Apfelbaumer Zug war die größte Eisenerzgrube in der Ortsgemeinde Brachbach im Landkreis Altenkirchen in Rheinland-Pfalz.
Geschichte der Grube Apfelbaum
Erste Erwähnung und Anfangsjahre Ihre erste Erwähnung fand die Grube in einer Meldung des Amtes Freusburg an den Altenkirchener Geheimrat Henrich von Griesheim im Jahre 1720:
„!720 martii 6. wurde des Handelsmannes Joh. Valentin Reuschen zu Siegen filius, so in Sachen seines Vater nach Kirchen gehen wollen, ohnweit Brachbach nahe der Ertzgrube Apfelbaum aus dem Hinterhalt schwer angeschossen.“
Im Jahre 1741 berichtet Amtsaktuar Lamprecht von einer Eisenerzgrube „Apfelbaum“. Genauen Aufschluss über genehmigten Eisenerzabbau gibt allerdings erstmals eine statistische Angabe aus dem Jahre 1803. Danach stamme die erste Abbauerlaubnis aus dem Jahre 1794. Der Abbau erfolgte entlang des Gangstreichens in Pingen und Tagesschächten von wenigen Metern Teufe und dauerte nur einige Jahre lang an. Im Jahre 1835 meldete ein aus Mudersbach stammender Johannes Hellinghausen die Grubenfelder „Apfelbaum“, „Apfelbaum Nebengang“, „Kirschenbaum“ und „Fuchs“ bei der Abteilung für das Bergwerks-, Hütten- und Salinenwesen des Finanzministeriums Berlin zur Mutung an. Am 17. Oktober 1836 konsolidierten diese zur „Grube Apfelbaum“. Bis zum 20. Februar 1850 kamen die Felder „Junger Apfelbaum“, „Birnbaum“, „Nußbaum“ und bis zum 26. Februar 1861 die Felder „Neue Fortuna“, „Pflaumenbaum“, „Eichbaum“ und „Tannenbaum“ hinzu. Im Jahr 1861 (andere Quelle: 1841) entschlossen sich die Gewerken der Gruben „Apfelbaum“, „Ecke“ und „Kuhlenwalder Zug“ zur Anlage eines im Siegtal ansetzenden gemeinschaftlichen Grundstollens zur Wasserlösung und Förderung. Die geförderten Erze wurden von der Stollenhalde ausgehend mit Pferdekarren zum Bahnhof Niederschelden transportiert.
Verkauf an Firma Stein Um 1870 wurde die „Grube Consolid. Apfelbaum“ von der Kirchener Industriellenfamilie Stein für 120.000 Taler aufgekauft. In der nachfolgenden Zeit entstanden auf der Halde des Grundstollens die ersten Röstöfen. Ab 1871 entfiel durch die Anlage der Verladestelle Brachbach an der Siegstrecke der umständliche Transport nach Niederschelden. Über eine Schmalspurbahn gelangten die Erze durch den „Buhlenkamp“ und über die sogenannte „Hohe Brücke“ direkt zur Eisenbahn. 246x246px|mini|links|Grundriss der Tagesanlagen am Schacht Apfelbaum Um 1880 entschloss sich die Gewerkschaft Apfelbaum zum Teufen eines Schachtes. Der Ansatzpunkt dafür lag am Nordwesthang des Windhahns, rund 80 Höhenmeter über dem Tal der Sieg. Mit der Gestaltung der Tagesanlagen wurde der Siegener Ingenieur und spätere Reichstagsabgeordnete Heinrich Macco beauftragt. So entstand innerhalb von zwei Jahren ein neues Schachtgebäude mit Maschinen- und Kesselhaus. Ausgestattet mit der zu dieser Zeit modernsten Maschinentechnik (Wasserhaltungs- und Fördermaschine, zwei Dampfkessel und ein Speisewasserreservoir) wurde die Grube „Apfelbaum“ einer der leistungsfähigsten Bergbaubetriebe der näheren Umgebung.
1882 war der Schacht bis zu der in 74 m Teufe liegenden Erbstollensohle geteuft und betriebsfähig. Im Jahre 1884 wurde in 154 m Teufe die 2. Tiefbausohle vorgerichtet und mit der Ausrichtung begonnen. 1890, nur zehn Jahre nach Teufbeginn, hatte der Schacht bereits eine Tiefe von 234 m und die Apfelbaumer Gänge auf der 4. Sohle standen in Abbau. Im Jahre 1896 wurde in einer Teufe von 314 m schließlich die 6. Sohle vorgerichtet. 247x247px|mini|links|Seitenansicht der Tagesanlagen am Schacht Apfelbaum
Aufgrund der unzureichenden Wirtschaftlichkeit des Grubenbetriebs Apfelbaum und der Überlegung, die Förderleistung durch Konsolidation mit den umliegenden Grubenbetrieben Ecke und Kuhlenwalder Zug steigern zu können, ließ der Gewerkschaftsvorsitzende Otto Stein im Jahre 1896 von dem Niederscheldener Steiger Jakob Achenbach Gutachten aller drei Gruben erstellen. Ein weiteres Gutachten wurde bei Ferdinand Lück in Auftrag gegeben, der am 30. März 1896 zu dem Ergebnis kam:
„...daß meines Erachtens keine von den 3 genannten Gruben Apfelbaum, Ecke und Kuhlenwalder Zug einzeln betrieben auf eine den angelegten Capitalien – Ankauf der Grube, Herstellung der Schacht-, Maschinen-, Kessel-, Pumpen-, Halden- und Röstofenanlagen – entsprechende Verzinsung resp. Ausbeute rechnen kann. Der Betrieb wird für jede einzelne Grube zu theuer, da jede für sich den Maschinenschacht abteufen, Füllort brechen, Querschläge hauen und die erforderlichen Maschinen-, Pumpen-, Dampfkessel- sowie Halden- resp. Aufbereitungs- und Röstofenanlagen bauen und unterhalten muß. Auch findet jetzt doppelte Verwaltung, Beaufsichtigung pp. statt, so daß man annehmen kann, daß die Hälfte der gesamten General-Unkosten bei nur einer Tiefbauanlage für die genannten drei Gruben gespart werden könnten.“
Geschichte der Grube Ecke
Anfangsjahre Der Beginn bergmännischer Tätigkeiten beschränkte sich zunächst auf Tagesschächte von geringer Teufe und Pingenbau. Zeugnis darüber gibt das Protokoll einer Verleihung aus dem Jahre 1772. Die an dieser Stelle aus eigenen Mitteln im Nebenerwerb zur Landwirtschaft Bergbau betreibenden Privatpersonen müssen nur unzureichende Einnahmen aus dem dort vorgefundenen Eisenstein erwirtschaftet haben. Anders jedenfalls ist es nicht zu erklären, dass der Abbau schon kurze Zeit später wieder zum Erliegen kam. Ab dem Jahr 1827 waren es Mudersbacher Muther, die in den angeschlagenen Erzgängen eine Chance für sich sahen und so war es der Gewerke Johann Zöller, der das erste Grubenfeld mit dem Namen „Oberste Ecke“ am 29. November 1827 zur Muthung meldete. Am 17. Februar 1829 wurde das Bergwerkseigentum verliehen. Während der Ausrichtungsarbeiten stieß man auf abbauwürdige Gangpartien aus Kobalt. Weil die Abbauerlaubnis lediglich den Abbau von Eisenerz gestattete, wurde beim Finanzministerium in Berlin um Erweiterung dieser für den Abbau auf Kobalt gebeten. Am 20. Februar 1846 wurde der Abbau gestattet. In den nachfolgenden Jahren schlossen sich bis zum 30. Juli 1861 die nachfolgend aufgelisteten Grubenfelder zur „Grube Ecke“ zusammen:
Oberste Ecke (* 17. Februar 1829) Oberste Ecke liegender Nebengang (* 27. Juni 1857) Mittelste Ecke (* 9. August 1847) Unterste Ecke Hauptgang (* 25. August 1841) Unterste Ecke Nebengang (* 7. August 1843) Neue Ecke (* 29. Dezember 1852) Schöne Ecke (* 27. Juni 1857) Hansmichel (* 10. September 1859) Oberster Hansmichel (* 18. Januar 1849) Junger Hansmichel (* 26. Juni 1857) Sauerborn (* 3. Juli 1837) Sauerquelle (* 17. April 1849) Bock (* 10. September 1859) Neue Vereinigung (* 4. September 1860) Michel (* 22. September 1860) Zugabe II (* 22. September 1860)
Geschichte der Verbundgrube Apfelbaumer Zug mini|338x338px|Benzin-Grubenlokomotive der Grube Apfelbaumer Zug Nach langen und zähen Verhandlungen und Streitigkeiten zwischen den Eigentümern der Gruben konsolidierten Apfelbaum, Ecke und Kuhlenwalder Zug am 13. Februar 1897 schließlich zum Bergwerk Apfelbaumer Zug. Rechtsträgerin des Bergwerks wurde die gleichnamige 1000-teilige Gewerkschaft Apfelbaumer Zug. Die 1000 Kuxe befanden sich bei der Gründungsversammlung in Händen von Otto Stein (200), Alfred Stein (200), Dr. Felix Rauschenbusch (200), Friedrich Zöllner (200), Karl Zöllner (100) sowie Gustav Contelle (100). Der Grubenvorstand wurde gebildet durch Steiger Jakob Achenbach und die Gewerken Rauschenbusch und Otto Stein. In der nachfolgenden Zeit wurden, wie im weiteren Verlauf geschildert, erhebliche finanzielle Mittel zur Förderung der betrieblichen Wirtschaftlichkeit aufgebracht. Ab 1897 wurde die 6. Tiefbausohle zur Hauptfördersohle ausgebaut. Unweit des Apfelbaumer Schachtes wurde in Richtung Süden ein ca. 800 m langer Querschlag in Richtung Kuhlenwalder Zug aufgefahren und im Jahre 1903 fertig gestellt. Aufgrund der großen Distanz zwischen den Schächten Kuhlenwald und Apfelbaum entschloss man sich zum Einsatz einer 6-PS-Benzinlokomotive, der vermutlich ersten im Siegerländer Eisenerzbergbau. Betriebsführer Klein beschrieb den Betrieb der Benzinlokomotive wie folgt: links|mini|322x322px|Blick auf Brachbach um 1900 mit den Tagesanlagen der Grube Apfelbaumer Zug (links oben) und der mächtigen Stollenhalde der Langgrube (Bildmitte oberhalb der Kirche)„Die Lokomotive soll die leeren und beladenen Wagen durch den zweigleisigen, 780 m langen Querschlag nach dem Kulnwaldgang und über denselben hinaus im Gangstreichen liegenden, genannten Mitteln (d. s. Kulnwald, Langgrube, Lück, Anton, Junger Anton und Wasserquelle) fallenden Berge- und Eisensteinmengen in Zügen von 12-15 Wagen zum Schacht 1 Apfelbaumerzug bringen. Ein leerer Wagen wiegt 260 kg, Inhalt 650 kg, Lokomotive 2700 kg. Es würde somit ein ganzer Zug ein Gewicht von 16.350 kg wiegen. Die Grubenschienen sind 65 mm hoch, wiegen pro laufend m 7 kg und genügen bei guter Eisenschwellenunterlage für vorstehend angegebenes Gewicht. Spurweite 550 mm, die Förderlängen betragen 780-1400. Wenn die Maschine außer Betrieb gesetzt wird, soll die selbe in einem verschließbaren Raum untergebracht werden. Das Magazin für Benzin beabsichtigen wir, in den Querschlag zu verlegen. Dasselbe soll an beiden Längsseiten ausgemauert, gewölbt und durch eine Tür verschlossen werden. Das Benzin soll faßweise bezogen werden. Auf das Faß wird eine Pumpe gesetzt, welche das Benzin durch einen Gasrohrschlauch in den auf der Lokomotive befindlichen Benzinbehälter pumpt, wodurch jede Gefahr fast ausgeschlossen ist, daß sich jemand mit dem Licht nähern kann.“ Am 24. Oktober 1898 legte Jakob Achenbach ein von der Firma Wippermann in Köln-Kalk ausgearbeitetes Projekt einer „Aufbereitungs-Anstalt“ vor, das in jener Form dann auch zur Ausführung gekommen ist: mini|311x311px|Seilbahn zur Neuen Brachbacher Hütte um 1906 „Die Aufbereitung soll zur Scheidung der Eisenerze vom Thonschiefer, Grauwacke, Quarz etc. dienen und abwechselnd zu rohem und geröstetem Spath benutzt werden. Die Umstellung wird jedenfalls monatlich stattfinden. Die Anstalt besteht aus einer Betriebsmaschine, einer Stabtrommel, 3 Separationstrommeln, einem Lesetisch, einem Becherwerk und einem Walz- oder Quetschwerk. Die Eisensteinförderung aus der Grube wird nicht zerkleinert, sondern läuft direkt über eine Stabtrommel, wo die grobe von der feinen Förderung geschieden wird. Der grobe Eisenstein wird direkt den Röstöfen übergeben, die mittlere Sorte macht den Weg über den Lesetisch, um sortiert zu werden. Das Grubenklein wird durch das Becherwerk hoch gefördert, passiert dann zwei Separationstrommeln, nach welchen es den Setzkästen verschiedener Korngrößen zufällt und gereinigt wird. Die Schlämme gehen in einen Klärsumpf, welcher durch eine Anzahl Wandungen getrennt ist, um eine Klärung der Wasser zu erwirken. Soll die Aufbereitung für Rostspat aus der sog. Ausschlagshalde benutzt werden, so wird dieses Material dem Quetschwerk zugeführt und zerkleinert, durch das Becherwerk hoch gehoben, geht über die Separationstrommeln in die Setzkästen und wird weiter behandelt wie der Rostspath.“
Im Jahre 1899 war die Aufbereitungsanlage fertig gestellt und nahm ihren Betrieb auf. Eine Seilbahn wurde errichtet, die das aufbereitete Erz direkt zur „Neuen Brachbacher Hütte“ transportierte. Jedoch blieb ein wirtschaftliches Arbeiten des Grubenbetriebs trotz aller Bemühungen und Investitionen auch in den folgenden Monaten aus. Finanzielle Schwierigkeiten bewogen die Gewerkschaft Apfelbaumer Zug bereits im August 1899 dazu, den Phönix Eisenwerken und den Rheinischen Stahlwerken die Grube zum Ankauf anzubieten. Doch die Hüttemunternehmer nahmen Abstand davon. Im Frühjahr 1900 schließlich gelang es den Gewerken Stein und Rauschenbusch, ihre Kuxe an die Rheinische Bank AG zu veräußern. In den nachfolgenden drei Jahren war ein permanenter Wechsel im Vorsitz der Gewerkschaft zu beobachten. Auf Gründe dafür wird in den erhaltenen Berichten der Gewerkschaftsversammlungen nicht näher eingegangen.