Weiltingen (fränkisch: Wailting) ist ein Markt im Landkreis Ansbach (Mittelfranken, Bayern) und zählt zur Metropolregion Nürnberg. Die Gemeinde ist Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Wilburgstetten.

Geographie Geographische Lage Weiltingen liegt an der Wörnitz in der Nähe von Dinkelsbühl unweit des Hesselbergs. Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Wittelshofen, Gerolfingen, Wassertrüdingen, Fremdingen und Wilburgstetten.

Gemeindegliederung Es gibt neun Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Frankenhofen, Veitsweiler, Weiltingen und Wörnitzhofen. Die Gemarkung Weiltingen hat eine Fläche von 8,498 km² und ist in 1178 Flurstücke aufgeteilt.

Geschichte Bis zur Gemeindegründung mini|Weiltingen von Norden mini|Bereich des ehemaligen Schlosses mini|Blick vom Hesselberg auf Weiltingen mini|Blick auf Weiltingen vom Römerpark aus Der Ort wurde in einer Urkunde, die im Zeitraum von 1096 bis 1133 entstand, als „Wilitingen“ erstmals erwähnt. Dem Ortsnamen liegt ein Personenname zugrunde, möglicherweise der weibliche Personenname Wīhilt, der durch das Zugehörigkeitssuffix -ingen abgeleitet wurde. Der Ortsname würde also Bei den Leuten der Wīhilt bedeuten.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen, S. 237.

In der Nähe der Stadt Dinkelsbühl liegt der Markt Weiltingen, einstmals Sitz einer Nebenlinie des Hauses Württemberg. Neben Weiltingen selbst gehörten zur Herrschaft die Weiler Veitsweiler und Wolfsbühl sowie ein Teil der Dörfer Frankenhofen und Greiselbach. Aus einer Reichsministerialenfamilie stammte ein Lupold, erwähnt ab 1285 und gestorben nach dem 4. August 1323 in Heilsbronn bei Ansbach, der sich von Weiltingen nannte. Sein Vater trug den gleichen Vornamen und übte das Amt eines Reichsküchenmeisters aus. Im 17. Jahrhundert war die Herrschaft an die Herren von Knöringen als Lehen ausgegeben. Als diese Familie 1616 im Mannesstamm erlosch, fiel das Lehen an Herzog Johann Friedrich von Württemberg heim. Mit seinen Brüdern schloss der regierende Herzog 1617 den „Fürstbrüderlichen Vergleich“, in dem die Unteilbarkeit des Herzogtums Württemberg festgeschrieben wurde. Gleichzeitig erhielt der jüngere Bruder Julius Friedrich (1588–1635) die Herrschaft Weiltingen und den Marktflecken Brenz als Apanage.Harald Schukraft: Die Seitenlinie Weiltingen (1617-1705) In: Sönke Lorenz, Dieter Mertens, Volker Press: Das Haus Württemberg. Ein biographisches Lexikon, Kohlhammer, Stuttgart, 1997, S. 188 In Weiltingen begründete er eine Linie des Hauses Württemberg, in der jedoch zahlreiche Söhne unverheiratet blieben.Harald Schukraft: Die Seitenlinie Weiltingen (1617-1705) In: Sönke Lorenz, Dieter Mertens, Volker Press: Das Haus Württemberg. Ein biographisches Lexikon, Kohlhammer, Stuttgart, 1997, S. 189. Der Sohn Julius Friedrichs, Herzog Silvius Nimrod von Württemberg-Weiltingen (1622–1664), begründete seinerseits die Linie Württemberg-Oels.Harald Schukraft: Die Seitenlinie Weiltingen (1617-1705) In: Sönke Lorenz, Dieter Mertens, Volker Press: Das Haus Württemberg. Ein biographisches Lexikon, Kohlhammer, Stuttgart, 1997, S. 201Harald Schukraft: Die Seitenlinie Weiltingen (1617-1705) In: Sönke Lorenz, Dieter Mertens, Volker Press: Das Haus Württemberg. Ein biographisches Lexikon, Kohlhammer, Stuttgart, 1997, S. 205 f.

mini|Gruftplatte der württembergischen Seitenlinie Württemberg-Weiltingen an der Pfarrkirche St. Peter in Weiltingen

Drei Generationen lang regierten die Herzöge von Württemberg in Weiltingen. Besondere Erwähnung verdient die von 1662 bis 1679 dauernde Regentschaft von Herzogin Juliana, die als fürsorgliche und wohltätige Landesmutter ihrer kleinen Herrschaften in Weiltingen und Brenz in Erinnerung blieb. Julianas Sohn Herzog Friedrich Ferdinand (1654–1705) starb jedoch ohne einen überlebenden Sohn, worauf die Linie Württemberg-Weiltingen im Mannesstamm erlosch. Daraufhin fiel die Herrschaft Weiltingen wieder an die Hauptlinie zurückHarald Schukraft: Die Seitenlinie Weiltingen (1617-1705) In: Sönke Lorenz, Dieter Mertens, Volker Press: Das Haus Württemberg. Ein biographisches Lexikon, Kohlhammer, Stuttgart, 1997, S. 190 und wurde von der Kammerschreiberei in Stuttgart als Verwaltungsbehörde des herzoglichen Privatvermögens verwaltet. Die Linie Württemberg-Oels, die aus der Linie Württemberg-Weiltingen hervorgegangen war, erhob in der Folge ebenfalls Anspruch auf die Herrschaft Weiltingen und die mit ihr verbundenen Ländereien. Die Hauptlinie konnte sich jedoch durchsetzen. Der zu dieser Zeit regierende Herzog Eberhard Ludwig gab Weiltingen an seine Mätresse Wilhelmine von Grävenitz. Sie erhielt auch die zu Weiltingen gehörenden Besitzungen Oggenhausen und Brenz an der Brenz. 1729 wurde Weiltingen an die Landschaft verpfändet, die sich im Gegenzug verpflichtete, Herzog Eberhard Ludwig 72000 Gulden zu bezahlen sowie 330000 Gulden seiner Schulden zu übernehmen. Der jüngere Bruder Herzog Carl Eugens, Ludwig Eugen, der Carl Eugen als Herzog nachfolgte, lebte von 1778 bis 1792 im Weiltinger Schloss.Harald Schukraft: Die Seitenlinie Weiltingen (1617-1705) In: Sönke Lorenz, Dieter Mertens, Volker Press: Das Haus Württemberg. Ein biographisches Lexikon, Kohlhammer, Stuttgart, 1997, S. 190

Folgende Mitglieder des Hauses Württemberg fanden in der Gruft der Peterskirche in Weiltingen ihre letzte Ruhe: Roderich von Württemberg-WeiltingenHarald Schukraft: Die Seitenlinie Weiltingen (1617-1705) In: Sönke Lorenz, Dieter Mertens, Volker Press: Das Haus Württemberg. Ein biographisches Lexikon, Kohlhammer, Stuttgart, 1997, S. 193 Faustina Marianna von Württemberg-WeiltingenHarald Schukraft: Die Seitenlinie Weiltingen (1617-1705) In: Sönke Lorenz, Dieter Mertens, Volker Press: Das Haus Württemberg. Ein biographisches Lexikon, Kohlhammer, Stuttgart, 1997, S. 195 Juliane von Württemberg-WeiltingenHarald Schukraft: Die Seitenlinie Weiltingen (1617-1705) In: Sönke Lorenz, Dieter Mertens, Volker Press: Das Haus Württemberg. Ein biographisches Lexikon, Kohlhammer, Stuttgart, 1997, S. 197 Friedrich Ferdinand von Württemberg-WeiltingenHarald Schukraft: Die Seitenlinie Weiltingen (1617-1705) In: Sönke Lorenz, Dieter Mertens, Volker Press: Das Haus Württemberg. Ein biographisches Lexikon, Kohlhammer, Stuttgart, 1997, S. 198 August von Württemberg-WeiltingenHarald Schukraft: Die Seitenlinie Weiltingen (1617-1705) In: Sönke Lorenz, Dieter Mertens, Volker Press: Das Haus Württemberg. Ein biographisches Lexikon, Kohlhammer, Stuttgart, 1997, S. 199 Manfred II. von Württemberg-WeiltingenHarald Schukraft: Die Seitenlinie Weiltingen (1617-1705) In: Sönke Lorenz, Dieter Mertens, Volker Press: Das Haus Württemberg. Ein biographisches Lexikon, Kohlhammer, Stuttgart, 1997, S. 199

Im September 2012 wurde die Gruft geschändet, sterbliche Überreste wurden nicht entwendet.https://www.bild.de/regional/muenchen/gruft-von-nebenlinie-der-wuerttemberger-herzoege-26013558.bild.html (abgerufen am 18. März 2026; 13:08)

Die Fraisch über Weiltingen war umstritten. Sie wurde sowohl vom ansbachischen Oberamt Wassertrüdingen als auch vom oettingen-spielbergischen Oberamt Aufkirchen als auch vom württembergischen Oberamt Weiltingen beansprucht. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft und die Grundherrschaft über alle Anwesen hatte das Oberamt Weiltingen. Insgesamt gab es 153 Anwesen: 1 Säg- und Lohmühle, 5 Wirtschaften, 1 Schafhof, 4 halbe Hofgüter, 8 Köblergüter, 1 halbes Köblergut, 2 Sölden mit Schmiedstätten, 91 Söldengüter, 38 halbe Söldengüter, 1 Zweidrittelsöldengut und 1 Drittelsöldengut. Außerdem gab es noch herrschaftliche Gebäude, eine Kirche, ein Pfarrhaus, eine Schule und ein Gemeindehirtenhaus.Teresa Neumeyer: Dinkelsbühl: der ehemalige Landkreis, S. 472 f. (= J. K. Bundschuh, Bd. 6, Sp. 128). Hiernach gab es 120 Untertansfamilien.

Nach der Umgestaltung der Kammerschreiberei zur Hof- und Domänenkammer richtete König Friedrich von Württemberg 1807 in Weiltingen eine „Hof- und Domänenkammerverwaltung“ ein und besetzte sie mit dem Beamten Friedrich August Christlieb. Im Pariser Vertrag vom 18. Mai 1810 und dem Grenzvertrag zwischen Bayern und Württemberg trat der König jedoch die Herrschaft an das Königreich Bayern ab und erhielt dafür die ehemalige Deutschordensherrschaft Altshausen. Damit hörte die Hof- und Domänenkammerverwaltung Weiltingen auf zu bestehen. Das Schloss wurde bis 1814 vollständig abgetragen.Harald Schukraft: Die Seitenlinie Weiltingen (1617–1705). In: Sönke Lorenz, Dieter Mertens, Volker Press: Das Haus Württemberg. Ein biographisches Lexikon. Stuttgart, Berlin, Köln 1997, S. 190.

Mit dem Gemeindeedikt entstanden 1811 der Steuerdistrikt und die Ruralgemeinde Weiltingen.Teresa Neumeyer: Dinkelsbühl: der ehemalige Landkreis, S. 535. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Nördlingen (ab 1831 Landgericht Dinkelsbühl) zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Oettingen (ab 1832 Rentamt Dinkelsbühl, 1919 in Finanzamt Dinkelsbühl umbenannt, seit 1973 Zweigstelle des Finanzamtes Ansbach). Die Verwaltung übernahm 1862 das neu geschaffene Bezirksamt Dinkelsbühl (1939 in Landkreis Dinkelsbühl umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Dinkelsbühl (1879 in das Amtsgericht Dinkelsbühl umgewandelt, seit 1973 eine Zweigstelle des Amtsgerichtes Ansbach). Mit der Auflösung des Landkreises Dinkelsbühl im Jahr 1972 kam Weiltingen an den Landkreis Ansbach.Teresa Neumeyer: Dinkelsbühl: der ehemalige Landkreis, S. 583. Die Gemeinde Weiltingen hatte 1964 eine Fläche von 7,362 km².

Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde am 1. Januar 1971 die Gemeinde Wörnitzhofen eingegliedert. Am 1. Mai 1978 kamen die Gemeinden Frankenhofen und Veitsweiler sowie der Ort Bosacker der Gemeinde Schopflohe (Landkreis Donau-Ries) hinzu.

Einwohnerentwicklung Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 1266 auf 1392 um 126 Einwohner oder 10 %.

Gemeinde Weiltingen Jahr 1979 1987 1991 1995 2000 2005 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019Einwohner 1283 1289 1285 1317 1406 1377 1385 1383 1359 1371 1358 1343 1381 1369 1392 1383Wohngebäude 356 417 418 420 423 426 428 430 433 437Quelle

Ort Weiltingen (Gemeinde Weiltingen bis zur Gebietsreform) Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970 1987 2006 2016Einwohner 726 797 809 770 784 768 767 780 805 805 755 772 768 766 741 720 715 709 704 1044 980 917 739 752 717 868 905HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Im Jahre 1818 wurden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser und 1871 bis 1987 als Wohngebäude. 145 156 148 157 162 164 162 160 173 218 Quelle

Politik Marktgemeinderat Der Marktgemeinderat hat 13 Mitglieder einschließlich des Ersten Bürgermeisters. Bei den Kommunalwahlen am 2014 und 2020 enthielt der Wahlvorschlag lediglich je eine Liste der Freien Wählergemeinschaft Markt Weiltingen. Bei den Kommunalwahlen 2026 gab es erstmals wieder 3 Wahlvorschläge. WahljahrBündnis Zukunft Gemeindeblock FWG Markt Weiltingen FWG Frankenhofen Gesamt 2002 6 6 1 13 Sitze 2008 5 8 0 13 Sitze 2014 13 13 Sitze20201313 Sitze20265 (incl. BGM)5313 Sitze

Bürgermeister Christoph Schmidt wurde am 29. Mai 2016 mit 91,65 % der Stimmen zum Ersten Bürgermeister gewählt und 2020 wieder gewählt. Zur Kommunalwahl am 8. März 2026 trat Schmidt nicht mehr an. Bei der Wahl wurde der vom Bündnis Zukunft als einziger Kandidat nominierte Dinkelsbühler Stefan Carmanns mit 80,88 % der Stimmen zum neuen Bürgermeister gewählt.

Wappen und Flagge Wappen

Flagge Die Gemeindeflagge ist rot-weiß-grün.

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