mini|hochkant=1.4|Bussteig auf dem ZOB Hamburg. miniatur|Der Zentrale Omnibusbahnhof München von der Hackerbrücke aus.
Der Fernbusverkehr in Deutschland ist seit Anfang 2013 weitgehend liberalisiert.Dieter Fockenbrock: Wettstreit zweier Staatskonzerne. In: Handelsblatt. Nr. 244, 17. Dezember 2012, , S. 18 f Während bis Ende 2012 Fernbuslinien Fahrgäste innerhalb Deutschlands bis auf wenige Ausnahmen nicht befördern durften, besteht seitdem zum Schutz des (von den Ländern bezuschussten) regionalen Zugverkehrs nur noch das Verbot für Fernbusse, Strecken in Konkurrenz zum Nahverkehr zu bedienen,, Pressemitteilung des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung vom 14. September 2012 (mit Link auf eine entsprechende Pressemitteilung der beteiligten Bundestagsfraktionen vom gleichen Tage)Fernbusse dürfen Bahn Konkurrenz machen wie sich nun aus Personenbeförderungsgesetz (PBefG) ergibt.
Während zuvor aufgrund der regulativen Beschränkungen in erster Linie internationale Linien, Flughafenzubringer und geschichtlich bedingt Linien von und nach Berlin bestanden, verbinden Linienbusse nun viele größere deutsche Städte untereinander oder mit touristischen Zielen.
Internationaler Verkehr mini|Fernbus in Mannheim auf dem Weg nach Ungarn
Schon vor der Liberalisierung des nationalen Fernbusmarktes konnte aufgrund des EU-Rechts der internationale Verkehr nicht untersagt werden. des Rates vom 16. März 1992 zur Einführung gemeinsamer Regeln für den grenzüberschreitenden Personenverkehr mit Kraftomnibussen zur Festlegung der Bedingung der Zulassung von Verkehrsunternehmen zum Personenverkehr mit KOM innerhalb eines Mitgliedsstaates, in dem sie nicht ansässig sind (Kabotage-Verordnung) Für diese Linien bestand bis 2013 jedoch ein Beförderungsverbot auf innerdeutschen Strecken (Verbot der Kabotage).
mini|IC Bus der Deutschen Bahn Damals wie heute gibt es von Deutschland aus Fernbuslinien in fast alle europäischen Länder. Das Angebot variiert allerdings stark, wobei etwa die Konkurrenz durch mehr oder weniger gut ausgebaute internationale Eisenbahnlinien eine Rolle spielt. Hauptziele sind Osteuropa (u. a. Polen, Baltikum) und Südeuropa (zum Beispiel Spanien, Portugal). Neben einer Vielzahl von Anbietern wie der Deutschen Bahn AG (über die Omnibusverkehr Franken GmbH nach Prag) mit nur wenigen Linien ist Deutschland durch die Deutsche Touring in das europaweite Fernliniennetz der Eurolines eingebunden. So wurde beispielsweise durch das Unternehmen MeinFernbus, das lange Zeit Marktführer in der Fernbusbranche war, ein europaweites Liniennetz betrieben, bevor es im Jahre 2015 zu einer Fusion mit Flixbus (seit 2016 Flixmobility GmbHhttps://www.flixbus.de/impressum) kam. Flixbus selbst startete im Jahre 2014 mit grenzüberschreitenden Linien nach Österreich, in die Schweiz und die Niederlande. Zurzeit bietet das fusionierte Unternehmen, welches zunächst unter dem Namen MeinFernbus FlixBus auftrat (seit Mai 2016 nur noch FlixBushttps://www.facebook.com/FlixBusDE/posts/1001649506549516:0), über 10.000 Direktverbindungen innerhalb Deutschlands und dem europäischen Ausland an. Auch Berlin Linien Bus bot vom ZOB Berlin ausgehend internationale Verbindungen an.
Aufgrund der COVID-19-Pandemie im Jahre 2020 hatten alle in Deutschland aktiven Fernbusfirmen ihren Betrieb vorübergehend eingestellt.https://www.eurolines.de/de/service-infos/coronavirus-informationen/
Nationaler Verkehr Definition Die Vorschrift des PBefG definiert Personenfernverkehr als Linienverkehr mit Kraftfahrzeugen, der nicht zum öffentlichen Personennahverkehr und nicht zu den Sonderformen des Linienverkehrs nach PBefG (Schüler- und Marktfahrten, Beförderung von Berufstätigen zwischen Wohnung und Arbeitsstelle oder von Theaterbesuchern) gehört. Personennahverkehr ist nach Abs. 1 PBefG die allgemein zugängliche Beförderung von Personen mit Straßenbahnen, O-Bussen und Kraftfahrzeugen im Linienverkehr, die überwiegend dazu bestimmt sind, die Verkehrsnachfrage im Stadt-, Vorort- oder Regionalverkehr zu befriedigen.
Insbesondere die Abgrenzung zum Regionalbusverkehr kann im Einzelfall schwierig werden, da auch Regionalbusse Städte miteinander verbinden können, allerdings nur innerhalb einer Region oder eines Verbundbereiches oder als Verbindung zwischen Regionalbereichen (vgl. dazu auch den Artikel Fernverkehr). Das Gesetz gibt jedoch eine Hilfestellung, indem es vermutet, dass es sich noch um Nah- bzw. Regionalverkehr handelt, wenn in der Mehrzahl der Beförderungsfälle eines Verkehrsmittels die gesamte Reiseweite 50 Kilometer oder die gesamte Reisezeit eine Stunde nicht übersteigt (§ 8 Abs. 1 Satz 2 PBefG). Diese Grenze ist auch für Fernbuslinien bedeutsam, denn gemäß § 42a PBefG dürfen Passagiere zwischen zwei Haltestellen nicht befördert werden, wenn der Abstand zwischen ihnen nicht mehr als 50 Kilometer beträgt oder zwischen diesen Haltestellen Schienenpersonennahverkehr mit einer Reisezeit bis zu einer Stunde betrieben wird. Allerdings können auf Antrag für einzelne Teilstrecken Ausnahmen gewährt werden, wenn kein ausreichendes Nahverkehrsangebot besteht oder das Fahrgastpotenzial der vorhandenen Verkehrsangebote nur unerheblich beeinträchtigt wird.
Entwicklung des rechtlichen Rahmens Grundlage der Gesetzgebung ist das Personenbeförderungsgesetz (PBefG), dessen Inhalt seit Inkrafttreten am 1. April 1935 in weiten Teilen unverändert blieb. Bis zur Novellierung Ende 2012 konnten neue Buslinien nicht genehmigt werden, wenn dieselbe Verkehrsleistung bereits durch andere Verkehrsmittel (Eisenbahn, bestehende Buslinien) in befriedigendem Umfang erbracht wurde. Eine neu einzurichtende Buslinie musste zu einer wesentlichen Verbesserung des Verkehrsangebotes führen..
Dies war u. a. dann gegeben, wenn die neue Buslinie eine Strecke bediente, auf der zu dieser Zeit kein anderes Verkehrsmittel verkehrte, eine wesentlich kürzere Fahrzeit als bestehende Verkehrsmittel aufwies, zu Zeiten verkehrte, zu denen mit anderen Verkehrsmitteln keine Verbindung bestand oder wesentlich preiswerter als andere Verkehrsmittel auf derselben Strecke war.
Ziel der Regelung war die Wahrung der öffentlichen Verkehrsinteressen, insbesondere die Verhinderung einer Konkurrenzsituation zwischen verschiedenen Unternehmern untereinander oder mit den Eisenbahnen. Der Gesetzgeber nahm an, dass eine solche Konkurrenzsituation sich in der Regel negativ auf die Verkehrsbedienung einer Relation auswirkt, und schützte daher die bereits vorhandenen Verkehrsmittel vor Wettbewerbern.
Seit einigen Jahren stand diese Regelung vermehrt in der Kritik, da sie den Verbrauchern kostengünstige Fernbuslinien vorenthalte.Steffen Fruendt: Jahrzehnte auf der Standspur. In: Die Welt, 15. Oktober 2006. Abgerufen am 14. März 2014.Öko-Alternative Fernbus. In: die tageszeitung. Zudem bevorzuge die Bestandsregelung einseitig die Deutsche Bahn als größtes Fernzug- und größtes Busunternehmen in Deutschland. Die Deutsche Bahn AG setzte sich vehement für die Beibehaltung der Regelung ein und argumentierte damit, dass sich bei Liberalisierung der Genehmigungsverfahren für Fernbuslinien bestimmte Fernzüge nicht mehr wirtschaftlich betreiben ließen. Das Angebot müsste dann ausgedünnt oder die Verbindung eingestellt werden. Diese Befürchtungen halten einige Verkehrswissenschaftler für unbegründet, da nur ein kleiner Teil der Fahrgäste die neuen Buslinien benutzen würde.Ein Gesetz von 1934 verbietet Fernlinien für Busse. In: Der Tagesspiegel. Zudem sei fraglich, ob bei Wegfall der Genehmigungsbeschränkungen überhaupt dauerhaft viele neue Fernbuslinien eingerichtet werden würden.
Trotz der erhobenen Einwände einigten sich Regierung, Opposition und Bundesländer im September 2012 darauf, dass Fernbuslinien ab 1. Januar 2013 eingeführt werden können. Zum Schutz des ÖPNV wird die Beförderung von Passagieren auf Fernbuslinien unter 50 km oder in Konkurrenz zu öffentlichem Schienenpersonennahverkehr mit weniger als einer Stunde Reisezeit jedoch verboten bleiben.
Gegenwärtige Situation miniatur|Flixbus
Marktsättigung und Monopolisierung miniatur|MeinFernbus Flixbus Doppeldecker mini|Postbus vor der Konzernzentrale der Deutschen Post AG in Bonn
Nach Angaben des Statistischen Bundesamts (Destatis) haben sich die Fahrgastzahlen im Linienfernverkehr mit Bussen sowie dessen Marktanteil am Linienfernverkehr mit Bussen und Bahnen wie folgt entwickelt:
Jahr Fahrgäste ÄnderungMarktanteil 2012 2,5 Mio. 2 % 2013 8,2 Mio. +228 % 6 % 2014 15,9 Mio. +94 % 11 % 2015 23,2 Mio. +46 % 15 % 2016 23,0 Mio. −1 % 14 % 2017 22,8 Mio. −1 % 14 % 2018 23,1 Mio. +1 % 14 % 2019 21,2 Mio. −8 % 12 % 2020 6,0 Mio. −72 % 7 % 2021 2,9 Mio. −51 % 3 % 2022 7,5 Mio. +159 % 5 % 2023 10,4 Mio. +39 % 6,5 %
Im 3. Quartal 2018 wurden insgesamt 287 Linien angeboten.Anzahl der angebotenen Fernbuslinien in Deutschland, Statista.de, abgerufen am 19. April 2020 Die Anteile der einzelnen Verkehrsunternehmen am Fernbusmarkt betrugen:Marktanteile der größten Fernbusanbieter in Deutschland nach angebotenen Fahrplankilometern, Statista.de, abgerufen am 19. April 2020
95,4 % 50px|alt= Flixbus 1,4 % 50px|alt= Eurolines Germany 1,2 % 50px|alt= IC Bus (Deutsche Bahn) 0,9 % 50px|alt= Regiojet (Student Agency) 1,1 % Sonstige
Der Markt galt anfangs als hart umkämpft. Das Handelsblatt zitierte im Juli 2014 einen Sprecher des Bundesverbands Deutscher Omnibusunternehmer mit den Worten „Nach unseren Informationen fährt noch kein Unternehmen profitabel“.„Fernbusse profitieren nicht von Boom“, Handelsblatt.de, 15. Juli 2014, abgerufen am 21. Juli 2014 Nach einer Marktanalyse des Bundesamts für Güterverkehr vom Dezember 2014Marktanalyse des Fernbuslinienverkehrs 2014, Bundesamt für Güterverkehr, abgerufen am 4. April 2015. wird „das aktuelle Preisniveau der im Fernbusmarkt angebotenen Fahrkarten (…) seitens der Marktteilnehmer als nicht auskömmlich oder ruinös beschrieben“. Von Januar 2013 bis Dezember 2014 fielen die durchschnittlichen Normal-Fahrpreise im Fernbusverkehr um rund 14 Prozent auf 8,6 Eurocent/Personenkilometer. Die Angebotspreise verminderten sich um 5 Prozent auf durchschnittlich 4 ct/Pkm.Zwei-Jahres-Bilanz: Fernbusanbieter liefern sich starken Konkurrenzkampf – Bis zu 20 Millionen Fahrgäste erwartet, IGES-Institut, abgerufen am 5. April 2015.
Im Laufe des Jahres 2014 stieg der ADAC aus dem Gemeinschaftsunternehmen ADAC Postbus aus, und City2city zog sich vom Markt zurück. DeinBus ging in die Insolvenz, konnte aber einen neuen Investor finden und den Betrieb weiterführen.Fahrgastzahl verdoppelt: Fast 20 Millionen Fernbus-Fahrgäste im Jahr 2014, Fernbusse.de, abgerufen am 4. April 2015. Anfang 2015 wurde gemeldet, dass sich die beiden Marktführer, MeinFernbus und Flixbus, zusammenschließen.Schlesiger, Christian: MeinFernbus und Flixbus: Ein neuer Verkehrskonzern entsteht In: Wirtschaftswoche, 7. Januar 2015. Abgerufen am 4. April 2015. Im Jahr 2016 übernahm Flixbus die kontinentaleuropäischen Linien von Megabus und anschließend auch Postbus mit Wirkung zum 1. November 2016.
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