Die Atlantische Hurrikansaison 2008 begann offiziell am 1. Juni und endete am 30. November 2008. Innerhalb dieser Periode bilden sich die meisten tropischen Stürme, da nur zu dieser Zeit geeignete Bedingungen, wie etwa ein warmer Ozean, feuchte Luft und wenig Windscherung, existieren, um die Bildung von tropischen Wirbelstürmen zu ermöglichen.
Stürme im östlichen Pazifischen Ozean sind Bestandteil der Pazifischen Hurrikansaison 2008.
Saisonprognosen +Voraussagen tropischer Wirbelsturmaktivitätenfür die Saison 2008QuelleDatumStürmeAnzahl derHurrikansKat. 3+CSUDurchschnitt (1950–2000)9,65,92,3NOAADurchschnitt (1950–2005)11,06,22,7Rekordwerte (hoch)28158Rekordwerte (niedrig)420 CSU7. Dezember 20071373CSU9. April 20081584NOAA22. Mai 200812–166–92–5CSU3. Juni 20081584UKMO18. Juni 200815*k. A.k. A.CSU5. August 20081795NOAA7. August 200814-187-103-6Tatsächliche Aktivität 16 8 5 * Vorhersage nur für die Periode Juli–November
Voraussagen über die Aktivität der kommenden Hurrikansaison werden jedes Jahr durch die anerkannten Hurrikanexperten Philip J. Klotzbach und William M. Gray und ihren Mitarbeitern an der Colorado State University und separat durch die Meteorologen der NOAA erstellt.
Klotzbachs Team definierte die durchschnittliche Anzahl von Stürmen pro Saison im Durchschnitt (1950–2000) auf 9,6 tropische Stürme, 5,9 Hurrikane und 2,3 schwere Hurrikane (also solche, die auf der Saffir-Simpson-Hurrikan-Windskala mindestens in die Kategorie 3 eingestuft werden). Eine normale Saison, wie sie durch die NOAA festgelegt wurde, besteht aus 9–12 benannten Stürmen, von denen 5–7 Hurrikanstärke erreichen und 1–3 schwere Hurrikane werden.
Prognosen vor Beginn der Saison Am 7. Dezember 2007 sagte Klotzbachs Team in einer ersten Prognose für die atlantische Hurrikansaison 2008 eine überdurchschnittliche Aktivität mit 13 benannten Stürmen voraus. Durch das Team wird erwartet, dass davon sieben Stürme zu einem Hurrikan werden, wobei drei von ihnen die Kategorie 3 erreichen. Am 9. April 2008 wurden diese Zahlen nach oben revidiert. Im Jahr 2008 werden nun 15 benannte Stürme erwartet. Acht Stürme sollten sich in Hurrikane verstärken, wobei 4 die Kategorie 3 erreichen würden.
Die National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) geht in ihrer Prognose, die am 22. Mai veröffentlicht wurde, von einer Saison mit leicht überdurchschnittlicher Aktivität aus. Nach den Einschätzungen erwartet die NOAA 12–16 benannte tropische Stürme, von denen 6–9 die Intensität eines Hurrikans erreichen, 2–5 dieser Hurrikane werden zu schweren Hurrikanen. Demnach wird die diesjährige Saison durch den jahrzehntelangen Zyklus von ozeanischen und atmosphärischen Gegebenheiten, die seit 1995 die Hurrikanaktivität ansteigen ließ sowie den erwarteten Effekt durch La Niña bestimmt. Die Prognose des Climate Prediction Centers der NOAA stützt sich auf Vergleich vergangener Hurrikansaisons mit ähnlichen Gegebenheiten.
Siehe auch: Experten sagen aktive Hurrikansaison im Atlantischen Ozean voraus – Wikinews-Artikel
Prognosen im Laufe der Saison mini|Hurrikan Gustav, Hurrikan Hanna und Hurrikan Ike. (Satellitenbild vom 1. September, 18:00 Uhr UTC.) Klotzbach und Gray bestätigten in ihrer aktualisierten Vorhersage am 3. Juni ihre Vorhersage vom 9. April 2008 mit 15 Stürmen, 8 Hurrikanen und 4 schweren Hurrikanen.
Am 18. Juni veröffentlichte das britische Met Office (UKMO) seine Annahme, das sich zwischen Juli und November 15 tropische Stürme bilden, wobei keine Aussage über die Verteilung dieser Stürme nach ihrer Intensität gemacht wurde.
Am 5. August legte sich die CSU auf 17 Stürme, 9 Hurrikane und fünf schwere Hurrikane fest, etwas höher als die ursprüngliche Vorhersage von 15 tropischen Stürmen. Der lebhafte Start der Saison veranlasste auch das National Hurricane Center in seiner Aktualisierung vom 7. August zu einer Korrektur der Werte nach oben. Sah das NHC die Wahrscheinlichkeit im Mai noch bei 65 %, wurde nun mit 85 % Wahrscheinlichkeit ein überdurchschnittlicher Verlauf erwartet.
Saisonfazit Insgesamt zählte die US-Wetterbehörde NOAA in der abgelaufenen Saison 16 tropische Wirbelstürme, davon acht Hurrikane. Der langjährige Durchschnitt liegt bei elf Tropenstürmen, darunter sechs Hurrikane. Jedoch fielen die Stürme ungewöhnlich heftig aus und brachen insgesamt fünf Rekorde seit Beginn der Aufzeichnungen: Mit „Dolly“, „Edouard“, „Fay“, „Gustav“, „Hanna“ und „Ike“ trafen sechs aufeinanderfolgende Hurrikane auf Festland. Kuba wurde von gleich drei schweren Hurrikanen (Kategorie 3–5) getroffen. In fünf aufeinanderfolgenden Monaten gab es einen Hurrikan, der die Kategorie 3 oder höher erreichte (mindestens 178 km/h Windgeschwindigkeit). Hurrikan „Berta“ war insgesamt 17 Tage aktiv, ein Rekordwert für den Monat Juli Mit „Fay“ traf zum ersten Mal derselbe tropische Wirbelsturm einen einzelnen US-Bundesstaat (Florida) viermal hintereinander.Spiegel Online: Hurrikan-Saison bricht fünf Rekorde vom 27. November 2008
Stürme Tropischer Sturm Arthur
Am 31. Mai entstand im Golf von Honduras der erste tropische Sturm der atlantischen Hurrikansaison. Das System zog in westlicher Richtung und befand sich bereits zum Zeitpunkt der Aufstufung zum tropischen Sturm über der Halbinsel Yucatán. Trotz der geographischen und zeitlichen Nähe zu dem pazifischen Tropensturm Alma handelte es sich um ein eigenständiges System.
Hurrikan Bertha
→ Hauptartikel: Hurrikan Bertha (2008)
Am 1. Juli löste sich eine tropische Welle von der Küste Westafrikas, die sich am 3. Juli in Verbindung mit einem oberflächennahen Tiefdruckgebiet so weit entwickelt hatte, dass das NHC das System als zweites tropisches Tiefdruckgebiet des Jahres im atlantischen Becken einstufte. Sechs Stunden später wurde das System zum Tropischen Sturm Bertha hochgestuft. Am 7. Juli erreichte Berta als erster Sturm der atlantischen Hurrikansaison 2008 Hurrikanstärke. Die rapide Intensivierung setzte sich fort und am Nachmittag war Bertha mit einem gut ausgebildeten Auge und Windgeschwindigkeiten von 195 km/h zu einem Kategorie-3-Hurrikan geworden. Aufgrund von Windscherung verlor Bertha vorübergehend an Stärke und wurde am 8. Juli in die Kategorie 1 der Saffir-Simpson-Hurrikan-Windskala zurückgestuft. Bertha intensivierte sich jedoch wieder und bildete am 9. Juli erneut ein Auge, woraufhin das NHC den Hurrikan wieder in die Kategorie 2 hochstufte. Am 10. Juli schwächte sich das System, aufgrund einer zyklischen Eyewall-Neubildung, wieder in die Kategorie 1 ab. Nach und nach änderte sich die Zugrichtung Berthas von West auf Nordnordwest. Am 12. Juli verringerte sich südöstlich von Bermuda die Vorwärtsgeschwindigkeit und Bertha verblieb fast stationär, was die Abschwächung zum tropischen Sturm am 13. Juli begünstigte. Aufgrund eines Hochdruckrückens änderte sich die Zugrichtung von Bertha zunächst auf Nordosten und dann nach Südosten, bis der Sturm unter Einfluss der Westwindzone geriet und endgültig eine nordöstliche Richtung einschlug. Am 18. Juli konnte sich Bertha nochmals zu einem Kategorie-1-Hurrikan intensivieren. Die Zuggeschwindigkeit nach Nordosten beschleunigte sich und über kälterem Wasser verlor der Sturm an Stärke. Am 20. Juli erklärte das NHC Bertha für außertropisch.
Tropischer Sturm Cristobal
Am 18. Juli beobachtete das NHC ein Tiefdrucksystem vor der Küste Georgias und South Carolinas und urteilte, dass sich daraus ein tropisches Tiefdruckgebiet bilden könne, weil die Bedingungen in der unmittelbaren Umgebung des Systems für eine weitere Entwicklung günstig waren. Einige Stunden später erklärte das NHC das System zum Tropischen Tiefdruckgebiet Drei und am 19. Juli um 14:00 Uhr Ortszeit (18:00 Uhr UTC) zum Tropischen Sturm Cristobal, als sich das Zentrum des Systems etwa 160 km östlich von Charleston und 365 km südwestlich von Cape Hatteras befand. Das System wanderte parallel zur Atlantikküste von South und North Carolina nach Nordosten.
Hurrikan Dolly
→ Hauptartikel: Hurrikan Dolly (2008)
Am 20. Juli existierte bereits seit mehreren Tagen ein Tiefdruckgebiet in der Karibik, das langsam in westnordwestlicher Richtung zog und es trotz heftiger Winde in der Stärke eines tropischen Sturms und dem Existieren einer ausreichenden Konvektion zunächst nicht schaffte, eine oberflächennahe Zirkulation aufzubauen. Das System wurde durch das NHC am 20. Juli als tropischer Sturm Dolly klassifiziert. Dolly zog am 21. Juli als schwacher, schlecht entwickelter tropischer Sturm über den äußersten Norden der Halbinsel Yucatán hinweg und gelangte im Tagesverlauf in den westlichen Golf von Mexiko. Der Sturm zog dann weiter in Richtung der Grenze zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko nordwestwärts. Am 22. Juli erreichte Dolly Hurrikanstärke und am Tag darauf stellte das NHC andauernde Spitzenwindgeschwindigkeiten von über 155 km/h fest. Das Sturmzentrum zog am 23. Juli gegen 13:00 Uhr Ortszeit mit andauernden Windgeschwindigkeiten von über 155 km pro Stunde über South Padre Island hinweg, der Luftdruck betrug zu diesem Zeitpunkt 965 hPa.
Die Regenfälle verursachten in Guatemala Erdrutsche, denen 17 Personen zum Opfer fielen. In Texas und Mexiko hinterließ der Hurrikan keine Verluste an Menschenleben, verursachte jedoch große Sachschäden. Der Sturm löste sich am 25. Juli über dem Norden Mexikos auf, das Resttief wanderte mit heftigen Regenfällen über New Mexico und den Westen von Texas nordwärts.
Tropischer Sturm Edouard
Im Nordosten des Golfs von Mexiko formierten sich Anfang August Schauer und Gewitter, aus denen am 3. August die fünfte tropische Depression der Saison hervorging. Es verstärkte sich und am 3. August gab das NHC dem System den Namen „Edouard“. Der Sturm zog westwärts die Golfküste entlang und entwickelte sich zu einem starken tropischen Sturm. Am 5. August erreichten die andauernden Winde bei einem Kerndruck von zeitweise 996 hPa Geschwindigkeiten bis etwa 100 km/h, mit Spitzenböen bis etwa 120 km/h. Am Morgen des 5. August überquerte das Sturmzentrum bei Port Arthur die texanische Küste nahe der Grenze zu Louisiana. Dabei gab es überwiegend nur leichte Schäden, zeitweise waren aber bis zu 37.000 Menschen von der Stromversorgung abgeschnitten. Örtlich fielen mehr als 100 mm Niederschlag, aufgrund der vereinzelten Sturzfluten wurden aber keine Personenschäden gemeldet. Am 7. August stellte das NHC fest, dass eine weitere Entwicklung Edouards nicht zu erwarten ist.
Tropischer Sturm Fay