mini|Der Petersberg von Süden aus gesehen mini|Petersberg, Senkrechtaufnahme Der Petersberg, früher auch Stromberg genannt, ist ein hoher Gipfel des Siebengebirges im Rhein-Sieg-Kreis, Nordrhein-Westfalen. Er erhebt sich östlich des Rheins oberhalb und im Stadtgebiet von Königswinter. Am gegenüberliegenden Ufer befindet sich der Bonner Stadtbezirk Bad Godesberg.
Große Bedeutung für die jüngere deutsche Geschichte erlangte der Berg mit seinem 1892 erstmals eröffneten Hotel zwischen 1949 und 1952 als Sitz der Alliierten Hohen Kommission, die sich aus den höchsten Vertretern der westlichen Hauptsiegermächte in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg zusammensetzte. Von 1955 bis 1969 und nach einem umfassenden Umbau wieder ab 1990 diente das Grand Hotel auf dem Petersberg als Gästehaus der Bundesrepublik Deutschland. Nach der Verlegung des Regierungssitzes nach Berlin im Jahre 1999 blieb es im Besitz des Bundes und wurde für besondere Anlässe weiterhin als Gästehaus in unregelmäßigem Abstand Stätte nationaler und internationaler Konferenzen. So ist er Namensgeber etwa des Petersberger Abkommens oder des Petersberger Klimadialogs.
Geographische Lage Der Petersberg liegt am westlichen Rand des Siebengebirges und entstand bei dessen letzter vulkanischer Aktivität im Miozän. Er erhebt sich östlich des Rheins oberhalb und im Stadtgebiet von Königswinter sowie gegenüber dem linksseits und damit jenseits des Flusses gelegenen Bonner Stadtbezirk Bad Godesberg. Westlich befindet sich die Altstadt von Königswinter, west- und nordwestlich liegen die Königswinterer Stadtteile Nieder- und Oberdollendorf und nordöstlich liegt der Königswinterer Stadtteil Heisterbacherrott. Der Petersberg besitzt unter den Bergen des Siebengebirges mit 5,3 ha Ausdehnung die größte besiedelbare Flache.Hans-Eckart Joachim: Der Petersberg im Siebengebirge bei Königswinter (= Rheinische Kunststätten, Heft 366). Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, Köln 1991, ISBN 3-88094-693-0, S. 3.
Die östliche Nachbaranhöhe ist der hohe Nonnenstromberg. Südöstlich des Petersbergs liegt neben dem Wintermühlenhof das Stollensystem der Ofenkaulen, die beim Abbau von Trachyttuff entstanden. In diese Richtung fällt der Petersberg zum Kutzenberg ab, während er im Norden in den niedrigeren Falkenberg übergeht und im Nordwesten in dem nicht als eigenständige Anhöhe ausgewiesenen Kellerberg ausläuft. Der Rotbuchenwald ist auf Teilen des Petersbergs die dominierende Vegetation. Am nördlichen Oberdollendorfer Bergabhang findet sich Magergrünland. Der Petersberg ist Namensgeber für die Weinbau-Großlage Petersberg innerhalb des Weinbaubereichs Siebengebirge. Die Einzellagen befinden sich dabei geographisch nicht am Petersberg, die Einzellage Heisterberg jedoch an seinem nordwestlichen, Niederdollendorfer Bergabhang. (PDF; 152 kB), Deutsches Weininstitut GmbH Mainz, Stand 2011
Geschichte mini|Fundamente der mittelalterlichen Kirche Frühe Geschichte Archäologische Funde belegen, dass bereits 3500 v. Chr. Menschen auf dem Petersberg siedelten. Bei Bauarbeiten wurde 1936 auf der Spitze ein Ringwall freigelegt, der im ersten vorchristlichen Jahrhundert erbaut worden war. Diese Trockenmauer hatte eine Länge von über einem Kilometer und ihre ursprüngliche Breite betrug circa drei Meter und ihre Höhe vermutlich drei bis vier Meter. Die Anlage lag im Gebiet des Germanenstammes der Ubier die im ersten Jahrhundert vor Christus in dem Gebiet siedelten.
Mittelalter mini|Luftaufnahme der Fundamente (2015) mini|Kapelle In der ersten Hälfte des zwölften Jahrhunderts ließ sich der Ritter Walter als Eremit auf dem damals unbewohnten Berg nieder. Weitere Männer der Gemeinschaft der Augustiner-Chorherren schlossen sich ihm später an und errichteten um 1131 die Gebäude der Augustinereremitenklause. Bei Grabungen wurde 1980 das Fundament einer fünfschiffigen Kirchenanlage gefunden, die vermutlich in zwei Abschnitten ab 1136 errichtet wurde. Der erste Bauabschnitt war der zehn Meter breite und 27 Meter lange Kirchenkern. Diese Marienkirche und der ganze Standort wurden von den Augustinern 1176 wieder aufgegeben.
1189 wurden die verlassenen Gebäude von Zisterziensermönchen aus der Abtei Himmerod auf Anordnung des Kölner Erzbischofs Philipp I. von Heinsberg übernommen. Etwa drei Jahre später zogen die Zisterzienser in eine Siedlung am Fuße des Berges. Es entstand daraus die neue Abtei Heisterbach im Peterstal. Die Zisterzienser hatten die Kirche dem Heiligen Petrus geweiht und ergänzten sie um zwei lange Seitenschiffe und zwei kürzere Außenschiffe. Die Außenschiffe waren jeweils wieder eigene Kapellen, die Anlage hatte zwei viereckige Türme. Urkundlich wird sie 1312 als auf dem höchsten Punkt des Bergs befindliche Wallfahrtskirche erwähnt. Im 16. Jahrhundert erfolgte eine Instandsetzung. In Urkunden wird sie letztmals 1556 erwähnt und hat vermutlich bis in das 18. Jahrhundert bestanden.
mini|Kapelle um 1860
Die heute auf dem Petersberg vorhandene Kapelle St. Peter, ein barocker Saalbau, wurde um 1763 von dem Heisterbacher Abt Augustin Mengelberg errichtet und Ostern 1764 von seinem Nachfolger Hermann Kneusgen als Wallfahrtskirche geweiht. Die Inneneinrichtung stammt noch im Wesentlichen aus ihrer Entstehungszeit. Ihre Besonderheit war eine fahrbare Kanzel, die zur wartenden Menge gerollt werden konnte. Zwischen 1934 und 1936 wurde die Kapelle mit geändertem Dachreiter wiederhergestellt. Der Bund hat die Kapelle 1979 miterworben und auch die Verpflichtung, sie für den Gottesdienst zu erhalten. Von Mai bis September findet an jedem ersten Sonntag im Monat hier um 10 Uhr eine Messe statt.
mini|Innenansicht der Kapelle
Anfänglich unter dem Namen Stromberg bekannt (1142 erste urkundliche Benennung unter diesem Namen), kam der Berg durch die Peterskirche zu seinem heutigen Namen.
Die vier zum Gipfel führenden Bittwege brachten Wallfahrer vom Mittelalter an von Königswinter (Petersberger Bittweg), Ittenbach, Heisterbacherrott und Oberdollendorf und Niederdollendorf zur Wallfahrtsstätte des Heiligen Petrus. Urkunden kann entnommen werden, dass zumindest seit dem frühen 14. Jahrhundert Wallfahrten auf den Petersberg stattfanden. Der in Königswinter beginnende Bittweg wird von zwölf steinernen Kreuzen aus Trachyt und Latit markiert, die in der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg entstanden und gut erhalten sind. Das älteste Kreuz wurde 1638 von einem Stifter aus Vinxel errichtet. Bis zum Bau der Petersbergbahn (1889) und dem Bau eines Kutschweges (1890) waren die Bittwege die einzigen Wege zum Gipfel.
Entwicklungen ab dem 19. Jahrhundert mini|Hotel Nelles (um 1900) mini|Gruß vom Petersberg (1901) Im 19. Jahrhundert wurde an der Nord-, Ost- und Westseite des Petersbergs in drei Steinbrüchen Basalt abgebaut. Eine Luftseilbahn beförderte das im Norden des Bergs gewonnene Material nach Oberdollendorf. Die Basaltsteinbrüche sind seit 1889 stillgelegt.
1834 wurde die Domäne Petersberg an den Kölner Kaufmann Joseph Ludwig Mertens verkauft. Seine Gattin Sibylle Mertens-Schaaffhausen, eine Bankierstochter, die auch als Rheingräfin bekannt war, ließ dort für sich einen Sommersitz errichten. Berühmt wurde sie als Treffpunkt von Romantikern wie August Wilhelm Schlegel und Ernst Moritz Arndt. 1885 zählte der Wohnplatz Petersberg der Gemeinde Niederdollendorf ein Gebäude und vier Einwohner. Ende des 19. Jahrhunderts ließen die Kölner Brüder Paul und Joseph Nelles, die das Gelände nach dem Tod von Joseph Mertens erworben hatten, zusätzliche Bauten sowie einen Pavillon errichten. 1888/89 wurde mit einem Hotelbau im Stil der deutschen Renaissance begonnen, der im Wesentlichen bis Frühjahr 1891 fertiggestellt war. Aus dieser Zeit stammt im Kern auch die heutige Parkanlage. 1892 wurde das Hotel eröffnet, das mit Kaiserin Viktoria, der schwedischen Königin Sophie und dem serbischen König Aleksander alsbald auch vom europäischen Hochadel Besuch erhielt.
Zu dieser Zeit führte die bereits 1889 erbaute Petersbergbahn auf den Petersberg (1958 eingestellt und später abgerissen). Das Hotel hatte keinen wirtschaftlichen Erfolg und ging nach Zwangsversteigerungen am 28. November 1911 an Ferdinand Mülhens, den Inhaber der Kölner Firma 4711 und des am Fuß des Bergs gelegenen Wintermühlenhofs. Durch die Bemühungen des neuen Besitzers wurde der Berg berühmt. Er ließ das Hotel von Herbst 1912 bis Frühjahr 1914 durch den Architekten Heinrich Müller-Erkelenz in ein neobarockes Kurhotel umbauen und an der Südseite deutlich erweitern. Die Eröffnung fand am 27. Mai 1914 statt und führte zunächst zu einer beträchtlichen Steigerung des Fremdenverkehrsaufkommens und dem Beginn der Nutzung des Hotels als Tagungsort, bevor es in Folge des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs (August 1914) sechs Jahre lange geschlossen blieb. Während des Ersten und Zweiten Weltkrieges diente das Kurhotel als Lazarett.
Nach Kriegsende gehörte Niederdollendorf im Dezember 1918, damit auch teilweise das Petersbergplateau, kurzzeitig zum besetzten Gebiet im Rheinland. Mülhens musste den britischen Truppen 90 Betten zur Verfügung stellen.
1925/26 entstanden unter Abriss des betrieblich eigenständigen Bier- und Weinrestaurants die neuen, dem Hotel zugehörigen „Rheinterrassen Petersberg“. Im Mai 1927 wurde der durch Ludwig Paffendorf gestalteteWolfram Hagspiel: Köln. Marienburg. Bauten und Architekten eines Villenvororts. (= Stadtspuren, Denkmäler in Köln, Band 8.) 2 Bände, J. P. Bachem Verlag, Köln 1996, ISBN 3-7616-1147-1, Band 2, S. 908–910. Ausbau des bereits 1910 erstellten Auffahrtswegs zum Gipfel zu einer Autostraße fertiggestellt.Johann Paul: Autoverkehr und Straßenprojekte im Naturschutzgebiet Siebengebirge 1918 bis 1945. In: Rheinische Heimatpflege. 42. Jahrgang, März 2005. Im Mai 1936 folgte die Eröffnung von zwei neuen Rheinterrassen, 1937 schlossen sich größere Umbauten und Erweiterungen durch Wilhelm Koep an – seither waren Kurhotel und Restaurant über eine 280 Plätze umfassende Halle miteinander verbunden. Das Hotel hatte zu dieser Zeit 125 Beschäftigte und war auf weitgehende Selbstversorgung ausgerichtet; es verfügte über eine eigene Autowerkstatt, Tankstelle, Dampfwäscherei und Schneiderei.Angelika Schyma: Stadt Königswinter. In: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Denkmäler im Rheinland. 23.5. Rheinland-Verlag, Köln 1992, ISBN 3-7927-1200-8, S. 54. Reichskanzler Adolf Hitler war in den Jahren 1935 bis 1937 mindestens viermal auf dem Petersberg zu Gast. 1938 trat das Hotel erstmals international in Erscheinung, als dort der britische Politiker Neville Chamberlain wohnte und mit Hitler verhandelte, der auf der anderen Rheinseite im Rheinhotel Dreesen residierte. Im Frühjahr 1939 trat die Gemeinde Niederdollendorf ihren Gebietsanteil am Petersbergplateau, eine Fläche von 4,6 Hektar, an Königswinter ab.
mini|Kurhotel Mülhens (um 1920)