Kärnten (, Aussprache: []Koróška Slovar slovenskega knjižnega jezika (Inštitut za slovenski jezik Frana Ramovša ZRC SAZU)) ist das südlichste Bundesland der Republik Österreich. Landeshauptstadt ist Klagenfurt am Wörthersee. An Kärnten grenzen im Westen das Bundesland Tirol, im Norden das Land Salzburg, im Norden und Osten die Steiermark und im Süden Italien und Slowenien.

Geographie

mini|Gebirgszüge Kärntens, hellgrün: Becken und große Täler mini|Wörthersee Kärnten grenzt im Westen an Osttirol, im Nordwesten an Salzburg, im Nordosten an die Steiermark und im Süden an Slowenien sowie die italienische Region Friaul-Julisch Venetien. Die Gesamtlänge der Grenzen zu den Nachbarstaaten beträgt 280 km. Die Einschnürung des Landesgebietes ungefähr in der Mitte auf nur 44 km ergibt zusammen mit den unterschiedlichen Geländeformen die Unterteilung in Oberkärnten (vom Hochgebirge geprägt) und Unterkärnten (vom Klagenfurter Becken geprägt). Im Klagenfurter Becken, das von den Österreichischen Zentralalpen im Norden und den Karawanken im Süden begrenzt wird, liegt die Landeshauptstadt Klagenfurt. Westlich davon liegt der Wörthersee. Dieser stellt gemeinsam mit den anderen Badeseen Kärntens eine wesentliche Grundlage für den Sommertourismus als bedeutenden Wirtschaftszweig des Landes dar.

Das Land wird von mehreren Tälern durchzogen, von denen die größten neben dem Drautal das Möll-, das Gail-, das Rosen-, das Jaun- und das Lavanttal sind. Der bedeutendste Fluss Kärntens ist die Drau. Die Wasserkraftwerke der ehemaligen „Draukraft“ liefern zwölf Prozent des Stroms für ganz Österreich.

Geologie Die Lage Kärntens in den Ostalpen spiegelt sich in einer großen Gesteinsvielfalt und komplexen Lagerungsverhältnissen der Gesteine wider. Folgende großtektonische Einheiten finden sich in Kärnten: Penninikum, Ostalpin, Südalpin sowie die tertiäre und quartäre Überdeckung.

Penninikum Das Penninikum ist in Kärnten durch das Tauernfenster in den Hohen Tauern vertreten. Die aus variszischen Graniten hervorgegangenen Zentralgneise bauen den Sonnblickkern und den Ankogel-Hochalmspitzkern auf. Um sie liegt die Untere Schieferhülle des Alten Daches (vorvariszische Gneise) und die Obere Schieferhülle (metamorphe karbonatische und klastische Sedimente – Quarzite, Marmore und Bündnerschiefer mit Einschaltungen von aus untermeerischem Vulkanismus herrührendem Prasinit wie etwa am Großglockner).

Ostalpin In Kärnten kommen alle Einheiten des Ostalpins vor: Unter-, Mittel- und Oberostalpin. Unterostalpin: Die Matreier Zone ist ein schmaler Gesteinsstreifen und begrenzt das Tauernfenster nach Süden. Die Gesteine wurden in der Kreide abgelagert und später metamorph überprägt. Auch als Tauernflysch bezeichnet, wird die Matreier Zone manchmal auch zum Tauernfenster gerechnet. Die aus Phylliten aufgebaute Katschbergzone im Bereich der Katschbergfurche begrenzt das Tauernfenster nach Osten. Mittelostalpin: Die mittelostalpinen Gebirge sind überwiegend aus Glimmerschiefern, Paragneisen, Orthogneisen, Amphiboliten, Quarziten, Eklogiten und Marmoren aufgebaut. Sie bauen die Schobergruppe, Kreuzeckgruppe, Teile der Goldeckgruppe, die Ossiacher Tauern, die südlichen und westlichen Teile der Nockberge sowie Sau- und Koralpe auf. Der überwiegende Teil ist dem Altkristallin zuzurechnen. Im Nockgebiet treten mesozoische Sedimente auf, die als Stangalm-Mesozoikum bezeichnet werden und von der Innerkrems über den Predigerstuhl bis südlich Bad Kleinkirchheim ziehen. Oberostalpin: Dieser Einheit gehören die Gurktaler Decke und der Drauzug (Gailtaler Alpen und Nordkarawanken) an. Sie überlagern das Altkristallin. Die Gurktaler Decke besteht aus metamorph überprägten altpaläozoischen Sedimenten (Phyllite, Quarzite, Kieselschiefer, Karbonate) sowie aus basischen Vulkaniten (Metatuffe, Diabase, Grünschiefer). Im Bereich Turracher Höhe – Königstuhl treten Sedimente des Oberkarbons auf, die reich an pflanzlichen Fossilien sind und lokal Anthrazitkohle enthalten. Ebenso im Nockgebiet treten am Pfannnock oberostalpine mesozoische Sedimente auf, die zwischen der Gurktaler Decke und dem mittelostalpinen Stangalm-Mesozoikum „eingerollt“ wurden. Die Gailtaler Alpen und die Nordkarawanken bestehen aus einem kristallinen Grundgebirge (Gailtalkristallin, Eisenkappler Kristallin) und aufgelagerten Sedimenten. Diese reichen in den Gailtaler Alpen vom Perm bis zur Obertrias, in den Karawanken bis in die Unterkreide; sie enthalten in unterschiedlichem Ausmaß karbonatische Gesteine. Eigene Schollen bilden das Karbon von Nötsch westlich des Dobratsch-Massivs. Die Nordkarawanken nördlich der Periadriatischen Naht bestehen aus permomesozoischen Gesteinen, dem Eisenkappler Diabaszug sowie dem Eisenkappler Altkristallin, Granit und Tonalit.

Südalpin Zum Südalpin gehören in Kärnten die Karnischen Alpen und die Südkarawanken. Sie liegen südlich der Periadriatischen Naht. Die Karnischen Alpen sind aus überwiegend marinen Sedimenten aus dem jüngeren Ordovizium bis zur Trias aufgebaut. Ein tieferes, vorwiegend altpaläozoisches Stockwerk ist überwiegend aus Sandsteinen (Grauwacken und Quarzite) aufgebaut. Das jüngere, höhere Stockwerk setzt sich aus quarzreichen Sandsteinen, Tonschiefern und fossilreichen Kalken zusammen und bildet die Auernig- und Rattendorfer Schichten. Die Südkarawanken sind ähnlich aufgebaut wie die Karnischen Alpen. Das tiefere Stockwerk aus ordovizischen bis karbonischen Gesteinen tritt im Seeberger Aufbruch zutage. Die Hauptkette besteht aus jungpaläozoischen Sedimentgesteinen und mächtigen marinen Ablagerungen der Trias. Letztere bauen die wichtigsten Massive wie Koschuta, Vertatscha, Hochstuhl und Mittagskogel auf.

Tertiär Das Zeitalter des Tertiär war durch die alpidische Gebirgsbildung geprägt. Im Zuge der Faltungsprozesse sanken manche Gebiete ab, es entstand zum Beispiel das Lavanttaler Becken, das mit rund 1000 Meter mächtigen Sedimenten gefüllt wurde. Dabei entstanden auch die Braunkohleflöze, die bis 1968 bei St. Stefan abgebaut wurden. Bei Kollnitz nahe St. Paul liegt der einzige Basalt Kärntens. Im Klagenfurter Becken wurden im Zuge der Erosion der stark gehobenen Karawanken die Sattnitzkonglomerate abgelagert, ebenso die tertiären Sedimente des Karawankenvorlandes (Bärentalkonglomerat).

Quartär Das Quartär war durch die Eiszeiten geprägt. Durch die Gletscherwirkung entstanden die Trogtäler und Kare sowie zahlreiche Grund-, End- und Seitenmoränen. Schmelzwässer lagerten große Mengen an Sedimenten ab, besonders im Klagenfurter Becken. Auch die Becken der Kärntner Seen wurden in dieser Zeit ausgeschürft, vor allem durch den breit verästelnden Draugletscher.

Klima + Klimadaten einiger Orte Station See­höhe(m) Jahres­nieder-schlag (mm) Temperatur­mittel (°C) Zeitraum Jahr Jänner Juli Villacher Alpe2140 1373 1,3 −5,7 9,8 1991–2020 Kanzelhöhe1520 1184 5,2 −2,8 14,3 1991–2020 Mallnitz1197 1063 5,7 −3,1 15,0 1991–2020 Bad Bleiberg909 1345 6,9 −3,4 17,2 1991–2020 Friesach640 797 8,0 −2,8 18,3 1991–2020 Klagenfurt am Wörthersee450 945 9,2 −2,8 20,2 1991–2020 St. Andrä403 795 8,9 −2,5 19,6 1991–2020

Kärnten befindet sich in der gemäßigten Klimazone Mitteleuropas. Der mediterrane Klimaeinfluss wird meist überschätzt. Auch ist der Alpenhauptkamm zwar eine deutliche Wetterscheide, aber insbesondere im östlichen Teil der Ostalpen keine Klimascheide. Das Klima wird jedoch durch die Lage nach Süden, durch das Relief und andere lokale Gegebenheiten stark modifiziert, so dass das Klima sehr kleinräumig strukturiert ist.

Ein wichtiges Phänomen des Klagenfurter Beckens und der angrenzenden Täler ist die winterliche Temperaturumkehr. Der Kaltluftsee und damit meist auch die Nebeldecke reicht dabei häufig in Höhen bis Die Temperaturen in Höhenlagen zwischen 1000 und 1400 Metern sind daher oft um 15 °C höher als im Tal. Der Kärntner Kältesee ist der größte der Ostalpen und die Hauptursache für eine gegenüber anderen Regionen Österreichs relativ geringe Jahresmitteltemperatur und dafür, dass Kärnten anders als u. a. Teile Südtirols oder das Tessin keinen ganzjährigen Temperaturvorteil gegenüber den Regionen nördlich des Alpenhauptkamms aufweist.

Der (unzutreffende) Eindruck eines mediterran beeinflussten Klimas kommt im Wesentlichen durch die warmen und sonnenreichen Sommermonate zustande, die v. a. für den Tourismus relevant sind. So wird an vielen Stationen im Klagenfurter Becken und den angrenzenden Haupttälern im Juli ein mittleres Tagesmaximum von über 25 °C erreicht, was im Vergleich zu anderen Regionen Österreichs überdurchschnittlich ist.

Die jährliche Temperaturschwankung beträgt in Tallagen meist 20 bis 24 °C, während sie in Berglagen nur 14 bis 20 °C beträgt.

Der Niederschlag folgt dem mitteleuropäischen Muster mit Niederschlagsminima im Winter (Februar) und Maxima im Sommer. In den südlichen Landesteilen (Gailtal, Gailtaler Alpen, Karawanken) kommt als südalpisches Element ein zweites Niederschlagsmaximum im Spätherbst (Oktober/November) infolge der Adria- beziehungsweise Genua-Tiefs hinzu. Der Niederschlag im Sommer erfolgt vielfach über Starkregen, besonders Gewitter. Generell sinken die Jahresniederschlagsmengen von West nach Ost. Die Gebirge im Nordwesten und im Süden erhalten besonders hohe Niederschläge (über 2000 mm pro Jahr), während die übrigen Landesteile sich im Regenschatten befinden. Trocken sind vor allem die Bereiche Krappfeld (750 mm), Görtschitztal und Unteres Lavanttal (800 mm), aber auch das nördliche Klagenfurter Becken, das Möll- und Liesertal.

Die Zahl der Tage mit Schneebedeckung beträgt im Klagenfurter Becken und den großen Tälern 75 bis 100 Tage, im Unteren Lavanttal noch weniger. In weiten Teilen der Gebirge liegt sie jedoch über 150 Tagen. Umgekehrt verhält es sich mit der Dauer der Vegetationsperiode (Tage über +5 °C): Sie beträgt im Hochgebirge unter 90 Tage, in großen Teilen des Landes 180 bis 220 Tage, im Drautal, im Klagenfurter Becken und im Unteren Lavanttal 220 bis 230 Tage.

Klimawandel mini|hochkant=1.5|Jahresmitteltemperatur in Kärnten 1851–2025 als Abweichung vom Mittel 1961–1990 (rot = wärmer, blau = kühler), schwarz das 30-Jahre-Mittel. Die Erwärmung ist in Kärnten sowohl in den großen Beckenlagen wie dem Klagenfurter Becken als auch in Berglagen wie etwa in Mallnitz deutlich messbar. Im Flächenmittel des Landes lag das Jahr 2025 um 2,49 °C über dem Mittel der Periode 1961–1990; das wärmste Jahr der Reihe (1851–2025) war 2024 mit einer Abweichung von 3,00 °C. Im Vergleich der WMO-Klimaperioden 1961–1990 und 1991–2020 stieg die Jahresmitteltemperatur an der Station Klagenfurt-Flughafen (450 m) von 7,6 °C auf 9,2 °C (+1,6 °C), am Gitterpunkt Mallnitz (1.189 m) von 5,3 °C auf 6,4 °C (+1,1 °C). In Obervellach (688 m) im unteren Mölltal beträgt der Anstieg seit 1971 rund 1,8 °C. Über alle 132 Kärntner Gemeinden betrachtet reicht die Spanne der Erwärmung zwischen diesen beiden Normalperioden von +1,1 °C in Mallnitz bis +1,6 °C in Gemeinden des Kärntner Zentralraums, darunter Villach, Feldkirchen und Ossiach. Das Jahr 2024 war sowohl in Klagenfurt (10,9 °C) als auch in Mallnitz (8,3 °C) das wärmste der jeweiligen Messreihe.

Deutlich verändert haben sich die klimatologischen Kenntage: In Klagenfurt vervierfachten sich die Hitzetage im Vergleich der Perioden 1952–1975 und 2015–2025 nahezu (von 6 auf 26 pro Jahr), während die Schneedeckentage von 77 auf 37 (−52 %) und die Eistage von 39 auf 16 (−59 %) zurückgingen. Auch in der Berglage von Mallnitz hat sich die Zahl der Sommertage zwischen den Normalperioden von durchschnittlich 7 auf 16 pro Jahr mehr als verdoppelt; die Schneedecke liegt dort im Mittel um 24 Tage pro Jahr kürzer (158 auf 134 Tage).