mini|St. Leodegar im Hof mini|hochkant|Öffnungs- und Gottesdienstzeiten der Hofkirche mini|Hofkirche St. Leodegar und Mauritius, 1906 Die Hofkirche St. Leodegar ist eines der Wahrzeichen der Stadt Luzern in der Schweiz. Die Hofkirche ist die Hauptkirche der römisch-katholischen Pfarrei St. Leodegar im Hof, einer der acht katholischen Stadtpfarreien Luzerns und sie ist zugleich die Stiftskirche des Kollegiatstift St. Leodegar. Die Hofkirche wurde von 1633 bis 1639 teilweise auf den Fundamenten der 1633 abgebrannten romanischen Basilika gebaut und ist einer der wenigen grossen Kirchenbauten, die während des Dreissigjährigen Kriegs nördlich der Alpen errichtet wurden, und eine der grössten und kunsthistorisch wertvollsten Kirchen der deutschen Spätrenaissance.Adolf Reinle: Die Kunstdenkmäler des Kantons Luzern VI. Das Amt Hochdorf, Nachträge zu den Bänden I-V, Kunsthistorischer Überblick. Basel 1963, S. 383. Sie steht zusammen mit dem Kirchenschatz und dem Stiftsbezirk im Hof auf der Liste der Kulturgüter in Luzern in der Kategorie A (national bedeutend).
Geschichte An der Stelle der heutigen Hofkirche stifteten südalemannische Adlige 735/736 ein Klösterchen, dessen Patron der heilige Mauritius war. Gut zwanzig Jahre später (760) schenkte König Pippin der Jüngere den Mönchen von Luzern fünf Freie und ihre Nachkommen als Dienstleistung und in dieser Zeit wird das Monasterium Luciaria erstmals urkundlich erwähnt. Im Jahre 800 ging das kleine Kloster unter, bis es durch Abt Wichard im Jahre 850 wieder unter die Regel des Heiligen Benedikt gestellt wurde. Um 1135 wurde aus dem selbständigen Kloster eine vom Kloster Murbach abhängige Propstei. So bestimmte Murbach im 12. Jahrhundert den heiligen Leodegar als Hauptpatron der Hofkirche. 1178 wurde von der Propstei im Hof eine Leutpriesterpfründe an der Peterskapelle gestiftet und damit war ein wichtiges Element für die Stadtwerdung von Luzern erfüllt. 1291 wurde das Kloster wegen eigener Schwierigkeiten von Murbach an die Habsburger verkauft. 1433 hatte die Stadt Luzern, nunmehr Mitglied der Eidgenossenschaft, wieder alle Rechte über das Kloster und 1455 wurde das Benediktinerkloster in ein weltgeistliches Chorherrenstift umgewandelt.
Eine Blütezeit erlebte das Stift in der Zeit der Gegenreformation als Luzern Vorort der katholischen Kantone und Residenz des päpstlichen Nuntius war, der die Hofkirche als seine Kathedrale benützte. 1874 wurde die Kirchgemeinde gegründet und in der Folge die Verhältnisse Chorherrenstift und Pfarrei neu geregelt.
Baugeschichte Über die Anfänge der Hofkirche kann nichts gesagt werden, weil keine archäologischen Erkenntnisse vorliegen. Urkundlich ist einzig belegt, dass in der zweiten Hälfte vom 9. Jahrhundert eine Kirche mit Vorhalle bestanden haben muss. In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts wurde eine romanische Anlage mit zwei Türmen errichtet. Im Laufe der Jahre und Jahrhunderte wurde die Kirche erweitert und verlängert.
Am Abend vom Ostersonntag, am 27. März 1633, bekam ein Dachdecker von einem Chorherrn den Auftrag, Dohlen, welche sich auf den Chortürmen eingenistet hatten, zu schiessen. Dabei entzündete er mit seinen Schüssen das dürre Holz der Kirche und setzte sie so in Brand. Die Kirche brannte bis auf die Grundmauern nieder und die Türme brannten aus. Der Kirchenschatz, das Relief vom Maria-End-Altar und die Pietà, welche heute im Seelaltar zu sehen ist, konnte gerettet werden. Für Luzern stellte dieser Brand ein grosses Unglück dar und Stift und Behörden beschlossen sofort, den Neuaufbau anzugehen. Ein Jesuit aus Ingolstadt, Jakob Kurrer (1585–1647), erhielt den Auftrag die Hofkirche neu aufzubauen.
Bereits an Ostern 1638 fand im Innern der Kirche der erste Gottesdienst statt. Eingeweiht wurde die neue Hofkirche allerdings erst nach dem Abschluss der künstlerischen Arbeiten im Innern der Kirche. Während der folgenden Jahrhunderte fanden immer wieder grössere und kleinere Innen- und Aussenrestaurationen statt. Zuletzt fand 2000/2001 eine Innenrenovation unter Architekt Damian Widmer statt. Dabei wurde die Kirche im Innern vor allem von Schmutz befreit und der gesamte Altarbezirk neu gestaltet mit einem von Kurt Sigrist geschaffenen Altar aus schwarzem Basalt auf einem roten Bezirk. Am Palmsonntag, 8. April 2001 wurde die Hofkirche durch Bischof Kurt Koch feierlich eingeweiht.
Äusseres der Hofkirche Türme: Die beiden mittelalterlichen Türme haben eine Höhe von 69 Metern und einen quadratischen Grundriss von 9 Metern Seitenlänge. Die Wasserspeier an den Turmkanten sind in der Form von Drachenköpfen geschaffen. Auf dem nördlichen Turm ist oberhalb der goldenen Kugel ein Lilienkreuz und auf dem Südturm ein Hahn über dem Windanzeiger zu sehen. In den beiden Türmen besitzt die Hofkirche acht Glocken, welche zwischen 700 Kilogramm und 5,25 Tonnen schwer sind. Weitere vier Glocken befinden sich im Chortürmchen der Kirche.
Westfassade: Das Mittelstück wurde nach dem Brand von 1633 ohne Einbezug der Türme neu gestaltet. Über dem Torbogen wird das Standeswappen umrahmt von den beiden Heiligen Leodegar und Mauritius. Der Anblick der Westfassade vereint drei Epochen der Baukunst: Gotik (Türme), Renaissance (Mittelteil) und Barock (Giebel). Das zweite Geschoss wird durch korinthische Pilaster dreigeteilt. Hinter diesem Teil verbirgt sich die Michaelskapelle, welche durch das einfallende Licht der beiden grossen Fenster und der Rosette erhellt wird.
Vorzeichen: Der Eingangsbereich ist mit einem Kreuzgewölbe überspannt und zeigt neben Leodegar (mit Bohrer) und Mauritius (als Krieger mit Fahne) vier weitere Heilige. Die beiden Türflügel weisen nochmals in geschnitzter Form auf die beiden Patrone der Hofkirche (Leodegar und Mauritius) hin.
Inneres mini|Innenansicht Hofkirche, Richtung Hochaltar mini|Innenansicht Hofkirche, Richtung Empore mini|Blick über die Orgel ins Kirchenschiff mini|hochkant|Hochaltar mit Altarbild von Lanfranco
Niklaus Geisler (1585–1665) war für den Innenausbau verantwortlich und prägte mit seinen Gehilfen durch seine Bildhauerkunst die Altäre, das Chorgestühl und damit den ganzen Innenraum der Hofkirche, welche in einer einheitlichen Form erscheint.
Kirchenraum: Der Innenraum der Kirche zeigt den typischen basilikalen Bau mit dem grossen Chorraum sowie dem mächtigen Hochaltar.
Hochaltar: In seiner Art erinnert der Hochaltar an die römische Bauweise des Hochbarock. Dieser Hochaltar ist ein Geschenk des damaligen Nuntius Ranuccio Scotti, welcher ein Werk nach römischem Abbild in dieser Kirche haben wollte. Dieser Altar wurde aus schwarzem Nidwaldner Marmor geschaffen. Das Altarbild, geschaffen von Giovanni Lanfranco (1582–1647), zeigt Jesus im Ölberg und einen Engel, der ihm den Kelch entgegenhält.
Chorgitter: Diese Chorschranke wurde vom Konstanzer Kunstschlosser Johann Reiffel von 1641 bis 1643 geschaffen. Sie ist ein frühes Beispiel für eine illusionistisch-perspektivische Gestaltung solcher Schmiedearbeiten.
Maria-End-Altar: Dieser Altar befindet sich im nördlichen Seitenschiff und konnte beim Brand von 1633 gerettet werden. Dieser Seitenaltar zeigt, wie die sterbende Maria im Bette sitzend von den Aposteln umgeben wird. Diese feiern die Sterbeliturgie, wie es damals, als dieser Altar im 16. Jahrhundert geschaffen wurde, üblich war. Die Apostel sind mit Weihwasserkessel, Kerzen und Kreuz abgebildet.
Seelaltar: Dieser Seitenaltar zeigt die Kreuzabnahme Jesu. Das Altarrelief entstand um 1640 und Niklaus Geisler hatte die Aufgabe, die Pietà, welche beim Brand von 1633 gerettet wurde, in dieses Bild zu integrieren. Der Seelaltar zeigt Maria, die Mutter Jesu wie sie von Johannes (rechts), eine klagende Maria (links), Joseph von Arimathäa und Nikodemus (beide mit Turban) und Maria Magdalena mit dem Salböl.
Chorgestühl: Ein Werk der Holzschnitzkunst ist das Chorgestühl der Hofkirche. Niklaus Geisler und seine Gehilfen haben daran von 1639 bis 1641 gearbeitet. Oberhalb von den Chorstühlen wird die Szene der Verkündigung dargestellt mit dem Erzengel Gabriel (auf der Südseite) und Maria (auf der Nordseite). Heute beten in den Chorstühlen die Chorherren des Kollegiat-Stifts St. Leodegar täglich die Laudes und Vesper.
Bestuhlung: Die alte Bestuhlung stammt aus den Jahren 1637–1640 und ist eine der ältesten planmässig angelegten Kirchenbestuhlungen der Schweiz. Die Ornamente in diesen Bänken nehmen die Formen der Kanzel auf. Auf der südlichen Seite (der sogenannten Männerseite) sind die ehemaligen Ratsherrenplätze aus dem Ancien Régime zu sehen, mit welchen geräumige Einzelplätze geschaffen wurden.
Neuer Altarbezirk: 2001 wurde der neue Altarbezirk entworfen mit dem roten Podest (roter Anhydrit) und der würfelförmige Zelebrationsaltar aus schwarzem Basalt. Den dazu ausgeschriebenen Künstlerwettbewerb hatte Kurt Sigrist aus Sarnen gewonnen.
Schatzkammer und Luzerner Stiftsschatz mini|Schatzkammer Luzerner Stiftsschatz mini|Vortragekreuz 12.–15. Jhrd., sog. Eschenbachkreuz Parallel zur Sakristei vorne auf der Südseite der Kirche, befindet sich nordseitig ein gleichermassen eingewölbter Raum mit zwei Toskanischen Säulen in der Mitte. Dieser wurde 1930 bis 1933 zu einer eigentlichen Schatzkammer mit massiver Tresoranlage für den Luzerner Stiftsschatz umgestaltet. Schweizweit einzigartig hat der Luzerner Maler Alfred Schmidiger (1892–1977) diese vollständig im Art-déco-Stil ausgemalt.Urs-Beat Frei: Ein verborgenes Juwel: Die Schatzkammer in der Luzerner Hofkirche. In: Jahrbuch Architektur 17/18. Hochschule Luzern Technik und Architektur, Luzern 2018, o. S.
Der Luzerner Stiftsschatz gehört zu den ältesten und bedeutendsten sakralen Schätzen der Schweiz.Bernhard Fleischlin, Franz Alfred Herzog: Die Hofkirche zu Luzern. Luzern 1944, S. 110. Seine Anfänge gehen zurück ins Mittelalter, das prächtige, grosse Vortragekreuz und ein silberner Messbucheinband – beides Stiftungen des Propsts Ulrich von Eschenbach – datieren aus dem 12./15. Jahrhundert. Ein meisterliches Zeugnis mittelalterlicher Goldschmiedekunst ist ebenfalls ein Kelch aus der Burgunderbeute der Eidgenossen, erobert in der Schlacht bei Murten 1476. Der Grossteil der Schatzobjekte stammt allerdings aus dem 17. und 18. Jahrhundert, das heisst aus der Zeit nach dem Neubau der Stiftskirche St. Leodegar im Hof, bedingt durch den Brand von 1633. Neben zahlreichen barocken Kelchen, aufwändig gearbeiteten Reliquiaren und seidenbestickten Liturgischen Gewändern sind hier unter anderem fünf, fast lebensgrosse, silberne Reliquienbüsten zu nennen (Muttergottes, Johann Georg Krauer d. Ä., Luzern 1658; hl. Josef, Franz Ludwig Hartnamm, Luzern 1685; hl. Franz Xaver, Joseph Gassmann, Luzern 1747; hl. Leodegar und hl. Nepomuk, beide Joseph Ignaz Saller, Augsburg 1754/55Dora F. Rittmeyer: Vom Kirchenschatz der Kirche St. Leodegar im Hof zu Luzern. In: Geschichte der Luzerner Silber- und Goldschmiedekunst von den Anfängen bis zur Gegenwart. Luzern 1941, S. 57–62.). Ikonografisch bemerkenswert ist eine kniende Silberfigur des hl. Niklaus von Flüe des Zuger Goldschmieds Fidel Brandenberg von 1772,Georges Klausner: Drei Zuger Bruder-Klausen Bildnisse. In: Zuger Neujahrsblatt, Zug 1950, S. 45–52. die 1798 vor dem Einschmelzen (für Reparationen an Frankreich) gerettet werden konnte. Von grösster Seltenheit ist ein Hinterglasgemälde von Anna Maria Barbara Abesch von 1741 mit dem Motiv «Gottes Ratschluss zur Menschwerdung», wobei die Trinität als drei Personen und der Heilige Geist als Frau dargestellt ist.Doris Strahm: Eine Dreifaltigkeit der etwas anderen Art. In: Der Sonntag, Nr. 35/2018, S. 12.
Der Luzerner Stiftsschatz ist Mitglied des Verbands der Museen der Schweiz. Er kann nur geführt besichtigt werden.
Orgeln In der Hofkirche gibt es drei grössere Orgeln.
Grosse Hoforgel mini|Prospekt mit Rückpositiv der Grossen Hoforgel