mini|Beize an Maiskörnern, von Natur aus sind sie gelb, die Beize ist durch Farbstoff wahrnehmbar mini|Rapssaatgut, von Natur aus schwarz, färben die Züchter in ihren jeweiligen Farben, hier wurden Reste verschiedener Züchter gemischt Mit Beizen oder Beizung oder Saatgutbeizung bezeichnet man in der Land- und Forstwirtschaft sowie im Landschafts- und Gartenbau die Behandlung von Saat- und Pflanzgut mit Pflanzenschutzmitteln, um die Saat oder Pflanzung gegen Pilzbefall (Auflaufkrankheiten) und vor Schädlingen (meist Insekten oder Vögel) zu schützen, gegen die Sämlinge und Jungpflanzen besonders anfällig sind. Getreidesaatgut wird mit Fungiziden gegen Auflaufkrankheiten gebeizt. Mais, Zuckerrüben, Raps werden dagegen auch mit Insektiziden behandelt. Beizmittel haben normalerweise eine systemische Wirkung, d. h. der Wirkstoff wird mit dem Saftstrom auch in neue Pflanzenteile transportiert. mini|Ein Mitarbeiter beim Kommissionieren von Beizmitteln

Geschichte Das Beizen von Saatgut ist eine sehr alte Technik; bereits 450 vor Christus wurde Lauchsaft als Beizmittel verwendet, Ägypter, Griechen und Römer verwendeten Oliventrester, Asche, Zwiebelsud oder Zypressensaft, um Saatkörner zu desinfizieren und damit vor Krankheitserregern zu schützen. (abgerufen am 4. November 2013; PDF; 518 kB). Im Mittelalter war Jauche als Beizmittel verbreitet. Ab 1660 wurde Saatgut mit Glaubersalz und Kupfer mit mäßigem Erfolg behandelt; ab 1740 kamen Kupfervitriol und Arsenpräparate und 1765 die Heißwasserbeize hinzu. Ende des 19. Jahrhunderts wurden die sehr wirksamen (allerdings auch sehr giftigen) Quecksilberbeizen entwickelt, die bis zum Verbot 1982 in Deutschland als „Universalbeizen“ galten. So wurde 1914 die Nassbeize Uspulun eingeführt, die Ende der 1920er mit der Trockenbeize Ceresan abgelöst wurde. Seit den 1970er Jahren sind weniger giftige, aber trotzdem wirksame Beizmittel (PDF; 596 kB). der Pflanzenschutzfirmen auf dem Markt. In den 1980ern kam eine Reihe von neuen Wirkstoffen auf den Markt (1979 Bitertanol, 1980 Triadimenol, 1986 Pencycuron, 1990 Fluazinam). 1991 wurde mit Imidacloprid erstmals eine Insektizid-Beize aus der Gruppe der Neonicotinoide eingeführt.100 Jahre Innovationen im Bereich Saatgutbehandlung.

Wirkstoffe Neben Getreide-, Mais- und Rapssaatgut werden auch Kartoffelknollen und das Saatgut einiger Gemüsearten (Zwiebeln, Möhren) gebeizt.

Getreidebeizen Quelle:

Beizmittel Wirkstoff Fusarium culmorum Schneeschimmel Steinbrand/ Hartbrand Septoria nodorum Stängelbrand Flugbrand Streifenkrankheit Typhula-Fäule Netzflecken Schwarzbeinigkeit UniversalbeizenEfAFluoxastrobin 37,5 g/lProthioconazol 25 g/lTebuconazol 3,5 g/lTriazoxid 10 g/lOrius UniversalTebuconazol 15 g/lProchloraz 60 g/lLandor CTTebuconazol 5 g/lDifenoconazol 20 g/lFludioxonil 25 g/lRubin TTProchloraz 38,6 g/lPyrimethanil 42 g/lTriticonazol 25 g/l(keine Zulassung)Sedaxan 50 g/lDifenoconazol 25 g/lFludioxonil 25 g/lBeizmittel für Weizen, Roggen, TriticaleArena CTebuconazol 5 g/lFludioxonil 25 g/lCelestFludioxonil 25 g/lCerall (biologisch)Pseudomonas chloraphis 200 g/l Beizmittel für GersteBaytan UFBTriadimenol 75 g/lImazalil 10 g/lFuberidazol 9 g/lCedomon (biologisch)Pseudomonas chloraphis 100 g/lZarde GCyproconazol 5 g/lImazalil 26,6 g/l SpezialbeizenLatitudeSilthiofam 125 g/lContur plusCyfluthrin 125 g/l Brachfliege in Weizen(keine Zulassung)Cypermethrin 100 g/l

Maisbeizen Quelle:. Aus: Innovation Magazin für die Landwirtschaft 4/2009 (PDF) Wirkstoff Auflaufkrankheiten:Fusarium-, Pythium- und Rhizoctonia-Arten Repellent gegen Vögel Fritfliege Drahtwurm Westlicher Maiswurzelbohrer Thiram Ziram Fludioxonil + Metalaxyl Methiocarb Neonicotinoide (Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam)Seit 2013 europaweit beschränkt, teilweise nationale Verbote.

Rapsbeizen Quelle: Wirkstoff Auflaufkrankheiten:Alternaria, Fusarium, Phoma lingam Falscher Mehltau Großer Rapserdfloh Kleine Kohlfliege Thiram (TMTD) Dimethomorph (DMM) Neonicotinoide Clothianidin + Cyfluthrin Imidacloprid + Cyfluthrin Thiamethoxam

Formulierung Die am häufigsten verwendeten Beizmitteltypen sind die Trockenbeize (DS), die Feuchtbeize (LS) und die Suspensionsbeize (FS). Die Trockenbeizen werden zunehmend wegen ihrer Staubentwicklung und der erhöhten Abriebverluste durch Feucht- und Flüssigbeizen ersetzt.

Auffällige Färbung Getreide- und Maissaatgut werden oft gegen Vogelfraß vergällt und auffällig gefärbt, um auch die versehentliche Verwendung als Futter oder zu Nahrungszwecken zu verhindern. Diese Färbung dient nicht nur als Abschreckung für Vögel, sondern auch als visueller Hinweis für Menschen, dass das Saatgut behandelt wurde und nicht für den Verzehr geeignet ist. Die Farben können je nach Hersteller und Art des Beizmittels variieren.

Pillieren mini|Zuckerrübensaatgut pilliert (links) und natürlich (rechts) Eine Sonderform des Beizens ist das Pillieren; dabei wird das Saatgut mit einer Kunststoffumhüllung aus Pflanzenschutzmitteln und Dünger umgeben, sodass jedes Saatkorn ein einheitliches Gewicht und eine einheitliche Größe hat. Pilliertes Saatgut für die Einzelkornsaat erlaubt beispielsweise bei Zuckerrüben, das arbeitsaufwändige Hacken zum Vereinzeln der Rüben im Frühjahr einzusparen. Das Verfahren gilt als arbeits- und mittelsparend, diese Sparsamkeit ist aber nicht mit Umweltverträglichkeit gleichzusetzen.

Die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln (PSM) in der Pillierung ist deutlich sparsamer und vor allem umweltverträglicher weil die PSM NUR am Wirkort eingesetzt werden. Bei 100.000 Pillen (Ø4,5 mm)/10.000 m² entspricht die behandelte Fläche 45 m²/10.000 m². Damit bleiben 99,955 % der Fläche unbehandelt.

Literatur K.A. Jeffs: Seed Treatment. The British Crop Protection Council, Lavenham 1986, ISBN 0-948404-00-0. Ernst Klapp: Lehrbuch des Acker- und Pflanzenbaus. 6. Auflage. Berlin 1967.

Weblinks Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen Gebeiztes Saatgut – Was bedeutet das? (Ausführlicherer Artikel zu Beizen in Geschichte und Gegenwart auf einer gewerblichen Gartenbausite)

Einzelnachweise

Kategorie:Pflanzenschutz