mini|hochkant|Luisa Cáceres de Arismendi
Maria Luisa Cáceres Díaz de Arismendi (* 25. September 1799 in Caracas; † 2. Juni 1866 ebenda) war eine venezolanische Generalsgattin während des Unabhängigkeitskrieges gegen Spanien. Sie gilt in Venezuela als Nationalheldin.
Familie Luisa Cáceres Díaz war eine Tochter des Gelehrten und Lateinlehrers José Domingo Cáceres († 11. Februar 1814) und dessen Frau Carmen Díaz. Sie hatte zwei jüngere Brüder Félix († 16. März 1814) und Manuel Cáceres Díaz.
Rahmenbedingungen Im Februar 1814 verteidigte Simón Bolívar seine nach der Campaña Admirable im Vorjahr errichtete zweite Republik in San Mateo, westlich von Caracas gegen José Tomás Boves und dessen Stellvertreter Francisco Tomás Morales, die eine Abteilung unter Francisco Rosete zur Ablenkung südlich der Hauptstadt befohlen hatten. Luisa Cáceres, die sich auf Einladung des Militärkommandanten von Caracas in der Hauptstadt befand, entging dadurch den Royalisten. José Félix Ribas hatte sie im vergangenen Dezember dem 24 Jahre älteren Juan Bautista Arismendi vorgestellt, der sich von ihr angezogen fühlte.
Massaker in Ocumare del Tuy Rosete hatte am 11. Februar die kleine Garnison in Ocumare del Tuy überrannt und 300 Zivilisten brutal getötet, darunter auch Luisas Vater. Als Bolívar vom Einfall von Rosete erfuhr, entsandte er Ribas, um die Situation zu bereinigen. Dieser schlug am 20. Rosete, der fast dreimal so viele Soldaten hatte, in Charallave (Charayave), auf etwa zwei Dritteln des Weges von Caracas nach Ocumare, und erbeutete große Teile der Ausrüstung der Spanier. Am folgenden Tag berichtete er aus Ocumare von dem vorgefundenen Massaker.Ribas’ Bericht In: Gaceta de Caracas. Nr. 44, 24. Februar 1814, S. 176 (Ministerio de Cultura de España)
Da Ribas in der Folge erkrankte, konnte Rosete am 06. März Ocumare erneut besetzen. Der Übergangsgouverneur von Caracas, Arismendi, der gerade 800 Gefangene in La Guaira hingerichtet hatte, berief Freiwillige – was ohne Ausbildung und Erfahrung bedeutet – ein, um Ribas zu ersetzen. Darunter auch Luisas’ 14-jährigen Bruder Félix. Von den 800 Mann, die am 11. März in Ocumare in einen Hinterhalt von Rosete gerieten, kehrten 100 nach Caracas zurück. Félix wurde gefangen und unter entwürdigenden Umständen mit Macheten erschlagen. Obwohl Ribas immer noch krank war, übernahm er Truppen, die Bolívar geschickt hatte, mit weiteren Freiwilligen aufgestockt, und zog nach Salamanca, zwischen Charallave und Ocumare. Unter Ribas geriet Rosetes Hinterhalt dort am 20. März zum Desaster für den Royalisten, der mit den Resten seiner Truppen nach Süden in die Llanos floh.
Flucht aus Caracas Nach der Niederlage Bolívars am 14. Juni in der zweiten Schlacht von La Puerta, dem immer wieder umkämpften Zugang von den Llanos in die Zentralregion, war Caracas für die Patrioten nicht mehr zu halten. Dies führte Anfang Juli zu einem Massenexodus aus der Hauptstadt in Richtung Osten, da es nicht genügend Schiffe im Hafen von La Guaira gab, um die Patrioten und ihre Familien auf Antilleninseln zu bringen. Cácares, die einem Soldaten ein Maultier abgekauft hatte, floh gemeinsam mit ihrer Mutter, ihrem 11-jährigen Bruder und weiteren weiblichen Verwandten über Los Largos bei Guarenas, den Berg Capaya, beim gleichnamigen Ort, an den Lagunen von Tacarigua und Unare im heutigen Miranda vorbei zunächst bis nach Barcelona in der damals gleichnamigen Provinz (heute Bundesstaat Anzoátegui). Nur mit ihrem Bruder und ihrer Mutter kam sie dort an, da der Weg während der Regenzeit und den hartnäckigen Verfolgern besonders beschwerlich war.
Nach einer kurzen Erholung mussten sie ihre Flucht erneut fortsetzen, da die Kämpfe zur Verzögerung der Reste von Bolívars Heer auf einer südlicheren Route den Vormarsch von Boves nicht aufhalten konnten und wieder nicht genügend Schiffe zur Evakuierung zur Verfügung standen. Wäre sie bei Bolívar und den Soldaten geblieben, hätte sie wohl das Schicksal mehrerer Tausend Zivilisten geteilt, die am 17. August in Aragua de Barcelona, südlich der Stadt, von Morales niedergemetzelt wurden, nachdem Bolívar die vorangegangene Schlacht am gleichnamigen Fluss wegen Insubordination verloren hatte.
Weil die Patrioten die Royalisten nicht zurückwerfen konnten, war auch Barcelona nicht mehr zu halten. Luisa, die erkrankt war, blieb keine Wahl, als sich Bolívar anzuschließen, der der Küstenstraße nach Cumaná folgte, wo sie am 25. August eintraf. Da Bolívar Arismendis Zuneigung bekannt war, ließ er sie einen Teil des Weges auf der Kruppe seines Pferdes, also hinter ihm, reiten und befahl einem Offizier von José Antonio Páez anschließend das Gleiche zu tun. Auch hier fand Luisa keine Möglichkeit, eine Schiffspassage zu finden. Sie setzte ihre Flucht über Land Richtung Osten fort. Etwa 80 Kilometer von Cumaná, in La Esmeralda, kamen die drei Cáceres’ Anfang Oktober auf ein Schiff, das Arismendi von der Insel Margarita geschickt hatte, um Flüchtlinge einzusammeln. Der heutige Bundesstaat Nueva Esparta (Neu-Sparta) bezieht seinen Namen aus der Hartnäckigkeit, mit der die Inselbewohner ab dem folgenden Jahr Truppen aus Spanien bekämpften. Noch im selben Monat reisten sie vom Hafen Pampatar in die Hauptstadt La Asunción, wo sie von Arismendi unterstützt wurde. Die 15-jährige und Arismendi, für den es die zweite Ehe war, heirateten am 04. Dezember.
Hintergrund Da Bolívar und der Großteil seiner Offiziere per Schiff vom östlichen Ende Venezuelas nach Cartagena de Indias in Neugranada flohen, und nur wenige Offiziere mit ihren Truppen Morales entgehen konnten, nutzte Morales die Gelegenheit die Patrioten landesweit zu unterwerfen oder umzubringen. Boves war zwar in der letzten großen Schlacht im Dezember gefallen, den verbliebenen republikanischen Truppen blieb jedoch nur der Guerillakampf im Südosten Venezuelas. In Spanien hatte derweil Ferdinand VII. den Thron bestiegen und die Verfassung von Cadiz außer Kraft gesetzt. Da er die Kolonien als persönlichen Besitz ansah, rüstete er Anfang 1815 ein rund 12.500 Mann starkes Expeditionsheer aus, um jegliche republikanische Eigenständigkeit auszulöschen. Da Morales gründlich vorgegangen war, blieb für die neu angekommenen Spanier in Venezuela Margarita, als Rückzugsort der Patrioten, und einige Guerillagruppen im Südosten des Landes zu bekämpfen. Das Hauptziel des Expeditionsleiters Pablo Morillo war ohnehin Neugranada und einige kleinere Abteilungen wurden nach Peru (über Panama) abkommandiert. Morillo übernahm den Oberbefehl in Venezuela, besetzte politische Ämter und ordnete die Kolonialverwaltung neu.
Spanier auf Margarita Die Spanier erreichten am 07. April die Küste von Margarita. José Francisco Bermúdez, der in Aragua de Barcelona Bolívar den Befehl verweigert hatte und in Güiria, am Ostende der Halbinsel Paria, sogar seinen Säbel gegen diesen gezückt hatte, hatte es vorgezogen, im Februar nicht nach Cartagena zu reisen, sondern war auf Margarita gelandet. Arismendi war der oberste Patriot auf der Insel, aber bei weitem nicht so militärisch bewandert und kühn, wie Bermúdez. Während letzterer die Spanier bekriegen wollte, unterwarf sich Arismendi, zumal die Spanier mit Straffreiheit und Vergessen lockten. Bermúdez reiste daraufhin nach Cartagena weiter. Arismendi und die anderen Patrioten wurden von Morillo gut behandelt. Nachdem dieser einen Gouverneur eingesetzt hatte, begab er sich über Cumaná nach Caracas.
Da Morillo im Lauf der Zeit seinen Umgang mit den Patrioten auf dem Festland änderte und weil seine Stellvertreter zunehmend brutaler regierten, tauschte der von Morillo eingesetzte Generalkapitän den durchaus wohlwollenden Gouverneur von Margarita gegen einen Hardliner aus. Bei einem von ihm organisierten Bankett zur Feier der endgültigen Niederlage von Napoleon Bonaparte Ende September sollten führende Patrioten festgenommen werden. Arismendi hatte rechtzeitig von den Machenschaften erfahren und floh in die Berge im Süden der Insel. Cáceres erhielt in der Nacht vor dem Bankett Besuch von einem spanischen Offizier, der sich nicht mit Ausflüchten in Bezug auf Arismendis Aufenthaltsorts zufriedengab und sie abführen ließ. Sie wurde in der Folge im Privathaus eines angesehenen Königstreuen gefangengehalten.
Aufstand auf Margarita Arismendi (gebürtig aus La Asunción) hatte mittlerweile damit begonnen den Widerstand zu organisieren: Er brachte Mitte November rund 1.500 Männer zusammen, die jedoch nur wenige Feuerwaffen, sondern zumeist Macheten und andere Nahkampfwaffen bzw. Werkzeuge besaßen. Der Hartnäckigkeit der Inselbewohner verdankte Arismendi seine Erfolge. Es gelang ihm, die Garnison von Juan Griego, im Nordwesten, mit 30 Mann in der Nacht zu überraschen und niederzumachen. Mit 80 zusätzlichen Gewehren bewegten sich die Margariteños nach Osten, nach Villa (de Santa Rosa) del Norte, wo er sein befestigtes Haus gegen knapp 200 Verteidiger erobern konnte, die teilweise auch dem Volkszorn zum Opfer fielen.
Wegen des Aufstands wurde Cáceres, sichtbar schwanger, am folgenden 17. November in die Festung Santa Rosa im Südwesten von La Asunción verlegt. Schlecht verpflegt, gebar sie am 26. Januar ihre Tochter tot. Die Spanier berichteten von einem „neuen Monstrum“ nach Caracas. (Die Spanier hatten das Wort bereits 1812 für 13 prominente Mitglieder der Führung der ersten Republik genutzt, die als Gefangene nach Spanien überführt worden waren.) Auf Anfrage des Gouverneurs sagte sie, sie habe lediglich ihre Pflichten erfüllt, denn ohne Vaterland wolle sie keinen Ehemann.
In den folgenden Monaten unternahmen die Patrioten mehrere vergebliche Versuche, die Festung zu erobern, aber der größte Erfolg war die Sprengung des dortigen Pulvermagazins Ende Januar 1816. Die Spanier waren zeitweise auf die Festungen Santa Rosa und Pampatar reduziert, aber sie machten, vor allem, nachdem die ersten Verstärkungen vom Festland eingetroffen waren, immer wieder Ausfälle, wobei sie auch Häuser der Margariteños niederbrannten. Gefangene und Verwundete wurden auf beiden Seiten rigoros ermordet oder hingerichtet. Trotz der Verstärkungen waren die Spanier nicht in der Lage, den Aufstand zu ersticken. Letztlich blieb ihnen nichts weiter übrig, als die Insel zu verlassen und mit einem zusammengewürfelten Marinegeschwader von der Außenwelt abzuschneiden.
Gefangenschaft und Verlegungen Im Zuge der Evakuierung wurde Cáceres nach Pampatar gebracht, wo sie im Castillo San Carlos de Borromeo einige Tage auf die Überfahrt nach Caracas warten musste. Auf dem Weg zum Hafen sah sie die von den Spaniern Hingerichteten und die zerstörten Wohnhäuser. Bolívar, der Anfang Mai bei seinem ersten Rückeroberungsfeldzug für Venezuela auf der Insel ankam, beförderte Arismendi zum General. Cáceres traf am 22. März im Kloster ein. Heute existiert lediglich eine Kirche dieses Namens im Stadtteil Sabana Grande, östlich des Zentrums. Bei den Nonnen erholte sie sich von den Kerkern auf Margarita.
Da der Widerstand trotz Bolívars gescheitertem ersten Landungsversuch nicht aufhörte, schickte der Generalkapitän Cáceres im November nach La Guaira. Da sie immer noch geschwächt war, ließen sie die Spanier auf einem Maultier mit Sessel zehn Stunden durch die pralle Sonne reisen. Hier blieb sie vom 26. November bis zum 03. Dezember, als sie auf das Schiff El Populo gebracht, auf dem sie im Arsenal de La Carraca im spanischen Cádiz oder im Gefängnis von Ceuta inhaftiert werden sollte. Auf der Überfahrt ins Mutterland wurde der Konvoi, zu dem das Schiff gehörte, von Freibeutern aus Buenos Aires angegriffen und gekapert. Der Korsar setzte die Gefangenen auf der Insel Santa María ab. Von dort aus wurde sie am 17. Januar 1817 mit einem anderen Schiff nach Spanien überführt.
Erzwungener Aufenthalt in Spanien