Die Bahnstrecke Zeitz–Altenburg ist eine Nebenbahn in Sachsen-Anhalt und Thüringen, die in den 1870er Jahren von der privaten Altenburg-Zeitzer Eisenbahngesellschaft erbaut wurde. Sie verläuft von Zeitz über Meuselwitz nach Altenburg.

Geschichte Am 19. Juni 1872 wurde die Strecke eröffnet, deren Hauptzweck im Transport von Braunkohle aus 18 Gruben im Raum Meuselwitz-Rositz bestand. Die Königlich-Sächsischen Staatseisenbahnen führten den Betrieb. Der übrige Güterverkehr und die Personenbeförderung waren von untergeordneter Bedeutung. Nachdem der sächsische Staat die Altenburg-Zeitzer Eisenbahn-Gesellschaft verstaatlicht hatte, wurde die Strecke am 1. Januar 1896 Eigentum der Kgl.-Sächs. Staatseisenbahnen, obwohl die Strecke gar nicht in Sachsen, sondern in der preußischen Provinz Sachsen (Zeitz) und in Sachsen-Altenburg lag.

Wegen des stetig zunehmenden Güterverkehrs war in den 1930er Jahren die Verlegung eines zweiten Gleises geplant, was wegen des Krieges nicht vollendet werden konnte. Nach Kriegsende 1945 ließ die sowjetische Besatzungsmacht die bereits verlegten Abschnitte des zweiten Gleises als Reparationsleistung abbauen und das Material abtransportieren.

Am 1. November 1946 kam es auf dem Bahnhof Tröglitz, der auch zum Rangieren von Kesselwagen vom Hydrierwerk Zeitz genutzt wurde, zu einem schweren Eisenbahnunfall. Ein Zug mit Umsiedlern aus dem Sudetenland, versehentlich auf ein Stumpfgleis geleitet, überfuhr den Prellbock und entgleiste. 30 Menschen starben, 23 weitere wurden verletzt.Martin Weltner: Bahn-Katastrophen. Folgenschwere Zugunfälle und ihre Ursachen. München 2008. ISBN 978-3-7654-7096-7, S. 15.

Zwischen 1920 und 1993 war die Deutsche Reichsbahn Besitzer und Betreiber der Strecke. Infolge der deutschen Wiedervereinigung wurde die Deutsche Bahn AG Eigentümer. Weil zugleich die Braunkohleförderung weitestgehend minimiert wurde, gab die Bahnverwaltung in den 1990er Jahren zunächst den durchgehenden Güterverkehr auf. Der Personenverkehr zwischen Zeitz und Meuselwitz ruht seit dem 28. September 2002, zwischen Meuselwitz und Altenburg seit dem 14. Dezember des gleichen Jahres, der Betrieb war nicht mehr ökonomisch sinnvoll: Zuletzt wies die Strecke durchschnittlich 126 Fahrgäste am Tag auf. Fünf Jahre danach wurde dann am 15. Dezember 2007 der Abschnitt Altenburg–Meuselwitz stillgelegt. Es verblieb der Abschnitt von Zeitz bis Kriebitzsch, der seit 2003 vom Unternehmen Contamex intensiv genutzt wird.Standort Kriebitzsch von Contamex, abgerufen am 6. Juni 2018. Ab Kriebitzsch und einschließlich der Bahnhöfe Rositz sowie Altenburg Gbf ist die Strecke an die Waggonbau Altenburg GmbH zur Wagenabstellung verpachtet.Der Modelleisenbahner, Heft 4/2013 S. 7.

Anfang 2010 schrieb DB Netz die Strecke Zeitz–Meuselwitz und das Bahnhofsgleis Meuselwitz–Anschlussstelle Kriebitzsch zur Übernahme durch andere Eisenbahninfrastrukturunternehmen (EIU) aus. Da sich kein Interessent meldete, stellte DB Netz Anfang 2011 beim Eisenbahn-Bundesamt einen Stilllegungsantrag, der jedoch kurz vor Fristablauf wieder zurückgezogen wurde. Es folgte eine erneute Ausschreibung der Strecke zur Übernahme. Der Vergleich beider Ausschreibungen zeigt, dass die in der ersten Ausschreibung für die Jahre 2010 und 2011 genannten Investitionen nun größtenteils herausgenommen wurden. Wieder fand sich kein Käufer. Das Eisenbahn-Bundesamt genehmigte am 12. Dezember 2012 die Stilllegung des Abschnittes Tröglitz–Meuselwitz. Der Kohleverkehr zum Mitte 2013 stillzulegenden Kraftwerk Mumsdorf konnte noch bis zum 31. Januar 2013 weitergeführt werden. Die tatsächliche Betriebseinstellung erfolgte somit zum 1. Februar 2013. Den verbliebenen Streckenabschnitt Zeitz–Tröglitz verpachtete die DB Netz an die Deutsche Regionaleisenbahn (DRE)-Tochter Bayerische Regionaleisenbahn (BRE), die den Betrieb zum 12. April 2013 übernahm. Die Bedienung des Chemie- und Industrieparks Zeitz war dadurch zunächst sichergestellt.

mini|links|Vom Hochwasser zerstörte Flutbrücke bei Tröglitz Ein neues Problem entstand durch das Hochwasser 2013, das am 5. Juni zwei Pfeiler der Flutbrücke über die Aue der Weißen Elster beschädigte. Dadurch konnte die Strecke Zeitz–Tröglitz nicht mehr befahren werden. Um den Güterverkehr der drei Unternehmen im Chemie- und Industriepark Zeitz weiter zu ermöglichen, übernahm die BRE den bereits stillgelegten Streckenabschnitt Tröglitz–Meuselwitz von DB Netz. Somit konnte dieser Abschnitt nach einer Instandsetzung wieder als Bahnhofsnebengleis in Betrieb genommen werden. Am 28. Juni 2013 erreichte der erste Güterzug nach dem Hochwasser den Chemie- und Industriepark Zeitz aus Richtung Altenburg.

Um die beschädigte Flutbrücke reparieren zu können, stellte die BRE einen Antrag auf Förderung aus dem Aufbauhilfeprogramm Hochwasser 2013 des Landes Sachsen-Anhalt. Daraufhin erhielt das Unternehmen im November 2014 einen bis Ende August 2017 befristeten Bewilligungsbescheid über einen 100-prozentigen Zuschuss. Es konnte jedoch nicht sofort mit den Arbeiten begonnen werden, weil zunächst das im November 2017 eingeleitete Planverzichtsverfahren, mit dem ein aufwändiges Planfeststellungsverfahren vermieden wurde, abgeschlossen und die dafür notwendigen Zustimmungen der betroffenen Grundstückseigentümer zur Flächeninanspruchnahme erteilt werden mussten. Nach Abschluss dieses Verfahrens erfolgte schließlich Mitte Dezember 2018 die Ausschreibung zur Erneuerung der Eisenbahnüberführung Elsterflutbrücke. Diese bestand im Wesentlichen darin, dass die ersten beiden von insgesamt acht Pfeilern neu gebaut wurden und der dritte Pfeiler eine neue Umspundung erhalten hat. Die zwischen diesen befindlichen Stahlüberbauten wurden ersetzt. Die Fertigstellung erfolgte Mitte 2020. Aufgrund der Klärung sicherungstechnischer Fragen mit DB Netz hinsichtlich der Einbindung der Strecke in den Bahnhof Zeitz konnte die Verbindung erst am 1. März 2021 wieder eröffnet werden.

Streckenbeschreibung Verlauf Die Strecke zweigt am Ende des Zeitzer Personenbahnhofes auf Höhe des früheren Bahnbetriebswerkes nach Nordosten ab und führt nach etwa zwei Kilometern über die Flutbrücke und die anschließende Stahlgitterbrücke der Weißen Elster. An der Bahnhofseinfahrt von Tröglitz mündet aus Richtung Nordwesten das Gleis der stillgelegten Güterzugstrecke vom Güterbahnhof Zeitz ein, um unmittelbar darauf wieder zum Werkbahnhof Tröglitz wegzuführen. Ab hier ist die Strecke bis Altenburg noch in Betrieb. Zwischen Rehmsdorf und Meuselwitz wird Waldgebiet um das geflutete Tagebaurestloch Zipsendorf durchquert, danach folgt die Landesgrenze zu Thüringen. Am Stadtrand von Meuselwitz wird die Bundesstraße 180 gekreuzt und danach zweigt nach Nordwesten das ehemalige Anschlussgleis zum stillgelegten Kraftwerk Mumsdorf ab. Im Bahnhof Meuselwitz trifft die Strecke auf das Gelände der museal betriebenen Bahnstrecke Regis-Breitingen–Meuselwitz. Von dort führt sie weiter Richtung Osten und verbindet die Ortschaften Kriebitzsch, Rositz und Molbitz mit dem Endbahnhof Altenburg. Die umfangreichen Gleisanlagen des ehemaligen Güterbahnhofes Altenburg und des Bahnhofes Rositz werden fast vollständig zur Waggonabstellung genutzt.

Betriebsstellen Zeitz mini|Bahnhof Zeitz, Empfangsgebäude

Der Bahnhof Zeitz wurde am 9. Februar 1859 als Zeitz Pbf zusammen mit der Bahnstrecke Weißenfels–Zeitz eröffnet. Gleichzeitig ging auch der Abschnitt Zeitz–Gera der Bahnstrecke Leipzig–Probstzella in Betrieb. Mit der Eröffnung des nördlichen Abschnitts der Bahnstrecke Leipzig–Probstzella erhielt Zeitz am 20. Oktober 1873 einen Bahnanschluss nach Leipzig.

Am 19. Juni 1872 erhielt Zeitz mit dem Bahnhof Zeitz Sächs. Stb. eine weitere Station. Sie war der Ausgangspunkt der Bahnstrecke Zeitz–Altenburg und wurde von den Königlich Sächsischen Staatseisenbahnen betrieben. Am 31. Mai 1913 wurde diese Station geschlossen.Zeitz Sächs. Stb. auf www.sachsenschiene.net Einen Tag später wurde am 1. Juni 1913 nördlich des Personenbahnhofs der dem Güterverkehr dienende Güterbahnhof Zeitz Gbf unter preußischer Verwaltung eröffnet.Der Güterbahnhof Zeitz auf www.sachsenschiene.net Am 1. Dezember 1913 wurde die Bahnstrecke Tröglitz–Zeitz als Verbindungsbahn für den Güterverkehr in Richtung Altenburg eröffnet. Sie war bis zum 30. September 2009 in Betrieb.

Die im Jahr 1897 eröffnete Bahnstrecke Zeitz–Camburg endete aufgrund der großen Auslastung der Gleise im Zeitzer Bahnhof bis 1914 im separaten „Camburger Bahnhof“. Diese auch Thüringischer Bahnhof genannte Station lag neben dem heutigen Empfangsgebäude. Nach dessen Fertigstellung 1912 wurde der alte Bahnhof abgerissen. Im April 1914 wurden die Bahnanlagen in Zeitz komplett neu gestaltet. Dabei wurde ein gemeinsamer Bahnhof eingerichtet. Das Stammgleis der Strecke Zeitz–Altenburg ist seitdem das Gleis 4.

Der Personenverkehr auf der Bahnstrecke nach Camburg wurde im Jahr 1999 eingestellt. Im Jahr 2000 wurde die Bahnstrecke stillgelegt. Der Personenverkehr auf dem Abschnitt Zeitz–Meuselwitz der Bahnstrecke nach Altenburg wurde am 28. September 2002 eingestellt, die Bahnstrecke ist bis Tröglitz seit dem 12. Dezember 2012 ein Anschlussgleis für den Chemie- und Industriepark Zeitz.

Das denkmalgeschützte Empfangsgebäude gehört seit Anfang Januar 2016 der Stadt Zeitz.

Tröglitz miniatur|Bahnhof Tröglitz mit Abzweig nach Zeitz Gbf (Vordergrund links) und zum Werkbahnhof Tröglitz (Hintergrund links) Der Bahnhof Tröglitz wurde am 1. Oktober 1895 als Haltepunkt Techwitz eröffnet und 1913 zum Bahnhof gewidmet. Am 1. Juli 1943 erfolgte die Umbenennung in Tröglitz. Das Empfangsgebäude entstand im Jahr 1938/39 anstelle eines Vorgängerbaus. Die Stellwerke wurden zwischen 1940 und 2013 genutzt. In der Station zweigte das Gleis über Tröglitz Werkbf zum Kohlekraftwerk Mumsdorf ab. Ebenso war der Bahnhof zwischen 1913 und 2009 Ausgangspunkt der Bahnstrecke Tröglitz–Zeitz. Am 29. September 2002 wurde die Station außer Betrieb genommen.

Rehmsdorf mini|Bahnhof Rehmsdorf, Empfangsgebäude (2019) Der Bahnhof Rehmsdorf wurde am 19. Juni 1872 als Haltestelle eröffnet. Im Jahr 1905 erfolgte die Hochstufung zum Bahnhof. Das Empfangsgebäude ist bis heute erhalten, ebenso die Stellwerke, die zwischen 1941 und 1996 in Betrieb waren. Am 29. September 2002 wurde die Station außer Betrieb genommen.Der Bahnhof Rehmsdorf auf www.sachsenschiene.net

Wuitz-Mumsdorf

Der Bahnhof Wuitz-Mumsdorf wurde am 15. Juli 1872 kurz nach Eröffnung der Bahnstrecke Zeitz–Altenburg als Haltepunkt in Betrieb genommen. Mit der Inbetriebnahme der schmalspurigen Bahnstrecke Gera-Pforten–Wuitz-Mumsdorf wurde der nunmehrige Spurwechselbahnhof im Jahr 1901 zur Haltestelle und 1905 zum Bahnhof gewidmet. Das Empfangsgebäude wurde im Jahr 1901 errichtet. Im Jahr 1925 erhielt die Station ein Stellwerk. Der Bahnhof lag zwischen dem zu Sachsen-Altenburg bzw. zu Thüringen gehörigen Mumsdorf im Norden und dem preußischen Wuitz im Süden.Ort Wuitz und Bahnhof Wuitz-Mumsdorf auf einem Messtischblatt aus den 1920er Jahren Dem durch den Braunkohleabbau des Tagebaus Zipsendorf-Süd bedingten Abbruch des Orts Wuitz in den Jahren 1954 bis 1956 überlebte einzig der in der Wuitzer Ortsflur liegende Bahnhof Wuitz-Mumsdorf. Mit der Stilllegung der schmalspurigen Bahnstrecke nach Gera-Pforten wurde die Station im Jahr 1969 zum Haltepunkt zurückgestuft. Am 29. September 2002 wurde die Station außer Betrieb genommen. Alle Hochbauten, wie die massive Wartehalle, wurden abgerissen.Der Haltepunkt Wuitz-Mumsdorf auf www.sachsenschiene.net

Meuselwitz mini|Bahnhof Meuselwitz

Der Bahnhof Meuselwitz wurde am 19. Juni 1872 gemeinsam mit der Bahnstrecke Zeitz–Altenburg eröffnet. Am 7. September 1874 wurde die Bahnstrecke nach Leipzig (Meuselwitz–Gaschwitz) und am 17. Oktober 1887 die Bahnstrecke Meuselwitz–Ronneburg eröffnet. Seit Juni 1942 führte die Bahnstrecke Regis-Breitingen–Meuselwitz durch das nördliche Meuselwitz-Altenburger Braunkohlerevier. Der Bahnhof Meuselwitz trug folgende Namen: bis 1929: Meuselwitz