Der Haflinger ist ein Gebirgspferd, das heute in erster Linie als robustes Freizeitpferd zum Reiten eingesetzt wird. Offiziell zählt der Haflinger zu den Ponyrassen bzw. zu den Endmaßponys oder Kleinpferderassen. Das erste geklonte Pferd, Prometea, ist von dieser Rasse.
Exterieur Farbe mini|Haflinger in Röbel/Müritz Während es anfangs auch Braune und Rappen gab, ist heute nur noch die Fuchsfarbe in Kombination mit dem Gen Flaxen, sogenannte Lichtfüchse vorhanden. Die Fuchsfarbe kommt in allen Variationen von Kohlfuchs bis zum Hellfuchs vor. Die Kohlfuchsfarbe ist jedoch selten.Haflinger Team C. Luber: Unsere Deckhengste, Stand Herbst/Winter 2010 damals auf der Internetseite http://www.kohlfuchshaflinger-luber.de zu finden. Stichelhaar oder „Edelflecken“ sind unerwünscht und können zum Ausschluss aus der Zucht führen. Das Langhaar variiert von Flachsfarben bis weiß, Farbunreinheiten sind unerwünscht und können zum Ausschluss aus der Zucht führen.S. 25.
Häufig werden Bauch und Beininnenseiten durch das Gen Pangaré aufgehellt und es tritt ein Mehlmaul auf. Kopfabzeichen von der Flocke bis zur Blesse sind erlaubt und erwünscht, aber nicht Bedingung. Stärker ausgeprägte Abzeichen, wie beispielsweise eine Laterne, sind unerwünscht und können zum Zuchtausschluss führen. Beinabzeichen sind unerwünscht, ein einzelnes Beinabzeichen bis zu einer halben Schiene wird jedoch nicht negativ beurteilt, während mehrere und größere Beinabzeichen zu Punktabzügen bis hin zum Ausschluss führen können.
Kopf und Körperbau mini|Kopf
Haflinger haben einen relativ kleinen und kurzen sowie edlen und trockenen Kopf mit breiter und langer Stirnpartie. Die Augen sind groß, die Nüstern weit und die Ohren klein und beweglich.S. 24.
Während der Stammhengst Folie 150 cm hoch war und seine zur Zucht verwendeten Söhne eine Widerristhöhe zwischen 139 und 149 cm hatten,S. 7. war der durchschnittliche Haflinger kleiner. Von 1925 bis 1980 lag die Widerristhöhe in allen Untersuchungen durchschnittlich etwa bei 137 cm.S. 22. Inzwischen wurde sie im Welt-Haflinger-Verband durch gezielte Zuchtwahl auf 140 bis 155 cm erhöht. Bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung dürfen Haflinger 138 bis 148 cm groß sein.S. 23, S. 27.
Zuchtziel ist ein gut bemuskelter, jedoch schlanker Hals ohne Unterhals, ein langer Rücken mit guter Gurttiefe und eine kräftige Lendenpartie, Beine mit trockenen Gelenken und hartem Huf, stark gefesselt. Teilweise kommt ein schwach ausgeprägtes Sprunggelenk mit starker Gliedmaßenwinkelung und ein schwarzer Bauch als Fehler vor.
Interieur mini|Haflinger in Südtirol
Haflinger waren auf Hochalmen gezogene Gebirgspferde. Durch ihre Herkunft von kleinen Bergbauernhöfen fand eine Auslese zugunsten der Genügsamkeit statt, sodass Haflinger sehr leichtfuttrig sind.S. 114. Sie galten ursprünglich als spätreif, da ihre Entwicklung durch knappe Fütterung im Winter verzögert wurde und Stuten deshalb das erste Mal mit vier Jahren gedeckt wurden. Inzwischen werden sie gewöhnlich schon mit drei Jahren gedeckt. Im Vergleich zu anderen Rassen haben Haflinger eine besonders lange Zuchtverwendungsdauer: Hengste und Stuten, die im Alter von fünfundzwanzig Jahren noch zur Zucht verwendet werden, sind keine Seltenheit. Außerdem weisen sie eine sehr hohe Fruchtbarkeit auf.S. 91 ff.
Werden sie angemessen behandelt, sind Haflinger sehr leistungsbereit, gutmütig und nervenstark. Außerdem sind sie trittsicher und vielseitig verwendbar.S. 113 f., S. 95 ff.
Zuchtgeschichte mini|Haflinger wurden anfangs als Saumpferde verwendet
Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges Die engere Heimat des Haflingers ist der in Südtirol gelegene Tschögglberg, ein Hochplateau zwischen Etsch und Talfer. Es weist Höhenlagen zwischen 1.500 und 2.000 Metern auf. Viele der dortigen Orte waren damals nur über Saumpfade zu Fuß oder mit Hilfe der einheimischen Pferde erreichbar. Das Heimatgebiet des Haflingers hatte recht karge Futterverhältnisse, was ein kleines, untersetztes und anspruchsloses Gebirgspferd entstehen ließ, das zwischen dem Etsch- und Sarntal anzutreffen war. Staffler beschrieb sie 1847 in seiner Topographie von Tirol und Vorarlberg als „kleine leichtfüßige Pferdchen“, die „besonders ausgezeichnet sind“. Unter den Orten, in denen dieser Landschlag anzutreffen ist, wird auch Hafling, das den Haflingern seinen Namen gab, aufgezählt. Dieser Landschlag wurde durch orientalische und Noriker-Hengste beeinflusst, die im Sarntal aufgestellt wurden.S. 5–7.
1874 wurde in der Ortschaft Schluderns im Vinschgau der Hengst 249 Folie geboren, ein Sohn des halborientalischen Hengstes 133 El Bedavi XXII und einer einheimischen Stute. Im Jahr 1878 wurde 249 Folie durch den Hengstzüchter Rochus Eberhöfer entdeckt und ab 1878 zur Zucht eingesetzt. Die Fohlen waren so vielversprechend, dass das damalige Ackerbauministerium den Auftrag gab, alle guten edlen Fohlen aufzukaufen und die Zucht mit seinen Nachkommen bei den Bauern stark zu subventionieren. Auf drei von Folies Söhnen, nämlich 14 Folie, 37 Laas und liz. 252/233 Hafling gingen schon vor dem Ersten Weltkrieg alle Beschäler der Haflingerzucht zurück.S. 7–9.
Nach dem Ersten Weltkrieg fiel mit der Auflösung der Donaumonarchie Südtirol und damit auch das Sarntal und der Tschögglberg an Italien. Da das nach Abschluss der Decksaison geschah, befanden sich bis auf fünf Hengste alle Vatertiere im steirischen staatlichen Hengstdepot in Österreich, während sich in Italien die Stutengrundlage der Rasse befand.S. 9.
Haflingerzucht in Italien, vor allem Südtirol: Aveligneser Von Italien wurden nach dem Ersten Weltkrieg einige Zuchthengste zugekauft und auf die Deckstationen verteilt, um die Zucht wieder aufzubauen. Aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage exportierte Italien etwa 350 Zuchtstuten nach Bayern und Österreich, sodass in Südtirol 1938 nur noch 168 reingezogene Zuchtstuten vorhanden waren. 1931 erschien der erste Band des Stammbuches der in Südtirol gezüchteten Haflinger, wodurch die Rasse eine Aufwertung erfuhr.S. 9 f.
Nachdem die Zuchtarbeit während des Zweiten Weltkriegs zum Erliegen gekommen war und 1946 wieder aufgenommen worden war, kam es 1947 zur Gründung des Verbands der Südtiroler Haflinger-Pferdezuchtgenossenschaft Alto Adige. Infolgedessen breiteten sich die Haflinger in ganz Italien, vor allem im Apennin und bis Sizilien, aus.Aldo Del Monte: Das Haflingerpferd und die Pferdesprungstationen in den Berggemeinden des Appenins. In: Alpenzeitung, 12. Juli 1928, S. 6 (Digitalisat). Die Hengste, die sich in Besitz der Genossenschaft befanden, wurden je nach Bedarf in den unterschiedlichen Landesteilen eingesetzt.S. 10.
Einige Autoren betrachteten den italienischen Haflinger unter der Bezeichnung Aveligneser als eigenständige Rasse.Bonnie L. Hendricks und Anthony A. Dent: International Encyclopedia of Horse Breeds. Univ. of Oklahoma Pr. (2007) ISBN 978-0-8061-3884-8, S. 55 f. Da der Italienische Verband der Haflingerzüchter (ANACRHAI – Associazione Nazionale Allevatori Cavalli di Razza Haflinger Italia) inzwischen Mitglied der Welt Haflinger Vereinigung ist, muss diese Ansicht als veraltet gelten.
1984 umfasste der Zuchttierbestand in Südtirol etwa 2000 Haflingerstuten und 28 Hengste. Jedoch waren 1/3 der Stuten nicht reinrassig. In ganz Italien gab es 5700 Zuchtstuten und 251 Hengste.S. 10 f. 2007 gab es in Italien etwa 5500 Zuchtstuten mit höchstens 1,57 % Fremdblut und 248 Hengste, der Gesamtbestand lag bei gut 10.000 Haflingern.Il cavallo Haflinger nel paese d’origine, Andrea Nardoni, Auf der Internetseite der Associazione Nazionale Allevatori Cavalli di Razza Haflinger Italia Stand Herbst/Winter 2010.
Herkunft des Namens Der Name Haflinger stammt vom Dorf Hafling in Südtirol. Der Haflinger wurde nach diesem Dorf benannt, der italienische Ausdruck „Avelengneser“ stammt auch von dieser Ortschaft, denn der Faschist Ettore Tolomei benannte Hafling in der Zeit der Italianisierung als Avelengo. Diese beiden Namen blieben dem Pferd bis heute.
Haflingerzucht in Österreich, vor allem Nordtirol mini|Haflinger Deckhengst am Fohlenhof Ebbs
Nach dem Ersten Weltkrieg wählte das Ackerbauministerium das in seinen natürlichen Bedingungen ähnlich gelagerte und dem Ursprungszuchtgebiet benachbarte Nordtirol, um die Haflingerzucht dort neu aufzubauen. Bereits 1919 bezogen die in deutscher Hand verbliebenen Zuchthengste dort ihre neuen Beschälstationen. Neben Huzulen, die zur Verdrängungszucht verwendet werden sollten, wurden 100 original Haflingerstuten aus Italien zugekauft. 1921 wurde dort der erste Zuchtverband gegründet, weitere folgten nach, 1938 bildeten insgesamt zehn Zuchtvereine den Südtiroler Zuchtverband.S. 11.
Ab 1938 stieg die Haflingerzucht sprunghaft an, da die Wehrmacht einen großen Bedarf an Tragtieren hatte und alle verfügbaren Haflinger und haflingerähnlichen Tiere ankaufte. Im Fohlenhof von Zams wurden die Junghengste aufgezogen, die am besten den Ansprüchen der Wehrmacht entsprachen, und deshalb im Alter von vier Jahren daraus vor allem die kleinsten und edelsten Hengste als Zuchthengste ausgesucht. Da diese im Typ und Modell nicht dem klassischen Haflingertyp entsprachen, wurde dies nach Kriegsende als züchterischer Rückschritt betrachtet.S. 11 f.
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs brach der Absatz der Fohlen zusammen, da das Militär nicht mehr so viele Tragtiere benötigte. Deshalb schlossen zuerst der Haflinger Zuchtverein Zams und ab 1947 die anderen Zuchtvereine alle nicht reinrassigen Stuten aus der Zucht aus. 1947 wurde der Fohlenhof Ebbs gegründet, um eine geordnete Hengstaufzucht zu sichern. Im gleichen Jahr und erneut 1958 wurde das Stutenmaterial gesichtet und alle Stuten der Qualitätsklasse IV aus der Zucht ausgeschlossen. Dadurch wurde die Durchschnittsqualität des Stutenbestands deutlich angehoben und Tirol zum Hochzuchtgebiet des Haflingers. Seit 1948 sind etwa 180 Zuchthengste in andere Länder verkauft worden, so dass Österreich die weltweite Haflingerzucht entscheidend beeinflusst hat.S. 12.
1985 gab es in Österreich etwa 5000 Zuchtstuten, etwa 1600 davon standen in Tirol. In Österreich gab es 163 Zuchthengste, 36 davon in Tirol.S. 13.
mini|Haflingerzucht in Westfalen
Haflingerzucht in Deutschland Die ersten Haflingerimporte nach Bayern gab es schon vor dem Ersten Weltkrieg. 1928 importierte der Pferdekaufmann Benedikt Mösl aus Trostberg Südtiroler Haflingerwallache nach Bayern. Diese waren als Trag- und Zugtiere so ideal geeignet, dass Staatsministerium und Zuchtleitung den züchterischen Aufbau der Rasse beschlossen. Bis zum Beginn der staatlichen Förderung der Haflingerzucht waren etwa 80 Stuten vorhanden. 1936 importierte die Wehrmacht 30 Haflingerstuten und stellte sie im Haflinger Gestüt Wiesen bei Oberaudorf auf. Nach dem Anschluss von Österreich an das Deutsche Reich 1938 wurden 168 weitere Stuten aus Österreich und 112 Stuten aus Südtirol nach Bayern importiert.
Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Haflingerzucht für die Zwecke des Militärs massiv gefördert, sowohl durch Ankauf und Aufzucht der Fohlen durch den Staat als auch durch Beihilfen beim Ankauf und Haltung von Zuchtstuten. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs brach der Absatzmarkt wie in Österreich zusammen.
Dennoch hielten diverse Züchter der Rasse die Treue und der Haflinger breitete sich ins gesamte Bundesgebiet aus. 1984 gab es in der BRD etwa 5700 Zuchtstuten und 309 Zuchthengste, davon standen etwa 2500 Stuten und 92 Hengste in Bayern.S. 14.
Die DDR importierte zwischen 1956 und 1961 die ersten 51 Haflinger-Zuchtstuten und 5 Hengste zur Zucht für landwirtschaftliche Zwecke. Als später eher ein vielseitiger Pferdetyp gewünscht wurde, wurden partiell Vollblutaraber eingekreuzt, um die Reitpferdeeigenschaften zu verbessern. 1985 umfasste der Zuchtbestand in der DDR 60 Hengste, 1984 etwa 1700 Stuten, von denen viele einen arabischen Blutanteil hatten.S. 17 ff.