mini|Altes Gebäude vom Fort auf dem Campus der Universität Fort Hare mini|Universität Fort Hare, Verwaltungsgebäude auf dem Campus mini|Universität Fort Hare, Bibliotheksgebäude mini|Universität Fort Hare, Studentenwohnheim mini|Sibusiso M. B. Bengu

Die Universität von Fort Hare (englisch: University of Fort Hare, kurz UFH oder Forte), 1916 als College in Alice gegründet, befindet sich in der südafrikanischen Provinz Ostkap und war bis in die 1960er Jahre die einzige höhere Bildungsanstalt für schwarze Afrikaner in Südafrika.

Einer der ersten Professoren war Davidson Don Tengo Jabavu, der dort isiXhosa, Latein, Geschichte und Anthropologie unterrichtete. Zu den bekanntesten Studenten dieser Universität zählen der Freiheitskämpfer und ehemalige Präsident Südafrikas Nelson Mandela und einer seiner wichtigsten Mitstreiter, Oliver Reginald Tambo, die dort juristische Kenntnisse erwarben, ferner auch Kenneth Kaunda und Mangosuthu Buthelezi.

Name und Geschichte Das Fort Hare Der Name Fort Hare verweist auf die ehemaligen Grenzbefestigungen in den Grenzkriegen des 19. Jahrhunderts. Colonel John Hare, Lieutenant Governor der Kapkolonie in den 1840er Jahren, ließ 1846 eine Befestigungsanlage am Rand der Siedlung Alice anlegen.

Vorläufer und frühe Phase In der Region um Alice entwickelten sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erste Bildungsaktivitäten für die Xhosa-Bevölkerung. Zu diesem Zweck gründeten sich hier Missionsschulen der Presbyterianer in Tyhume, Lovedale (heute Alice) und Burnshill. Besondere Bekanntheit erlangte dabei das Lovedale College. Diese Ausbildungsstätte begann 1820 ihre Arbeit in der Talregion des Tyhumefluss im Vorland der Amathole-Berge. Damit nahmen an diesem Ort Missionare die Ausbildung von Personen aus dem Kreise des Xhosa-Volkes zu Lehrern und Geistlichen auf. Im Verlauf der weiteren erfolgreichen Entwicklungen kamen auch Schüler aus anderen afrikanischen Völkern und Stämmen, wie den Zulu, Barolong, Tonga, Fingoe und Galla sowie aus europäischstämmigen Familien hinzu.James Stewart (Hrsg.): Lovedale. South Africa. Edinburgh 1894, Tafel 69, 70

Am Aufbau der Missionsschule waren neben Reverend John Love in Glasgow die vor Ort tätigen schottischen Geistlichen John Ross und John Bennie federführend beteiligt. Diese Einrichtung wurde jedoch während des 6. Frontkriegs zerstört und 1841 als Lovedale Missionary Institute unter Leitung von Edward Govan nördlich von Alice auf Initiative der Glasgow Missionary Society eröffnet. Nach dessen Amtsperiode übernahm Reverend James Stewart (1831–1905) die Leitung und baute als überzeugter Verfechter des Gleichheitsgrundsatzes zwischen den Menschen die ihm anvertraute Schule erheblich aus. In dieser Zeit entstand ein gesonderter Ausbildungsbereich für Mädchen und jungen Frauen von den Xhosa und anderen afrikanischen Ethnien, woran Jane Elizabeth Waterston und Frau M. C. Muirhead erheblichen Anteil hatten.

Im Jahr 1905 begann in King William’s Town eine Diskussion über die Errichtung einer höheren Bildungsstätte für die schwarze Bevölkerung im Osten der Kapkolonie. Über zehn Jahre später wurde im Februar 1916 auf Anordnung des Premierministers General Louis Botha das South African Native College unter der Leitung von Alexander Kerr eröffnet. Dazu konnten die Ruinen und noch vorhandenen Anlagen des ehemaligen Forts bei Alice nutzbringend eingebunden werden. Die ersten Dozenten der neuen Bildungsstätte waren Alexander Kerr und Davidson Don Tengo Jabavu.

Im Jahr 1923 erhielt die Einrichtung mit dem Higher Education Act No. 30 den Status einer Institution für höhere Bildung („College“). Trotzdem blieben die hier studierenden Personen externe Studenten bei der University of South Africa (UNISA), einer föderal organisierten Hochschule mit mehreren Colleges im Land. Das South African Native College in Fort Hare war aber zu diesem Zeitpunkt keine angeschlossene Einrichtung (Constituent College). Um die Anerkennung der Abschlüsse zu gewährleisten, mussten fünf Vertreter aus Fort Hare in den Senat der University of South Africa gewählt und jährlich erneut bestätigt werden.Matthews, 1957, S. 6.

Der spätere Dozent und Principal Zachariah Keodirelang Matthews erwarb 1924 als erster schwarzer Afrikaner einen akademischen Grad (Bachelor of Arts) an der University of South Africa. Er übernahm 1936 in Fort Hare den Lehrauftrag für Anthropologie, Bantu-Recht und Bantu-Verwaltung. Am 16. März 1940 erhielt Kaiser Daliwonga Matanzima den Bachelor in denselben Fächern.

Die Finanzierung der bisher errichteten Gebäude des South African Native College stammte aus verschiedenen in- und ausländischen Quellen. Zu den Geldgebern für den Bau von Lehrgebäuden gehörte das United Transkeian Territories General Council, die United Free Church of Scotland, die südafrikanische Regierung, die Chamber of Mines und weitere Institutionen. Die Finanzierung des Baus und des Unterhalts der Unterkünfte leisteten kirchliche Geber, wie die Wesleyanische, Presbyterianische und die Anglikanische Kirche. US-amerikanische und kanadische Gliederungen der Young Men’s Christian Association unterstützten das Christian Union Building.SAIRR: A Survey of Race Relations in South Africa 1958-1959. Johannesburg 1960, S. 268

Zeit nach 1945 Alexander Kerr zog sich 1948 von der Führung des College zurück. Clifford Dent übernahm in der Folge sein Amt. Im Jahr 1950 gab es beim Besuch von Gideon Brand van Zyl, dem Generalgouverneur der Südafrikanischen Union, einen studentischen Campusboykott, um gegen die Apartheidsverhältnisse allgemein und die damit verbundene Bildungsbenachteiligung im Land zu protestieren. In der Folge wurden Mangosuthu Buthelezi und andere politisch aktive Studierende exmatrikuliert.

Infolge des 1949 verabschiedeten Rhodes University Act wurde das College im März 1951 der Rhodes-Universität in Grahamstown angegliedert. Dadurch hatten die Studenten dieselben Examina wie in Grahamstown zu absolvieren.Matthews, 1957, S. 7–9 Mit Zustimmung des Ministeriums für Bildung, Kunst und Wissenschaft (Department of Education, Arts and Science) wurde das South African Native College von Fort Hare in University College of Fort Hare umbenannt, ohne damit eine Statusänderung zu erlangen. Als die Regierung 1954 eine Sonderkommission für die Hochschulpolitik unter Leitung von J. E. Holloway einsetzte, veränderten sich infolge deren Reportes die Rahmenbedingungen für die höhere Bildung der schwarzen und farbigen Südafrikaner grundlegend. Auf diese Weise begannen die Richtlinien der Apartheidsdoktrin im Hochschulsektor einzuwirken. Mit dem Universities Act (Act No. 61 / 1955) von 1955 regelte die Regierung die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Hochschulen des Landes neu. In diesem Zuge erhielt Fort Hare seine offizielle Aufnahme in die Gruppe der Universitäten Südafrikas, da inzwischen eine nach „weiß“ und „schwarz“ getrennte Bildungslaufbahn angestrebt wurde.Matthews, 1957, S. 8, 10 Im Jahre 1955 übernahm Zachariah Keodirelang Matthews nach erfolgreicher Wahl die Funktion des Principals, wurde aber im Folgejahr unter politischem Vorwand verhaftet.University of Fort Hare. auf www.artefacts.co.za (englisch) Bis 1958 blieb er im Rahmen des Treason Trial in Haft und kehrte danach als Vice-Principal nach Fort Hare zurück. Im selben Jahr wurde Harry Raymond Burrows neuer Principal der Universität.

Nach der gesetzgeberisch vorangetriebenen Segregation bei der Hochschulausbildung mit dem Mantelgesetz Extension of University Education Act (Act No. 45 / 1959)SAIRR: A Survey of Race Relations in South Africa 1958–1959. Johannesburg 1960, S. 266–268 im Jahr 1959 wurde nun mit dem spezifischen University College of Fort Hare Transfer Act (Act No. 64 / 1959)SAIRR: Survey 1958–1959. 1960, S. 269–273 des gleichen Jahres die Universität faktisch in ein UNISA-College übergeführt.Padraig O’Malley: 1959. Extension of University Education Act No. 45. Nelson Mandela Centre of Memory and Dialogue. Abgerufen am 17. Oktober 2010 (englisch) Die Prüfungen, akademischen Grade, Diplome und Zertifikate wurden somit zu Rechtsakten der UNISA erklärt. Eingeschriebene Studenten, die durch ihre Zwischenergebnisse zur weiteren Fortsetzung des Studiums und den Prüfungsvorbereitungen berechtigt waren, durften ihr Prüfungen an der Rhodes University in Grahamstown ablegen.SAIRR: Survey 1958–1959. 1960, S. 271 Damit stellte die südafrikanische Regierung die Hochschule unter ihre unmittelbare Direktionsbefugnis.SAIRR: A Survey of Race Relations in South Africa 1966. Johannesburg 1967, S. 270–271 Konkret wirkte sich dieser Schritt so aus, dass der Südafrikanische Generalgouverneur die Hochschule der Kontrolle des Minister of Bantu Education unterstellte. Damit war nun der Verlust ihrer Unabhängigkeit eingetreten und der Prozess der Verstaatlichung komplett vollzogen. Das gesamte finanzielle und Sachvermögen der Einrichtung wurde dem Bantu Education Account zugeschlagen, der Finanzverwaltung im Ministerium für Bantu Administration.SAIRR: Survey 1958–1959. 1960, S. 269

Diese Veränderungen führten zum Amtsverzicht zahlreicher wichtiger Mitglieder des Lehrkörpers. Zachariah Keodirelang Matthews ging daraufhin vorzeitig in Pension. Im Zuge dieser Veränderungen wurde Principal Burrow auf Betreiben der Regierung entlassen. Mit Wirkung vom 1. Januar 1960 übertrug die Südafrikanische Regierung die Verwaltung der Universität auf der allgemeinen Grundlage des Bantu Education Act in die Verantwortung des Departement of Bantu Education (staatliche Behörde für Bildungsfragen der schwarzen Bevölkerung in Südafrika).SAIRR: A Survey of Race Relations in South Africa 1959–1960. Johannesburg 1961, S. 235M. A. Beale: "The task of Fort Hare in terms of the Transkei and Ciskei": Educational planning at Fort Hare in the 1960's. History workshop. Structure and Experience in the Making of Apartheid. 6.–10. Februar 1990, University of the Witwatersrand, Johannesburg. (englisch)Reuter: Death of British Professor. Service to Africans. In: The Glasgow Herald vom 25. Oktober 1960 (englisch)

Der stellvertretende Minister für Bantu-Verwaltung und Entwicklung berichtete 1966 im Parlament über die Staatsausgaben bezüglich der Hochschuleinrichtungen für Schwarze seit deren Übernahme im Jahr 1959. Demzufolge erhielt Fort Hare in diesem Zeitraum den größten Anteil mit 4,178 Millionen Rand. Das College of the North folgte mit 4,150 Millionen und das College of Zululand hatte 3,335 Millionen Rand erhalten. In diesem Zusammenhang wurde auf der Grundlage einer Haushaltskontrolle (Report of the Controller and Auditor-General) festgestellt, dass für einen schwarzen Student im Jahr 1964 Kosten in Höhe von 2145 Rand am University College Fort Hare, 1.221 Rand am College of the North und 1.667 Rand am College of Zululand aufgewandt wurden. Demgegenüber standen nach diesem Report vergleichsweise jedoch 483 Rand für Studenten an „weißen“ Universitäten.

Bei der Amtseinführung von J. M. de Wet (Mitglied des Afrikaner Broederbond, zuvor Professor an der Potchefstroom-Universität) in der Nachfolge von Rektor J.J. Ross (Mitarbeiter von SABRA) kam es 1968 erneut zu studentischen Protestreaktionen. In dieser Zeit wurden akademische Stellen in Fort Hare vorzugsweise mit Personen aus dem Kreis der Afrikaaner besetzt, wobei eine Einflussnahme durch das Department of Bantu Education ausgeübt worden ist. Weitere studentische Proteste gegen die Apartheidpolitik folgten in den 1970er Jahren. Im Zuge des Aufstands in Soweto stellte die Universität 1976 für einige Monate ihren Betrieb ein.