sequeira Lagos in die europäische Kartografie auf. Um 1700 n. Chr. gehörte Lagos zum Oyo-Reich, das von seiner Hauptstadt Ilé-Ifẹ̀ aus die gesamte Yoruba-sprachige Region (Südwest-Nigeria und die heutige Republik Benin) beherrschte und um 1720 seinen Höhepunkt erreichte. Um 1780 kam es jedoch in Oyo zu dynastischen Problemen, 1796 spaltete sich der Norden von der Zentralregierung ab und eroberte wichtige Gebiete von ihr. Einige Jahre später trennten sich der Süden – insbesondere die Ijebu-Unterethnie im heutigen Bundesstaat Ogun – und das Volk der Egba um Abeokuta von Oyo, was zu einer Reihe bewaffneter Konflikte führte. Infolgedessen wurde eine Seeninsel an der Küste (portugiesisch: Ilha dos Lagos), heute bekannt als Lagos Island, von der Zentralverwaltung in Ilé-Ifẹ̀ (und später, nach dessen Fall, in Ibadan) abgeschnitten.
Die sumpfige Insel, die etwas kleiner ist als die Hallig Hooge, wurde von einem Oba (König) regiert, doch die Steuereinnahmen aus den verschiedenen verstreuten Siedlungen reichten nicht aus, um den König in Vollzeit zu versorgen; er musste seinen Lebensunterhalt als Pfefferbauer bestreiten.
Unterdessen hatte der transatlantische Sklavenhandel an Fahrt gewonnen, und viele Küstenkönigreiche finanzierten sich durch den Verkauf ihrer Untertanen in die Sklaverei an kubanische, brasilianische und portugiesische Händler. In Lagos war Efunroye Tinubu, die Schwester des Königs, in dieser Hinsicht besonders aktiv. Großbritannien, das seit 1807 versuchte, den transatlantischen Transport von Sklaven zu verhindern, übte Druck auf die westafrikanischen Küstenkönigreiche aus, den Sklavenhandel einzustellen. In Lagos ließ sich König Akitoye dazu überreden – doch er wurde 1845 von seinem Neffen Kosoko gestürzt. Zu Weihnachten 1851 bombardierten die Briten die Mangroveninsel; Kosoko floh und Akitoye wurde erneut König. Der Sklavenhandel in Lagos fand damit ein Ende, die Briten übten in der Folge über einen Konsul indirekte Kontrolle über Lagos aus. Im Jahr 1855 wurde Lagos zu einem Marinestützpunkt der Royal Navy, nachdem Spanien die gemeinsame Nutzung des Hafens von Santa Isabel auf Fernando Poo (heute Bioko) gekündigt hatte.
Als 1861 Pläne des französischen Kaisers Napoleon III. bekannt wurden, Lagos der französischen Kolonie Dahomey (heute Republik Benin) einzuverleiben, beschloss Großbritannien, die winzige Insel in den Status einer Kolonie zu erheben. Akitoyes Sohn und Nachfolger, Dosunmu, wurde mit erneuten Bombardements gedroht, woraufhin er die vorgelegte Abtretungsurkunde unterzeichnete und mit einer jährlichen Zuwendung von einigen Säcken Kaurimuscheln entschädigt wurde. mini|Kenotaph des Handelsfürsten Taiwo Olowo bei der Bethel-Kathedrale Laut Prof. Anthony G. Hopkins markierte dies den Beginn eines 30-jährigen Wirtschaftsbooms in Lagos, der in erster Linie durch ehemalige Sklaven ermöglicht wurde, die aus Sierra Leone, Brasilien und Kuba zurückkehrten (den Saro und Aguda). Einheimische Handelsfürsten wie Taiwo Olowo verwandelten die Stadt in ein „Venedig Westafrikas“. Die besonderen Traditionen der Yoruba im Zusammenhang mit Landbesitz führten dazu, dass aufgrund der erforderlichen Sicherheiten nur Einheimische als Geldverleiher (und später als Geschäftsbanken) auftraten – erst um 1900 öffnete mit der Bank of British West Africa (heute First Bank of Nigeria) das erste „weiße“ Finanzinstitut in Lagos seine Bankschalter. Das Jahr 1861 markierte somit auch den Beginn von Lagos als führendes Handels- und Finanzzentrum in West- und Zentralafrika unter einheimischer Regie. mini|Kapitän J.P.L. Davies