Der Luckenwaldesche Kreis, auch Luckenwaldischer Kreis war eine Verwaltungseinheit des Erzstifts Magdeburg, ab 1648 Herzogtum Magdeburg, die als Exklave zwischen der Mark Brandenburg und dem Herzogtum Sachsen-Wittenberg lag. Er wurde 1773 im Tausch mit dem Ziesarschen Kreis zur Kurmark gelegt, der Ziesarsche Kreis wurde dagegen vom Zaucheschen Kreis der Kurmark abgetrennt und zum Herzogtum Magdeburg gelegt. Der Luckenwaldesche Kreis wurde 1816/1817 mit den bis 1815 sächsischen Ämtern Jüterbog und Dahme zum Jüterbog-Luckenwaldeschen Kreis, später Kreis Jüterbog-Luckenwalde genannt, zusammengelegt.
Geschichte Der Luckenwaldesche Kreis entstand zum Hauptteil aus den Besitzungen des Klosters Zinna. Als dieses Kloster 1553 aufgelöst wurde, fiel der Luckenwalder Besitz, insbesondere das neu gegründete Amt Zinna,7 Zinna; Rep. 7 Amt Zinna; 1471-1913 (Bestand), in: BLHA Potsdam. welches später auch die Rechtssprechung über die Stadt Luckenwalde erhielt,Johann Christoph von Dreyhaupt: Pagus Neletizi et Nudzici, oder ausführliche diplomatisch-historische Beschreibung des zum ehemaligen Primat und Ertz-Stifft, nunmehr aber durch den westphälischen Friedens-Schluß secularisirten Herzogthum Magdeburg gehörigen Saal-Kreyses und aller darinnen befindlichen Städte, Schlösser, Aemter, Rittergüter, adelichen Familien, Kirchen, Clöster, Pfarren und Dörffer, insonderheit der Städte Halle, Neumarckt, Glaucha, Wettin, Löbegün, Cönnern und Alsleben; aus Actis publicis und glaubwürdigen … Nachrichten mit Fleiß zusammengetragen, mit vielen ungedruckten Dacumenten bestärcket, mit Kupferstichen und Abrissen gezieret, und mit den nöthigen Registern versehen. Verlag des Waisenhauses (Franckesche Stiftungen), Halle 1755, S. 605. an das Erzstift Magdeburg, dessen Fürstbischof aus dem Haus Hohenzollern stammte, zu dieser Zeit konkret Sigismund von Brandenburg. Der Luckenwaldesche Kreis bildete von da an eine Exklave Magdeburgs zwischen den Kurfürstentümern Brandenburg und Sachsen. 1680 kam der Kreis zusammen mit dem gesamten Herzogtum Magdeburg endgültig an Brandenburg.
Als König Friedrich II. im Jahre 1772 die Musterung seiner Truppen in Pietzpuhl vornahm, bemerkte er, dass der größte Teil des Zauchischen Kreises der Kurmark näher an Magdeburg lag als an Berlin, und umgekehrt, dass der zum Herzogtum Magdeburg gehörende, aber schon seit 1730 unter der Verwaltung der Kriegs- und Domänenkammer stehende Luckenwaldesche Kreis als Exklave von der Mittelmark halb umgeben war. Er beschloss daher, die westlichen Teile des Zauchischen Kreis zum Herzogtum Magdeburg zu legen, den Luckenwaldeschen Kreis dagegen zur Kurmark. Der Unmittelbare Königliche Befehl an das Justiz- und geistliche Department lautete:
Der Gebietsaustausch trat zu Trinitatis (= 6. Juni) 1773 in Kraft.
Umfang des Luckenwaldeschen Kreises 1801 Ahrensdorf (Dorf), Ortsteil der Gemeinde Nuthe-Urstromtal Bardenitz (Dorf), Ortsteil der Stadt Treuenbrietzen Berkenbrück (Dorf), Ortsteil der Gemeinde Nuthe-Urstromtal Charlottenfelde (Koloniedorf), Gemeindeteil von Petkus, einem Ortsteil der Stadt Baruth/Mark Klausdorf (Dorf), Ortsteil der Stadt Treuenbrietzen Dobbrikow (Dorf), Ortsteil der Gemeinde Nuthe-Urstromtal Dümde (Dorf), Ortsteil der Gemeinde Nuthe-Urstromtal Felgentreu (Dorf), Ortsteil der Gemeinde Nuthe-Urstromtal Frankenfelde (Dorf), Ortsteil der Gemeinde Nuthe-Urstromtal Frankenförde (Dorf), Ortsteil der Gemeinde Nuthe-Urstromtal Geraer Kolonie (Kolonie), Stadt Luckenwalde, Geraer Straße Glau (Dorf und Gut), Ortsteil der Stadt Trebbin Gottow (Dorf, Eisenhüttenwerk und Vorwerk), Ortsteil der Gemeinde Nuthe-Urstromtal Gottsdorf (Dorf), Ortsteil der Gemeinde Nuthe-Urstromtal Grüna (Dorf), Ortsteil der Stadt Jüterbog Hennickendorf (Dorf), Ortsteil der Gemeinde Nuthe-Urstromtal Holbeck ( Dorf und Gut), Ortsteil der Gemeinde Nuthe-Urstromtal Jänickendorf (Dorf), Ortsteil der Gemeinde Nuthe-Urstromtal Kaltenhausen (Dorf), Wohnplatz der Stadt Jüterbog Kemnitz (Dorf), Ortsteil der Gemeinde Nuthe-Urstromtal Klostermühle, Wassermühle, existiert nicht mehr, in Kloster Zinna aufgegangen Kolzenburg (Dorf), Ortsteil der Stadt Luckenwalde Langenbergscher Theerofen, unweit Gottow, existiert nicht mehr, lag westlich von GottowAugust Heinrich von Borgstede: Statistisch-topographische Beschreibung der Kurmark Brandenburg 1788, Erster Theil, Johann Friedrich Unger, Berlin 1788, S. 263. Liebätz (Dorf), Ortsteil der Gemeinde Nuthe-Urstromtal Liepe (Dorf und Gut), Ortsteil der Stadt Dahme/Mark Ließen (Dorf), Ortsteil der Stadt Baruth/Mark Lindenberg (Linderberger Mühle), bei Kolzenburg, später dort eingemeindet Löwendorf (Dorf), Ortsteil der Stadt Trebbin Luckenwalder Forsthaus Luckenwalder Busch, Büdneretablissement Luckenwalder Mühle, Wassermühle Märtensmühle (Dorf), Ortsteil der Gemeinde Nuthe-Urstromtal Mehlsdorf (Dorf), existiert nicht mehrLudwig Götze: Die Protocolle der ersten evangelischen Kirchen-Visitation im erzstiftlich-magdeburgischen Kreise Jüterbogk vom Jahre 1562, in: Geschichtsblätter für Stadt und Land Magdeburg. Mittheilungen des Vereins für Geschichte und Alterthumskunde des Herzogthunms und Erzstifts Magdeburg 1875, 10. Jahrgang 1875, Hrsg. Vorstand des Magdeburger Geschichts-Vereins, Druck Th. Wulfert Schönebeck, Schäfer’sche Buchhandlung (A. Rüdiger), Magdeburg 1875, S. 125 f. Mietgendorf (Dorf und Gut) Moldenhauers Hütten, Häuser, zwischen Luckenwalde und dem Langenbergschen Theerofen, heute Wohnplatz Moldenhütten der Gemeinde Nuthe-Urstromtal Neue Mühle (Wasser-, Mahl- und Schneidemühle), existiert nicht mehr Nettgendorf (Dorf), Ortsteil der Gemeinde Nuthe-Urstromtal Neuhof (Dorf) Obermühle (Wassermühle), Wohnplatz in der Gemeinde Nuthe-Urstromtal Pechhütte bei Luckenwalde,? Pechüle (Dorf), Ortsteil der Stadt Treuenbrietzen Ruhlsdorf (Dorf), Ortsteil der Gemeinde Nuthe-Urstromtal Scharfenbrück (Erbpachtsvorwerk und Kolonie), Ortsteil der Gemeinde Nuthe-Urstromtal Schlenzer (Hohen Schlenzer, Dorf) Schmielickendorf (Vorwerk und Schäferei), existiert nicht mehr (ehemaliger Truppenübungsplatz) Schneidemühle bei Zinna, existiert nicht mehr, in Kloster Zinna aufgegangen Schönhagen (Dorf und Gut), Ortsteil der Stadt Trebbin Sernow (Dorf), Ortsteil der Gemeinde Niederer Fläming Stülpe (Dorf und Gut), Ortsteil der Gemeinde Nuthe-Urstromtal Untermühle, Wassermühle bei Gottsdorf (? Klinkenmühle, Wohnplatz in der Gemeinde Nuthe-Urstromtal) Wahlsdorf (Dorf), Ortsteil der Stadt Baruth/Mark Woltersdorf (Waltersdorf, Dorf), Ortsteil der Gemeinde Nuthe-Urstromtal Waltersdorfer Papiermühle, existiert nicht mehr, an der Stelle der Industriegebäude Woltersdorf, Bahnhofstraße 27 Werder (Dorf), Ortsteil der Stadt Jüterbog Wölmsdorf (Dorf), Ortsteil der Gemeinde Niedergörsdorf Zinna oder Dorf Zinna, heute Ortsteil Neuheim der Stadt Jüterbog Kloster Zinna (Domänenamtssitzvorwerk), Ortsteil der Stadt Jüterbog Zülichendorf (Dorf), Ortsteil der Gemeinde Nuthe-Urstromtal
Nachdem auf dem Wiener Kongress 1815 große Teile von Sachsen zu Preußen gekommen waren, wurde 1816/7 der Landkreis Jüterbog-Luckenwalde gegründet. Der Luckenwaldesche Kreis ging in dem neuen Landkreis auf. Hinzu kamen die früheren sächsischen Ämter Jüterbog und Dahme, die Herrschaft Baruth sowie etliche Exklaven anderer ehemals sächsischer Ämter.
Landräte ? Christian Wilhelm von Thümen,Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Der in Deutschland eingeborene Adel (Uradel) 1902, Dritter Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1901, S. 820. Sohn des Joachim von Thümen-Blankensee (1625–1677), kurbrandenb. Amtshauptmann zu Luckenwalde 1701–1705 Adam Ernst I. von Rochow († 1705)Adolf Friedrich August von Rochow: Nachrichten zur Geschichte des Geschlechts derer von Rochow und ihrer Besitzungen. Ernst & Korn, Berlin 1861, S. 124 f. von den Ständen gewählter Commissarius (Landrat)Adam Ernst (I.) von Rochow. Preuß. Land- und Kriegskommissar im Kreis Luckenwalde, Erbherr auf Stülpe. Sohn von Hans Ernst von Rochow und Louisa von Hake. In: . 1717–1723 Gustav Wilhelm von HackeH. Liebe: Das Landratsamt, in: Das militärische Element in der Beamtenschaft des Herzogtums Magdeburg von 1806, in: Geschichts-Blätter für Stadt und Land Magdeburg. Mitteilungen des Vereins für Geschichte und Alterthumskunde des Herzogtums und Erzstift Magdeburg 1910, 45. Jahrgang, Hrsg. Vorstand, Druck E. Baensch jun., Magdeburg 1910, S. 305. 1723–1759 Peter Christian von Wobeser (1757–1759 unterstützt) 1734 Johann Ludwig von Dorville, adjungierte Landrat 1744 Walter Christoph von Schierstedt (Landrat des Luckenwaldeschen und Zaucheschen Kreises)Adres-Calender der sämtlichen Königl. Preuß. Lande und Provinzien, ausser den Residenzien Berlin und dem Königreiche Preussen der darinnen befindlichen hohen und niedern Collegien, Instantzien und Expeditionen, ingleichen Königl. Bediente, Magisträte, Prediger, Universitäten etc. auf das Jahr MDCCLXXV. Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 1775, S. 39.Handbuch über den Königlich Preußischen Hof und Staat für das Jahr 1796, Georg Decker, Berlin 1796, S. 57. bis 1759 Adam Ernst II. von Rochow († 22. Juni 1759)Adolf Friedrich August von Rochow: Nachrichten zur Geschichte des Geschlechts derer von Rochow und ihrer Besitzungen. Ernst & Korn, Berlin 1861, S. 143 f.; ff. Beilagen. von den Ständen gewählter Commissarius (Landrat)1740–1754 Erbauer vom neuen Schloss Stülpe. 1760–1772 Freiherr Carl Moritz von Wangelin (danach 1773–1779 Landrat des Ziesarschen Kreises)Rolf Straubel: Biographisches Handbuch der preußischen Verwaltungs- und Justisbeamten 1740–1806/15. Teil 1: Biographien. In: Einzelveröffentlichungen der Hist. Kommission zu Berlin, 85; In: Einzelveröffentlichungen des BLHA, VII, Hrsg. Klaus Neitmann, K. G. Saur, München 2009, S. 1066. 1784 Franz Friedrich von Schierstedt (1753–1811) (Landrat des Luckenwaldeschen und Zaucheschen Kreises) 1797 Rochus von Rochow (1762–1828) (Landrat des Luckenwaldeschen und Zaucheschen Kreises)
Literatur Hanns Gringmuth-Dallmer: Die Behördenorganisation im Herzogtum Magdeburg – ihre Entwicklung und Eingliederung in den brandenburgisch-preußischen Staat. Dissertation, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, 1934. Die Landrathswahl Kr. Luckenwalde, In: Martin Hass, Wolfgang Peters, Ernst Posner: Die Behördenorganisation und die allgemeine Staatsverwaltung. Die Akten von Januar 1759 bis Februar 1763, In: Acta Borussica, Alte Folge, Teilband 12, Paul Parey Berlin 1926, S. 118 f.Reprint: Verlag Keip, Frankfurt am Main 1987. 760 S. Luckenwaldischer Kreis, in: F. M. A. Bratring: Statistisch-topographische Beschreibung der gesammten Mark Brandenburg. Zweiter Band, Friedrich Maurer, Berlin 1805. Johann Ludwig von Heineccius: Ausführliche topographische Beschreibung des Herzogthums Magdeburg und der Grafschaft Mansfeld, Magdeburgischen Antheils. Decker, Berlin 1785. Digitalisat
Weblinks Karte: Die Mittelmark mit dem Zauchischen und Luckenwaldeschen Kreis, In: Brandenburg-Museum-Digital
Einzelnachweise
Kategorie:Kreis der Mark Brandenburg Kategorie:Verwaltungseinheitsgründung 1773 Kategorie:Aufgelöst 1816