Monica Seles (, ; * 2. Dezember 1973 in Novi Sad, Jugoslawien) ist eine ehemalige jugoslawische und US-amerikanische Tennisspielerin. Sie besitzt seit 2007 auch die ungarische Staatsangehörigkeit. Seles, deren Karriere 1993 durch ein Attentat in Hamburg überschattet wurde, gewann 53 Turniere im Einzel, darunter neun Grand Slams, und sechs Turniere im Doppel. Sie zählt zu den besten und erfolgreichsten Tennisspielerinnen aller Zeiten.
Spielweise Die 1,78 Meter große Linkshänderin benutzte sowohl ihre Vorhand als auch ihre Rückhand beidhändig. Noch ungewöhnlicher ist, dass sie nicht umgriff, wenn sie die Seiten wechselte. Angesichts ihrer beidseitig beidhändigen Spielweise war es Seles möglich, extreme Winkel zu spielen, womit das gegnerische Spielfeld weit geöffnet wird. Die beidhändige Spielweise sorgte auch für eine stark verdeckte Schlagausführung, sodass die Antizipation der Schläge schwerfiel. Nach ihr hatte mit einer beidhändigen Spielweise nur noch Marion Bartoli bei ihrem Sieg an Wimbledon 2013 einen vergleichbaren Erfolg. Eines ihrer Markenzeichen waren ihre kräftigen Lautäußerungen bei harten Schlägen. Dieses Charakteristikum hatte wiederholt für Kontroversen mit Kontrahentinnen (unter anderem Nathalie Tauziat, Martina Navratilova und Katerina Maleewa) gesorgt, die sie aufforderten, dies während des Wettkampfs zu unterlassen. Dazu war sie die erste Tennisspielerin, welche konstant Gewinnschläge von der Grundlinie durchbrachte.
Karriere Aufstieg Seles’ Familie gehört der ungarischen Minderheit in der serbischen Provinz Vojvodina an. Mit sechs Jahren begann sie, angeleitet von ihrem Vater Károly, mit dem Tennissport. Das erste Turnier gewann sie mit neun Jahren. Aus dieser Zeit ist von ihr selbst die Anekdote überliefert, dass sie, die noch nicht in der Lage war, bei Wettkampfspielen den Spielstand selbst zu erfassen, von Zeit zu Zeit ihrem Vater zugerufen habe: „Gewinne ich?“
1985, mit elf Jahren, gewann Seles die Orange Bowl in Miami, eines der weltweit bedeutendsten Nachwuchsturniere. Dabei weckte das beidhändig spielende Mädchen das Interesse des US-amerikanischen Tenniscoachs Nick Bollettieri. 1986 zog Familie Seles in die Vereinigten Staaten, wo Monica für zwei Jahre unter Bollettieri an seiner Akademie ihr Spiel weiter verbesserte. Bollettieri war von ihrer ungewöhnlichen Spielweise von Anfang an überzeugt. So ließ er eigens für sie einen von hohen Wänden umgebenen Platz errichten, um so ungestört, geschützt vor neugierigen Blicken der potenziellen Konkurrenz, Seles’ Powerspiel zu entwickeln.
Wie gut diese Taktik aufging, erwies sich bereits zwei Jahre später, als Seles im Alter von 15 Jahren Profispielerin wurde. Im Mai desselben Jahres gewann sie in Houston ihren ersten großen Titel, als sie im Finale die Weltranglistendritte Chris Evert schlug. Für viele gilt Seles als die eigentliche Begründerin des modernen Power-Tennis.
Einen Monat später erreichte sie bei ihrem ersten Grand-Slam-Turnier gleich das Halbfinale der French Open; hier traf sie auf die Weltranglistenerste Steffi Graf. Seles beendete ihr erstes Profijahr auf dem sechsten Platz in der Weltrangliste.
1990: Durchbruch Das Jahr 1990 brachte für Seles den endgültigen Durchbruch. Bereits im Mai bezwang sie bei den German Open in Berlin erstmals Steffi Graf. Diese dominierte seit Jahren das Welttennis wie kaum eine andere Spielerin zuvor und war in 66 aufeinander folgenden Partien unbesiegt. Zwei Wochen später gelang Seles die Wiederholung des Triumphs. Bei den French Open besiegte sie in einem umkämpften Finale erneut die Weltranglistenerste, die im Tiebreak des ersten Satzes vier Satzbälle nicht hatte verwerten können. Seles gewann in zwei Sätzen. Mit 16 Jahren und 6 Monaten ist sie bis heute die jüngste French-Open-Siegerin aller Zeiten.
1991–1993: Weltranglistenerste und Dominanz mini|Monica Seles 1991 Das Jahr 1991 war das erste von zwei Jahren, in denen Seles das Welttennis dominierte. Sie begann im Januar mit dem Gewinn der Australian Open, wo sie bei ihrer ersten Teilnahme im Finale Jana Novotná schlug. Im März gelang es ihr, Steffi Graf als Weltranglistenerste zu entthronen. Im Juni verteidigte sie ihren French-Open-Titel gegen Arantxa Sánchez Vicario, die Siegerin von 1989. Während der Wimbledon Championships nahm sich Seles überraschend eine sechswöchige Auszeit. Im September erreichte sie dann das Finale der US Open, in dem sie Martina Navratilova besiegte.
Auch das Jahr 1992 verlief ähnlich erfolgreich: Seles konnte ihre drei Grand-Slam-Titel verteidigen. Einen Höhepunkt bildete das Endspiel in Roland Garros, wo sie erneut der wieder erstarkten Graf gegenüberstand und diese in einem legendären Match mit 10:8 im dritten Satz niederrang. Seles erreichte auch erstmals das Wimbledon-Finale, unterlag auf Rasen aber deutlich ihrer Vorgängerin; Graf siegte mit 6:2 und 6:1.
Zwischen Januar 1991 bis Februar 1993 gewann Seles 22 Turniere und erreichte 33 Mal das Finale – bei insgesamt 34 gespielten Turnieren. Sie kam dabei auf die Bilanz von 159 Siegen bei 12 Niederlagen (92,9 %). Bei Grand-Slam-Turnieren stand ihre Quote bei 55 Siegen und einer Niederlage. Innerhalb der ersten vier Jahre auf der Tour (1989–1992) erreichte sie bei 30 Turniersiegen eine Siegquote von 231:25 Spielen (90,2 %). Nur Chris Evert kann mit 91,4 % und 34 Turniersiegen zwischen 1971 und 1974 auf einen besseren Karrierestart zurückblicken.
Seles ging als stärkste Spielerin in das Jahr 1993. Im Januar startete sie erneut mit einem Titelgewinn bei den Australian Open. Sie schlug Graf in drei Sätzen und verbuchte in Down Under ihren dritten Titel in Folge.
Sportliche Rivalität bis 1993 mit Steffi Graf Die ständige Rivalität zwischen Steffi Graf und Monica Seles zwischen 1989 und 1993 gehört zu den großen Kapiteln des Tennissports. Die meist hart umkämpften Duelle der beiden in ihrer Persönlichkeit und ihrem Spielsystem so unterschiedlichen Athletinnen markierten Höhepunkte in beiden Karrieren und führten das Damentennis auf ein neues Niveau.
In ihren Auseinandersetzungen trafen nicht nur sehr unterschiedliche Persönlichkeiten aufeinander: Hier die introvertierte stille Graf, die den Medienrummel scheute und sich anfangs jedes Lächeln verkniff, dort die extrovertierte Seles, die ihre Gegnerinnen zur Begrüßung als 15-Jährige mit Rosensträußen beehrte, um sie dann vom Platz zu fegen. Auch die so unterschiedlichen Spielsysteme nährten die große Rivalität: Hier die schnörkellos spielende, schnelle Graf mit ihrer gewaltigen Vorhand und der den Ball tief eingrabenden unterschnittenen Rückhand, dort Monica Seles, die extrem stöhnend jeden Ball mit maximaler Härte spielte und die Gegnerinnen mit raffiniertem Winkelspiel aus dem Platz zwang.
Bis zum Erscheinen der jungen Monica Seles hatte Graf das Welttennis beherrscht und als nahezu unbesiegbar gegolten. Dies hatte sich 1990 im zweiten Jahr von Seles auf der Tour geändert, in der Graf erstmals unterlag und in den Duellen sieglos blieb. 1991, als es bei Graf insgesamt kriselte und sie für ihre Verhältnisse auch ungewöhnlich oft gegen andere Spielerinnen verlor, hatte Seles die Führung in der Weltrangliste übernommen und drei der vier Grand-Slam-Turniere gewonnen, wobei sich beide in keinem einzigen dieser Endspiele gegenüberstanden. Graf hatte Seles in den einzigen beiden Aufeinandertreffen des Jahres bei zwei kleineren Turnieren besiegt, jedoch – mit Ausnahme des Sieges in Wimbledon – kein anderes Major-Endspiel erreicht. Auch 1992 gewann Seles drei Grand-Slam-Titel. Beide standen sich im Verlaufe des Jahres zweimal gegenüber: bei den French Open siegte Seles über Graf mit 10:8 im dritten Satz, in Wimbledon gewann die Deutsche. Seles revanchierte sich Anfang 1993 mit einem Dreisatzsieg bei den Australian Open.
Im April 1993 wies die Gesamtbilanz sechs Siege für Graf und vier für Seles aus, wobei Seles sechs der letzten acht Grand-Slam-Turniere gewonnen hatte. Anfang 1993 deutete sich eine langjährige sportliche Rivalität an, die in ihrer Brisanz und Spannung ein Versprechen für die Zukunft zu sein schien; ein Kampf um die Vormachtstellung im Damentennis, der eine ähnliche Qualität versprach, wie man sie früher im Zweikampf zwischen Chris Evert und Martina Navratilova erlebt hatte.
Doch die hoch gespannten Erwartungen fanden im April des Jahres 1993 ein unvorhergesehenes, jähes Ende, über das die frühere Weltklassespielerin Pam Shriver sagte: „Man hat uns um das Duell einer Generation betrogen.“
1993–1995: Attentat und Rückzug von der Tour Das Jahr 1993 hatte für Monica Seles mit der erfolgreichen Titelverteidigung bei den Australian Open begonnen. Ein Turniersieg in Chicago gegen Martina Navratilova folgte. Doch es war etwas später Altmeisterin Navratilova, die Seles’ 34 Siege umfassende Serie im Finale der Paris Indoor Championships beendete. Eine hartnäckige Virusinfektion zwang die Weltranglistenerste im Anschluss zum Verzicht auf die Turniere von Indian Wells, Miami, Hilton Head und Barcelona.
Ihre erfolgreiche Rückkehr auf die Tour feierte sie beim Tennisturnier in Hamburg. Am 30. April 1993 wurde Monica Seles während ihrer Viertelfinalbegegnung gegen Magdalena Maleewa von dem psychisch gestörten Günter Parche, einem damals 38-jährigen deutschen Fan ihrer stärksten Kontrahentin Steffi Graf, beim Seitenwechsel mit einem Messer in den Rücken gestochen.Ursula März: Das ist kein Spiel. In: Zeit Verbrechen 5/2020, online (Bezahlschranke)ZDF-History: Steffi Graf – Ein deutscher Weltstar. Dokumentarfilm, 2019, 43 Min. Regie: Oliver Halmburger. Produktion: Frauke Wolf und Verena Späth. Eine Produktion von Loopfilm GmbH, München + ZDF Seles bestritt nach dem Attentat zwei Jahre lang keine Profispiele mehr. Wenige Wochen später übernahm Graf wieder die Führung in der Weltrangliste.
Nachrichten über eine mögliche Rückkehr von Seles tauchten immer wieder auf. Zwar waren die physischen Verletzungen des Messerattentats schon bald verheilt, doch anders verhielt es sich mit der Psyche: Seles litt unter einer posttraumatischen Belastungsstörung und in der Folge unter depressiven Verstimmungen. Comeback-Ankündigungen folgten immer wieder Absagen. Am 17. Mai 1994 wurde Seles US-Bürgerin.
1995: Das Comeback 1995 verdichteten sich die Anzeichen für das Comeback. Seles war zu Gast bei den French Open, präsentierte sich als Zuschauerin der Spiele erstmals wieder der Öffentlichkeit und deutete eine mögliche Rückkehr auf die Tour an.
Den ersten Schritt auf dem Weg zum Comeback als Profispielerin machte sie am 29. Juli 1995 in Atlantic City mit einem Schaukampf gegen Navratilova. Um Seles einen fairen Wiedereinstieg ins Profigeschehen zu ermöglichen, hatte die WTA ihre Regularien geändert. Mit Zustimmung der Weltranglistenersten Steffi Graf wurde die Neu-US-Amerikanerin für die ersten sechs gespielten Turniere als Co-Nummer 1 im Ranking geführt. Sinn der Regelung war es, dass Seles ohne Druck Ranglistenpunkte sammeln konnte, aus denen sich ihre tatsächliche Weltranglistenposition dann ergeben sollte.
Im August feierte Seles ein furioses Comeback bei den Canadian Open in Toronto. Sie gab im Turnierverlauf keinen Satz und nur 14 Spiele ab und bezwang unter anderem Gabriela Sabatini mit 6:1 und 6:0. Auch bei den darauf folgenden US Open setzte sich ihr Siegeszug zunächst fort. Sie besiegte Anke Huber, Jana Novotná und Conchita Martínez und zog in das mit Spannung erwartete Finale gegen Steffi Graf ein. Seles unterlag in einem hochklassigen und von starken Emotionen geprägten engen Match mit 6:7 (6:8), 6:0 und 3:6.
Im Anschluss stoppten Verletzungsprobleme die Fortsetzung von Seles’ bemerkenswerter Rückkehr. Aufgrund von Überanstrengungserscheinungen im linken Knie und Fuß war sie gezwungen, auf die geplanten Starts in Oakland und bei den WTA Championships zu verzichten.
1996–1998: Neunter Grand-Slam-Titel, Verletzungspausen, Tod des Vaters