Die Kornelkirsche (Cornus mas), auch Gelber Hartriegel, Herlitze, Dürlitze, Hirlnuss, in Österreich auch Dirndl, Dirndling, Dirndlstrauch oder Dirndlstaude, in der Deutschschweiz Tierlibaum genannt, ist eine Pflanzenart und gehört zur Gattung der Hartriegel (Cornus) innerhalb der Familie der Hartriegelgewächse (Cornaceae). Es handelt sich, entgegen der deutschen Bezeichnung, nicht um eine Kirschart.

Die Kornelkirsche wird zu den vernachlässigten und untergenutzten Nutzpflanzenarten (Neglected and Underutilized Crop Species, NUS) gezählt. Außerdem gilt sie als ökologisch wertvoller Zierstrauch, zeigt mit ihrer sehr frühen, gelben Blüte phänologisch den Vorfrühling an und eignet sich damit als Alternative zu den etwas später blühenden Forsythien.

Beschreibung mini|hochkant|Laubblatt mini|hochkant|Blühende Zweige mini|hochkant|Pomponartige Blütenstände mini|hochkant|Fruchtstand mini|hochkant|Mehrstämmiges Geäst Vegetative Merkmale Die laubabwerfende Kornelkirsche ist ein in Südeuropa und Teilen von Mitteleuropa weit verbreiteter Großstrauch oder Baum, der auch in Deutschland – meist angepflanzt – häufig anzutreffen ist. Die Wuchshöhe beträgt im Alter von 25 Jahren gut 4 m, mit 50 Jahren erreicht sie manchmal bis über 8 m. Die Stämme werden 40 cm bis selten über 60 cm dick.Kür des Rekordbaumes / Championtrees des Jahres 2018 bei DDG. Die anfangs gelbgraue Rinde bildet später eine in dünnen, verbogenen Schuppen abstehende und abblätternde Borke. Die Wurzeln dringen tief in den Boden ein, bilden aber auch oberflächlich ein intensives Wurzelsystem, das allerdings durch Überschwemmung, Bodenverdichtung oder Salz leicht geschädigt wird. Die jungen Triebe sind grünlich behaart, später kahl.

Die gegenständigen und kurz gestielten, leicht ledrigen Laubblätter sind eiförmig bis elliptisch, seltener verkehrt-eiförmig, ganzrandig, spitz bis zugespitzt, 4–10 cm lang, oben glänzend, vor allem unterseits angedrückt behaart, mit 3 bis 5 Aderpaaren. Im Herbst färben sie sich gelb, manchmal auch orange, können aber in manchen Jahren bis zum Laubfall grün bleiben.BdB-Handbuch VIII: Wildgehölze. Verlag Grün ist Leben, 2000, S. 36.

Generative Merkmale Die kleinen Scheibenblüten sind goldgelb und stehen in kleinen, an der Basis mit vier gelb-grünen, bootförmigen, behaarten Hüllblättern versehenen, achselständigen, dichten, vielblütigen Dolden. Jede einzelne, zwittrige, vierzählige und gestielte Blüte mit doppelter Blütenhülle hat die charakteristischen vier zurückgelegten Kronblätter wie alle Hartriegelgewächse. Die Blütenstiele sind behaart. Der Kelch am behaarten, kleinen Blütenbecher ist nur minimal ausgebildet. Es sind vier kurze Staubblätter vorhanden. Es ist ein auffälliger Diskus vorhanden. Der zweikammerige Fruchtknoten ist unterständig mit kurzem Griffel und kleiner Narbe.

Die Blüten erscheinen von Februar bis April vor den Blättern am alten Holz, aktuelle phänologische Angaben sind im Pl@ntNet-Projekt zu finden. Die Blütenknospen werden schon im Herbst angelegt, deshalb gibt es zwei verschiedene Winterknospen: Die länglichen Blattknospen und die kugelig geformten zukünftigen Blütenstände. Die daraus entstehenden Steinfrüchte werden Kornelkirschen oder Kornellen genannt, im Österreichischen auch Dirndl. Sie sind glänzend rot, ellipsoid und bis etwa 2 cm lang und enthalten rotes, säuerliches Fruchtfleisch, das essbar ist. In jedem holzigen, ellipsoiden Steinkern befinden sich bis zu zwei Samen.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 18, seltener 27.

Botanische Einordnung Die Erstveröffentlichung der Kornelkirsche als Cornus mas erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, S. 117. Nach dem taxonomischen Konzept von Plants of the World Online (POWO) sind der Art heute (Stand April 2026) 36 heterotypische Synonyme zugeordnet, darunter diverse als botanische Formen und Varietäten beschriebene Selektionen (siehe z. B.), die nach heutigem Verständnis als Sorten anzusehen sind. Nach der POWO-Systematik ist die Kornelkirsche heute eine von 51 Arten der Gattung Hartriegel (Cornus).

Die Kornelkirsche hat sowohl der Ordnung der Cornales ihren Namen gegeben als auch der Familie der Cornaceae, Hartriegelgewächse. Innerhalb der Gattung der Hartriegel (Cornus) wird die Kornelkirsche in die Untergattung Cornus eingeordnet, zusammen mit den nächsten Verwandten in Ostasien, etwa der Asiatischen und Chinesischen Kornelkirsche. In der Systematik ergibt sich folgende Darstellung der Verwandtschaftsverhältnisse der Kornelkirschen:

Kornelkirschen sind botanisch mit Süß- und Sauerkirschen und den übrigen Gehölzen aus der Gattung Prunus nicht näher verwandt. Kornelkirschen und Kirschen gehören unterschiedlichen Ordnungen des Pflanzenreiches an: die Kornelkirsche den Cornales und der Familie der Hartriegelgewächse (Cornaceae), die Kirsche (botanisch: Prunus) den Rosales und dort der Familie der Rosengewächse (Rosaceae) wie die meisten Obstbäume und -sträucher. Nur im Deutschen, Englischen (cornelian cherry) und Schwedischen (körsbärskornell) hat man Cornus mas die Bezeichnung Kirsche gegeben. Die Kornelkirsche ist wie die Kirsche eine Steinfrucht und eine Scheinfrucht, weil die Frucht vom Blütenboden umhüllt ist, der zur Fruchtreife fleischig wird. Im Volksmund werden die Kornelkirschen scherzhaft auch Hahnenhoden genannt, vermutlich weil sie oft paarig herunterhängen, meist nur 2–3 g wiegen und zudem meist kleiner sind als echte Kirschen.

In Deutschland sind vor allem zwei Cornus-Arten verbreitet: die Kornelkirsche und der sehr häufige Rote Hartriegel (Cornus sanguinea). Dieser wurde früher botanisch auch als Cornus femina (= weiblicher Hartriegel) bezeichnet, vermutlich weil er verglichen mit der Kornelkirsche weicheres Holz hat. Anderer Meinung sind die Botaniker Dietmar Aichele und Hans-Werner Schwegler (Die Blütenpflanzen Mitteleuropas, 1994), die den weiblichen Gegenpart zur Kornelkirsche im Wolligen Schneeball (Viburnum lantana) sehen: Die besonders hartholzige Kornelkirsche (Cornus mas = männlicher Hartriegel) habe einstmals im Deutschen Cornelbaum Männlein geheißen, der im Holz weichere Schneeball Cornelbaum Weiblein (Cornus femina). Der Unterschied zwischen weiblich und männlich habe hier nicht direkt mit Geschlecht zu tun – die Geschlechtlichkeit von Pflanzen wurde erst Ende des 17. Jahrhunderts erkannt –, vielmehr sei das Gröbere früher häufig als männlich, das Feinere als weiblich bezeichnet worden.

Leicht zu verwechseln mit der Kornelkirsche sind weitere Arten der Gattung Cornus: Die in Ostasien heimischen Cornus officinalis und Cornus chinensis sehen ähnlich aus. Allerdings finden sich diese Arten in Europa vereinzelt in Botanischen Gärten, im Handel sind sie schwer erhältlich. In einigen nördlichen Bereichen Deutschlands wie in Ostfriesland gibt es noch eine weitere heimische Cornus-Art in Form einer etwa 20 cm hohen Staude, Cornus suecica, den Schwedischen Hartriegel, auch Schwedische Kornelle genannt.

Einen Zweig ohne Blüten oder Früchte kann man mit vielen weiteren Hartriegeln verwechseln, die die typisch geformten Blätter mit den zur Blattspitze gebogenen Adern zeigen. Beim Roten Hartriegel sind die Blattadern zweiter Ordnung ebenfalls deutlich sichtbar, während bei den Blättern der Kornelkirsche nur die Blattadern erster Ordnung hervortreten. Im Winter sind die kugeligen Blütenknospen, in denen schon die Blütenstände für das frühe Blühen im Frühjahr angelegt sind, ein gutes Unterscheidungsmerkmal.

Vorkommen sprache=de|mini|hochkant|Geographische Verbreitung der Kornelkirsche Die Kornelkirsche ist vorwiegend ein Gewächs aus den südlichen, wärmeren Ländern Europas. Verbreitet ist sie auch in der Türkei, in Armenien, Aserbaidschan, im Kaukasus und auf der Krim. Ihre Nordgrenze in Europa verläuft etwa auf einer Linie Südbelgien, Luxemburg, Mitteldeutschland (Jena), Galizien und Südrussland. Anscheinend ist sie in Italien, in den ungarischen Donau-Auen sowie in den niederösterreichischen Schwarzkieferbeständen besonders häufig anzutreffen.

In Deutschland findet man heute die Kornelkirsche überall, insbesondere in Gärten und Parks, wo sie vor allem wegen des gelben Blütenschmucks im Vorfrühling angepflanzt ist. Wie weit sie in Deutschland wild vorkommt und nicht nur verwildert ist, scheint noch immer umstritten. Die wild vorkommenden Bestände kommen im Wesentlichen im Süden und Westen Deutschlands vor, unter anderem im Saar- und Moselgebiet, bei Aachen, am Rhein bei Köln, am Main bei Frankfurt, an der Donau westlich von Regensburg, im Südharz, in Thüringen, insbesondere im Muschelkalk­gebiet, so im Tal der Saale bis nach Halle, im Ilmtal, wo ein Berg Herlitzenberg genannt wird, und bei Dresden. In Nordrhein-Westfalen steht die Kornelkirsche auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Danach kommt sie dort wild als sogenannte autochthone (also als nicht angepflanzte oder verwilderte) Pflanze überhaupt nur noch im Raum Eifel/Siebengebirge und in der Niederrheinischen Bucht vor.

Standortansprüche mini|hochkant|Wintereinbruch zur Kornelkirschblüte Der wärmeliebende Strauch wächst wild vor allem auf sonnigen, buschbestandenen Hängen, in lichten Wäldern, an Waldrändern und in Hecken, in Auwäldern außerhalb des Überschwemmungsbereiches, häufig auf kalkhaltigen Böden, wie sie in Landschaften aus Sedimentgesteinen von Keuper, Jura oder Kreide vorkommen. Er ist dabei nicht wählerisch und verträgt auch lichten Schatten. Vergesellschaftet ist er mit Hainbuche, Haselnuss, Efeu, Heckenkirsche, Salweide und Rosenarten. Kornelkirschgehölze vertragen Minusgrade bis ca. −34 °C (USDA-Klimazone 4).

Pflanzensoziologisch wird die Kornelkirsche als charakteristisch für die Ordnung Quercetalia pubescentis (Flaumeichenwälder) angesehen und kommt im Verband Berberidion (Wärmeliebende Liguster-Gebüsche) sowie Alno-Ulmion (Hartholz-Aue) vor.

Die Zeigerwerte nach Ellenberg weisen sie als subozeanische Halbschatten- bis Halblichtpflanze sowie als Wärmezeiger, Trocknis- bis Frischezeiger, Schwachbasen- bis Kalkzeiger und Nährstoffarmut- bis Mäßignährstoffzeiger aus. Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind für die Schweiz: Feuchtezahl F = 2+ (frisch), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 4+ (warm-kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).

Toxizität Die Menschen in den natürlichen Verbreitungsgebieten der Kornelkirsche haben hinsichtlich einer möglichen Giftigkeit für Mensch und Tier jahrhundertelange unbedenkliche Erfahrungen mit den Früchten und übrigen Pflanzenbestandteilen: Blätter und junge Triebe werden von Nutztieren und Wild nicht völlig verschmäht, sind aber auch nicht hochbegehrt. Vergiftungserscheinungen beim Verzehr durch Tiere sind nicht bekannt.

Die akute Toxizität von Kornelkirschfrüchten wurde in Tierversuchen und Studien am Menschen untersucht. Bei menschlichem Verzehr von 100 g frischer Kornellen pro Tag über einen Zeitraum von 6 Wochen wurden keinerlei Anzeichen von Toxizität beobachtet, ebenso wenig wie bei einer Verabreichung von aus Kornelkirschen isolierten Anthocyanen in Dosen von 600 mg/Tag an erwachsene Diabetespatienten über einen Zeitraum von 6 Wochen. Toxizitätsstudien haben gezeigt, dass der Verzehr von Kornelkirschen sicher ist und keine Nebenwirkungen hat. Es sind jedoch Studien zu hohen Dosen und zur Langzeittoxizität erforderlich, bevor Kornelkirschen als pflanzliches Arzneimittel angesehen werden können. Im Gegensatz zu Obstarten aus der Gattung Prunus (Kirschen, Pflaumen, Pfirsiche etc.) enthalten Kornelkirschsteine kein cyanogenes (blausäureabspaltendes) Amygdalin.

Ökologische Bedeutung