Walsdorf ist ein Stadtteil von Idstein im südhessischen Rheingau-Taunus-Kreis.

Geographie Walsdorf liegt im Taunus, einem deutschen Mittelgebirge, und ist der nördlichste Stadtteil der Stadt Idstein. Er grenzt an Würges, den südlichsten Stadtteil der Stadt Bad Camberg.

Östlich des Ortes verläuft die Bundesstraße 8, westlich die Bundesautobahn 3. Durch den Ort führen die Landesstraße 3026 und der hessische Radfernweg R8.

Von Süd nach Nord fließt durch Walsdorf der Knallbach, ca. 100 Meter östlich der Bebauungsgrenze fließt der Emsbach, in welchen der Knallbach noch vor Erreichen von Würges mündet.

Geschichte mini|Evangelische Christuskirche

Chronik Die älteste bekannten schriftliche Erwähnungen von Walsdorf erfolgten im Jahr 774 unter dem Namen Walehestorpher und 788 in einer Schenkung an das Kloster Lorsch als Walehesheimer Marca.

1156 gründete Gottfried von Beselich in Walsdorf ein Benediktiner-Kloster für Mönche, das in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts in ein Nonnenkloster umgewandelt wurde und bis zu seiner Plünderung durch spanische Truppen im Jahre 1634 bestand.

Um 1200 ging die Herrschaft über Walsdorf an die Nassauer als Vögte von Limburg. 1355 fiel Walsdorf bei der Teilung des Walramschen Besitzes an die Grafschaft Nassau-Idstein.

Im 14. Jahrhundert erhielt Walsdorf durch Graf Adolf I. von Nassau-Idstein stadtähnliche Rechte. Die Siedlung wurde vom Tal auf einen Hügel verlegt und durch eine Stadtmauer mit Türmen umgeben. Die beiden Stadttore aus dieser Befestigungsanlage wurden erst 1822 abgebrochen.

Die erste Kirche wurde 1396 als Marienkapelle erwähnt. Am Anfang des 16. Jahrhunderts entstand die spätgotische Pfarrkirche, die allerdings zusammen mit dem Ort 1644 von bayerischen Truppen niedergebrannt wurde. Die heutige evangelische Kirche ist daher ein Wiederaufbau aus den Jahren 1652 bis 1663.

Auch nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde der Ort noch mehrmals durch Großbrände zerstört. 1692 vernichtet ein Großbrand nahezu das ganze Dorf. Beim Neuaufbau wurden der ehemalige Klosterbezirk einbezogen und die heutige Straßenführung im alten Dorf angelegt. Nach dem letzten Brand von 1831 errichtete man die Scheunen weiter außen auf der ehemaligen Stadtmauer, wodurch die heutige charakteristische Ortsansicht aus einer geschlossenen Front von Fachwerkhäusern entstand.

1730 wird das erste Haus außerhalb der Stadtmauer errichtet.

Nach dem Ersten Weltkrieg war Walsdorf von 1918 bis 1930 Teil des französisch besetzten Brückenkopfs Mainz und zugleich Grenzübergang zum freien Gebiet.Peter Faust: Alt Idstein: Nach dem I. Weltkrieg

Gebietsreform Zum 1. Oktober 1971 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Walsdorf im Zuge der Gebietsreform in Hessen auf freiwilliger Basis in die Stadt Idstein eingegliedert. Für den Stadtteil Walsdorf wurde, wie für die übrigen Stadtteile von Idstein, ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung eingerichtet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Walsdorf angehört(e):

vor 1721: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Nassau-Idstein, Amt Idstein ab 1721: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Nassau-Ottweiler, Amt Idstein ab 1728: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Nassau-Usingen, Amt Idstein 1787: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Nassau-Usingen, Oberamt oder Herrschaft Idstein ab 1806: Herzogtum Nassau, Amt Idstein 1812: Herzogtum Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Amt Idstein ab 1816: Herzogtum Nassau, Amt Idstein ab 1849: Herzogtum Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreisamt Langen-SchwalbachAbtrennung der Justiz (Justizamt Idstein) bis 1854. ab 1854: Herzogtum Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Justiz- und Verwaltungsamt Idstein ab 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, UntertaunuskreisEndgültige Trennung zwischen Justiz (Amtsgericht Idstein) und Verwaltung. ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Untertaunuskreis ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Untertaunuskreis ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Nassau, Untertaunuskreis ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Untertaunuskreis ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Untertaunuskreis ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Untertaunuskreis ab 1968: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Untertaunuskreis ab 1971: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Untertaunuskreis, Stadt IdsteinAm 1. Oktober 1971 als Stadtteil zu Idstein ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Regierungsbezirk Darmstadt, Rheingau-Taunus-Kreis, Stadt Idstein

Einwohnerentwicklung Einwohnerzahlen Quelle: Historisches Ortslexikon • 1566: 45 Haushaltungen • 1622: 88 Haushaltungen • 1676: 48 Haushaltungen • 1738: 78 Haushaltungen • 1771: 93 Haushaltungen

Einwohnerstruktur Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Walsdorf 1350 Einwohner. Darunter waren 75 (5,6 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 201 Einwohner unter 18 Jahren, 564 zwischen 18 und 49, 336 zwischen 50 und 64 und 249 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 609 Haushalten. Davon waren 162 Singlehaushalte, 198 Paare ohne Kinder und 177 Paare mit Kindern, sowie 54 Alleinerziehende und 18 Wohngemeinschaften. In 105 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 426 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Religionszugehörigkeit • 1895: 749 evangelische (= 98,04 %), 9 katholischer (= 1,18 %), ein anderes christliche-konfessioneller (= 0,13 %), 5 jüdische (= 0,65 %) Einwohner • 1961: 875 evangelische (= 85,45 %), 132 katholische (= 12,89 %) Einwohner

Politik Ortsbeirat Ortsvorsteher ist seit September 2020 Karl-Heinz Massier (Bürgerliche Wählergruppe Walsdorf), nachdem Ellen Maurer-Genc (SPD) das Amt im Juni 2020 niederlegte. Weitere Ortsbeiratsmitglieder sind: Stellv. Ortsvorsteherin Cindy Hartmann (SPD), Schriftführer Lars Hockstra (CDU), Stellv. Schriftführerin Tamara Lehmann (Bürgerliche Wählergruppe Walsdorf), Dargmar Kraus (SPD), André Hartmann (CDU) und Andrik Abramenco (FDP).Homepage. Ortsbeirat von Walsdorf, abgerufen am 28. März 2023.

Wappen

Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke Neben der Kirche mit Decken- und Wandmalereien aus dem 17. und 18. Jahrhundert sind heute Reste der ehemaligen Stadtmauer, aber vor allem der 24 Meter hohe Hutturm aus dem 14. Jahrhundert sowie zwei weitere Türme erhalten. Vom Kloster gibt es keine Überreste mehr.

Die geschlossene Scheunenfront aus dem 19. Jahrhundert stellt sich dem Besucher aus Richtung der östlich verlaufenden Bundesstraße 8 als auffälligstes Merkmal des Ortes dar. Zum Teil sind die Scheunen heute zu Wohnhäusern umgebaut.

Von 1907 bis 1951 belieferte die Walkmühle, heute ein beliebtes Ausflugsziel, den Ort mit 110 V Gleichstrom.

Dolles Dorf Im Jahr 2013 konnte Walsdorf beim Wettbewerb Dolles Dorf, der jedes Jahr vom Hessischen Rundfunk ausgetragen wird, gewinnen. Hierbei wird jeden Donnerstag in der Hessenschau ein Dorf gezogen, das am folgenden Samstag vorgestellt wird. Vier Dörfer kommen ins Finale und treten auf dem Hessentag im hr-Treff an. Walsdorf gewann am 16. Juni 2013 in Kassel gegen Nonnenroth, Röhrenfurth und Neukirchen und bekam von hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier den goldenen Onkel Otto überreichtWalsdorf ist dolles Dorf 2013. In: walsdorf-taunus.de, 30. September 2013, abgerufen am 20. Juni 2019..

Infrastruktur Den öffentlichen Personennahverkehr stellen die Buslinien 226 und 230 der Rheingau-Taunus-Verkehrsgesellschaft sicher. Im Ort gibt es einen städtischen Kindergarten und ein Dorfgemeinschaftshaus.

In Walsdorf geboren Ludwig David Ochs (1779–1857), Oberschultheiß und Mitglied des Nassauischen Landtags Ludwig Fabricius (1875–1967), Forstwissenschaftler und Hochschullehrer Dietmar Bücher (1944–2021), Bauunternehmer in Idstein, Begründer der Firma Dietmar Bücher Schlüsselfertiges BauenVolker Stavenow: „Ich arbeite bis zum letzten Atemzug“. Der Walsdorfer Dietmar Bücher gründete vor 50 Jahren seine Firma „Schlüsselfertiges Bauen“. In: Wiesbadener Kurier. 6. Juli 2019, abgerufen am 29. März 2023.

Literatur . Archivalien zum Kloster Walsdorf im Hessischen Hauptstaatsarchiv, Wiesbaden. Adolf Deißmann: Geschichte des Benedictinerklosters Walsdorf nebst einem Anhang über die Geschichte des Freifleckens Walsdorf nach urkundlichen Quellen. Hrsg. von dem Verein für Nassauische Alterthumskunde und Geschichtsforschung. W. Roth, Wiesbaden 1863, (Scan der Bayerischen Staatsbibliothek). Gerhard Buck: Der Bauer als Bürger – der Freiflecken Walsdorf. In: Gerhard Honekamp u. a. (Hrsg.): Alltag zwischen Mächtigen und Müßiggängern. Historischen Erkundungen in Wiesbaden und Umgebung. Eine Publikation der Wiesbadener Geschichtswerkstatt e. V., 2. Auflage. Breuer, Wiesbaden-Erbenheim 1995, , S. 135–142.

Weblinks

Walsdorf. In: Porträt des Stadtteils im Webauftritt der Stadt Idstein

Fußnoten Anmerkungen

Einzelnachweise

Kategorie:Ortsbezirk von Idstein Kategorie:Ort im Rheingau-Taunus-Kreis Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Rheingau-Taunus-Kreis) Kategorie:Ersterwähnung 774 Kategorie:Gemeindeauflösung 1971