Das Requiem in d-Moll (WAB 39) ist Anton Bruckners Vertonung des lateinischen Requiemtextes, entstanden in den Jahren 1848 und 1849.
Entstehung und Stellung im Gesamtwerk Das Requiem in d-Moll ist eine Vertonung der Missa pro defunctis für gemischten Chor, Gesangssolisten, drei Posaunen, ein Horn, Streicher und Orgel mit Generalbass.Anton Bruckner – Kritische Gesamtausgabe: Requiem, Messen & Te Deum. mwv.at Es von Bruckner zum Gedenken an Franz Sailer, den Sekretär im Stift Sankt Florian, verfasst, der Bruckner ein Bösendorfer Klavier zur Verfügung stellte und es ihm später vererbte.Nowak EditionSt. Florian. anton-bruckner.heimat.eu, mit Informationen zum Verhältnis von Franz Seiler und Anton Bruckner. Das Requiem wurde am 15. September 1849, ein Jahr nach Sailers Tod, im Stift St. Florian uraufgeführt. Eine zweite Aufführung fand am 11. Dezember 1849 im Stift Kremsmünster statt.Cornelis van Zwol: „Anton Bruckner“ Leben und Arbeiten. Thot, Bussum 2012, ISBN 90-686-8590-2, S. 684–685. Die Handschrift befindet sich im Kloster St. Florian.Uwe Harten: Anton Bruckner. Ein Handbuch. Residenz Verlag, Salzburg 1996, ISBN 3-7017-1030-9, S. 349. Bruckner revidierte das Requiem zweimal, 1854 und 1892. Er schenkte die revidierte Partitur Franz Bayer, der das Werk am 4. Dezember 1895 in Steyr anlässlich der Beerdigung des Pfarrers Johann Evangelist Aichinger aufführte. Die Österreichische Nationalbibliothek erwarb die revidierte Partitur 1923 von Bayers Witwe.
Unterteilung Introitus − Andante, d-Moll Sequenz − Allegro, d-Moll Offertorium Domine − Andante, F-Dur Hostias − Adagio, B-Dur: Choral durch geteilte Männerstimmen und Posaunen Quam olim − Con spirito, f-Moll: Doppelte Fuge, endend in F-Dur Sanctus − Andante, d-Moll Benedictus − Andante, B-Dur - ein Solohorn ersetzt die Bassposaune Agnus Dei und Kommunion Agnus Dei − Adagio, d-Moll Requiem − Adagio, d-Moll: Chor a cappella Cum sanctis − Alla breve, d-Moll, endend in D-Dur Gesamtdauer: ca. 37 Minuten
Das Requiem ist höchstwahrscheinlich Bruckners „erste wirklich große Komposition und wahrscheinlich sein erstes bedeutendes Werk“.Keith William Kinder: The Wind and Wind-Chorus Music of Anton Bruckner. Greenwood Press, Westport CT 2000, S. 8. „[Es] ist erstaunlich, was er erreicht hat, besonders wenn wir uns die große Doppelfuge des Quam olim Abrahae ansehen, die mindestens sechs Jahre vor Beginn seiner gründlichen kontrapunktischen Studien bei Simon Sechter geschrieben wurde!“Hans-Hubert Schönzeler: Vier Stücke und Requiem − LP Liner Notes. (PDF; 0,9 MB) abruckner.com, 1970. „Das Requiem war Bruckners erste größere Komposition und auch sein erstes Werk mit Orchester. [Bei der Besprechung 1892] urteilte Bruckner als höchst selbstkritischer Siebzigjähriger über das Werk wie folgt: „Es is’ net schlecht!“ (Es ist nicht schlecht!).“ Das Werk, welches Bruckner als 25-jähriger Organist in Sankt Florian komponierte, steht noch in der Tradition der Wiener Klassik; wie auch die klassischen Requiemvertonungen von Mozart, Kraus und Cherubini steht Bruckners Requiem in d-Moll, wechselt aber im finalen „Lux Perpetua“ nach D-Dur. Es gibt einen deutlichen Einfluss von Mozart im gesamten Werk.
Fassungen und Ausgaben Es gibt drei verschiedene Ausgaben in der Gesamtausgabe: Haas-Ausgabe (1930/1931), zusammen mit der Missa solemnis. Haas fügte viele dynamische Markierungen hinzu, ignorierte aber einige von Bruckners Haarnadeln Nowak-Ausgabe (1966). Nowak korrigierte Haas’ Versäumnisse, behielt aber alte Notenschlüssel für die Gesangsparts beiLeopold Nowak (Hg.): Anton Bruckner: Sämtliche Werke: Band XIV: Requiem d-Moll (1849). Musikwissenschaftlicher Verlag der Internationalen Bruckner-Gesellschaft, Wien 1966. Überarbeitete Ausgabe: Rüdiger Bornhöft (Hrsg.), Wien 1998. (verschiedene C-Schlüssel für Sopran, Alt und Tenor) Rüdiger Bornhöft-Ausgabe (1998). Bornhöft modernisierte den Notenschlüssel (G-Schlüssel für alle außer dem Bass) und korrigierte kleinere Fehler.
Diskografie (Auswahl) Das Requiem bleibt noch etwas im Hintergrund anderer Werke Bruckners. Bei den meisten der rund 20 Aufnahmen handelt es sich um Live-Auftritte, die nicht auf den kommerziellen Markt gebracht wurden.
Laut Hans Roelofs hat Schönzelers LP-Einspielung von 1970, die ein wahres Pionierwerk war, trotz späterer Aufnahmen seinen Status gehalten. Die CD-Einspielung von Matthew Best ist derzeit noch die Referenz. Farnbergers Aufnahme (1997) mit den St. Florianer Sängerknaben, die im Kloster St. Florian aufgenommen wurde, verleiht dem Hörer einen Hauch von Authentizität. Von den neueren Aufnahmen wählt Roelofs Janssens' Aufnahme von 2006 mit dem Laudantes Consort und Susana Acra-Braches Aufnahme von 2010 mit der Grupo Vocal Matisses aus.Kommentierte Diskographie von Bruckners Requiem. abruckner.com
Hans-Hubert Schönzeler, Requiem und Vier Orchesterstücke, Alexandra Choir, London Philharmonic Orchestra, Robert Munns (Orgel) – LP: Unicorn UNS 210, 1970 Hans Michael Beuerle, Requiem in d-Moll, Laubacher Kantorei und Instrumental-Ensemble Werner Keltsch – LP: Cantate 658 231, 1972. Diese LP wurde auf CD übertragen: Klassic Haus KHCD 2011-092, 2011 (mit Psalm 146 von Wolfgang Riedelbauch).Übertragung der historischen LP-Einspielung von Psalm 146 und des Requiems auf CD. klassichaus.us Friedrich Wolf, Anton Bruckner – Requiem, Chor und Orchester St. Augustin, Wien, Martin Haselböck (Orgel) – LP: Philips Fontana 6599 855, 1974Eine Digitalisierung der Aufnahme von Friedrich Wolf ist auf YouTube zu hören: Requiem, Dies irae, Offertorium, Sanctus & Benedictus und Agnus Dei & Communion Herbert Ermert, Anton Bruckner - Requiem d-Moll, Bach-Gemeinschaft Bonn, Siegerland-Orchester, Ludger Lohmann (Orgel) – LP: Aulos FSM-53 552 AUL, 1980 - übertragen auf CD: Aulos AUL 66122 (mit Cherubinis Requiem in d-Moll) Jürgen Jürgens, Anton Bruckner – Music of the St. Florian Period (II), Monteverdi-Chor, Camerata Academica Hamburg, Werner Kaufmann (Orgel), 1985. Diese historische, bisher nicht veröffentlichte Aufführung wurde kürzlich auf CD übertragen: BSVD-0111, 2012 (Bruckner Archiv Produktion) Matthew Best, Bruckner - Requiem, Psalm 112 und Psalm 114, Corydon Singers, English Chamber Orchestra, Thomas Trotter (Orgel) – CD: Hyperion CDA66245, 1987 Franz Farnberger, Anton Bruckner in St. Florian – Requiem und Motetten, St. Florianer Sängerknaben, Instrumentalensemble St. Florian, Andreas Etlinger (Orgel) – CD Studio SM D2639 SM 44, 1997 Guy Janssens, A history of the Requiem – Part III, Laudantes Consort, Benoît Mernier (Orgel) – CD: Cypres CYP 1654, 2006 (mit Maurice Duruflés Requiem) Susana Acra-Brache, Anton Bruckner: Requiem, Ave Maria und Te Deum, Grupo Vocal Matisses und In-Art Orquestra – CD/DVD: Ausgabe des Ensemble Musica Sacra, 2010.The Historic Dominican Concert: Requiem / Ave Maria / Te Deum – CD. Bruckner Society of America.The Dominican Republic Bruckner Concert. abruckner.com Łukasz Borowicz, Anton Bruckner: Requiem, RIAS Kammerchor, Akademie für Alte Musik Berlin – CD: Accentus ACC30474, 2019 – Cohrs-Ausgabe, 2028 – Ausgabe basierend auf der Fassung 1849.
Literatur Robert Haas (Hg.): Anton Bruckner, Sämtliche Werke, Kritische Gesamtausgabe. Band 15: Requiem d-Moll – Missa solemnis b-Moll. Dr. Benno Filsen Verlag, Augsburg / Wien 1930. Leopold Nowak (Hg.): Anton Bruckner: Sämtliche Werke: Band XIV: Requiem d-Moll (1849). Musikwissenschaftlicher Verlag der Internationalen Bruckner-Gesellschaft, Wien 1966. Überarbeitete Ausgabe: Rüdiger Bornhöft (Hrsg.), Wien 1998. Uwe Harten: Anton Bruckner. Ein Handbuch. Residenz Verlag, Salzburg 1996, ISBN 3-7017-1030-9. Keith William Kinder: The Wind and Wind-Chorus Music of Anton Bruckner. Greenwood Press, Westport CT 2000. Cornelis van Zwol: „Anton Bruckner“ Leben und Arbeiten. Thot, Bussum 2012, ISBN 90-686-8590-2.
Weblinks Requiem d-Moll, WAB 39. abruckner.com; Diskografie des Requiems von Hans Roelofs
Live-Aufnahmen bei YouTube: Maija Breiksa, Biberist Contrapunkt Chor (2012): Anton Bruckner – Requiem in d-Moll WAB39. Chen Kuizhu, Taipei Choral Society (2021): A. Bruckner: Requiem in D minor, WAB 39. Akira Harada, TGY Chor (2024): Requiem d-Moll, WAB 39.
Anmerkungen
Bruckner Kategorie:Messe von Anton Bruckner Kategorie:Chorwerk aus dem 19. Jahrhundert Kategorie:Musik 1848 Kategorie:Musik 1849