Als Murmelfell wird das Fell der Murmeltiere bezeichnet. Dieser Artikel behandelt das Murmeltierfell im Zusammenhang mit dem Rauchwarenhandel und der Verarbeitung zu Pelzen. Außer dem Fell wurde vor allem in der Vergangenheit auch das Fett und das Fleisch genutzt.

mini|Steppenmurmellinkes Fell mit Jaguaraufdruck mini|Murmelmantel, ungefärbt, ausgelassene Verarbeitung (hergestellt ca. 1985?)

Murmeltiere sind über Europa, Nordamerika und Asien verbreitet, sie unterscheiden sich in typischen Merkmalen je nach Lebensraum. Die in den Handel kommenden Felle stammen zum allergrößten Teil vom Steppenmurmel.

Das Himalaya-Murmeltier sowie das Langschwanzmurmeltier sind nach dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen Anhang III und EG Verordnung 1332/05 Anhang C geschützt, Erstlistung seit dem 13. Oktober 1977.Wissenschaftliches Informationssystem zum Internationalen Artenschutz (Wisia) des Bundesamtes für Naturschutz.

Geschichte 2006 fanden russische zusammen mit deutschen Archäologen bei Ausgrabungen im Altaj (Mongolei) die Eismumie eines Skythenkriegers aus der Pazyrik-Kultur (5.–3. Jh.). Den „blonden Prinzen“ aus den Bergen wärmte ein prächtiger Pelzmantel aus Fehfell, Zobelfell und Murmel. Die Felle waren blau und rot gefärbt mit indischem Indigo und wohl aus Persien importiertem Kermes.Jahresbericht 2006 des Deutschen Archäologischen Institutes. Vom Altaj kamen auch in der Neuzeit noch die besten mongolischen Murmelfellqualitäten.

Auch Marco Polo erwähnte im 13. Jahrhundert die Murmeltierjagd durch die Mongolen.N. Dawaa, M. Nicht, G. Schünzel: Über die Pelztiere der Mongolischen Volksrepublik (MVR). In: Das Pelzgewerbe 1971 Jg. XXI Neue Folge Bd. 1, S. 7–8. Bereits im frühen Mittelalter sollen Murmelfelle von Polen nach Deutschland gekommen sein. Jedoch erst Ende des 19. Jahrhunderts wurde es für lange Zeit zu einem Massenartikel der Rauchwarenwirtschaft.

Der deutsche Naturwissenschaftler Georg Wilhelm Steller bereiste mit der „Großen Russischen Expedition“ zur Erforschung Sibiriens von 1741 bis 1744 die Halbinsel Kamtschatka. In seiner „Beschreibung von dem Lande Kamtschatka“ schrieb er, „daß die ‚Tapargannen oder Murmelthiere‘ auf der kleinen Insel Lopatka an der Südspitze Kamtschatkas sowie am Tigil-Fluss im Innern der Halbinsel vorkommen, die Bewohner sich aber nicht besonders um ihren Fang bemühen; sie schätzen mehr das Fleisch als das schlechte Fell.“Dr. Hans Damm, Leipzig: Murmeltiere in Nordsibirien. Das Pelzgewerbe, „Beilage zur Zeitschrift Hermelin“, Hermelin-Verlag, 1951, Nr. 1, Dr. Paul Schöps, Berlin, Leipzig. S. 27–28. Primärquelle: Beschreibung von dem Lande Kamtschatka, Frankfurt, Leipzig 1774, S. 126.

Ein amerikanischer Naturwissenschaftler, Waldemar Jochelson, beobachtete ca. 1921 Tarbaganer Murmel in der Jakuten-Provinz, „eines vom Altai her im Flussgebiet der Lena weit nach Nordosten vorgedrungenen türkischen Reitervolkes“ (s. auch vorstehend). „Daß dieser Volksstamm zur Anfertigung von Pelzen Murmeltierfelle bevorzugt, führt Jochelson darauf zurück, daß sie in früheren, weit südlicheren Wohngebiet diese Pelzträger bereits kannten und schätzten.“W. Jochelson: „The Yakuts“. Anthropological Papers of the American Museum of Natural History. New York, 1933, Part 2, S. 148 (Primärquelle: Dr. Hans Damm, Leipzig: Murmeltiere in Nordsibirien. Das Pelzgewerbe, „Beilage zur Zeitschrift Hermelin“, Hermelin-Verlag, 1951, Nr. 1, Dr. Paul Schöps, Berlin, Leipzig. S. 27–28).

Krünitz erwähnte im Jahr 1794 die Verwendung des Murmelfells in Berlin, „bloß für Mützenverbrämungen“,J. G. Krünitz: Oekonomische Encyklopädie, Band 57: Kürschner – Kyrn, Brünn 1794, Stichwort Kürschner. etwa zur selben Zeit von einem anderen Autor: als „Verbrämung der großen Mützen, die in einigen Gegenden von wohlhabenden Landleuten zum Staate getragen werden“.Ohne Autorenangabe: Der Stand der Rauchwarenveredlung um das Jahr 1800. In: Der Rauchwarenmarkt Nr. 80, Leipzig, 12. Oktober 1935, S. 5. Primärquelle: Karl Philipp Funke: Naturgeschichte und Technologie, Dessau 1798. Im Jahr 1814 schreibt Schedels Waaren-Lexikon „Die Schweiz liefert zum Handel die Häute für die Rauchwarenhändler, und das Fett für die Apotheken.“ 1911 heißt es bei Brass, „Murmeltierbraten ist namentlich in der Schweiz sehr beliebt.“ Das Fett, „in den Alpenländern ‚Mankeischmalz‘ genannt“, galt außerdem als Heilmittel vor allem gegen Tuberkulose (Fritz Schmidt, 1970).Fritz Schmidt: Das Buch von den Pelztieren und Pelzen, 1970, F. C. Mayer Verlag, München. S. 121–127.

Auch im Alpenraum hatte die Verarbeitung von Murmeltierfellen keine große Bedeutung:

Letztlich fand das Murmelfell doch in recht erheblichem Umfang Eingang in die Pelzmode, vor allem Dank neuer Veredlungstechniken. Die Berliner Pelzkonfektionsfirma Elsner & Meisl hatte wohl wesentlichen Anteil an der Verbreitung der Fellart.„M“ (Philipp Manes): Norbert Cohnreich am 21. Februar 50 Jahre. In: Der Rauchwarenmarkt Nr. 36, 16. Februar 1922, S. 2–3Philipp Manes: Die deutsche Pelzindustrie und ihre Verbände 1900-1940, Versuch einer Geschichte. Berlin 1941 Band 4. Durchschrift des Originalmanuskripts, S. 52–60 (→ Inhaltsverzeichnis). Ein Leipziger Rauchwarenhändler berichtete von einem auf Russland spezialisierten Kollegen, wie dieser um die Wende zum 20. Jahrhundert „erstmalig einige Arten von Murmelfellen in sehr großen Mengen aufkaufte, und die erste Schiffsladung, weil dies die billigste Beförderung war, nach Europa brachte. London soll einige Jahre gebraucht haben, diese ganze Ladung von Murmelfellen nach und nach zu verkaufen, aber der Erfolg war da; denn der neue Artikel, getrennt in die verschiedenen Gattungen wie Orenburger, Beisky und Tarbaganer wurden ein sehr beliebtes und billiges Pelzwerk für Kragen und Muffe, nachdem die Felle gefärbt waren.“Friedrich Jäkel: Der Brühl von 1900 bis zum 3. Weltkrieg (3. Fortsetzung). In: Rund um den Pelz Nr. 3, März 1966, S. 200.

Die Verarbeitung von rund 2500 Fellen pro Jahr ist in der Schweiz während des Zweiten Weltkriegs sprunghaft auf rund 14.000 Felle – mehrheitlich für die Herstellung von Mänteln verwendet – angestiegen, weil keine Felle mehr importiert werden konnten.

Europäisch-amerikanisches Murmeltier mini|Alpenmurmelfell (Tirol)

Die Verbreitung des Alpenmurmeltiers (Marmota marmota) erstreckte sich einst von den Pyrenäen bis zu den Ostkarpaten. Heute kommt es nur noch in den höheren Lagen der Alpen und einigen Teilen der Karpaten vor.

Das Fell ist ziemlich gedrungen mit einer Felllänge von etwa 53 bis 73 cm. Der kurze, dicht behaarte Schwanz beträgt nur ein Viertel der Körperlänge. Die Ohren sind kurz und rund.

Fellstruktur: Die etwas grobe, sehr matte Behaarung ist mittellang, wellig und dicht. Herbstfelle sind etwas dunkler und seidiger als die etwas helleren und gröberen Frühjahrsfelle. Der Rücken ist dunkel. Die Granne ist 27 bis 32 mm lang, die Leithaare bis 43 mm. Der Durchmesser der Granne beträgt 0,12 bis 0,14 mm. Beim Rückenhaar sitzt die Granne am Ende, beim Bauchhaar in der Mitte des Haares. Die Wollhaare sind 25 mm lang.

„Der Pelz ist rauh und dicht und hat für den Fellhandel kaum Bedeutung, zumal es sich dabei stets um Sommerfelle handelt“, im Winter ist der Fang praktisch nicht durchführbar. Dies erklärt auch allgemein, warum Murmel aus vielen Gebirgsgegenden kaum genutzt werden.

mini|Muff aus nerzgefärbtem Murmelfell („Nerzmurmel“), ca. nach 1900

Das Waldmurmeltier (Marmota monax), auch Amerikanisches Murmeltier und weitere Namen, lebt in Nordamerika vom 35. bis 55. Grad nördlicher Breite, in Alaska, Labrador und British Columbia.

„Einige Bedeutung“ für den Fellhandel „haben die nördlichen Provenienzen des Waldmurmeltieres, die in den Auktionslisten der Hudson's Bay Company unter dem von den Cree-Indianern stammenden Namen Wheenusk geführt wurden. Färbung bräunlich mit gelbrötlichem bis grauschimmerndem Anflug. Die Population ist sehr stark, doch wird das Fell wenig genutzt, da die Behaarung ziemlich grob ist. Indianer verwendeten es einst als Futter zu ihrer Kleidung und zum Schmuck ihrer Trachten.“ mini|Ulu bzw. Ulo, „Weibermesser der Eskimos“ „So tragen die Eskimos auf Südalaska und auf den Aléuten ein Außenwams aus Murmelfellen. Sie ziehen diese vorher mittelst eines halbmondförmigen Weibermessers, Ulo genannt, ab, reinigen und schaben es, damit es von Aas befreit werde. Sie präparieren es auch mit Urin.“

Die Rohfelle werden offen, nicht rund abgezogen, angeliefert. Die Anlieferungen an die Fellmärkte sind unbedeutend. Meist waren es Sommerfelle, die vom Alpenmurmel bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts in den Handel kamen, da infolge der örtlichen Gegebenheiten die Winterjagd zu beschwerlich und nicht lohnend war. Die Hälfte der Felle war zudem durch Schusslöcher entwertet.

Die auch in Nordamerika lebenden Spezies, das Eisgraue Murmeltier und das Gelbbäuchige Murmeltier werden von der Pelzwirtschaft nicht genutzt, ebenso das in Afghanistan lebende Langschwänzige Murmeltier.

Asiatisches Steppenmurmeltier Das Fell des Steppenmurmeltiers (Marmota bobak) ist als Murmel, gelegentlich noch als Bobak oder Bobuk im Handel. Seine Heimat sind die Steppen im europäischen Teil der Sowjetunion, Kasachstans, Transbaikaliens; die Waldsteppe Westsibiriens, die Bergsteppen des Ost- und Zentral-Tienschans, Altai und der Mongolei, Nordostchina. Die stärkste Verbreitung befindet sich in Zentralasien. Im Kaukasus wurde er eingebürgert.

Die Fellfarbe ist im Herbst dunkelbraun, teils blaugrau. Sehr selten sind weiße Tiere. Die Felle aus der östlichen Mongolei sind mehr rötlich gefärbt.

Der Haarwechsel erfolgt wie bei den meisten Winterschlaf haltenden Tieren nur einmal, im Frühjahr. Kommen sie dann ans Licht, bleichen die Haare stark aus. Der Haarwechsel fängt in der Kreuzpartie an und setzt sich dann allmählich über Rücken, Schultern und Gliedmaßen fort. Beim asiatischen Wiesel unterscheidet man deshalb nach der Fangsaison (Zeit des Anfalls): a) „Blues“, die blaue Herbstware (Oktober–Dezember, Zeit der Fellreife) ist geschmeidig im Haar und Leder, doch oft flachhaarig, seidig. Die Farbe ist dunkel, teils blaugrau (unter anderem die mongolischen Murmel) mit dunkelbläulicher Grannenspitze. Hochwertiger als die gelben Felle. b) „Yellows“, die gelbe Frühlingsware, sie hat dünneres Haar und ist trocken im Leder. Das Haar ist härter und trocken (fettlos), etwas spröde, matt bis glänzend, gelblich bis rotgelblich. Obwohl die Zurichtung die Felle entfettet erscheinen blaue Sorten im Haar weicher als gelbe.

Die Größe entspricht mit einer Felllänge von etwa 40 cm etwa der des Kaninchens, hinzu kommt der Schwanz mit etwas über 10 cm.

Fell- und Haarstruktur: Die Grannenhaare sind 25 bis 55 mm lang, dick und glatt; die dünnen Wollhaare sind gekrümmt und nur etwa halb so lang wie die Grannen, aber in 10-mal größerer Dichte. Auf der Bauchseite ist die Haardichte 2- bis 3fach geringer als auf dem Rücken. Die einzelnen Haare sind im Mittelteil hell, die Spitze ist bei den Wollhaaren weißlich, bei den Grannenhaaren dunkel.

Nur die Felle, die keine Haarwirbel aufweisen, gelten in der Rauchwarenbranche als vollwertig.