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Synaspismos Rizospastikis Aristeras (Syriza); , übersetzt „Koalition der Radikalen Linken“, ist eine sozialistische griechische Partei. Politikwissenschaftler verorten sie im Linkspopulismus.Siehe dazu etwa Heinz-Jürgen Axt: Griechenland, das Kalkül der Linkspopulisten und der Euro. In: Südosteuropa 60 (2012) 3, S. 321–345, hier: S. 321; Florian Hartleb: Ein Lehrstück für Demagogie. In: Handelsblatt, 1. Juli 2015; Cas Mudde: The problem with populism. In: The Guardian, 17. Februar 2015; Anton Pelinka: Extremisten gegen Europa. Die Europäische Union als „Defining Other“. ÖGfE Policy Brief, 20/2015, Wien 2015, S. 5; Alexander Schellinger: »Too much, too fast«. Was aus den Reformen in Griechenland gelernt werden kann. Friedrich-Ebert-Stiftung, Internationale Politikanalyse, Berlin 2015, ISBN 978-3-95861-224-2, S. 2; Hendrik Träger: Die Europawahl 2014 als second-order election. Ein Blick in alle 28 EU-Staaten. In: Michael Kaeding, Niko Switek (Hrsg.): Die Europawahl 2014. Spitzenkandidaten, Protestparteien, Nichtwähler. Springer VS, Wiesbaden 2015, ISBN 978-3-658-05737-4, S. 33–44, hier: S. 41; vgl. auch Heinrich August Winkler: Geschichte des Westens [Elektronische Ressource]. Die Zeit der Gegenwart. C. H. Beck, München 2015, ISBN 978-3-406-66987-3, o. S.; Frank Decker: Vom Protestphänomen zur politischen Dauererscheinung: Rechts- und Linkspopulismus in Westeuropa. In: Uwe Backes, Alexander Gallus, Eckhard Jesse (Hrsg.): Jahrbuch Extremismus & Demokratie, 27. Jahrgang (2015), Nomos, Baden-Baden 2015, ISBN 978-3-8487-2522-9, S. 57–72, hier: S. 59.

Syriza war ab 2004 zunächst ein Wahlbündnis, das aus der postkommunistischen und neulinken Partei Synaspismos sowie zehn kleineren, kommunistischen, ökosozialistischen, maoistischen und trotzkistischen Gruppen bestand. Mit Wahlergebnissen zwischen 3 und 5 % der StimmenLuke March: Radical Left Parties in Europe. Routledge, Abingdon (Oxon) 2011. war sie bis 2012 viertstärkste Kraft im Parlament. Angesichts zunehmender Popularität wurde das Bündnis im Mai 2012 in Hinblick auf die Wahlen im darauf folgenden Juni in eine Partei umgewandelt.Ta Nea vom 22. Mai 2012NZZ vom 23. Mai 2012: „Griechische Linksradikale schließen sich zu Partei zusammen“ Aus dieser Wahl ging sie als zweitstärkste Kraft hervor, noch vor der sozialdemokratischen PASOK. 2015 schließlich gewann sie die meisten Stimmen.

Nach dem Wahlsieg im Januar 2015 – mit kurzer Unterbrechung aufgrund der Neuwahlen im September – stellte Syriza mit dem Parteivorsitzenden Alexis Tsipras erstmals den Ministerpräsidenten Griechenlands. Sie bildete eine Koalitionsregierung mit der rechtspopulistischen Partei Anexartiti Ellines. Seit dem 8. Juli 2019 befindet sich die Partei wieder in der Opposition. Nachdem sie bei den Wahlen im Mai und Juni 2023 große Verluste erlitten hatte, verkündete Tsipras am 29. Juni seinen Rücktritt von der Parteiführung. Michael Martens: Der Mann, vor dem halb Europa zitterte. FAZ 30. Juni 2023 (online bei faz.net) Am 24. September 2023 bis 8. September 2024 gewann der Reeder Stefanos Kasselakis mit Unterstützung eines Tsipras-Beraters die Wahl zum neuen Vorsitzenden der Partei.Ferry Batzoglou in Die Tageszeitung am 27. September 2023: "Griechenlands Syriza wählt Vorsitzenden - Genosse Kasselakis übernimmt" Am 24. November 2024 wurde der neue Parteivorsitzende, Sokratis Famellos, gewählt.

Geschichte Gründung des Wahlbündnisses Die Vorgängerorganisation Syriza bildete sich vor den Parlamentswahlen 2004 als Bündnis aus neun linken Parteien und Organisationen,Marioulas, Julian: Die griechische Linke, in: Birgit Daiber, Cornelia Hildebrandt, Anna Striethorst (Hrsg.): Von Revolution bis Koalition. Linke Parteien in Europa, Dietz-Verlag Berlin 2010 unter denen die Partei Synaspismos die größte war.

Neben dem Synaspismos gehörten dem Bündnis Gruppen an, die aus der Kommunistischen Partei KKE, der sozialdemokratischen PASOK und aus den ökologisch-grünen Ikologi Prasini entstanden waren, zudem kleine Organisationen mit trotzkistischem Anspruch sowie Maoisten.

Gründungsparteien von Syriza waren:Uwe Backes, Patrick Moreau: Conclusion. In: Communist and Post-Communist Parties in Europe. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2008, S. 574, Fn. 99. die Koalition der Linken, der Bewegungen und der Ökologie (, Synaspismós tis aristerás ton kinimáton ke tis ikologías), meist Synaspismos oder kurz SYN die eurokommunistische und ökologische Erneuernde Kommunistische und Ökologische Linke (, Ananeotiki Kommounistiki ke Ikologiki Aristera, AKOA) die trotzkistische Internationalistische Werktätige Linke (, ΔΕΑ, Diethnistiki Ergatiki Aristera, DEA), eine Abspaltung der IST die Bewegung für die vereinte Aktion der Linken (, ΚΕΔΑ, Kinisi gia tin Enotita Drasis tis Aristeras, KEDA), aus einer Abspaltung der KKE entstanden die Wählervereinigung Aktive Bürger (, Energi Polites) um Manolis Glezos

Später kamen hinzu: die populistischeTakis S. Pappas: Populism and Crisis Politics in Greece. Palgrave Macmillan, Basingstoke (Hants)/New York 2014, S. 59. und sozialistische Demokratische Soziale Bewegung (, ΔΗΚΚΙ, Dimokratiko Kinoniko Kinima, DIKKI), eine Linksabspaltung der PASOKSusannah Verney, Sofia Michalaki: Greece. In: Party Attitudes Towards the EU in the Member States. Parties for Europe, parties against Europe. Routledge, Abingdon (Oxon)/New York 2014, S. 139. die maoistische Kommunistische Organisation Griechenlands (, Kommounistiki Organosi Elladas, KOE), Mitglied der ICOR die trotzkistische Gruppe Rot (, Kokkino) die links-ökologischen Ökosozialisten Griechenlands () die linksradikale Roza (), politischer Arm des „Netzwerks für Politische und Soziale Rechte“ () die Antikapitalistische Politische Gruppe APO (, ΑΠΟ) die Radikalen ()

Abspaltungen oder ehemalige Teile: 2010 spaltete sich ein Teil des innerparteilichen Erneuerungs-Flügels des Synaspismos um Fotis Kouvelis ab und gründete die gemäßigte, linksgerichtete und dezidiert proeuropäische Partei Demokratische Linke (, ΔΗΜΑΡ, Dimokratiki Aristera, DIMAR) Im Juli 2015 beendete die KOE ihre Mitarbeit in und die Unterstützung von Syriza.„SYRIZA hat ihren Charakter in eine Pro-Memorandum-Partei verändert“. Interview vom 26. August mit Errikos Finalis von der KOE (Kommunistische Organisation Griechenlands – ICOR-Mitglied) zur Entwicklung in Griechenland in Rote Fahne. Wochenzeitung der MLPD 36/2015

Dazu kamen einige bekannte linke Einzelpersonen.

Auf dem Parteikongress im Juli 2013 wurde beschlossen, die einzelnen Unterorganisationen aufzulösen; dagegen gibt es jedoch Widerstand.Pappas: Populism and Crisis Politics in Greece. 2014, S. 106.

Wahlerfolge des Bündnisses Bei den Parlamentswahlen 2004 errang Syriza 3,26 % der Wählerstimmen und sechs Mandate. Das Bündnis zerfiel danach jedoch weitgehend, da sich die Gruppen vom Synaspismos dominiert fühlten. 2005 wurde die Allianz wiederbelebt, als der SYN-Vorsitzende Alekos Alavanos (* 1950) den 31-jährigen Aleksis Tsipras als Bürgermeisterkandidaten bei der Kommunalwahl in Athen ankündigte. Dieser verkörperte eine „Öffnung zur jüngeren Generation“. Die Gastgeberrolle beim Vierten Europäischen Sozialforum in Athen im Mai 2006 stärkte die Bindungen innerhalb der Allianz. Bei den Parlamentswahlen 2007 erreichte Syriza mit 5,04 % der Stimmen und 14 Sitze in der Vouli ihr bis dahin bestes Ergebnis.Uwe Backes, Patrick Moreau: Conclusion. In: Communist and Post-Communist Parties in Europe. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2008, S. 574–575.

Im Februar 2008 übernahm Alexis Tsipras die Führung sowohl der SYN-Partei als auch des Syriza-Bündnisses. Weitere Gruppierungen schlossen sich Syriza an. Die Popularität nahm in der Folgezeit stark zu, Umfragen sagten Syriza Unterstützungsraten von bis zu 18 Prozent voraus. Diese gingen aber wieder deutlich zurück angesichts interner Führungsstreitigkeiten, positiver Äußerungen über die Ausschreitungen im Dezember 2008 (die eine Mehrheit der Griechen negativ sah) und einer unklaren Haltung gegenüber der Europäischen Union.

Während der Synaspismos vor der Vereinigung eindeutig für eine weitere Europäische Integration eingetreten war (die EU allerdings harmonischer, demokratischer und egalitärer gestalten wollte), werden in Syriza stärker euroskeptische Positionen vertreten. Ihre Abgeordneten stimmten gegen den Vertrag über eine Verfassung für Europa und den Vertrag von Lissabon. Allerdings gab es hierbei keine eindeutige Linie: vier eher proeuropäische Abgeordnete enthielten sich bei der Lissabon-Abstimmung.Susannah Verney: An Exceptional Case? Party and Popular Euroscepticism in Greece, 1959–2009. In: Euroscepticism in Southern Europe. A Diachronic Perspective. Routledge, Abingdon (Oxon) 2012, S. 69. Dieser Konflikt zeigte sich später auch bei der Abspaltung des ausdrücklich proeuropäischen Flügels Erneuerung von Syriza und der Gründung der Dimokratiki Aristera (DIMAR) im Juni 2010.Julian Marioulas: The Greek Left. In: From Revolution to Coalition – Radical Left Parties in Europe. Manuskripte Neue Folge Nr. 2, Rosa-Luxemburg-Stiftung, Berlin 2012, S. 300–302.

Bei den Parlamentswahlen 2009 ging der Stimmenanteil auf 4,6 % zurück; damit erhielt Syriza 13 Sitze.

Die nicht ausdiskutierte Streitfrage innerhalb des Bündnisses, ob bei entsprechenden Mehrheitsverhältnissen eine Koalition mit der sozialdemokratischen PASOK in Betracht käme, gipfelte im Juni 2010 darin, dass sich DIMAR vom Synaspismos abspaltete. DIMAR zog nach den Wahlen 2012 ins Parlament ein; von Juni 2012 bis Juni 2013 unterstützte sie die Regierung von Andonis Samaras.

Bei der Parlamentswahl vom 6. Mai 2012 erhielt Syriza mit 16,8 % nach der Nea Dimokratia die meisten Wählerstimmen, mehr als PASOK. Sie erhielt 52 Mandate im griechischen Parlament. Nach dem Vorsitzenden der stärksten Partei wurde am 8. Mai 2012 Tsipras mit der Regierungsbildung beauftragt. Er nutzte dies zu öffentlichkeitswirksamen Auftritten; den Führern der Europäischen Union teilte er schriftlich mit, das griechische Volk habe die ihm aufgezwungene Zusage von Sparmaßnahmen mit der Wahl für null und nichtig erklärt. Der Versuch der PASOK, mit Nea Dimokratia und DIMAR eine Regierungskoalition zu schmieden, scheiterte daran, dass DIMAR zur Bedingung machte, dass Syriza an der Regierung beteiligt werden müsse.Zeit Online vom 9. Mai 2012: „Linken-Chef Tsipras schreibt Brandbrief an die EU“Koalitionsgespräche in Athen sind erneut gescheitert. In: Süddeutsche Zeitung, 11. Mai 2012.

Gründung als Partei und Programm Nach dem Wahlerfolg bei der Wahl im Mai 2012 sahen Meinungsumfragen Syriza Kopf an Kopf mit der Nea Dimokratia an der Spitze der Wählergunst. Für die Neuwahlen am 17. Juni 2012 sah Syriza daher die Möglichkeit, am meisten Stimmen zu erhalten. Da das griechische Wahlgesetz von 2008 der stärksten Partei einen Bonus von 50 zusätzlichen Parlamentssitzen gewährt, dies aber nur für selbständige Parteien, nicht für Wahlbündnisse gilt,Artikel 1. 2a des Wahlgesetzes von 2008 (griechisch) bestimmt, dass ein Wahlbündnis den Bonus von 50 Sitzen nur dann erhält, wenn sein durch die Zahl der zugehörigen Parteien geteilter Stimmanteil höher ist als der der stärksten selbständigen Partei. reichte Syriza bei dem für die Zulassung der Parteien zur Wahl zuständigen Obersten Gerichtshof eine Gründungserklärung ein, mit der sie sich als Partei mit dem Namen SYRIZA – Vereinte Soziale Front (ΣΥΡΙΖΑ Ενωτικό Κοινωνικό Μέτωπο, ΣΥΡΙΖΑ-ΕΚΜ/SYRIZA-EKM) neu gründete.Ta Nea vom 22. Mai 2012

Das Programm von Syriza für die Wahl am 17. Juni 2012 wurde am 1. Juni 2012 veröffentlicht.

Erfolg bei den Neuwahlen im Juni 2012 Aus den Parlamentswahlen am 17. Juni ging Syriza erneut als zweitstärkste Partei hervor, wobei sie ihren Stimmanteil auf 26,89 % erhöhen und 71 Mandate erzielen konnte. Griechisches Innenministerium (griechisch, englisch)