For You ( für Für Dich) ist das Debütalbum des US-amerikanischen Musikers Prince, der alle Songs arrangierte, komponierte, produzierte und vorträgt. Zudem spielte er alle Musikinstrumente selbst ein. Das Album erschien am 7. April 1978 bei Warner Bros. Records.
Die ersten Songs für For You nahm Prince 1976 im Alter von 18 Jahren auf. Die Albumaufnahmen dauerten fünf Monate; die Produktionskosten beliefen sich auf 170.500 US-Dollar (damals etwa 396.000 DM), womit das von Warner Bros. Records veranschlagte Budget von 180.000 US-Dollar für die ersten drei Prince-Alben nahezu ausgeschöpft war. Musikalisch dominiert Contemporary R&B; zudem finden sich Elemente aus Disco, Funk, Pop und Rock. Die Liedtexte behandeln ausschließlich Liebe und Sex.
Im Vergleich zu späteren Prince-Alben bewerteten Musikkritiker For You überwiegend zurückhaltend; auch kommerziell blieb das Album erfolglos und erreichte international weder Gold- noch Platinstatus. Zudem war das Medieninteresse 1978 gering. Eine Tournee zum Album absolvierte Prince nicht, da Warner-Manager von seinen Live-Qualitäten noch nicht überzeugt waren.
Entstehung Erste Songs von Prince Die ersten Songs nahm Prince im Frühjahr 1976 mit seiner damaligen Begleitband in dem 8-Spur-Tonstudio Moon Sound nahe dem Lake Nokomis im Süden von Minneapolis (Minnesota) auf. Das Studio gehörte dem gebürtigen Engländer Chris Moon (* 1952), der es für 25 US-Dollar (damals etwa 58 DM) pro Stunde vermietete. Nach der Trennung von seiner Band im selben Jahr durfte Prince dort kostenlos aufnehmen, da er für Moon von diesem verfasste Gedichte und Texte vertonte. Moon half Prince zudem, seine anfängliche Schüchternheit zu überwinden, indem er ihm empfahl, im abgedunkelten Studio auf dem Boden liegend zu singen. Außerdem vermittelte er ihm verschiedene Schlagzeuger; Prince entschied sich jedoch, das Schlagzeug bei seinen eigenen Songs selbst einzuspielen, und intensivierte entsprechend sein Üben.Nilsen (1999), S. 26–27.
Ab Sommer 1976 verbrachte Prince den Großteil des Jahres im Moon Sound und stellte insgesamt 14 Songs fertig, deren Liedtexte überwiegend von Moon stammten. Ausnahmen bildeten die Titel Baby, I’m Yours, Jelly Jam, Soft and Wet und Love Is Forever, das Prince später mit leicht verändertem Liedtext in My Love Is Forever umbenannte. Genannte Songs platzierte er auf For You. Das Instrumentalstück Jelly Jam integrierte er in Just as Long as We’re Together, während die Erstaufnahme von Soft and Wet einen anderen Liedtext als die veröffentlichte Version aufweist.Nilsen (1999), S. 28.
Neben der Arbeit im Tonstudio nahm Prince auch Songs auf einem herkömmlichen Kassettenrekorder auf. Im Herbst 1976 lehnte Chris Moon Prince’ Angebot ab, sein Manager zu werden. Daraufhin reiste Prince im Alter von 18 Jahren allein nach New York City, um seine Songs bei Schallplattenfirmen vorzustellen. Er präsentierte ihnen Demoaufnahmen der Titel Baby, Love Is Forever und Soft and Wet. Vorübergehend wohnte Prince bei seiner Halbschwester Sharon Nelson (* 22. März 1940) in Manhattan und stellte sich unter anderem bei Atlantic Records vor, einem der größten Independent-Labels, wurde jedoch mit der Begründung abgelehnt, seine Musik sei „zu sehr Mittlerer Westen“. Während seines Aufenthalts in New York spielte Moon Demoaufnahmen von Prince’ Songs Owen Husney (* 8. September 1947) vor, der in Minneapolis eine Werbeagentur betrieb und Kontakte in die Musikindustrie hatte. Husney berichtete später, er habe Moon gefragt: „Wer ist diese Band?“, woraufhin dieser geantwortet habe, es sei „nur ein Typ, der spielt, singt und alles andere auch macht“.Nilsen (1999), S. 29. Kurz darauf wurde Husney Prince’ Manager und gründete die Verwaltungsgesellschaft American Artists Inc., bei der Prince im Dezember 1976 einen Vertrag unterzeichnete, der ihm finanzielle Unterstützung sicherte. Fortan nahm Prince seine Songs in Minneapolis im Loring Park Rehearsal Room auf, einem provisorisch in Husneys Büro eingerichteten Probenraum.
Daraufhin kontaktierte Husney den Toningenieur David Z. Rivkin (* 1948; † 2026), dessen jüngerer Bruder Bobby Z. (* 1956) später Schlagzeuger in Prince’ Band wurde.Hahn (2016), S. 33. Rivkin arbeitete zu dieser Zeit in Minneapolis im Tonstudio Sound 80, wo er gemeinsam mit Prince die zuvor im Moon Sound aufgenommenen Songs neu einspielte. Dort nutzte Prince erstmals den damals neu erschienenen vierstimmigen Oberheim-Synthesizer, wobei ihn ein lokaler Synthesizer-Spieler unterstützte. Rivkin und Prince arbeiteten den gesamten Winter 1976/1977 im Sound 80 zusammen. Chris Moon zog sich in dieser Phase zurück und stand nur noch bis 1982 sporadisch mit Prince in Kontakt.Nilsen (1999), S. 30.
Prince’ Image wird festgelegt mini|V. l. n. r.: Jessi Colter, Willie Nelson und Jimmy Carter, 1978 Prince wollte ursprünglich „Mr. Nelson“ nach seinem bürgerlichen Nachnamen als Pseudonym für seine Musikkarriere wählen. Wegen der Ähnlichkeit und einer möglichen Verwechslungsgefahr mit dem US-amerikanischen Country-Sänger Willie Nelson riet ihm Chris Moon davon ab und schlug stattdessen „Prince“ vor, dem sich der Musiker anschloss.Thorne (2017), S. 44.
Owen Husney und Prince führten ausführliche Diskussionen über das , das Prince im Musikgeschäft erhalten sollte, und darüber, wie er sich von anderen Musikern abgrenzen könne. Husney wollte der Öffentlichkeit möglichst wenig über Prince preisgeben, um ihn als mysteriösen Künstler wahrnehmen zu lassen und Neugier zu erzeugen. Zudem riet er Prince, sich um ein Jahr jünger auszugeben, was dieser zu Beginn seiner Karriere auch tat. Husney war der Ansicht, Prince werde dadurch stärker als Wunderkind wahrgenommen. „Ich dachte, wenn er mit 18 Jahren so viel wert war, wäre er mit 17 noch wertvoller“, erklärte er später in einem Interview.
Am 8. April 1977 veröffentlichte die lokale Zeitung Minnesota Daily ein Interview mit Prince. Darin erklärte er, im Idealfall wolle er Jazz unter einem Pseudonym bei einem Label veröffentlichen und Popmusik bei einem anderen. Die Journalistin Lisa Hendrickson beschrieb ihn als „ruhig, sogar unnahbar, mit einem schlauen Sinn für Humor und einem schnellen, intelligenten Lächeln“.Nilsen (1999), S. 31–32.
Erster Schallplattenvertrag Anfang April 1977 reisten Prince und Husney nach Kalifornien, um sich bei fünf Schallplattenfirmen vorzustellen: A&M Records, ABC/Dunhill, CBS Records, RSO Records und Warner Bros. Records. Husney strebte einen Dreifachalbum-Vertrag an, obwohl zu dieser Zeit üblicherweise nur Zwei-Alben-Verträge abgeschlossen wurden. Zudem sollte Prince seine Alben selbst produzieren dürfen, was als ungewöhnliche Forderung galt. Letztlich verhandelte Husney nur noch mit CBS Records und Warner Bros. Records; CBS wollte, dass der Earth-Wind-and-Fire-Bassist Verdine White das erste Prince-Album produzierte, was Husney ablehnte und sich für Warner Bros. Records entschied.Nilsen (1999), S. 32.
Am 25. Juni 1977 unterzeichnete Prince bei Warner Bros. Records seinen ersten Schallplattenvertrag. Dieser sah vor, dass er innerhalb von 27 Monaten drei Alben veröffentlichen musste, wobei das erste Album innerhalb der ersten sechs Monate erscheinen sollte. Für das Debüt erhielt Prince eine Vorauszahlung von 80.000 US-Dollar (damals etwa 186.000 DM), das Gesamtbudget für die ersten drei Alben betrug 180.000 US-Dollar (etwa 418.000 DM).
Nach Ablauf der 27 Monate standen Prince zwei Optionen offen: Er konnte den Vertrag um zwei Jahre verlängern, in denen er drei weitere Alben aufnehmen sollte und dafür insgesamt 225.000 US-Dollar (damals etwa 523.000 DM) erhalten würde, oder er verlängerte nur für ein Jahr, in dem er zwei Alben abliefern sollte, wofür ihm 250.000 US-Dollar (etwa 581.000 DM) zugestanden hätten.Nilsen (1999), S. 34. Letztlich blieb Prince bis zum 31. Dezember 1999 bei Warner Bros. Records unter Vertrag.
In seinem ersten Schallplattenvertrag sicherte Prince zu, sein Debütalbum zumindest koproduzieren zu dürfen. Die damaligen Leiter der Musikabteilung von Warner Bros. Records – Mo Ostin und Lenny Waronker (* 3. Oktober 1941) – hatten Bedenken, den jungen und unerfahrenen Musiker als Hauptproduzenten einzusetzen. Ostin schlug daher den Earth-Wind-and-Fire-Gründer Maurice White als Hauptproduzenten vor, was Prince ablehnte. Schließlich einigte man sich auf einen Executive Producer mit Erfahrung in Tontechnik, der den gesamten Aufnahmeprozess überwachen sollte. Diese Aufgabe übernahm Thomas Vicari (* 24. August 1948), ein erfahrener Toningenieur, der zuvor unter anderem mit Billy Preston und Carlos Santana zusammengearbeitet hatte.Hahn (2016), S. 39–41.
Albumaufnahmen beginnen mini|Das Record-Plant-Studio in Sausalito, Kalifornien (2010) Nach der Vertragsunterzeichnung begannen Prince und Thomas Vicari im Sound-80-Studio in Minneapolis mit den Aufnahmen für For You. Nach wenigen Tagen traten jedoch technische Probleme am Mischpult auf, worauf Vicari vorschlug, die Arbeiten in Los Angeles fortzusetzen. „Ich glaube, dass das Sound 80 für Vicari nicht gut genug war“, erklärte ein Toningenieur des Studios. Auch Husney zeigte sich von dem Vorschlag wenig begeistert, akzeptierte ihn jedoch kompromissbereit.Nilsen (1999), S. 36.
Die Aufnahmen für For You wurden schließlich im Tonstudio Record Plant in Sausalito (Kalifornien) fortgesetzt. Prince, Vicari sowie Husney und dessen Ehefrau wohnten in der Nähe des Studios in einem dreistöckigen Apartment in Mill Valley mit Blick auf die Bucht von San Francisco. Die Zusammenarbeit zwischen Prince und Vicari verlief jedoch angespannt: Steve Fontano, Toningenieurassistent am Album, berichtete, Prince habe deutlich vermitteln wollen: „Ich kann das alles allein, und ihr könnt mich am Arsch lecken“.Hahn (2016), S. 39. Prince selbst äußerte sich moderater: „Er [Vicari] war eigentlich mehr ein Tontechniker. Vieles von dem, was er in die Arrangements aufnehmen wollte, lehnte ich ab. Deshalb dauerte die Produktion letztlich fünf Monate.“Seibold (1991), S. 15. David Z. Rivkin aus Minneapolis wurde zusätzlich als Toningenieur für die Gesangsaufnahmen eingeflogen; beide kannten sich bereits von den Aufnahmen im Sound-80-Studio. „Tommy Vicari war in erster Linie ein klassischer Toningenieur, der für Gesangsaufnahmen aber Hilfe benötigte“, erklärte Rivkin.Nilsen (1999), S. 37.
Während der Aufnahmen im Record-Plant-Studio traf Prince drei Musiker, die ihn musikalisch inspirierten: Carlos Santana, Chaka Khan und Sly Stone. Santana wurde von Thomas Vicari ins Studio eingeladen, um die Musiker einander vorzustellen, da Vicari vom Newcomer Prince beeindruckt war. Stone wohnte gelegentlich im Studio und konnte jederzeit ein Zimmer beziehen. Toningenieurassistent Steve Fontano arrangierte ein Treffen zwischen Prince und Stone; laut Fontano war Stone aber „in einer seiner ‘Launen’ und fühlte sich nicht gut“, sodass sich Prince und Stone lediglich die Hände schüttelten. Khan wollte ursprünglich Stone treffen, hörte sich aber dennoch Prince’ Musik an.Nilsen (1999), S. 38.