mini|hochkant|Leo Pröstler, 2018 Leo Pröstler (* 7. September 1947 in Eisenerz, Steiermark) ist ein Unternehmer und Umweltschützer. Er gilt als Pionier des Öko-Versandhandels in Deutschland, den er mit der Gründung des Waschbär Umweltversand etablierte.Das 1987 gegründete Unternehmen „Waschbär“ gilt als Pionier im Umweltversand. Heute leitet Leo Pröstler ein Finanzunternehmen im Südschwarzwald für nachhaltige Forstwirtschaft in Costa Rica und arbeitet als Unternehmensberater., abgerufen am 6. August 2026
Leben und Wirken Herkunft und Arbeit als Ingenieur Leo Pröstler kam 1947 als älterer von zwei Brüdern im steirischen Eisenerz, einer österreichischen Montanstadt zur Welt. Sein Vater war Bergbauingenieur, die Mutter Kauffrau. Nach der Matura 1965 in Leoben, Österreich, studierte Pröstler Eisenhüttenkunde an der Technischen Universität Clausthal und schloss mit einer Diplomarbeit zum Thema „Diffusion von Stickstoff in Eisen-Kohlenstoffverbindungen“ ab. Nach dem Studium übernahm Pröstler eine Stelle als Projektleiter Vertrieb bei Mannesmann. Dort war er für den Vertrieb von Hüttenwerken, insbesondere von Stranggießanlagen zur Stahlherstellung in Europa, Iran und Nordafrika und ab 1978 als leitender Projektrepräsentant in Teheran verantwortlich., abgerufen am 6. August 2026
Der Wertewandel zum Umweltschutz Ein wichtiger Paradigmenwechsel im Leben von Leo Pröstler entwickelte sich in seiner Zeit als Projektmanager in Algerien, Ende der siebziger Jahre. Er pendelte zwischen Annaba, einer Stadt am Mittelmeer im äußersten Nordosten Algeriens, und Düsseldorf, um das Projektmanagement zu steuern. „Da bin ich dann über die Städte geflogen und habe herunter gesehen auf die schwarzen Rauchpilze der Stahlwerke, die ich verkauft habe.“Interview In: Die Zeit. 30. Juli 2010. Ihm wurde klar, dass es so nicht weitergehen könne.Leo Pröstler in der SWR Landesschau vom 13. Januar 2010 Interview Titel: „Leo Proestler, Unternehmer und Umweltschuetzer“ ausgestrahlt am 6. November 2009 – Zeitindex 19:20 Min.
Pröstler nahm dies als Anlass zum Umdenken und den Ausstieg aus dem Management der Schwerindustrie. Es schloss sich eine Phase des Nachdenkens und Reisens an, in der die Idee heranreifte, etwas mit Argumenten verändern zu wollen, sowie politische Einflussnahme mit wissenschaftlicher Arbeit zu verbinden. Für dieses Ziel konnte er ab 1980„1980 war Pröstler zurück in Deutschland und arbeitete beim Freiburger Öko-Institut“. In: Die Zeit. 30. Juli 2010. als Geschäftsführer des Öko-Instituts in Freiburg eine entsprechende Plattform finden. Da er als gelernter Projektmanager konnte er den Fachbereich „Ökologische Wirtschaft“ im Öko-Institut etablieren. Pröstler war es wichtig, dem Institut eine bessere ökonomische Basis zu verschaffen, wissenschaftlich zu arbeiten und gleichzeitig Lobbyarbeit für eine nachhaltige Wirtschaft mit Blick auf den Bürger und seine Nachfrage zu betreiben.
1984 stellte sich für das Öko-Institut die Frage, entweder weiter zu wachsen oder sich eher im Sinne eines Bürgerinstituts zu konzentrieren, mit dem Ziel die Zivilgesellschaft und bürgerschaftliches Engagement über die Forschung zu fördern. „Der Manager, der eigentlich keiner mehr sein wollte, vermisste jetzt ein unternehmerisches Ziel, die Effizienz und vor allem die praktische Umsetzung von Studien und Erkenntnissen“ wurde später zitiert.Genies in Jeans – Die neuen kreativen Unternehmer. Aufbau-Verlag, 1995, ISBN 3-7466-1143-1, S. 87. Pröstler widersprach einer starken Expansion mit wachsenden Forschungsaufträgen und Abhängigkeiten, ohne den praktischen Bezug für die Menschen. Rainer Grießhammer, der später sein Nachfolger im Öko-Institut wurde, vermittelte eine Zeit lang diese unterschiedlichen Ansätze. Schließlich wählte Pröstler jedoch den Weg der Trennung, um sich, ganz Ingenieur und Problemlöser, auf seinen pragmatischen Ansatz zu konzentrieren. Er gründete daraufhin sein erstes Unternehmen im Umweltbereich.
Die Entwicklung des Waschbär-Versandhandels Mit der Idee, für das neue Abfalltrennungsgesetz eine Küchenhilfe zur Mülltrennung bereitzustellen, hatte Pröstler 1984 das erste Abfalltrennsystem für private Haushalte weltweit erfunden.Mülleimer für Umweltbewußte. In: Der Spiegel. 37/1985. Er produzierte die Müllschränke und verschickte sie per Post. So lernte Pröstler wie Versandhandel nicht funktioniert: ein einzelnes Produkt zu entwickeln, das zudem lange hält, teuer ist, das sich schwer verschicken lässt und zu keiner Nachbestellung führt. Daraufhin entwickelte er ein Verkaufsset mit ökologischen Reinigungsmitteln und einer Gebrauchsanweisung zum Selbermischen, die den ganzen Haushalt abdecken sollte, packte alles in eine Putzkiste aus Recyclingkarton und gründete damit 1987 den Waschbär Umweltversand., abgerufen am 6. August 2026 Er erweiterte das Angebot nach und nach um weiteren Haushaltsbedarf, Textil- und Büroartikel. Mit dem Versandhaus Sancho Pansa GmbH schuf Pröstler parallel die Möglichkeit zur Katalogbestellung für Dritte-Welt-Produkte und hatte bald an die fünftausend Artikel im Sortiment. 1995 beteiligte sich Pröstler mit seinem Unternehmen an einem Windkraftpark, um den Energiebedarf seines Unternehmens zu decken und gab seinen Kunden per Katalog die Möglichkeit zur finanziellen Beteiligung an der Investition. „‚Öko-Otto‘ nannte die Branche Pröstlers Unternehmen inzwischen halb belustigt, halb irritiert“,„„Öko-Otto“ nannte die Branche Pröstlers Unternehmen halb belustigt, halb irritiert“. In: DIE ZEIT. 30. Juli 2010. in Anspielung auf den Otto-Versand.
Nach und nach wurde sein Katalog durch Hintergrundinformationen zu ökologischen und ökonomischen Zusammenhängen eine Plattform für weitere energiepolitische Initiativen wie die Stromsparkampagne: Pröstler bot über den Katalog ein Stromspar-Beteiligungspaket für Privathaushalte an. Unter anderem durch die Messung von Standby-Verbräuchen und den Einsatz von Energiespar-Leuchtmitteln sollte gemeinsam so viel Energie eingespart werden, dass ein Atomkraftwerk überflüssig würde. In: StromMagazin. 5. Januar 2000. Abgerufen am 6. August 2026 Auch damit wuchs das neue Unternehmen in kurzer Zeit zu einer Firma mit einer halben Million Kunden.Leo Pröstler in der SWR Landesschau vom 13. Januar 2010 Interview Titel: „Leo Proestler, Unternehmer und Umweltschuetzer“ ausgestrahlt am 6. November 2009 – Zeitindex 21:25 Min.
1994 hatte der Versandkatalog bereits einen so großen Umfang, dass Pröstler angesichts seiner eigenen Entwicklung abermals nachdenklich wurde. Die Frage, wie der Holzverbrauch für die große Papiermenge zum Druck des Kataloges für eine halbe Million Kunden kompensiert werden könnte, beantwortete die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit mit der Idee, einheimische Baumarten in Costa Rica, vor allem aufgrund der dortigen stabilen politischen und klimatischen Bedingungen aufzuforsten. Einerseits um den eigenen Papierkonsum auszugleichen und andererseits um ein sozial und ökonomisch sinnvolles Investment in ärmeren Ländern zu fördern. Aus dieser, zunächst eher aus Marketinggründen entstandenen Idee, entwickelte sich der nächste Paradigmenwechsel von Pröstler. Die Vorstellung, seine vorhandene Erfahrung und einen Teil seiner Gewinne mit der Idee zur nachhaltigen Förderung in einem Dritte-Welt-Land konkret zu verbinden, motivierte ihn für sein neues Projekt. Um möglichst Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten, richtete Pröstler zunächst mehrere Projektfonds ein und baute eine Medizinstation in Nepal auf sowie ein Dorfentwicklungsprojekt in Indien. In Costa Rica entstand die erste Baumschule.
Der Erfolg des Versandhandels zwang Pröstler trotz aller früheren Bemühungen langsam und organisch zu wachsen, weiter zu investieren. Sein Unternehmen Waschbär war zu dieser Zeit mit einem Jahresumsatz von zuletzt 68 Millionen Mark eines der größten im deutschen Ökoversand.Drohende Insolvenz mit Übernahme des Waschbär Versandes. In: TAGESSPIEGEL. 24. Juni 2001. Gleichzeitig übernahm er sich mit der durch die Ökobank initiierten, günstig zu finanzierenden Übernahme eines anderen ökologischen Versand- und Einzelhandelsunternehmens, der Alb Natur Versandhandels GmbH sowie der Alb Natur Einzelhandels GmbH (Jahresumsatz 1999: 20 Mill. DM). Hinzu kam die finanzielle Belastung durch ein neues Logistikzentrum und die „branchenweit feststellbare Nachfrageschwäche im Textilbereich“, der etwa 50 % zum Gesamtumsatz beitrug., Sommer 2001, TextilWirtschaft 26 vom 28. Juni 2001, Seite 020. Etwa 300.000 Kunden kauften zu dieser Zeit regelmäßig bei Waschbär und 100.000 bei Alb Natur. Einige Jahre vor seinem Ausscheiden bei Waschbär konnte Pröstler noch einige Investoren gewinnen, mit denen er das Unternehmen gemeinsam weiter geführt hat.Waschbär-Insolvenz und Übernahme. In: TAZ. 20. August 2001. Im folgenden Insolvenzverfahren scheiterte trotz voller Auftragsbücher die Gründung einer eigenen Beteiligungsgesellschaft unter Führung von Pröstler zur Rettung seines angeschlagenen Unternehmens, weil sich die Bedingungen am „Neuen Markt“ binnen kurzer Zeit rapide verschlechtert hatten. Pröstler verließ daraufhin das Unternehmen, welches weiterbestand.
Konzentration auf Beratung und Aufforstung Mit der Unternehmensberatung Querdenker GmbH, die schon zu Zeiten des Waschbär entstanden war, folgte eine erneute Konzentration auf Veränderungsprozesse. Pröstler beriet zunächst Unternehmen im Bereich regenerative Energie und einen Tee-Direktvertrieb. In Günter Faltin, Professor für Entrepreneurship an der FU Berlin und Gründer der Projektwerkstatt Teekampagne, hatte er einen Projektpartner gefunden, dessen Motive und Gründungsideale sich mit seinen deckten. Pröstler war als Berater für Vertriebsstrukturen und nachhaltiges Management erfahren genug, um Faltin bei der Umsetzung dessen Idee von einer sozial und ökologisch einwandfreien Teevermarktung von der Plantage bis zum Verbraucher zur Seite zu stehen. Und Pröstler konnte sich auf die Weitergabe seines Wissens konzentrieren, ohne erneut ein großes Unternehmen gründen zu müssen. Gleichzeitig bereitete er weiter den Ausbau seines eigenen Aufforstungsprojektes in der Dritten Welt vor.
2007 hatte Pröstler die ersten Investoren für ein eigenes Renditeprojekt zur Aufforstung in Costa Rica zusammen (→ Waldfonds).Umweltgrößen investieren in Waldprojekt. In: SÜDKURIER. 13. November 2007. Er gründete die BaumInvest GmbH & Co KG und einen gleichnamigen geschlossenen Fonds in Deutschland sowie in Costa Rica das Tochterunternehmen Isla Bosques und kaufte im Norden des Landes eine 224 ha große Fläche ehemaligen Regenwaldes. Dieser war abgeholzt und durch die übliche intensive Weidewirtschaft weitgehend kompaktiert.Erste Aufforstung in Costa Rica über einen Fonds. Sein Sohn, Stefan Pröstler, stieg mit in die Bewirtschaftung der Plantage ein und übernahm mehr und mehr das Tagesgeschäft, so dass sich Leo Pröstler weiter um die Anwerbung von Kapital für einen zweiten und dritten Fonds bemühen konnte.