mini|hochkant=1.3|Dorfkirche Buckow

Die Dorfkirche Buckow ist eine in Berlin bis heute fast unverändert erhaltene mittelalterliche Feldsteinkirche, erbaut Mitte des 13. Jahrhunderts, wahrscheinlich zwischen 1245 und 1255 (Dendrodatum aus dem am Westportal erhaltenen hölzernen Sperrbalken). Sie steht nahe dem Dorfteich im historischen Kern des vormaligen Angerdorfes Alt-Buckow im Ortsteil Buckow des Bezirks Neukölln und genießt Denkmalschutz. Die Gemeinde bildet die Region 5 des Kirchenkreises Neukölln.

Lage Das Kirchengebäude steht prominent im Zentrum des historischen Dorfangers, Adresse Alt-Buckow 36. Der Baukörper ist streng geostet, weswegen die Kirchenachse nicht exakt parallel zur Straße ausgerichtet ist.

Baugeschichte Situation des Dorfes Buckow im Mittelalter mini|Zeitgenössische Darstellung der Dorf­kirche Buckow von Heinrich Wohler, 1834 Das Dorf verfügte 1375 über einen Krug (taberna) und eine Windmühle, was auf einen gewissen Wohlstand des Dorfes schließen lässt. Dies wird bestätigt durch den Westbau der Dorfkirche, denn Dorfkirchen mit schiffsbreitem Westturm zählen zur höchsten Kostenaufwandsgruppe im Dorfkirchenbau.Bei einer vierteiligen Apsiskirche mit Westbau entfallen allein auf den Turm 45 Prozent der Feldsteinquader, das heißt, mit einem Westbau verdoppeln sich nahezu die Baukosten.

Auf den Zufluchtscharakter der älteren Feldsteinkirchen weist die noch erkennbare Vorrichtung zum Verschließen der Kirchentüre von innen her durch einen Sperrbalken hin. Die Kirchhofmauer aus Feldsteinen wurde nach einem Erlass König Friedrich Wilhelms I. von 1719 errichtet.

Infolge der Reformation wurden die Dorfbewohner und ihre Kirchengemeinde evangelisch.

Zum Kirchengebäude Die erste damals katholische Kirche entstand im frühgotischen Stil als Saalkirche mit einem gleich breiten querrechteckigen Westturm. In den folgenden Jahrhunderten nahm die Kirchengemeinde immer wieder kleine Ausbesserungen oder Umbauten vor, entscheidende geschichtliche Ereignisse hinterließen an diesem Bauwerk jedoch keine Spuren.

Bei Renovierungsarbeiten im 20. Jahrhundert kamen Reste der mittelalterlich spätgotischen Ausmalung zum Vorschein, die auch heute noch in sehr blassen Fragmenten im Kreuzrippengewölbe der Kirche zu sehen sind. Am deutlichsten ist eine Abendmahlszene im vorderen Teil der Kirche zu erkennen.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs, am 2. September 1943 brachte eine Luftmine bei einem alliierten Bombenangriff das Kirchendach zum Einsturz. Nach Kriegsende wurde soweit möglich und sinnvoll der ursprüngliche Bauzustand wiederhergestellt, so vor allem der Haupteingang durch den Turm mit einer Öffnung des Turms zum Kirchenraum.Dorfkirche. Neukölln Online.

Architektur Das Mauerwerk besteht aus märkischen Feldsteinen, ist aber nicht besonders sorgfältig gequadert. Zu erkennen sind noch ein ursprüngliches Westportal sowie historisch erhaltene Fensteröffnungen. Das aufwändige spätgotische Südportal und die Fenster-Dreiergruppe am Ostgiebel (ursprünglich Vierergruppe) stammen aus dem 15. Jahrhundert. Spätere Umbauten betrafen zum Beispiel die im 16. Jahrhundert durch drei Säulen vorgenommene Unterteilung des ursprünglich flachgedecktem Langhauses in zwei mit Kreuzgratgewölben überfangene Schiffe. Eine weitere einschneidende Veränderung entstand durch die barocke Vergrößerung der ursprünglich nur als schmale Schlitze ausgebildeten Fensteröffnungen und das teilweise Verputzen der Wände. Die in einem Gemälde Heinrich Wohlers im Jahr 1834 dargestellte verputzte und reich verzierte Ostwand ist in ihrer ersten Form nicht mehr erhalten.Über Uns Evangelische Kirchengemeinde Berlin Alt-Buckow, auf dorfkirche-alt-buckow.de, abgerufen am 12. Juni 2026.

Ausstattung Altar Im Chorraum steht ein Flügelaltar, von dem zwei Altarflügel mit Apostelfiguren und Heiligen aus dem Franziskanerkloster in Berlin verziert sind.

Weitere Elemente Eine aus Holz geschnitzte spätgotische Madonna, ein Epitaph des Grafen Johann von Hohenlohe (eines 1412 gefallenen Ritters aus dem Gefolge des ersten Hohenzollernschen Markgrafen Friedrich I.) sowie eine Wappentafel des 1627 verstorbenen kurfürstlichen Vizekanzlers Arnold de Reyger befinden sich im Kirchenraum bzw. in der Turmvorhalle.

Das farbige Altarfenster stammt vom Künstler Sigmund Hahn; es stellt die Verleumdung des Petrus dar. In der aus der katholischen Zeit erhaltenen Sakramentennische rechts vom Altar werden alte und neue liturgische Geräte für Abendmahl und Taufe aufbewahrt.

Orgel Die heutige Orgel hatte viele Vorgänger. Bereits 1842 erwähnen Dokumente eine Orgel. Sie wurde im Jahr 1872 durch einen Neubau der Gebrüder Dinse ersetzt, dieser wiederum durch einen von W. Sauer. Sie wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. 1958 entstand ein Neubau der Firma E. F. Walcker & Cie., der Ende der 1990er Jahre nochmals ersetzt wurde.Berlin/Buckow, Gemeindezentrum Neu-Buckow organindex.de; abgerufen am 15. Juni 2026

Das aktuelle Instrument wurde 1998 als Opus 604 der Potsdamer Firma Orgelbau Alexander Schuke erbaut. Das Schleifladen-Instrument mit mechanischer Spiel- und Registertraktur hat 17 Register, die auf zwei Manuale und Pedal verteilt sind.

Die Disposition der Schuke-Orgel lautet wie folgt:

I Hauptwerk C–g3 1. Principal 8′ 2. Koppelflöte 8′ 3. Octave 4′ 4. Dulzflöte 4′ 5. Nassat ′ 6. Gemshorn 2′ 7. Mixtur IV II Oberwerk C–g3 8. Gedackt 8′ 9. Rohrflöte 4′ 10. Quinte ′ 11. Principal 2′ 12. Terz ′ 13. Quinte ′ 14. Krummhorn 8′ Tremulant Pedal C–f1 15. Subbass 16′ 16. Octavbass 8′ 17. Choralbass 4′

Koppeln: 3 Normalkoppeln Spielhilfe: Zimbelstern

Glocken Das Geläut besteht aus vier Glocken. Die älteste und kleinste ist undatiert, wird aber aufgrund ihrer besonderen Form dem 13. Jahrhundert zugerechnet. Sie gilt als die älteste Glocke Berlins. Sie darf nur per Hand und Seil geläutet werden und wird als Vaterunserglocke genutzt. Die zweitälteste, die Große Glocke oder Christusglocke, trägt das Datum „6. Mai 1322“. Diese Glocken wurden im Zweiten Weltkrieg eingezogen und sollten eingeschmolzen werden. Man entdeckte sie 1948 noch unversehrt im Hamburger Glockensammellager und brachte sie während der Berliner Blockade mit der Luftbrücke zurück, „um den Menschen Mut zu machen“.Die älteste Glocke der Stadt. In: Berliner Morgenpost, 30. Oktober 2008; abgerufen im Dezember 2014. Die letzten von 1954 und 1979 ersetzen die in den beiden Weltkriegen verlorenen Glocken.Berlin-Buckow, evang. Dorfkirche – Vollgeläute. youtube.com Alle Glocken sind aus Bronze. Glocke Guss­jahr Gießer Schlag­ton Gewicht Durch­messer Höhe Krone Inschrift 1 1322 unbekannt fis′ +2 ≈ 650 kg 103 cm 82 cm 18/19 cm ANNO DOMINI M CCC XX II IN DIE JOHANNIS ANTE PORTAM LATINAM ERAT CAMPANA ISTA CONSUMATA IN NOMINE DOMINI AMEN. 2 1954 Glockengießerei Rincker a′ +5 ≈ 490 kg 92 cm 70 cm 17 cm ICH RUF ZU DIR HERR JESU CHRIST. 3 1979 Petit & Gebr. Edelbrock h′ +4 ≈ 290 kg 78 cm 65 cm 14 cm EVANGELISCHE KIRCHENGEMEINDE BERLIN-ALT-BUCKOW 1979. 4 13. Jh. unbekannt f′′ ≈ 98 kg 58 cm 53 cm ohne

Seelsorge Die Kirchengemeinde hat sich vom Architekten Hardy Treger ein Gemeindezentrum errichten lassen, das am 4. März 1973 eingeweiht wurde. Dieses Zentrum umfasst verschiedene Gruppen- und Mehrzweckräume. Zugeordnet ist ein Wohn- und Bürohaus, welches mit dem Gemeindezentrum durch die Kirchhofsmauer zusammengefasst wird.

In den 2020er Jahren gehören ca. 5600 Mitglieder zur Dorfkirchengemeinde. Angeboten werden u. a. ein Helferkreis, Jugendarbeit, Kirchenmusik oder gelegentliche Kulturveranstaltungen. Seit den 1960er Jahren informiert ein regelmäßig herausgegebener Gemeindebrief (Gemeindeblatt Ev. Kirchengemeinde Berlin-Alt-Buckow) alle Mitglieder und Interessenten.Gemeindeblatt Ev. Kirchengemeinde Berlin-Alt-Buckow (PDF; 14 MB), auf dorfkirche-alt-buckow.de

Amtierender Pfarrer der Gemeinde ist Claas Henningsen (Stand Juni 2026). Er leitet die Pfarrstelle 1 der Gemeinde und ist zugleich stellvertretender Vorsitzender des Gemeindekirchenrates.Adresswerk der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO): Offizieller Verzeichnis-Eintrag der Kirchengemeinde Alt-Buckow (KGKZ: 14/010), der Pfarrer Claas Henningsen namentlich mit Kontaktdaten an der Dienststelle Alt-Buckow 36–38 führt. Vor der Amtszeit von Pfarrer Henningsen wurde die Gemeinde über viele Jahre maßgeblich von Pfarrer Helmut Michel betreut, der sie durch prägende Phasen (wie die Jahrtausendwende und den Ausbau regionaler Strukturen) führte und bis zu seinem Übergang in den Ruhestand die seelsorgerischen sowie administrativen Aufgaben innehatte.Bezirksamt Neukölln von Berlin (Stadtentwicklungsamt): Historisches Dokumentationswerk Berlin-Neukölln, seine Geschichte und Denkmale: Buckow (online).

Nutzung im 21. Jahrhundert Das Kirchengebäude dient für Gottesdienste, alle kirchlichen Angelegenheiten von der Taufe, der Einsegnung, Hochzeiten bis zu Trauerfeiern. Im Rahmen der Reihe Alt-Buckower Dorfkirchenkonzerte finden regelmäßig Orgelkonzerte und musikalische Veranstaltungen statt. Außer reinen Orgelkonzerten gibt es in der Dorfkirche auch regelmäßig gemischte Kammerkonzerte (z. B. für Cello/Violine und Klavier/Orgel), Lesungen mit Musikbegleitung sowie Chorkonzerte. Der Eintritt zu den Dorfkirchenkonzerten ist in der Regel frei, um eine Spende für die Kirchenmusik wird jedoch gebeten.

Literatur (chronologisch) Kurt Pomplun: Berlins alte Dorfkirchen. Verlag Bruno Hessling, Berlin 1962, S. 34 ff. Günther Kühne, Elisabeth Stephani: Evangelische Kirchen in Berlin. CZV-Verlag, Berlin 1978; 2. Auflage: 1986, ISBN 3-7674-0158-4, S. 86 f. Matthias Hoffmann-Tauschwitz: Alte Kirchen in Berlin. 33 Besuche bei den ältesten Kirchen im Westteil der Stadt. Wichern-Verlag, Berlin 1986; 2. überarb. Auflage: 1991, ISBN 3-88981-048-9, S. 55–62. Renate Petras, Ernst Oskar Petras (Hrsg.): Alte Berliner Dorfkirchen – Die Zeichnungen Heinrich Wohlers. Evangelische Verlagsanstalt, Berlin 1988, S. 18, ISBN 3-374-00543-8. Markus Cante: Kirchen bis 1618. In: Berlin und seine Bauten. Teil VI: Sakralbauten. Hrsg.: Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin. Berlin 1997, S. 341. Klaus-Dieter Wille: Die Glocken von Berlin (West) – Geschichte und Inventar. Berlin 1987.

Weblinks

Die Buckower Dorfkirche. neukoelln-online.de Website der Evangelischen Kirchengemeinde Alt-Buckow.

Einzelnachweise

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